Vatikanstaat

Petersdom

Der Name Vatikan leitet sich von der lateinischen Bezeichnung „Mons vaticanus“ ab, einem Hügel am rechten Tiberufer. Seit dem 2. Jahrhundert wird hier das Grab des Hl. Petrus verehrt. Kaiser Konstantin (306-337) ließ über dem vermuteten Grab eine Basilika errichten. Heute wird der Begriff Vatikan synonym für Vatikanstadt und Staat der Vatikanstadt gebraucht.

Der "Staat der Vatikanstadt" (ital. "Stato della Città del Vaticano" [SCV]) wurde durch die Lateranverträge vom 11. Februar 1929 gegründet. Das Staatsgebiet mit 44 Hektar befindet sich - als Besonderheit - auf dem Territorium der Hauptstadt eines anderen Staates. Es besteht zum einen aus der Vatikanstadt (ital. Città del Vaticano), wie es der Lateranvertrag festgelegt hat, und zum anderen aus Immobilien in der Stadt Rom und in der näheren Umgebung. Sie gehören nicht zum eigentlichen Staatsgebiet, genießen aber die Privilegien der Exterritorialität und der Befreiung von Enteignung und Besteuerung. Hierzu zählen u. a. die Verwaltungssitze verschiedener Dikasterien (Sitz der Glaubenskongregation und der Kongregation für die Verbreitung des Glaubens, Sitz der Gerichtshöfe, Palazzo di San Calisto für verschiedene Päpstliche Räte), die Sommerresidenz Castel Gandolfo, verschiedene Patriarchalbasiliken und die Sendeanlage Santa Maria di Galeria von Radio Vaticana.

Der "Staat der Vatikanstadt" verfügt über eine eigene Staatsflagge (gelb-weiß, heraldisch gold-silber) und ein eigenes Wappen (zwei gekreuzte Schlüssel, darüber die dreifache päpstliche Krone = Tiara), eigene Universitäten (z. B. die Päpstliche Universität Gregoriana), eigene Medien (Fernsehen, Radio Vaticana, Zeitung "L‘Osservatore Romano"), eine eigene Post, eigene Briefmarken und eine eigene Währung (heute Euro mit vatikanischer Prägung, früher vatikanische und italienische Lira).
Die Einwohner des Vatikanstaates haben eine eigene Staatsbürgerschaft.

Am 26. November 2000 gab Papst Johannes Paul II. dem Vatikanstaat mit dem "Grundgesetz des Vatikanstaates" eine neue Verfassung, die die Legge fondamentale vom 7. Juni 1929 ersetzte: 

Grundgesetz des Vatikanstaates

Auswahl von Gesetzen des Vatikanstaats

Staatsform ist die Wahlmonarchie und Staatsoberhaupt der Papst. Als Nationalfeiertag wird der Tag der Amtseinführung des regierenden Papstes begangen. Amtssprachen sind Latein und Italienisch.

Bahnhof des Vatikan

Im Vatikanstaat leben nur wenige hundert Einwohner. 557 (2007) besitzen die vatikanische Staatsbürgerschaft, von denen jedoch nur 246 permanent im Vatikan wohnen (u. a. 101 Schweizer Gardisten und 43 Laien). Rund 4000 Männer und Frauen (Jahr 2007: 1200 Priester und Ordensleute, 2800 Laien, davon 450 Frauen) arbeiten hier, haben ihren Wohnsitz aber außerhalb des Vatikans.

Der Heilige Stuhl

Für den "Staat der Vatikanstadt" handelt als Rechtsperson der Heilige Stuhl. Als Völkerrechtssubjekt entsendet er Apostolische Nuntien (lat. nuntius = Botschafter) als Päpstliche Repräsentanten in die Staaten, mit denen der Hl. Stuhl volle diplomatische Beziehungen unterhält. Umgekehrt entsendet der betreffende Staat seinen Botschafter als Vertreter des betreffenden Landes beim Heiligen Stuhl (z. B. Deutschland). In den meisten Ländern ist der Nuntius der Doyen (Ältester) des Diplomatischen Corps (seit dem Wiener Kongress 1815). Der Heilige Stuhl als Völkerrechtssubjekt ist nicht an ein Territorium oder an die Person des Papstes unmittelbar gebunden. Daher bleiben die diplomatischen Vertretungen sowie internationale Verträge in der Zeit der Sedisvakanz bis zur Neuwahl des Papstes erhalten.
Heute unterhält der Heilige Stuhl zu 176 Staaten volle diplomatische Beziehungen, zu vier Staaten bzw. Staatengemeinschaften diplomatische Beziehungen. Daneben ist er Mitglied wie z.B. bei der Internationalen Atombehörde in Wien (IAEA), bei der Welthandelskonferenz (UNCTAD) oder beim Hohen Flüchtlingskommissar (UNHCR) sowie Beobachter bei einer Vielzahl internationaler Organisationen und Einrichtungen, wie z.B. UNO, FAO, WTO, WHO, UNESCO oder Europarat. Hierher werden "Ständige Vertreter" oder "Ständige Beobachter" entsandt oder der Heilige Stuhl wird durch entsprechende Delegationen bei internationalen Konferenzen (z. B. zur UNO-Menschenrechtskommission in Genf) vertreten.

Alle Rechte vorbehalten © 2017 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254