Glossar Heiliges Jahr

ABLASS

Christen glauben daran, dass Gott die Sünden vergibt. Im Letzten kann nur er wirklich Sünde und Schuld vergeben. Mit seiner Vergebung ist weggenommen, was für Gottes Ewigkeit gilt (die „ewigen Sündenstrafen“). Es bleiben jedoch Spuren und Folgen der Sünde zurück. Damit hat ein Christenmensch 1. zu seinen Lebzeiten zu tun, 2. lehrt das katholische Glaubensbewusstsein, dass der Mensch nach dem Tod einen „Reinigungs- oder Läuterungsprozess“ (Fegefeuer) nötig hat.

Mit dem Ablass arbeiten Menschen in Bußgesinnung und Demut vor Gott und den Menschen an den zeitlichen Folgen. Die kirchliche Gemeinschaft, besonders die Heiligen, unterstützen uns dabei in ihrem Gebet und ihrer Fürbitte. (Ein „vollkommener Ablass“ soll besondere Kraft haben. Er soll „alles“ gut machen. Ein „unvollkommener Ablass“ hat geringere Bedeutung. Diese Aufteilung ist heute schwer verständlich und unglücklich. Sie erklärt sich aus der alten kirchlichen Bußpraxis, bei der dem Sünder nach der Beichte bestimmte Bußzeiten, zum Beispiel 30 Tage, auferlegt wurden.)

Ein Ablass setzt immer Bußgesinnung und Bußgebet sowie Beichte und Eucharistie voraus. Zum Ablass gehören dann die Bußwerke (entsprechende Gebete oder gute Werke). Gebete sind besonders das ‚Vaterunser‘, das ‚Glaubensbekenntnis‘ und das ‚Gegrüßet seist du Maria‘. Als Werke für das Jubiläumsjahr werden viele Möglichkeiten benannt. Die Gläubigen können den Ablass erlangen, „wenn sie für eine angemessene Zeit Brüder und Schwestern, die sich in Not oder Schwierigkeiten befinden (Kranke, Gefangene, einsame alte Menschen, Behinderte usw.), besuchen, dabei gleichsam zu Christus pilgern, der in diesen Menschen gegenwärtig ist (vgl. Mt 25,34-36)“. Man kann den Ablass „auch durch Unternehmungen erlangen, welche die Bußgesinnung, die gleichsam die Seele des Jubiläums ist, konkret und hochherzig in die Tat umsetzen.

Den Ablass kann der Einzelne für sich persönlich erlangen, er kann ihn aber auch besonders anderen Menschen, nicht zuletzt den Verstorbenen, zuwenden. Um Missbräuche auszuschließen, kann er nur einmal am Tag erlangen werden.

Der Ablass ist also ein Akt kirchlicher Solidarität und Fürbitte. Die Kirche schenkt uns ihr Gebet („Gebetsschatz der Kirche“). Der Ablass ist nie mit einem Werk verbunden, durch das wir uns selber vor Gott rechtfertigen können. Die Werke sind immer ein Geschenk seiner Gnade, eine Frucht des Glaubens und der Liebe. Der Ablass stellt etwas Konkretes, Sichtbares, Greifbares dar und kommt damit menschlichem Empfinden entgegen. Er zeigt, dass der Glaube nicht nur eine innere Angelegenheit ist, sondern mit dem wirklichen Leben zu tun hat.

ANNO SANTO

Der Begriff „Anno Santo“ bzw. → Heiliges Jahr taucht erstmals in einem aus Rom überlieferten Brief zum Jubeljahr 1400 auf, in dem es heißt: „Zu diesem Verzeihen des Heiligen Jahres kommen unendlich viele Leute...“. Der Begriff setzt sich in den folgenden Heiligen Jahren durch, allerdings blieb gleichzeitig der Terminus → Jubeljahr erhalten.

APOSTELGRÄBER

Die Verkündigungs- bzw. Einberufungsbulle zum ersten Heiligen Jahr 1300 verband den Besuch des Pilgers im Petersdom und in der Basilika San Paolo fuori le mura, um beiden Apostelfürsten, Petrus und Paulus, im Heiligen Jahr als Pilger die Ehre zu erweisen. In der Bulle wurde angeordnet, dass die Römer die Apostelgräber 30-mal innerhalb von 30 Tagen, die Besucher von außen die heiligen Stätten 15-mal innerhalb von 15 Tagen besuchen müssen, um den Jubiläumsablass zu erwerben. Erstmals wurde der Hinweis auf den Begriff „ad limina apostolorum Petri et Pauli“ in der Einberufungsbulle für das Heilige Jahr 1450 unter Nikolaus V. erwähnt.

