Ordensgemeinschaften

Entstehung und Vielfalt der Orden

© Abt Hermann-Josef Kugler O.Praem

Seit den Anfängen des Christentums gibt es Frauen und Männer, die nach dem Beispiel Jesu Christi leben und so der Verkündigung seines Evangeliums dienen wollen. Sie schließen sich zu Frauen- oder Männergemeinschaften zusammen, um ihrer Nachfolge Rückhalt und Glaubwürdigkeit und ihrem Dienst Nachhaltigkeit zu verleihen. Seit dem hohen Mittelalter ist es üblich, diese Lebensform mit den drei so genannten evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit um des Reich Gottes willen und Gehorsam zu charakterisieren.

Im Laufe der Kirchengeschichte haben sich sehr unterschiedliche Gemeinschaften von Frauen und Männern herausgebildet, die heute unter der Sammelbezeichnung „Ordensgemeinschaften“ zusammengefasst werden. Gemeinsame Strukturelemente bilden

  • das Leben in Gemeinschaft (communio),
  • die Bindung an Gott und die Gemeinschaft durch Gelübde (consecratio)
  • und eine Sendung zum Dienst in der Kirche und an den Menschen (missio).

Die evangelischen Räte stellen grundlegende Werte oder Tugenden des Ordenslebens dar und prägen als solche die Lebenshaltung, den Lebensstil und das Engagement von Ordensleuten. Solidarisch mit allen Menschen verstehen sie Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam als prophetisches Zeichen für das Anbrechen des Reiches Gottes. Die Entscheidung für ein Leben gemäß diesen Prinzipien ist zugleich von Freiwilligkeit und Verbindlichkeit geprägt.

 

© DOK (Arnulf Salmen)

Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben und Dienste entwickelten sich die Orden vielgestaltig. Es entstanden Predigerorden, Schulorden, Krankenpflegeorden, Seelsorge- und Missionsgemeinschaften und viele andere. Die monastischen und kontemplativen Orden widmen sich vornehmlich dem Gotteslob, Gebet und der Gastfreundschaft. Gesellschaftliche und kirchliche Umbrüche trugen in vielen Orden zu einem Wandel in ihren Tätigkeiten und Aufgaben bei.

Heute differenzieren sich die Ordensgemeinschaften eher in den Formen ihres Gemeinschaftslebens. Die Bandbreite reicht hier von einer ideellen Verbundenheit und gelegentlichen Zusammenkünften der verstreut lebenden Mitglieder über kleinere Wohngruppen mit Berufstätigkeit an unterschiedlichen Stellen bis hin zu großen Konventen, bei denen die Ordensleute unter einem Dach leben, beten und arbeiten. Der gemeinsame und geistliche Lebensstil kann entsprechend den Lebensumständen der einzelnen und der Gemeinschaften gleichfalls erhebliche Unterschiede aufweisen.

Die Ordensgemeinschaften sind missionarischer, prophetischer und kontemplativer Teil der Kirche und prägen sie durch ihre Vielfalt.

 

Säkularinstitute

Heute verwischen vielfach die Unterschiede zwischen manchen Ordensgemeinschaften und den so genannten Säkularinstituten. Die Säkularinstitute oder Weltgemeinschaften erhielten 1947 durch Papst Pius XII. ihre kirchenrechtliche Grundlage. Im Unterschied zu den Ordensgemeinschaften leben die Mitglieder von Säkularinstituten „mitten in der Welt“ ihre Weihe und Sendung, ohne Klausur und Ordenskleid. Heute gibt es einerseits Säkularinstitute, die ordensähnlich unter einem Dach leben und gemeinsame Aufgaben unterhalten, und andererseits Ordensgemeinschaften, die ohne Klausur und Ordenskleid unterschiedlichen Berufstätigkeiten nachgehen. Gemeinsam ist ihnen die Verpflichtung zu einem Leben nach den evangelischen Räten in Verbundenheit mit Gott (consecratio) und der Gemeinschaft (communio) und im Dienst an den Menschen (missio).
In anderen Ländern werden die Lebensformen der Orden und Säkularinstitute unter dem Begriff vita consecrata, vie consacrée, vida consagrada, consecrated life zusammengefasst. Eine entsprechende Sammelbezeichnung hat sich im deutschen Sprachraum nicht eingebürgert, so dass hier unter „Orden“ vielfach auch die Säkularinstitute mitgemeint sind. Des Weiteren gehören zur Vita consecrata die singulären Lebensformen der Eremitinnen und Eremiten sowie der geweihten Jungfrauen.

