Sollte dieser Newsletter nicht korrekt dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.
Newsletter 01/2016
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten ist der Kirche seit jeher ein Herzensanliegen. Die hohe Zahl schutzsuchender Menschen, die im vergangenen Jahr nach Deutschland und Europa kamen, hat das Thema jedoch auf besondere Weise in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen und kirchlichen Aufmerksamkeit gerückt. Seit vielen Monaten setzen sich auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Kräfte für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ein.

Sie erfüllen damit den Auftrag, den unser Herr Jesus Christus uns mit auf den Weg gegeben hat, tagtäglich mit Leben: „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25,35) Als Sonderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen danke ich allen Engagierten herzlich und wünsche ihnen für ihren weiteren Einsatz die notwendige Kraft und Zuversicht sowie viele bereichernde Begegnungen.

In meinen zahlreichen Gesprächen mit Menschen, die sich in der kirchlichen Flüchtlingshilfe engagieren, begegnete mir immer wieder der Wunsch nach einer stärkeren überdiözesanen Vernetzung. Diesem Bedürfnis soll unter anderem dieser Newsletter nachkommen, den Sie heute zum ersten Mal erhalten und der künftig alle vier Monate versandt werden soll. Damit lokale Best-Practice-Beispiele auch eine überregionale Wirkung entfalten können, werden wir in jedem Newsletter von gelungenen Projekten der kirchlichen Flüchtlingshilfe berichten. In dieser Ausgabe geht es schwerpunktmäßig um Hilfsangebote im Bereich der psycho-sozialen Begleitung von Flüchtlingen. Auch stellen wir eine Auswahl von Qualifizierungskursen und Fortbildungsangeboten für Ehrenamtliche vor. Über die hier verlinkten Seiten können Sie sich weiter informieren. Der Newsletter versteht sich als Informations- und Vernetzungsplattform und will zugleich auch Impulse für neue Aktivitäten geben.

Wenn Sie uns Anregungen für zukünftige Newsletter-Ausgaben oder ein Feedback zum nun vorliegenden Newsletter zukommen lassen wollen, können Sie sich gerne über die unten angegebene E-Mail-Adresse mit uns in Verbindung setzen.

Mein Arbeitsstab und ich wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Erzbischof Dr. Stefan Heße

Newsletter vom 13. April 2016
Aktivitäten des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen
Katholischer Flüchtlingsgipfel
Erzbischof Dr. Stefan Heße unterstützt das kirchliche Engagement in der Flüchtlingshilfe und trägt zu Austausch und Vernetzung auf überdiözesaner Ebene bei. So wurde im November 2015 der bundesweit erste Katholische Flüchtlingsgipfel veranstaltet, an dem rund 130 Fachleute und Praktiker aus ganz Deutschland teilnahmen. Unter anderem wurde die Frage diskutiert, was die Kirche leisten kann und muss, damit sie ihrer Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen und der gesamten Gesellschaft gerecht wird. Das Treffen ermöglichte einen intensiven Austausch über gute Erfahrungen und künftige Herausforderungen der kirchlichen Flüchtlingshilfe.
Zur Dokumentation
„Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“
Ausgehend von den Ergebnissen des Flüchtlingsgipfels wurden die „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ erarbeitet. Dieses Dokument, das auf der diesjährigen Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz beraten und verabschiedet wurde, bietet Helferinnen und Helfern eine konkrete Orientierung. Mehr Informationen
„Christen aus dem Orient“
Die Kirche steht an der Seite aller notleidenden Menschen. Gleichzeitig wissen wir auch: Die Christinnen und Christen, die in großer Zahl aus den Ländern des Mittleren Ostens fliehen müssen, sind unsere Schwestern und Brüder im Glauben. Meist gehören sie einer der vielen orientalischen Kirchen an, über die man in Deutschland nur wenig weiß. Deshalb hat die Deutsche Bischofskonferenz jetzt die Arbeitshilfe „Christen aus dem Orient. Orientierung über christliche Kirchen im Nahen Osten und Nordafrika und die pastorale Begleitung ihrer Gläubigen in Deutschland“ veröffentlicht. Die Broschüre enthält Hinweise zur pastoralen Begleitung von Christen aus diesen Kirchen und benennt konkrete Ansprechpartner, an die man sich wenden kann, wenn Gläubige auf der Suche nach Kontakt zu einer Gemeinde ihrer Kirche sind. 