AUßERORDENTLICHES HEILIGES JAHR

Neben dem mehrfach veränderten Rhythmus → Heiliger Jahre berief Pius XI. zum 1900. Todestag Christi 1933 ein außerordentliches Heiliges Jahr ein. Dieser Tradition sah sich Johannes Paul II. 1983/84 verpflichtet, als er mit der Bulle „Aperite portas redemptori” vom 6. Januar 1983 das außerordentliche Heilige Jahr anlässlich der 1950-Jahr-Feier des Todes Christi einberief, das am 6. März 1983 begann. Insgesamt gab es bisher 86 außerordentliche und kleinere Heilige Jahre, die teilweise weltweit (65) oder in den Ortskirchen (21) gefeiert wurden und manchmal nur wenige Tage dauerten. Das jetzige Heilige Jahr ist ebenfalls ein außerordentliches Heiliges Jahr.

AVIGNON

Während die Päpste zwischen 1309 und 1377 im französischen Avignon weilten, gab es in Rom eine Initiative, die 1342 eine Abordnung zu Clemens VI. schickte und ihn bat, ein Heiliges Jahr auszurufen. Verbunden war mit diesem Anliegen der nicht ausgesprochene Wunsch, dass der Papst und die Kurie nach Rom zurückkämen. Clemens VI. gab der Bitte statt, allerdings blieb er in Avignon, sodass das Heilige Jahr 1350 in Abwesenheit des Papstes in Rom gefeiert werden musste. Er selbst ließ sich durch einen eigenen Legaten vertreten. Eine ähnliche Situation ergab sich 450 Jahre später, als Pius VII. von den Truppen Napoleons verschleppt wurde, sodass 1800 kein Heiliges Jahr gefeiert werden konnte.

BIANCHI

Bewegung, die zwischen 1400 und 1450 die Heiligen Jahre in Rom geprägt hat: Besonders aus dem südfranzösischen Raum kamen religiöse Fanatiker in weißen Kutten („bianchi”) nach Rom. Zum Heiligen Jahr 1400 sollen sich 120.000 Pilger an diesem Zug beteiligt haben. Religiös kompromisslos pilgerten sie zu den Gräbern der Apostelfürsten, getrieben von einer Stimmung des radikalen Neuaufbruchs. In der Geschichte wird das Heilige Jahr von 1400 auch als „Jubiläum der Weißen” bezeichnet.

BULLE

Der Begriff kommt vom lateinischen Wort „bulla” (= Kapsel), die ein in einer Metallkapsel enthaltenes Siegel bezeichnet. Diese Kapsel wurde dann an ein entsprechendes Dokument gehängt. In der weiteren Entwicklung nutzte man das so entstandene Siegel als Bleistempel. Das älteste Bleisiegel dieser Art ist in einer Zeichnung aus dem Pontifikat von Agapet I. (535/6) erhalten. Später wurde das Blei bei besonders wichtigen Schriftstücken durch Gold und andere Edelmetalle ersetzt. Mit dem 13. Jahrhundert bezeichnete man jene Dokumente, an denen das Siegel hing, als Bulle (im Gegensatz zu den mit Wachs versiegelten päpstlichen Breven). Die Bullen wurden auf unterschiedlichem Material in lateinischer Sprache und während der Jahrhunderte in verschiedenen Schriften (Kurialschrift, französische Minuskel, gotische Kursive etc.) verwendet. Seit 1878 werden Bleibullen nur in seltenen Fällen benutzt, die als solche Schriftstücke bezeichneten Dokumente werden dafür mit roter Tinte und rotem Wachssiegel ausgestattet. Gleichzeitig wurde die Schrift durch moderne Buchstaben ersetzt. Was ursprünglich ein Siegelzeichen war, hat sich heute zu einer päpstlichen Urkunde entwickelt, mit der der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche bzw. als Souverän des Heiligen Stuhls Rechtsakte vollzieht oder – wie mit der ersten Einberufungsbulle unter Bonifaz VIII. 1300 – Heilige Jahre ankündigt bzw. einberuft.

