Stimmen der deutschen Bischöfe

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising

„Alles deutet darauf hin, dass das Feuer, das in der Nacht zum Donnerstag (9. Juli 2015) in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im bayerischen Reichertshofen ausgebrochen ist, vorsätzlich gelegt wurde. Reichertshofen ist damit das jüngste Glied in einer langen Kette von Übergriffen auf Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünfte – 150 allein im ersten Halbjahr 2015! Besonders die andauernden Proteste und Ausschreitungen im sächsischen Freital zeigen, dass einige Gruppen versuchen, das Klima in unserer Gesellschaft zu vergiften und Hass zu säen. Das dürfen wir niemals dulden!
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz, 17. Juli 2015. Mehr lesen

„Es gibt zu schnell auch Antworten auf diese Unsicherheiten …, die populistisch sind, die Ressentiments schüren – einfache Antworten, Schwarz-Weiß-Malerei – nicht nur in unserem Land. In ganz Europa stelle ich das fest, in der Diskussion mit den europäischen Bischöfen. Vereinfachungen, Nationalismen, Eigeninteressen, Abgrenzungen, das nimmt zu. Die Angst, die Unsicherheit führt zu Reaktionen, die im Grunde genommen nicht zukunftsfähig sind, uns nicht in ein gemeinsames Miteinander führen, sondern uns auseinandertreiben … Die Revolution von Weihnachten bedeutet ‚Gott wird Mensch! Gott ist der Vater aller Menschen! Und in seinem Sohn Jesus von Nazareth wird er Bruder aller Menschen! Unabhängig von Religion, Geschlecht und Herkunft … Wir müssen uns in einer offenen Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen, sonst können wir kein Gemeinwesen friedlich aufbauen … Wir Christen haben den Auftrag, es in die Gesellschaft einzubringen, dass für uns nicht nur jeder irgendwie ein Mitbürger ist, sondern Bild des lebendigen Gottes.“
Quelle: Weihnachtspredigt, 24. Dezember 2014

„Ganz grundsätzlich geht es um eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen. Deutschland wird durch diese Menschen auch bereichert. Es ist keine Einbahnstraße, wenn wir ihnen etwas abgeben. Wir bekommen immer etwas zurück. Die meisten von ihnen möchten übrigens lieber heute als morgen eine Arbeit aufnehmen. Lassen wir sie teilhaben und so beitragen zu unserem Gemeinwesen … Diejenigen, die sich zu uns retten, brauchen eine menschenwürdige Aufnahme. Das Schicksal dieser Menschen lenke den Blick auf Jesus, das Kind in der Krippe. Auch seine Eltern mussten mit ihm fliehen.“
Quelle: Gastbeitrag im Münchener Merkur, 24. Dezember 2014

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg)

„Hartherzigkeit und Fremdenfeindlichkeit sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Als Christen sind wir dazu berufen, die Freiheit und Würde jedes Menschen zu verteidigen.

Wo Ressentiments geschürt und Hassparolen skandiert werden, da haben Christen nichts verloren.“

Quelle: Statement als Vorsitzender der Jury des Preises (seit Oktober 2016)

Bischof Norbert Trelle (Hildesheim)

„Wir wollen mit dem Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ein Zeichen setzen: Wer gegen Flüchtlinge, Fremde, Migranten und Menschen anderer Hautfarbe hetzt, der hat die Kirche gegen sich.“
Quelle: Statement als Vorsitzender der Jury des Preises (bis September 2016)

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg)

„Wir nennen uns seit Generationen: ‚Volk der Dichter und Denker‘. Dichter, Musiker, Künstler und Literaten sind weltoffen, bilden Gemeinschaft, bringen Freude und Humor. Denker gehen alle Fragen, Probleme und Herausforderungen ihrer Zeit und Gesellschaft rational an und suchen Lösungen im Dialog. Wir Deutsche sollen ein Volk der Dichter und Denker bleiben und nicht der Demonstranten und Gegendemonstranten werden. Als Dichter und Denker können wir unsere Probleme lösen, z. B. dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht größer, sondern vermindert wird, dass die Mauern zwischen Einheimischen und Eingewanderten, Asylbewerbern und Hiesigen abgebaut werden und nicht in gegenseitiger Ablehnung immer höher gezogen werden. Das geht, wir brauchen uns gegenseitig! … Wir müssen auch sehen, dass unsere Probleme in Deutschland und Europa, der Gegenwart und Zukunft, nur mit der globalisierten Welt gelöst werden können. Wenn jetzt einige so tun, als müssten sie Deutschland und Europa retten, dann wird das nicht funktionieren. Wir sind schon längst die ‚Eine Welt‘.“
Quelle: Weihnachtsansprache, 24. Dezember 2014

Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln)

„Hinter jedem der Glockenschläge, die soeben verklungen sind, stand ein Toter. 23.000 Menschen sind seit dem Jahr 2000 auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Auf dem Weg weg von menschenunwürdigen Lebensbedingungen haben diese 23.000 Menschen leider genau dieselben menschenunwürdigen Bedingungen erlitten, die sie hinter sich lassen wollten. Migration ist Kennzeichen einer jeden Epoche und ein zutiefst menschlicher Vorgang, den wir nicht einfach ausbremsen oder abwenden können.