Arbeitshilfe „Christen aus dem Orient“ bestellen oder pdf-Datei herunterladen
„Allianz für Weltoffenheit“
Auch in unserer eigenen Kirche unterstützen nicht alle das Engagement für Flüchtlinge und Migranten vorbehaltlos. Das innerkirchliche Gespräch, das Ängste und Befürchtungen aufgreift und überwinden soll und das Kontroversen auszutragen hilft, ist daher von besonderer Bedeutung. Die Kirche vertritt die Anliegen aller benachteiligten Menschen und vergisst die Anliegen der Schwachen in unserer Gesellschaft nicht. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht gegen die Not der Flüchtlinge ausgespielt werden.

Wenn offen Hass gegen Migranten und Flüchtlinge geschürt wird, nehmen wir dies als Christen nicht hin. Es besteht kein Zweifel: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar. Daher hat die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit großen gesellschaftlichen Akteuren eine „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“ ins Leben gerufen.
Mehr Informationen
Politische Positionen zu den Themen Flucht, Migration und Integration
Stellungnahmen des Katholischen Büros Berlin und des Deutschen Caritasverbandes
Die Kirche tritt für die Freiheit und Würde jedes Menschen ein. Dies spiegelt sich sowohl im caritativen als auch im politischen Engagement der Kirche wider. Das Katholische Büro in Berlin verfasst – in enger Zusammenarbeit mit dem Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – regelmäßig juristische Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen im Bereich Migration und Flucht.

In ihrer Stellungnahme zum „Gesetz zur Einführung beschleunigter Asylverfahren“ sehen die Kirchen die Notwendigkeit, Verfahren zu beschleunigen. Gleichzeitig warnen sie davor, dass dies in der Praxis auf Kosten der Fairness der Asylverfahren gehe. Daher sollte generell jeder Asylbewerber – insbesondere die von den nun eingeführten beschleunigten Verfahren betroffenen – Zugang zu einer Verfahrens- und Rechtsberatung haben. Die in diesem Gesetzesentwurf ebenfalls vorgesehene Aussetzung des Familiennachzugs lehnen beide Kirchen ab.
Zur Stellungnahme

In einer weiteren Stellungnahme zum „Gesetzesentwurf zur Bestimmung von Algerien, Marokko und Tunesien als sichere Herkunftsstaaten“ erneuern die Kirchen ihre Kritik an diesem Vorhaben. Im Fall von Algerien, Marokko und Tunesien sei die Sorge berechtigt, dass die Voraussetzungen für die Einstufung als „sicherer Herkunftsstaat“ nicht vollständig gegeben sind.
Zur Stellungnahme 

Auch der Deutsche Caritasverband (DCV) veröffentlicht seine Einschätzungen zu Flüchtlingsfragen und kommentiert politische Entwicklungen bezüglich der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. 

Zu den Stellungnahmen:
Herausforderungen der Flüchtlingsfrage für die Sozialpolitik
Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit optimieren
Verschärfung des Ausweisungsrechts mit nur beschränkter Wirkung

Zur Internetseite:

