Wissenschaft und Hochschule

Studenten arbeiten im Lesesaal.
Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt. © KNA-Bild

Seit ihren frühen Anfängen misst die katholische Kirche der Wissenschaft und den Hochschulen eine hohe Bedeutung bei. Neben den Theologischen Fakultäten und Katholischen Universitäten sind die Geistlichen Gemeinschaften, Studentenverbindungen und die Hochschulpastoral als katholische Organisationen in der Wissenschaft präsent.

Katholisch-theologische Fakultäten und kirchliche Hochschulen

An 11 staatlichen Universitäten bestehen katholisch-theologische Fakultäten. Darüber hinaus gibt es 37 katholisch-theologische Institute und Hochschuleinrichtungen an staatlichen Universitäten, die der Religionslehrerausbildung dienen und keinen Fakultätsstatus besitzen. Es gibt gegenwärtig fünf theologische Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft, die den Status katholisch-theologischer Fakultäten und das Promotionsrecht besitzen.
Für die Ausbildung des theologischen Nachwuchses der Ordensgemeinschaften stehen sechs Ordenshochschulen zur Verfügung. Alle Ordenshochschulen sind kirchlich und staatlich anerkannt. Sie erschließen also auch Berufsmöglichkeiten außerhalb des eigenen Ordens und haben sich darum in den letzten Jahren auch für Nicht-Ordensmitglieder geöffnet.

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU)

 Die 1972 gegründete Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) ist die einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum, da sie in besonderer Weise Wissenschaft und Religion verbindet. Ansonsten ist sie in Forschung und Lehre den staatlichen Universitäten gleichgestellt. Die Zulassung zum Studium ist unabhängig von der Konfessionszugehörigkeit und an die gleichen Voraussetzungen gebunden wie bei staatlichen Universitäten. Zurzeit hat die Katholische Universität Eichstätt ca. 120 Professoren, mehr als 200 wissenschaftliche Mitarbeiter und 4.500 Studenten. Die KU umfasst gegenwärtig acht Fakultäten, von denen die meisten sozial- und geisteswissenschaftlich ausgerichtet sind.

Katholische Fachhochschulen

Gegenwärtig gibt es neben den Fachhochschulstudiengängen an der KU sechs staatlich anerkannte Katholische Fachhochschulen (universities of applied sciences). Sie bieten insbesondere Studiengänge in Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Religionspädagogik, Heilpädagogik/Pflege und Management in Bildungseinrichtungen an. Die Katholischen Fachhochschulen vermitteln eine praxisorientierte Ausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage, die derjenigen an staatlichen Fachhochschulen gleichwertig ist.

Hochschul- und Studentengemeinden

An den Universitäten, Technischen Hochschulen, Pädagogischen Hochschulen, Gesamthochschulen und Fachhochschulen in Deutschland bestehen 125 Katholische Studenten- und Hochschulgemeinden. Sie unterstützen die Katholiken, die an den Hochschulen als Dozenten, Studenten, Forscher oder Mitarbeiter tätig sind, in ihrem Leben als Christen und begleiten sie geistig und geistlich. Durch die Hochschulseelsorge will die Kirche die universitäre Kultur und die Verkündigung der Frohen Botschaft in einen fruchtbaren Dialog bringen.
Die Tätigkeit der einzelnen Hochschulgemeinden wird subsidiär unterstützt durch das Forum Hochschule und Kirche e. V..

Wissenschaftliche Vereinigungen

Im Bereich von Wissenschaft und Forschung bestehen verschiedene katholische Vereinigungen, die sich der Pflege der Wissenschaften und gemeinsamen Forschungsvorhaben widmen. Die bedeutendste ist die 1876 gegründete Görres-Gesellschaft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, in Bewahrung ihres im katholischen Glauben wurzelnden Gründungsauftrages wissenschaftliches Leben auf den verschiedenen Fachgebieten zu fördern und Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch zu bieten. Die 3.011 Mitglieder (Stand: 2008) sind katholische Hochschullehrer und Wissenschaftler, die neben ihrer eigenen Tätigkeit in Forschung und Lehre an den Hochschulen gemeinsame Forschungsprojekte im Rahmen der Görres-Gesellschaft betreiben.
Der wissenschaftlichen Forschungsarbeit im Bereich der jüngeren Vergangenheit des deutschen Katholizismus widmet sich die Kommission für Zeitgeschichte. Als Mittelpunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit und der Publikationen der Kommission stehen das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sowie das gesellschaftliche und parteipolitische Wirken der deutschen Katholiken im 19. und 20. Jahrhundert.
Das Institut für Ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte, die Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum, die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle sowie das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik veranstalten intern und z. T. auch öffentlich Fachtagungen und beteiligen sich durch Publikationen an der allgemeinen wissenschaftlichen Forschung im jeweiligen Fachbereich.

Studienförderung für deutsche und ausländische Studierende und Graduierte

Eine eigene Bildungsarbeit leisten im akademischen Bereich auch die Förderungseinrichtungen für deutsche und ausländische Studierende.
Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk, die jährlich ca. 910 besonders begabte katholische Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen im Erststudium sowie ca. 200 Promovenden mit Stipendien unterstützt, führt für ihre Stipendiaten ein Programm von fachwissenschaftlichen Tagungen und interdisziplinären Fachakademien durch. Besondere Resonanz haben geistliche Angebote, die zum Teil auch für Alumni offen stehen.
Der Katholische Akademische Ausländerdienst (KAAD) bietet seinen mehr als 550 Stipendiaten aus Entwicklungsländern und aus Osteuropa ein Seminarprogramm an, bei dem entwicklungspolitische Fragestellungen im Vordergrund stehen. Darüber hinaus führt der KAAD ebenfalls Meditationstage und religiöse Veranstaltungen durch.

Akademische Verbände und Vereinigungen

In den katholischen Korporationsverbänden KV, CV, UV, TCV, RKDB und akademischen Vereinigungen (z. B. Katholischer Akademikerverband, Bund katholischer deutscher Akademikerinnen, Christopherus-Vereinigung, Bonifatius-Einigung, Hochschulkreis der Ackermann-Gemeinde etc.) sind 57.000 Studenten und Akademiker zusammengeschlossen.
Die akademischen Verbände und Vereinigungen machen ihren Mitgliedern ein spezifisches Bildungsangebot, das von theologisch-religiösen Veranstaltungen über fachbezogene Seminare und Tagungen bis hin zu allgemeinen gesellschafts- und hochschulpolitischen Aktivitäten reicht. In der Regel sind innerhalb der Verbände ehrenamtliche Referenten für die Bildungsarbeit tätig.
Zur Unterstützung der Initiativen der Einzelverbände und zur Koordinierung ihrer Maßnahmen bestehen für den akademischen Bereich auch überverbandliche Strukturen. In der "Arbeitsgemeinschaft der katholischen Studentenverbände (AGV)" sind zurzeit sieben katholische Studentenverbände mit nahezu 10.000 studierenden Mitgliedern zusammengeschlossen. Die akademischen Personalverbände, die Berufsgruppen sowie der Katholische Akademikerverband mit seinen Ortsgruppen haben sich zur Verwirklichung gemeinsamer Aufgaben der Bildungsarbeit in der „Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD)“ zusammengeschlossen.

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