Kirche von A–Z

 

Von A bis Z - hier finden Sie Informationen zu einzelnen Stichwörtern. Wir sind bemüht, die Liste fortlaufend zu ergänzen und zu aktualisieren.

Juden: Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Auszüge aus Dokumenten der Deutschen Bischofskonferenz

Auszüge aus Dokumenten der Deutschen Bischofskonferenz:

1988 hat die Deutsche Bischofskonferenz aus Anlass des 50. Jahrestages der Novemberpogrome 1938 zusammen mit der Berliner Bischofskonferenz und der Österreichischen Bischofskonferenz das Wort Die Last der Geschichte annehmen publiziert. Hier heißt es u. a.:

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Auszüge aus Dokumenten der Deutschen Bischofskonferenz

Auszüge aus Dokumenten der Deutschen Bischofskonferenz:

1988 hat die Deutsche Bischofskonferenz aus Anlass des 50. Jahrestages der Novemberpogrome 1938 zusammen mit der Berliner Bischofskonferenz und der Österreichischen Bischofskonferenz das Wort Die Last der Geschichte annehmen publiziert. Hier heißt es u. a.:

"3. ,Ihr seid unsere bevorzugten Brüder‘

Die Notwendigkeit, aufeinander einzugehen, stellt sich auch und gerade in der Theologie. Über Jahrhunderte haben Irrtümer, Mißverständnisse und Vorurteile über Glaube und Religion das Verhältnis zwischen Christen und Juden auf beiden Seiten schwer belastet. Hier liegen – neben politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ressentiments – die Quellen des Antijudaismus, der auch unter Katholiken verbreitet war. Diese traditionellen Vorurteile haben die Abwehrkräfte gegen das neue Phänomen des modernen Antisemitismus geschwächt, der die Rasse zum höchsten Prinzip erhob und das zentrale Element der nationalsozialistischen Ideologie wurde. Die Judenvernichtung des ,Dritten Reiches‘ hat uns die eigenen Defizite und Versäumnisse schmerzlich bewußt gemacht. ,Die schrecklichen Verfolgungen, die die Juden in den verschiedenen Geschichtsepochen erlitten haben, haben endlich die Augen geöffnet und die Herzen aufgerüttelt.‘ (Papst Johannes Paul II. am 6. März 1982) Dabei durften wir – beschämt und beschenkt zugleich – das jüdische Volk als das Volk des ersten, nie gekündigten Bundes Gottes mit den Menschen wiederentdecken. Anknüpfend an die Lehre des Konzils sagte Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom am 13. April 1986: ,Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas ,Äußerliches‘, sondern gehört in gewisser Weise zum ,Inneren‘ unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen, wie zu keiner anderen Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder.‘"

(in: Die deutschen Bischöfe, 43)

In der Erklärung Gerechter Friede vom 27. September 2000 findet sich unter der Überschrift "Bewährungsfelder kirchlichen Handelns für den Frieden" ein eigener Abschnitt über das Verhältnis zum Judentum:

"III. 3.1. (184) Unsere Friedensfähigkeit als Christen muss sich vor allem in unserem Verhältnis zu den Juden bewähren. Wir stehen von Gott her in einer einzigartigen Verbindung zu ihnen. Unsere Heiligen Schriften enthalten die jüdische Bibel als ihren ersten großen Teil. So hören wir auf das gleiche Wort Gottes und kommen aus dem gleichen Ursprung. [...] Unsere Bindung an das Judentum ist unaufhebbar bis zum Ende der Zeit. Die Jünger Christi aus den Völkern sind, wie Paulus im Römerbrief sagt, wilde Zweige, die in den alten Ölbaum Israel eingepfropft wurden. Nur an diesem Baum können sie leben. Nicht der Zweig trägt die Wurzel, sondern die Wurzel den Zweig (Röm 11,18). Wir müssen daher den geschichtlichen Weg des Judentums als ein Stück unserer eigenen Geschichte mit Gott begreifen. Wir sollten über diesen Weg in unseren Gemeinden nachdenken und uns fragen, wie wir von ihm her auch selbst Orientierung gewinnen können.