DAUER DES HEILIGEN JAHRES

In der Kirchengeschichte hat es zunächst keine genauen Anweisungen über die Dauer des Heiligen Jahres von exakt einem Jahr gegeben. Erst Paul II. verfügte 1470, dass ein Heiliges Jahr jeweils von einem bis zum nächsten Weihnachtsfest dauern solle. Für das Heilige Jahr 2015 hat Papst Franziskus festgelegt, dass das Heilige Jahr am 8. Dezember 2015 im Petersdom beginne und am 20. November 2016 endet.

GEGENREFORMATION

Durch das Trienter Konzil (1545-1563) konnte die gegenreformatorische Bewegung Fuß fassen und die Kirche von Grund auf erneuern. Glaubenskraft, Spiritualität und Neuaufbruch standen deshalb im Heiligen Jahr 1575 im Vordergrund. Die von einigen Päpsten propagierte Bescheidenheit prägte auch die folgenden Heiligen Jahre.

GNADENJAHR

Das Jubeljahr wird als besonderer Aspekt der Prophetie des Jesaja im Exil des Volkes Israel als Gnadenjahr bezeichnet, wenn es heißt: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe...” (Jes 61,1-2a). Der Prophet nennt die zum Jubeljahr gehörenden Elemente, die in der Verbannung als Hoffnungsvision für ein solches Gnadenjahr genannt werden.

HEILIGES JAHR

Der Begriff Heiliges Jahr meint ein besonderes Jahr der Umkehr und des Pilgerdaseins. Es entwächst der alttestamentlichen Tradition der „Jobeljahre“ (→Jubeljahr), worauf ausdrücklich erstmals die Einberufungsbulle Clemens VI. für das Heilige Jahr 1350 verweist.

HEILIGE PFORTE

Der Brauch der Heiligen Pforte wurde erstmals zum Heiligen Jahr 1400 im Zusammenhang mit der Lateranbasilika erwähnt und später auf die anderen Papstkirchen ausgeweitet. In einem überlieferten Brief aus Rom vom 28. März 1400 heißt es: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und Sündenstrafen nachgelassen. Es ist ein Wunder, das die Menschen erleben ... Wenn du also in das Paradies gelangen willst, dann gelingt das.” Auch unter Martin V. ist die Pforte im Heiligen Jahr 1423 dokumentiert, erst Alexander VI. ließ ein eigenes liturgisches Zeremoniell etablieren. Durch diese Pforte sollen die Pilger die „Schwelle” überschreiten, um sich mit Gott zu versöhnen. Der Gedanke wird später besonders auf das Überschreiten der „Schwelle zu den Apostelgräbern”, ad limina apostolorum, ausgeweitet. Beim dreifachen Hammerschlag zur Öffnung der Pforte wird der Psalmvers Ps 118, 19 f., „Aperite mihi portas justitiae. Haec porta Domini, justi intrabunt in eam. Introibo ad domum tuam“ („Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.“), gesungen. Mit der Öffnung der Heiligen Pforte am 8. Dezember 2015 im Petersdom beginnt das Heilige Jahr, die Schließung am 20. November 2016 kennzeichnet das offizielle Ende. Die Öffnung der Heiligen Pforten an den anderen Patriarchalbasiliken erfolgt mit kurzer zeitlicher Verzögerung.