Referat für Migration und Integration des Deutschen Caritasverbandes
Gut gemacht!
Flüchtlingsinitiativen im Bereich der psycho-sozialen Beratung und Versorgung
Die Kirche und ihre Caritas sind in der aufenthaltsrechtlichen und sozialrechtlichen Beratung aktiv. Zunehmend wird aus den Beratungsdiensten gemeldet, dass die psycho-soziale Begleitung traumatisierter Flüchtlinge immer wichtiger wird. Hier sind Fachleute aus dem Bereich der Psychotherapie und Psychiatrie gefragt. Leider ist die Inanspruchnahme von Diagnose- und Therapiemöglichkeiten im regulären deutschen Gesundheitssystem für Flüchtlinge, die keinen Bleiberechtsstatus haben und unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, fast unmöglich. In den Bistümern gibt es jedoch einige Initiativen, die Flüchtlingen die notwendige psycho-soziale Unterstützung zukommen lassen. Hier finden Sie einige „Best-Practice-Beispiele“ aus dem Bereich der psycho-sozialen Beratung:

Therapiezentrum für Folteropfer, Caritasverband Köln e. V.

OMID – Frühe Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge, Caritasverband Stuttgart
Audio-Beitrag zu diesem Projekt

IN TERRA – Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge, Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e. V.

Jadwiga Fachberatungsstelle, Projekt der ökumenischen gGmbH „STOP dem Frauenhandel“
Videobeitrag zu diesem Projekt

Projekt NUR – Neue UfeR: Psychotherapeutische Angebote für Flüchtlinge und Unterstützung für ehrenamtliche Helfer, Caritasverband Erzbistum München und Freising

Heilpädagogische Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Caritas, Salesianer Don Boscos und Berufsbildungswerk Würzburg
Im Dialog
Aus Fremden werden Freunde
„Man kann frei entscheiden, was man machen möchte, das ist sehr gut an Deutschland!“ Diese Antwort bekomme ich, als ich meinen Freund Mamo (23 Jahre) aus Syrien danach frage, was ihm bisher an Deutschland am besten gefällt. Mamo wohnt seit August 2015 in der Wohngemeinschaft meines Bruders und gehört seitdem auch zu meinem Freundeskreis. Bei unserem Gespräch in einem Café in der Regensburger Altstadt stellen wir fest, dass wir ähnliche Dinge an Deutschland schätzen: die Möglichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen, die Hilfsbereitschaft von sehr vielen Menschen und vor allem das Zusammensein mit unseren Freunden. Auf meine nächste Frage, was denn in Syrien kulturell besonders sei, bekomme ich zur Antwort: „Nachbarschaft funktioniert bei uns ganz anders. Alle Frauen und Kinder kommen zusammen, kochen und reden, kaufen füreinander ein und sind immer zusammen. Es kennen sich in der Straße alle.“ Es sind Schilderungen wie diese, die uns helfen können, voneinander zu lernen. So können wir auf dem Weg der Integration die richtigen Schritte nach und nach gemeinsam gehen.