[...] Theologischer Antijudaismus wirkte mit bereits bekanntem Sozialneid und Furcht vor dem Anderen zusammen. Juden konnten nur selten spüren, dass sie von Christen als Geschwister im Glauben geachtet wurden. Der neuzeitliche, auf naturwissenschaftlichen Hypothesen aufbauende rassistische Antisemitismus führte oft zu einer Verschmelzung mit verschiedenen bereits bekannten Aspekten der Judenfeindschaft. Christen sind ihr erlegen und trugen dazu bei, dass die nationalsozialistische Judenverfolgung und der Mord an Millionen Juden (Shoa) möglich wurde. Zu wenige – wie der selige Dompfarrer Bernhard Lichtenberg und Gertrud Luckner oder auch die heilige Edith Stein – widerstanden. Zu wenige waren nach dem Ende der Schreckensherrschaft stark genug, ihre Verstrickung zu erkennen, Schuld zu benennen und ein neues Verhältnis zu den Juden zu suchen.

(186) Wir sind dankbar, dass sich Juden mit Christen in Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit zusammenfinden. Gemeinsam mit jüdischen Partnern stellen sich einzelne Christen wie auch kirchliche Einrichtungen und Gruppen dem Dialog. Wir sehen mit Freude, dass sich im ,Land der Täter‘ nach der Shoa wieder jüdische Gemeinden gebildet haben. Nach 1989 haben zudem Juden aus osteuropäischen Ländern ihre Heimat in Deutschland gesucht. Die Zahl der jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder ist dadurch beträchtlich gestiegen und stellt sie vor große Herausforderungen. Kirchen und Christen sind dazu aufgerufen, aus dem Geist der Geschwisterlichkeit heraus alles zu tun, dass jüdische Menschen Deutschland als ein Land erfahren, in dem sie willkommen sind, ihre jüdische Identität ohne Bedrängnis leben können und ihre innere Verbindung zum Land Israel ohne Infragestellung ihres Bürgerseins in Deutschland respektiert wird. Jede judenfeindliche Äußerung und Handlung sollte unseren Einspruch und Protest erfahren."

(in: Die deutschen Bischöfe, 66)

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Juden: Interview mit Karl Kardinal Lehmann

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Interview mit Karl Kardinal Lehmann

Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz,
im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am 12. November 2003:

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Interview mit Karl Kardinal Lehmann

Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz,
im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am 12. November 2003:


1. Frage:
In der Diskussion um die Rede von Martin Hohmann wurde immer wieder auf eine katholische Prägung seines Welt- und Menschenbildes hingewiesen. Kann es denn überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen christlichem Glauben und Antisemitismus geben?

Antwort:
Hier muss man unterscheiden. Durch die Mitbeteiligung von Juden am Tod Jesu gab es – erste Spuren dafür finden sich im Neuen Testament – eine konflikthaltige Ausgangslage im Verhältnis von Juden und Christen. Der theologisch begründete Antijudaismus hat gewiss manche antisemitischen Tendenzen begünstigt bzw. er wurde dafür auch missbraucht. Es gibt zwischen dem verbindlichen christlichen Glauben und dem Antisemitismus, den es ja schon in der vorchristlichen Antike gibt, keine Gemeinsamkeiten. Im Verhältnis zwischen Juden und Christen haben sich in fast 2000 Jahren Konflikt sowie Streit und Phasen eines neutralen, nicht selten auch friedlichen Nebeneinanders abgelöst. Das Zweite Vatikanische Konzil hat endlich ein sehr deutliches Wort zu allen Formen von Antisemitismus gesprochen. Gerade der jetzige Papst hat dies vielfach bekräftigt, aber auch schon seine Vorgänger. Das Verhältnis zwischen Katholiken und Juden hat sich seitdem weltweit in sehr positiver Weise entwickelt. Dafür gibt es zahlreiche Zeugnisse, auch in unserem Land.
Auch zwischen eher konservativeren Katholiken und Antisemitismus gibt es kein gemeinsames Band. Ich erinnere z.B. nur an Konrad Adenauer und Hermann Josef Abs, die für eine Wiedergutmachung und beginnende Aussöhnung mit Israel hervorragende Verdienste haben.