Lesetipps zum Thema

  • Beitrag von Dr. Claudia Kunz, Referentin im Bereich Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz, abgedruckt in: "Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim", 04/2006, 57. Jg., hrsg. vom Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes, Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland, SS. 68-71).
  • Katholische Orden und Kommunitäten heute (pdf-Datei,  162 kB)
  • Weitere Informationen zum Ordensleben, zu einzelnen Ordensgemeinschaften, zum Kennenlernen von Ordensgemeinschaften sowie zur Aufnahme in eine Gemeinschaft finden Sie auf der Internetseite der Orden in Deutschland.
  • Mehr Informationen zu den Säkularinstituten finden Sie unter www.saekularinstitute.de und www.kath.ch/agsi.
  • Wie viele Ordenspriester gibt es in Deutschland? Eine Antwort finden Sie in der Rubrik Zahlen und Fakten

Viele Ordensgemeinschaften und Säkularinstitute befinden sich heute in einem Prozess der Erneuerung. Grundlegende Texte auch zur Erneuerung des Ordenslebens wurden auf dem II. Vatikanischen Konzil, in der Würzburger Synode und im Anschluss an die Bischofssynode 1994 über das geweihte Leben in Rom formuliert. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Dokumente:

Heutige Fragen des Ordenslebens

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung 2005 in einem Studientag unter dem Thema „Entwicklung und gegenwärtige Sendung der Gemeinschaften des geweihten Lebens“ mit aktuellen Fragen des Ordenslebens und der Ordensgemeinschaften befasst. Die Bischöfe haben im Anschluss an diesen Studientag einen Folgeprozess initiiert, in dem es um die Entwicklung und Pflege des Miteinanders von Gemeinden und Gemeinschaften des geweihten Lebens, von gemeinsamen pastoralen und karitativen Initiativen in der Kirche in Deutschland geht, damit das Evangelium von Jesus Christus und die Einladung zum Glauben viele Menschen unserer Zeit erreichen kann.Vier Stichworte leiteten die Diskussion und bildeten zugleich die Themen von vier Fachgesprächen zwischen Bischöfen und Fachleuten aus den Orden und Gemeinschaften:

  1. „Orden und Ortskirche“,
  2. „Dienst an der Heiligkeit aller im Gottesvolk“,
  3. die „sozial-karitativen Einrichtungen der Orden“,
  4. „Berufungspastoral“.


In den Fachgesprächen wurden konkrete Probleme erörtert und Vorschläge erarbeitet, wie Austausch und Zusammenarbeit in den verschiedenen Feldern der Seelsorge, der Caritas und der Bildung einer Diözese gefördert werden können.

Einen Höhepunkt des Gesprächsprozesses bildete am 1. Februar 2007 ein Zukunftsgespräch zwischen Bischöfen und Gemeinschaften des geweihten Lebens in Würzburg, das unter dem Thema "Gemeinsam dem Evangelium dienen" stand. Rund 140 Bischöfe und Ordensleute waren der Einladung der Deutschen Bischofskonferenz gefolgt und berieten über Perspektiven und konkrete Formen der Zusammenarbeit zwischen den Orden, Gemeinschaften, Bistümern und Gruppen.

Pressemeldung sowie weitere Informationen zum Zukunftsgespräch am 01.02.2007

Weitere Veröffentlichungen der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema:

"Gemeinsam dem Evangelium dienen". Die Gemeinschaften des geweihten Lebens in unserer Kirche (Die deutschen Bischöfe Nr. 86) (pdf-Datei, 189 kB)

Berufung und Sendung der Gemeinschaften des geweihten Lebens in der Kirche heute. Arbeitshilfen zum Wort der deutschen Bischöfe „Gemeinsam dem Evangelium dienen“ (Arbeitshilfen Nr. 211) (pdf-Datei, 388 kB)

Im Juni 2006 ist eine weitere Arbeitshilfe zu aktuellen Fragen und Themen des Ordenslebens in der Reihe Arbeitshilfen (Nr. 201) erschienen: „Leidenschaft für Christus – Leidenschaft für die Menschen. Ordensleben am Beginn des 21. Jahrhunderts“ 

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