Autorin: Lisa Singer, Mitglied im Vorstand von CampusAsyl e. V. aus Regensburg
Veranstaltungstipps und Informationen
Angebote für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer
Die deutschen Bischöfe möchten allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern herzlich danken: Mit ihrem Einsatz geben sie der kirchlichen Flüchtlingshilfe ein Gesicht. Ihre vielfältigen Aktivitäten spenden Trost, geben Hoffnung und lassen Vertrauen wachsen. Gleichzeitig sehen sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer vor große Herausforderungen gestellt: Die Grenzen der eigenen Handlungsmöglichkeiten, sprachliche und kulturelle Verständigungsprobleme, rechtliche und administrative Hürden, die Konfrontation mit den Leidenswegen der schutzsuchenden Menschen – dies alles kann zur Belastungsprobe werden. Daher ist es wichtig, dass die Helferinnen und Helfer Unterstützung durch kompetente Ansprechpartner erfahren und sich in entsprechenden Schulungen fortbilden können. Auswahl von Fortbildungsangeboten für Ehrenamtliche:
  • Kursangebot Flüchtlingsseelsorge – Eine Weiterbildung in sechs Modulen. Ein Kooperationsprojekt des Bistums Magdeburg, des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg e. V., der Katholischen Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt e. V. und des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e. V. Mehr Informationen
  • Ausbildung für freiwillige Sprachhelfer: Ehrenamtliche lernen Methoden, um Flüchtlingen und Asylsuchenden vor Beginn der offiziellen Integrations- und Sprachkurse, eine Einführung in die deutsche Sprache zu ermöglichen. Ein Projekt von drei Lehrern der Pfarrei Seliger Johannes Prassek in Hamburg-Farmsen. Mehr Informationen
  • Fortbildung „Mehr als eine Zahl – Flucht und Flüchtlingen ein Gesicht geben“, Jugendpastoralinstitut Benediktbeuern. Mehr Informationen
  • Qualifizierungsmodule für ehrenamtliche Vormünder im Flüchtlingsbereich in Sachsen-Anhalt, refugium e. V. Mehr Informationen
  • Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche der Aktion Neue Nachbarn im Erzbistum Köln. Mehr Informationen
  • „Helfen wollen – Helfen können. Eine Schulung für Freiwillige in der Flüchtlingsarbeit in fünf Modulen“, Bistum Trier. Mehr Informationen
  • Flüchtlinge begleiten. Informationen für Ehrenamtliche und Hauptamtliche in Baden-Württemberg. Eine Handreichung und Arbeitshilfe. Mehr Informationen
  • Flüchtlinge und Asylbewerber begleiten und unterstützen. Informationen, Fakten und Hilfsmöglichkeiten für Pfarrgemeinden, Ehrenamtliche und Helferkreise. Handreichung des Erzbistums München und Freising und des Caritasverbandes des Erzbistums München und Freising e.V. Mehr Informationen
Gebetsimpuls
Barmherzigkeit – ganz konkret
Im Frankfurter Hauptbahnhof steht eine Hinweistafel für Flüchtlinge in arabischer Schrift. Was mag dieses Schild für Menschen bedeuten, die nach langer Flucht als Fremde hier ankommen? Sicherlich empfinden es viele als Willkommensgeste, die hilfreicher ist als die große Leuchtreklame einer Versicherungsgruppe in der Bahnhofshalle, die Sicherheit verspricht, allerdings nur für ihre Kunden. Die auffällige blaue Tafel ist ein Zeichen von Solidarität, vielleicht auch ein Akt von Barmherzigkeit. Papst Franziskus lädt im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit besonders dazu ein: „Es gibt Augenblicke, in denen wir aufgerufen sind, in ganz besonderer Weise den Blick auf die Barmherzigkeit zu richten und dabei selbst zum wirkungsvollen Zeichen des Handelns des Vaters zu werden.“ (Misericordiae vultus 3)

Die Not der Flüchtlinge ruft in der aktuellen Situation ganz sicher dazu auf: Angefangen von kleinen Gesten wie dem Hinweisschild am Bahnhof, über freiwilliges Engagement bis hin zu professioneller Sorge um passende Lebensbedingungen vor Ort. Auch das Gebet für Notleidende und das Eintreten für die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen sind ein Zeugnis der christlichen Botschaft. „Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe.“ (Misericordiae vultus 10)

Die Flüchtlinge geben uns die Gelegenheit zu solchem Handeln – ganz konkret.

Pater Josef Grünner SDB
In eigener Sache
Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben nun die erste Ausgabe 2016 des Newsletters des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen gelesen. Wir bedanken uns sehr für Ihr Interesse. Falls Sie weitere Personen auf diesen Newsletter aufmerksam machen möchten, können Sie gerne auf die Internetseite zur Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche hinweisen. Dort können sich Interessierte unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de für den Newsletter eintragen. Für den Fall, dass Sie diesen Newsletter in Zukunft nicht erhalten möchten, können Sie sich an dieser Stelle abmelden.

Aktuelle Informationen rund um die Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche finden Sie unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de.

Sollten Sie Anregungen für die inhaltliche Gestaltung des Newsletters haben, erreichen Sie die Redaktion per E-Mail unter newsletter-fluechtlingshilfe@dbk.de.
Kontakt | Impressum | Newsletter abmelden www.dbk.de
Alle Rechte vorbehalten © 2017 Deutsche Bischofskonferenz
Sollte dieser Newsletter nicht korrekt dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.