2. Frage:
Die Katholische Kirche ist seit dem II. Vatikanischen Konzil stark im Dialog zwischen Juden und Christen engagiert. Ist die Rede des Abgeordneten Hohmann ein Alarmzeichen, daß der Antisemitismus allen Bemühungen zum Trotz wieder zunimmt?

Antwort:
Antisemitismus und christlicher Glaube schließen sich, wie schon gesagt, nach dem Verständnis der Katholischen Kirche aus. Diese grundsätzliche Sicht, muss – soweit noch nicht geschehen – Gemeingut aller Christen werden. Der seit dem Konzil geführte Dialog zwischen Christen und Juden führte schon bisher zu mehr Verständnis. Es gibt dazu auch keine Alternative. Dies schließt nicht aus, dass es angesichts einer schwierigen, Jahrhunderte langen Wirkungsgeschichte Verzögerungen und einzelne Rückschläge gibt. Die Entwicklung geht aber in der richtigen Richtung voran.

3. Frage:
Martin Hohmann greift in seiner Rede den Begriff "Tätervolk" auf und sagt: "Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts." Wie bewerten Sie eine solche Zuschreibung?

Antwort:
Ich finde es im letzten Teil des Vortrags von Herrn Hohmann besonders belastend, dass er zwischen dem Bolschewismus, hinter denen er – und dies ist entscheidend - führend die Juden sieht, und dem Nationalsozialismus die Gottlosigkeit als große Gemeinsamkeit erkennt. Dieser Vergleich trifft aus der Perspektive von Herrn Hohmann ganz besonders die Juden. In meinen Augen ist dies eine historisch falsche Konstruktion. Der Christ weiß heute auch, wie sehr Angehörige und Vertreter des christlichen Glaubens in einer großen Verblendung an den Untaten gegen Juden beteiligt waren. Papst Johannes Paul II. hat in den Vergebungsbitten im Heiligen Jahr 2000 eindrucksvoll daran erinnert. Die Begriffe Täter und Opfer sind für die Beschreibung individuellen Verhaltens hilfreich, zur Bezeichnung des Verhaltens ganzer Völker sind sie sinnlos. Die Bezeichnung "Tätervolk" ist in jedem Zusammenhang unsinnig.

4. Frage
Darf es einen christlichen Fundamentalismus geben?

Antwort:
Christentum, rechtsextremes Gedankengut und ein sich darauf beziehender politischer "Fundamentalismus" passen nicht zusammen. Wer diese Grenze im Einzelfall überschreitet, kann sich dafür nicht auf den christlichen Glauben berufen.

5. Frage:
Wir beobachten immer wieder eine Vermischung von religiösen, nationalen und nationalistischen Aussagen. Grenzen sich die Kirchen in diesem Bereich ausreichend ab?

Antwort:
Die Kirche anerkannte schon früh verschiedene Kulturen, Sprachen und auch Nationen. Dies ist etwas ganz anderes als die Übersteigerung in einem Nationalismus. Besonders seit dem II. Vatikanischen Konzil hat die Katholische Kirche sich für jeden sichtbar noch stärker zur Weltkirche entwickelt. Nationalistisches Denken hat im 19. und 20. Jahrhundert oft die Rolle einer Ersatzreligion übernommen. Dies hat immer wieder zu Krieg und Leid geführt. Dies darf sich nicht wiederholen. Das neue Europa ist gerade zur Verhütung solcher Exzesse geschaffen.

6. Frage:
Sehen Sie eine Lösung im "Fall Hohmann"?

Antwort:
Man sollte unabhängig von allen Fragen der Parteidisziplin auf den Kern der Sache kommen. Im Übrigen sind die Ausführungen von Herrn Hohmann widersprüchlich. Vielleicht ist es nicht zu spät, dass er sich endlich ohne Wenn und Aber, eindeutig und unmissverständlich von vielen seiner Aussagen distanziert und sich für die Verletzungen entschuldigt.