JUBELJAHR

Im Alten Testament orientierte sich die Erwartung eines Jubeljahres (auch Erlass- oder Befreiungsjahr) – das nach 49 Jahren, also siebenmal sieben Jahre, gefeiert wurde – an der Vorstellung, dass dann jeweils die Geschichte einen neuen Anfang mache. Dabei wurde insbesondere nach Ex 23, 10 f., Lev 25, 1-28 und Dtn 15, 1-6 die Verpflichtung zur Freilassung von Sklaven geregelt. Darauf verwies Johannes Paul II. mit Blick auf das heilige Jahr 2000: „Das Jubeljahr sollte die Gleichheit zwischen allen Söhnen und Töchtern Israels wiederherstellen, indem es den Sippen, die ihren Besitz und sogar die persönliche Freiheit verloren hatten, neue Möglichkeiten eröffnete. Die Reichen hingegen erinnerte das Jubeljahr daran, dass die Zeit gekommen war, wo die israelitischen Sklaven, die ihnen wieder gleich geworden sind, ihre Rechte würden einfordern können.” Das Alte Testament differenzierte dabei in Sabbat- und Jubeljahr. Ersteres wurde alle sieben Jahre begangen, das Jubeljahr fand hingegen jedes 50. Jahr statt (N.B.: Auf diesen zeitlich großen Abstand ist unsere Redensart, das passiert nur alle Jubeljahre, zurückzuführen): „Du sollst sieben Jahreswochen, siebenmal sieben Jahre zählen; die Zeit von sieben Jahreswochen ergibt für dich neunundvierzig Jahre. Im siebten Monat, am zehnten Tag des Monats, sollst du das Signalhorn ertönen lassen; am Versöhnungstag sollt ihr das Horn im ganzen Land ertönen lassen. Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr“ (Lev 25, 8-10). Der Begriff „Jobel” im Alten Testament bezog sich in erster Linie auf den Schall der Schofar-Hörner, die das Jahr einberiefen. Wortverwandtschaften bestehen auch zu den Begriffen Schall, Jubel und Befreiung. In der lateinischen Bibelübersetzung der Vulgata wurde der Begriff mit „Jubiläum” wiedergegeben (annus jubilei).

PATRIARCHALBASILIKEN

Neben den vier großen Papstkirchen (Petersdom, San Giovanni in Laterano, San Paolo fuori le mura, Santa Maria Maggiore → vgl. auch Pilgerkirchen) wird in der Geschichte auch die Kirche San Lorenzo fuori le mura zu den Patriarchalbasiliken gezählt. Außerdem werden in der Tradition auch die beiden Hauptkirchen von Assisi, San Francesco und Santa Maria degli Angeli als Patriarchalbasiliken bezeichnet. In der Geschichte der Heiligen Jahre war zunächst nur der Pilgerbesuch im Petersdom und in San Paolo fuori le mura vorgesehen. Clemens VI. fügte 1350 den Besuch des Lateran und wiederum später Gregor XI. den Besuch von Santa Maria Maggiore hinzu, womit erstmals im Heiligen Jahr 1390 alle vier Patriarchalbasiliken besuchen musste, wer den Ablass erwerben wollte.

PILGERKIRCHEN

Neben den Papstbasiliken werden seit dem Heiligen Jahr 1575 drei weitere Kirchen zu den sogenannten Haupt- bzw. Pilgerkirchen gezählt: San Lorenzo fuori le mura, San Sebastiano und Santa Croce in Gerusalemme. Seit diesem Jahr wurde die Sieben-Kirchen-Wallfahrt üblich. Die Wallfahrt wurde insbesondere durch den hl. Filippo Neri gefördert und sah vor, dass die Pilger innerhalb eines Tages die sieben Pilgerkirchen zu Fuß aufsuchen mussten.

PILGERSTATISTIK

Die Zahlenangaben der Heilig-Jahr-Pilger durch die Jahrhunderte schwanken. 1300 sprechen die Chronisten von 200.000 bis 2 Millionen Pilger. Die erste offizielle Statistik ermittelt für 1925 582.234 Pilger, 1975 besuchte zwischen acht und neun Millionen Pilger die Ewige Stadt. Im Jahr 2000 waren es 25 Millionen Pilger.

PILGERWEGE

Die bisherigen Heiligen Jahre haben die Pilger grundsätzlich und ausschließlich nach Rom eingeladen. Erst Johannes Paul II. hat mit der Einberufungsbulle zum Heiligen Jahr 2000 auch das Heilige Land ausdrücklich als Ort genannt, in dem das Jubiläum gefeiert werden soll. Hinzukommen die einzelnen Aktivitäten und Feierlichkeiten in den Diözesen. In der Tradition bezeichnete der Begriff Pilgerwege die unterschiedlichen Straßen, die nach Rom führten. Insbesondere seit dem Heiligen Jahr 1450 wurden die Pilger im umbrischen Perugia von Begleitern empfangen, die die Menschen sicher nach Rom geleiteten.

REFORMATION

Die reformatorische Bewegung veranlasste Clemens VII. im Heiligen Jahr 1525, ein Verbot zum Kassieren von Opfergeldern zu erlassen, um der allgemeinen Kritik zu begegnen, da insbesondere im Heiligen Jahr 1500 der Opferobolus ungeahnte Ausmaße erreicht hatte.

