Ökumene

Die „Ökumene“ – häufig in aller Munde und gleichzeitig bleibende Herausforderung an alle Christen. Was genau ist damit gemeint?

Wortherkunft

Treffen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (r.) und des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland, Nikolaus Schneider am 28. März 2014 in Berlin. © KNA/Gabbert

Das Wort „Ökumene“ kommt aus dem Griechischen und meint ursprünglich „die bewohnte Erde“. Als sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten und darüber hinaus immer mehr ausbreitete, bekam „Ökumene“ die Bedeutung „zur Kirche als ganzer gehörig“ bzw. “allgemeine kirchliche Gültigkeit besitzend“. Heute wird der Begriff in erster Linie durch die Entwicklung und das Selbstverständnis der Ökumenischen Bewegung bestimmt. Ihr geht es vor allem um drei Dinge:

  • die weltweite Einheit der Christen
  • den universalen Dienst der Christen an der Welt und
  • das Bemühen der Christenheit um die Einheit der Menschheit.

 

Was versteht die katholische Kirche unter „Ökumenischer Bewegung“?

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) hat in seinem Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio“ die Ökumenische Bewegung als „Tätigkeiten und Unternehmungen, die je nach den verschiedenartigen Bedürfnissen der Kirche und nach Möglichkeit der Zeitverhältnisse zur Förderung der Einheit der Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind“, definiert.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, führt die katholische Kirche auf nationaler und internationaler Ebene eine Vielzahl von Dialogen mit den verschiedenen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Das Zweite Vatikanische Konzil nannte es eine seiner Hauptaufgaben, „die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen“ und gab dies den katholischen Gläubigen als bleibende Aufgabe. Das Konzil fand damit in Deutschland offene Ohren, wo die gemeinsame Bedrängnis unter den Nationalsozialisten dazu beigetragen hatte, dass Christen aus unterschiedlichen Konfessionen ihre Nähe entdeckten.

 

Geschichte der Ökumene in Deutschland

1957: der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger gründet das „Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik“. Eine seiner Hauptaufgaben ist bis heute die Förderung der Ökumene mit dem Ziel einer künftigen Einheit in der Wahrheit und in der Liebe.

1960: Papst Johannes XXIII. gründet im Vatikan das „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen“. Es trug entscheidend zur ökumenischen Ausrichtung des Konzils bei.

1971–1975: Die „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ in Würzburg überträgt das Zweite Vatikanische Konzil auf die Kirche in Deutschland. Sie betont die historische Verantwortung der Katholiken im Land der Reformation, die Zerrissenheit zu überwinden.

1973–1975: Die Pastoralsynode in der damaligen DDR nimmt das Konzilsdekret über den Ökumenismus auf und empfiehlt den katholischen Gemeinden den Dialog, gemeinsame Aktivitäten und Gottesdienste mit den Christen anderer Konfessionen.

1980 und 1987: Die Besuche von Papst Johannes Paul II. in Deutschland geben der Ökumene entscheidende Impulse. Die Begegnung des Papstes mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im November 1980 in Mainz hat zur Folge, dass Bischofskonferenz und EKD zusammen mit dem vatikanischen Sekretariat für die Einheit der Christen eine Gemeinsame Ökumenische Kommission einrichten. Bereits 1981 veröffentlicht das Gremium ein Gemeinsames Wort zum Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, dem später Erklärungen über die Feier des Sonntags und zur konfessionsverschiedenen Ehe folgen. Die inzwischen erreichte Nähe wird deutlich beim ökumenischen Gottesdienst, den Papst Johannes Paul II. mit dem damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Kruse, dem bayerischen Landesbischof Hanselmann, dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos und einem Pastor der Herrnhuter Brüder-Gemeine 1987 in Augsburg feiert.

1981-1985: Im Auftrag der Gemeinsamen Ökumenischen Kommission berät ein Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen über die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts. Nach dieser Vorarbeit kommt die Kommission in ihrem Schlussbericht zu dem Ergebnis, dass die damaligen Verwerfungen der je anderen Konfession den heutigen Partner nicht mehr treffen.

1994: Die 1991 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken initiierte „Woche für das Leben“ wird erstmals gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland durchgeführt.

1999: Am 31. Oktober 1999 unterzeichnen die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund in Augsburg die Gemeinsame Offizielle Feststellung, mit der die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre offiziell angenommen wird. 2006 haben sich die Mitgliedskirchen des Weltrates der Methodistischen Kirche angeschlosssen und ihre Zustimmung zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre erklärt.

2003: Der erste Ökumenische Kirchentag findet unter großer Anteilnahme aus dem In- und Ausland in Berlin statt. Außerdem wird 2003 als ökumenisches „Jahr der Bibel“ begangen, getragen von den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland sowie christlichen Werken und Verbänden.

2005 und 2006: Papst Benedikt XVI. trifft während seiner beiden Deutschlandbesuche zu verschiedenen ökumenischen Gesprächen zusammen.

2010: In München findet der Zweite Ökumenische Kirchentag statt.

2011: Im Rahmen seines Deutschlandbesuches kommt Papst Benedikt XVI. am 23. September im Kapitelsaal der Augustinerkirche in Erfurt mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen. Mit dem Ort der Begegnung setzt der Papst ein symbolträchtiges ökumenisches Zeichen von historischer Bedeutung. Dort, wo Martin Luther Theologie studiert hat und wo er zum Priester geweiht wurde, würdigt er den Reformator als einen zutiefst gläubigen Menschen, den die Frage nach Gott umgetrieben hat. Im Anschluss an das Treffen im Kapitelsaal findet ein ökumenischer Gottesdienst in der Augustinerkirche statt. Am folgenden Tag trifft der Papst in Freiburg Repräsentanten der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen in Deutschland zum Gespräch.
Mehr unter www.papst-in-deutschland.de

 

Wie sieht Ökumene in Deutschland heute aus?

Heute gibt es zwischen den christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Deutschland auf allen Ebenen beständige institutionelle und informelle Kontakte. Theologische Gespräche und gemeinsame Initiativen, etwa die Zusammenarbeit von gleichartigen kirchlichen Einrichtungen, Verbänden und Gruppen, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Katholikentage und evangelische Kirchentage besitzen stets ökumenische Akzente. 2010 findet zum zweiten Mal ein Ökumenischer Kirchentag statt.

Forum der multilateralen Ökumene sind die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Auf Bundesebene wurde die ACK 1948 gegründet. Die Deutsche Bischofskonferenz ist dort seit 1974 Mitglied.

Regelmäßige ökumenische Gottesdienste benachbarter Gemeinden, die früher kirchlich kaum voneinander Kenntnis nahmen, gehören zur Normalität. Gemeinsames Hören der Heiligen Schrift, gemeinsame Gebetstexte und Lieder schaffen gegenseitige Vertrautheit. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar oder vor Pfingsten, der Weltgebetstag der Frauen im März, der Ökumenische Kreuzweg der Jugend in der Fastenzeit, die Ökumenische Bibelwoche und das Ökumenische Gebet im Advent sind für viele Christen fester Bestandteil ihres Glaubensvollzuges.

 

Weitere Informationen zum Thema:

Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik
Leostraße 19 a
33098 Paderborn

Tel: +49 – (0)5251 – 8729-800
Fax: +49 – (0)5251 – 280210

 

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V. (ACK)
Ökumenische Centrale

Ludolfusstraße 2-4
60487 Frankfurt am Main

Tel.: +49 – (0)69 – 2470270
Fax: +49 – (0)69 – 24702730

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