Mainz / Berlin, 12.11.2003

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Juden: Worte von Papst Johannes Paul II.

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Worte von Papst Johannes Paul II.

Papst Johannes Paul II. hat bei seiner Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten im Jahr 2000 an mehreren Stellen klare Worte zum Verhältnis Christen und Juden gesprochen:

Juden, Verhältnis der Christen zu den - Worte von Papst Johannes Paul II.

Papst Johannes Paul II. hat bei seiner Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten im Jahr 2000 an mehreren Stellen klare Worte zum Verhältnis Christen und Juden gesprochen:

  • in Yad Vashem in Jerusalem sagte er u. a. (am 23. März):

"Ich bin nach ,Yad Vashem‘ [Ein Denkmal und ein Name] gekommen, um den Millionen Juden die Ehre zu erweisen, denen alles genommen wurde, besonders ihre Würde als Menschen, und die im Holocaust ermordet worden sind. Über ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen, aber die Erinnerung bleibt.
Hier, wie in Auschwitz und an vielen anderen Orten in Europa, sind wir überwältigt vom Widerhall der herzzerreißenden Klage so vieler Menschen. Männer, Frauen und Kinder schreien zu uns auf aus den Tiefen des Gräuels, das sie erfahren mussten. Wie sollten wir ihren Aufschrei nicht hören? Niemand kann das, was damals geschah, vergessen oder ignorieren. Niemand kann die Ausmaße dieser Tragödie schmälern.

2. Wir möchten uns erinnern. Wir möchten uns aber mit einer bestimmten Zielsetzung erinnern, nämlich um zu gewährleisten, dass das Böse nie mehr die Überhand gewinnen wird, so wie es damals für Millionen unschuldiger Opfer des Nazismus der Fall war.
Wie konnte der Mensch eine solche Verachtung des Menschen entwickeln? Weil er den Punkt der Gottesverachtung erreicht hatte. Nur eine gottlose Ideologie konnte die Ausrottung eines ganzen Volkes planen und ausführen.
[...]

3. Juden und Christen teilen ein unermessliches geistliches Erbe, das aus der Selbstoffenbarung Gottes hervorgegangen ist. Unsere religiösen Lehren und unsere geistliche Erfahrung fordern von uns, das Böse mit Gutem zu überwinden. Wir erinnern uns, aber ohne jedes Verlangen nach Rache oder als Ansporn zum Hass. Für uns bedeutet Erinnerung, für Frieden und Gerechtigkeit zu beten und uns dieser Sache zu verpflichten. Nur eine Welt im Frieden mit Gerechtigkeit für alle kann eine Wiederholung der Verfehlungen und grauenvollen Verbrechen der Vergangenheit verhindern.
Als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus versichere ich dem jüdischen Volk, dass die katholische Kirche – vom Gebot des Evangeliums zur Wahrheit und Liebe und nicht von politischen Überlegungen motiviert – zutiefst betrübt ist über den Hass, die Taten von Verfolgungen und die anti-semitischen Ausschreitungen von Christen gegen die Juden, zu welcher Zeit und an welchem Ort auch immer. Die Kirche verwirft jede Form von Rassismus als ein Leugnen des Abbildes des Schöpfers, das jedem Menschenwesen innewohnt (vgl. Gen 1,26)."

  • seine Vergebungsbitte an der Klagemauer (am 26. März):

",Gott unserer Väter, du hast
Abraham und seine Nachkommen
auserwählt, deinen Namen zu den
Völkern zu tragen. Wir sind zutiefst
betrübt über das Verhalten aller, die im
Laufe der Geschichte deine Söhne
und Töchter leiden ließen. Wir bitten
um Verzeihung und wollen uns dafür
einsetzen, dass echte Brüderlichkeit
herrsche mit dem Volk des Bundes.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.‘

Jerusalem, 26. März 2000" 

(in: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 145)

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