Preisträger 2015

Pater Oliver Potschien O.Praem. und das von ihm geleitete Sozialpastorale Zentrum Petershof in Duisburg-Marxloh erhalten den mit 5.000 Euro dotierten Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, den die Deutsche Bischofskonferenz dieses Jahr erstmals vergibt. Mit dem Preis will die Deutsche Bischofskonferenz ein Zeichen setzen für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Insgesamt 86 Bewerbungen und Vorschläge für preiswürdige Einzelpersonen und Initiativen sind bei der Deutschen Bischofskonferenz eingegangen.

Erster Preisträger

Pater Oliver Potschien O.Praem. und das Sozialpastorale Zentrum Petershof in Duisburg-Marxloh

„Inmitten eines Stadtteils, der in der öffentlichen Diskussion meist als sozialer Brennpunkt wahrgenommen wird, leisten Pater Oliver und sein Zentrum einen wegweisenden Beitrag für das Zusammenleben von Menschen verschiedener kultureller und religiöser Prägungen“, so der Vorsitzende der Jury und der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim).

Pater Oliver Potschien O.Praem. leitet das Sozialpastorale Zentrum Petershof in Duisburg-Marxloh. © Bistum Essen / Pohl

Mit unermüdlichem Einsatz stehen Pater Oliver und sein Team den Flüchtlingen, Migranten und sozial benachteiligten Menschen in Duisburg-Marxloh zur Seite. Im sogenannten „Infirmarium“ des Petershofs können sich Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos medizinisch behandeln lassen. Darüber hinaus engagieren sich Pater Oliver und der Petershof für eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen und helfen ihnen in ihren materiellen und seelischen Nöten. „Pater Olivers Wirken lässt christliche Nächstenliebe, Gastfreundschaft und Barmherzigkeit unter den Bedingungen einer durch Migration geprägten Gesellschaft erfahrbar werden“, so Bischof Trelle.

Der 45-jährige Prämonstratenser aus der Duisburger Abtei Hamborn arbeitet eng mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften vor Ort zusammen. Interreligiöser Dialog geht für ihn mit der konkreten Verbesserung der Lebensbedingungen in seinem Stadtteil einher. Das Sozialpastorale Zentrum wurde im September 2012 als Reaktion auf die kirchlichen und sozialen Umbruchbewegungen, die sich im Duisburger Norden besonders deutlich abzeichnen, von Pater Oliver Potschien ins Leben gerufen.

Der Petershof als Sozialpastorales Zentrum liegt in einem Stadtteil „mit besonderem Erneuerungsbedarf“, mitten in Duisburg-Marxloh. Der Duisburger Norden insgesamt, zu dem Marxloh gehört, ist gekennzeichnet durch große Umbruchbewegungen und große soziale Verwerfungen. Die Einrichtung des Sozialpastoralen Zentrums im September 2012 ist eine Reaktion auf diese Herausforderungen im Kontext einer sich ebenfalls gerade wandelnden Kirche. Die Initiative für ein Sozialpastorales Zentrum erwuchs aus der Mitte der Gemeinde St. Peter heraus, die damit aktiver Teil des Prozesses ist. Die beiden zentralen Begriffe „sozial“ und „pastoral“ beschreiben die Hauptrichtung, die der Petershof , wie das Zentrum in Anlehnung an seinen Standort an der St. Peters-Kirche heißt, einschlägt. Diakonal-caritative Arbeit und pastorales Leben gehören dort zusammen.

Weitere Informationen unter www.peter-und-paul-marxloh.de.

Schwerpunkte der Arbeit sind u. a.

  • Anlaufstelle für Neuzuwanderer, Integrationskurse usw.
  • Beratungsstelle
  • Jugendarbeit (anerkannter freier Träger)
  • Notunterkunft
  • Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen
  • Stadtteilarbeit
  • Gemeindepastoral
  • Weitere Angebote wie Kleiderstube, Tafelladen, Schulmaterialkammer
  • Obdachlosencafé
  • Ärztliche Untersuchungsstelle für nicht krankenversicherte Kinder
  • Kinderkirche
  • Gästehaus / Exerzitienhaus
  • Gesundheitsfürsorge

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Zweite Preisträger

Neben dem ersten Preisträger werden die Ökumenische Initiative „hingucken… denken… einmischen… Magdeburg aktiv gegen rechts“ und die Initiative „CAMPUSAsyl“ der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg jeweils mit einem zweiten Preis geehrt und erhalten 2.500 Euro Preisgeld.

Ökumenische Initiative „hingucken… denken… einmischen… Magdeburg aktiv gegen rechts“

Bei der Magdeburger Initiative wirken katholische und evangelische Christen seit acht Jahren gemeinsam rechtsextremistischen Tendenzen in ihrer Stadt entgegen.