RHYTHMUS HEILIGER JAHRE

Die Tradition der Heiligen Jahre hat in den ersten beiden Jahrhunderten mehrfach Veränderungen erfahren: 1300 legte Bonifaz VIII. den Rhythmus auf alle 100 Jahre fest, Clemens VI. änderte ihn 1350 auf alle 50 Jahre. Urban VI. verfügte 1389 die Durchführung alle 33 Jahre, weil die Menschen sonst kaum Gelegenheit hätten, bei der niedrigen Lebenserwartung ein Heiliges Jahr zu erleben. Eine Ausnahme war dann das Jubiläumsjahr 1400 aufgrund der Jahrhundertwende. Mit der Bulle „Ineffabilis providentia” vom 19. April 1470 legte Paul II. die Durchführung der Heiligen Jahre auf einen einheitlichen Rhythmus von 25 Jahren fest. Demnach hat es in der Geschichte bisher 25 Heilige Jahre gegeben: 1300 (Bonifaz VIII.), 1350 (Clemens VI.), 1390 (Bonifaz IX.), 1400 (Bonifaz IX.), 1423 (Martin V.), 1450 (Nikolaus V.), 1475 (Sixtus IV.), 1500 (Alexander VI.), 1525 (Clemens VII.), 1550 (Julius III.), 1575 (Gregor XIII.), 1600 (Clemens VIII.), 1625 (Urban VIII.), 1650 (Innozenz X.), 1675 (Clemens X.), 1700 (Innozenz XII.), 1725 (Benedikt XIII.), 1750 (Benedikt XIV.), 1775 (Pius VI.), 1825 (Leo XII.), 1875 (Pius IX.), 1900 (Leo XIII.), 1925 (Pius XI.), 1950 (Pius XII.), 1975 (Paul VI.), 2000 (Papst Johannes Paul II.)

ROMWALLFAHRT

Die Tradition der Romwallfahrt wurde - als Vorläufer des ersten Heiligen Jahres - 1208 durch Innozenz III. aufgegriffen: Er verfügte eine jährlich stattfindende Prozession am zweiten Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn, bei dem das „Schweißtuch der Veronika” feierlich vom Petersdom zur Kirche Santo Spirito in Sassia übertragen wurde. Das Zeigen der Reliquie erhöhte das Pilgeraufkommen und war Anlass für eine Intensität der Romwallfahrt. Traditionell wird der Rompilger als „romei” in den historischen Dokumenten bezeichnet.

SCHISMA

Das Große Abendländische Schisma (1389-1417) sorgte mit seinen sechs Gegenpäpsten für eine außerordentliche Gefährdung der Heilig-Jahr-Idee, da durch die politischen Wirren und unklaren Zuordnungen jener, die zu Rom und zu den Gegenpäpsten hielten, zahlreiche Pilger von der Reise nach Rom abgeschreckt wurden. Die beiden Heiligen Jahre 1390 und 1400 waren daher der Versuch, die Einheit der westlichen Kirche zu unterstreichen.

UNIVERSALCHARAKTER

Die Päpste aller Heiligen Jahre haben die Pilger nach Rom eingeladen (orbis in urbis), erst Pius IX. dehnte Idee und Inhalt des Heiligen Jahres 1875 auf die ganze Welt aus, sodass es auch in den diözesanen Teilkirchen gefeiert werden konnte. Bereits unter Benedikt XIV. wurden zum Heiligen Jahr 1750 alle römischen Kirchen mit in den Pilgergedanken einbezogen. Unter Paul VI. wurde angeordnet, das Heilige Jahr bereits ein Jahr vor dem Heiligen Jahr 1975 in den einzelnen Ortskirchen zu feiern.

VERSÖHNUNG

Der Versöhnungsgedanke wird erstmals für das Heilige Jahr 1475 festgelegt. Bereits in der dafür verfassten Einberufungsbulle Pauls II. vom 19. April 1470 wird das Jahr als „Jubeljahr vollkommenen Sündennachlasses, der Gnade und der Versöhnung des Menschengeschlechts mit unserem gnädigsten Erlöser” bezeichnet.

Autor: Matthias Kopp, Bonn

Alle Rechte vorbehalten © 2016 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254