Eine gestaltete Straßenbahn ist als Symbol gegen Rechtsextremismus und Intoleranz unterwegs. © „Magdeburg aktiv gegen rechts“

Beispiele für das Engagement der Initiative sind regelmäßige Gedenkzeiten für die Opfer rechter Gewalt auf der „Meile der Demokratie“, die Gestaltung einer Straßenbahn zum Thema „Vielfalt erleben“ sowie in jüngster Zeit die Unterstützung von Flüchtlingen. „In einem Umfeld, in dem die Christen nur eine Minderheit darstellen, legt die ökumenische Initiative ein überzeugendes christliches Zeugnis gegen jede Form der Fremdenfeindlichkeit ab“, betont Bischof Trelle.

Hinter der Ökumenischen Initiative „hingucken… denken… einmischen… Magdeburg aktiv gegen rechts“ steht eine Gruppe engagierter Christinnen und Christen in Magdeburg. Im Sommer 2007 gründete sie sich in Reaktion auf und im Protest gegen die Eröffnung eines „Thor Steinar“-Geschäftes im Magdeburger Hundertwasserhaus. Seitdem ist sie mit verschiedenen Aktivitäten gegen Rechtsextremismus und für Demokratie und Menschenrechte im öffentlichen Raum Magdeburgs aktiv.

Das Engagement der Intitiative fußt auf dem „Gemeinsamen Wort der Bischöfe“ des katholischen Bistums Magdeburg und der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig vom Juni 2007. Sie fordern eine „Kultur der Aufmerksamkeit“, um rechtsextremistische Symbolik und Äußerungen, subversives Vorgehen und Gewalttaten „nicht widerspruchslos hinzunehmen, sondern [ihnen] mit Entschiedenheit zu begegnen“.

Weitere Informationen unter www.hingucken-denken-einmischen.de.

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Initiative „CAMPUSAsyl“ der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg

Die Teilnehmenden des Kurses „Deutsch für Studium in Schule und Beruf“ an der Universität Regensburg engagieren sich bei CAMPUSAsyl. © Universität Regensburg / Meilinger

Die Initiative „CAMPUSAsyl“ der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg nutzt die Ressourcen und Kompetenzen der Universität, um nicht nur für Flüchtlinge und Asylbewerber, sondern auch mit ihnen eine lebendige Willkommens- und Integrationskultur auf den Weg zu bringen. „Die Flüchtlingshilfe der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg ist ein herausragendes Beispiel für den Enthusiasmus und die Kreativität junger Christinnen und Christen“, erläutert Bischof Trelle.

Deutschunterricht für Kinder und Erwachsene in der Erstaufnahmeeinrichtung Regensburg. © CAMPUSAsyl / Bonduka

Die Einzelprojekte der Initiative umfassen unter anderem Maßnahmen zur Sprachförderung in der Erstaufnahmeeinrichtung, in den Gemeinschaftsunterkünften und in Schulklassen, den Aufbau eines Dolmetscherpools, Sport- und Musikangebote sowie interkulturelle Schulungen für ehrenamtlich Engagierte.

Mit ihrem Eintreten für die Belange von Flüchtlingen und Asylbewerbern leisten die gut 200 Regensburger Studierenden zugleich einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung fremdenfeindlicher Ressentiments.

CAMPUSAsyl ist eine Initiative zur partnerschaftlichen Arbeit mit Flüchtlingen und Asylbewerbern, die besonders die Ressourcen und Kompetenzen des Regensburger Hochschul-Campus aktivieren möchte. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg (KHG / Studentenpfarrer Hermann J. Eckl) sowie dem Arbeitsbereich Deutsch als Zweitsprache an der Universität (Prof. Dr. Rupert Hochholzer).
Mittlerweile haben sich der Initiative viele weitere Dozentinnen und Dozenten, Institute und Studierende aus unterschiedlichen Bereichen von Universität und Ostbayerischer Technischer Hochschule (OTH) angeschlossen. Auch viele studentische Gruppierungen und Fachschaften sowie engagierte Personen aus der Regensburger Zivilgesellschaft sind mit eingebunden.

Gegenwärtig managt die Initiative mehrere hundert Ehrenamtliche in stetig wachsender Zahl. Eine der wichtigsten Säulen des Engagements ist die Sprachförderung. Hier ist CAMPUSAsyl mit sechs Sprachkursprojekten jeweils mehrmals wöchentlich in unterschiedlichen Einrichtungen (Erstaufnahme, Gemeinschaftsunterkünfte, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Notunterkünfte) tätig. Studierende aus dem Bereich der Germanistik oder Pädagogik werden von jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität in ihre Aufgaben eingewiesen und haben auch die Möglichkeit, sich ihre Tätigkeit als Praktikum anerkennen zu lassen.

Weitere Informationen unter campus-asyl.de.

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