Im 19. Jahrhundert war Amerika das verheißungsvolle Ziel, heute ist es Europa. Doch während in Amerika die Einwanderer auf Liberty Island von der Freiheitsstatue begrüßt wurden, schottet sich Europa ab und schützt mit Zäunen und der Grenzschutzagentur Frontex unseren Wohlstand. Menschen auf der Flucht sollen das reiche Europa gar nicht erst betreten. Sie stehen vor Zäunen und Mauern oder ihre Schiffe werden beschossen.“
Quelle: Ansprache bei der Solidaritätsaktion des Erzbistums Köln für Flüchtlinge am 19. Juni 2015. Mehr lesen

„Gemeinsam mit Menschen guten Willens haben wir die Aufgabe, die Zeit, in der wir leben, um Gottes und der Menschen Willen besser zu machen. Das gilt gerade in diesen Tagen, in denen Organisationen meinen, sie müssten das Abendland gegen Menschen verteidigen, die buchstäblich oft nur ihr nacktes Leben nach Deutschland retten konnten. Als Christen sind wir hier aufgerufen, die Wahrheit zu verkündigen und gegen Stimmungsmache aufzutreten: Von den seit Jahren weltweiten 45 Millionen Flüchtlingen (UNHCR) bleiben 80 Prozent im Heimatland oder in einem der Nachbarländer. Menschen sind immer an ihre Heimat gebunden und verlassen sie ohne Not nicht gern dauerhaft weit weg … Das Abendland verteidigen wir nämlich nicht, wenn wir die Schotten dicht machen. Gerecht werden wir diesem christlichen Abendland, wenn wir Tränen trocknen, wenn wir Gefangene besuchen, Armut wirksam bekämpfen, Wohnungslosen Obdach geben, Flüchtlingen eine menschenwürdige Unterkunft und Nachbarschaftlichkeit zukommen lassen.“
Quelle: Silvesterpredigt, 31. Dezember 2014

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen)

„,Das Boot ist voll!‘, meinen manche … Das Boot ist noch lange nicht voll! … Die Welt, in der wir leben, ist eine offene und globalisierte; nur mit einer solchen Offenheit leben wir mitten in der Realität. All die, die Ängste schüren und Unsicherheiten provozieren, vor allem durch starke Worte, wollen, so scheint es, nicht ernsthaft wahrnehmen, so sehr sie auch eine Stimmung von Unsicherheit Vieler ins Wort heben, in welcher Welt wir heute leben und was Globalisierung bedeutet … Wir (Christen) nehmen die Ängste aller ernst und kennen sie auch unter uns, aber wir bleiben dabei nicht stehen. Um die Würde aller Menschen zu schützen und Recht wie Freiheit für alle in einer offenen, globalisierten Gesellschaft zu schaffen, bauen wir unsere Grenzen ab. Unser Boot ist noch lange nicht voll!“
Quelle: Weihnachtspredigt, 24. Dezember 2014

Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin, zuvor Dresden-Meißen)

„Das Kreuz ist das zentrale Symbol des christlichen Glaubens. Religion und Politik dürfen nicht eines Effekts wegen oder zum Zweck einer politischen Aussage vermischt werden … Deshalb sollte im politischen Streit niemand das Symbol der Christen demonstrativ bzw. exklusiv für sich in Anspruch nehmen oder gar national einfärben.“
Quelle: Bild.de, 13. Januar 2015

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart)

„Vorurteile dürfen nicht zum Ventil für Ängste werden … Wer im Namen der Tradition des Christentums Fremdenhass zulässt oder schürt, gießt Öl ins Feuer des Fundamentalismus.“
Quelle: Silvesterpredigt, 31. Dezember 2014

Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff (Aachen)

„Wir müssen den Flüchtlingen zeigen, dass wir ihre Leiden wahrnehmen und dass sie uns willkommen sind.“ Quelle: Tagespost, 3. Januar 2015

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt)

„Nicht weniger wichtig ist es aber auch, mitzuhelfen bei der Bewusstseinsbildung, bei einer Willkommenskultur. Es erstaunt schon, dass Pegida dort den meisten Zulauf hat, wo die wenigsten Ausländer leben, von Muslimen ganz zu schweigen. Wer dagegen mit Flüchtlingen in direkten Kontakt kommt, versteht viel besser ihre Not, auch die Schwierigkeiten im Asylverfahren. Begegnungen mit Fremden entfremden von Vorurteilen und ermöglichen Sympathie. Kirchengemeinden können da schon mit kleinen Aktionen viel bewirken, angefangen von einem Adventskaffee bis hin zu Deutsch- und Nachhilfeunterricht.“
Quelle: KNA, 22. Dezember 2014

Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2014 vom 5. Mai 2014

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, und Metropolit Augoustinos von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland (Auszüge)

„Als Christinnen und Christen erleben wir diese Wechselwirkung zwischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden jeden Tag neu, denn Vielfalt gehört konstitutiv zum Wesen der Kirche. Sie verbindet Menschen über Ländergrenzen, Sprachen und Kulturen hinweg zu einer Einheit in Vielfalt. In der Nachfolge Jesu verlieren solche Unterschiede ihre trennende Macht.“

„Deshalb werben wir für ein friedliches und gerechtes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Sprache und Herkunft, religiöser und weltanschaulicher Prägung in Deutschland. Alle sollen teilhaben können an unserem Gemeinwesen: mit Rechten und mit Pflichten.“

„In Deutschland und anderen europäischen Staaten verzeichnen rechtspopulistische Kräfte neuen Zulauf. Wir dürfen ihnen nicht nur ökonomische Argumente entgegenhalten. Vielmehr müssen wir auch deutlich machen, dass ein enges, fremdenfeindliches und rückwärtsgewandtes Gesellschaftsbild nicht mit dem biblischen Menschenbild und unserem aus dem Evangelium motivierten Eintreten für Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Offenheit in Einklang steht.“

„So sind immer mehr Menschen gezwungen, sich auf der Suche nach Schutz und Zuflucht auf eine lebensgefährliche Reise zu begeben. Die schrecklichen Bilder aus Syrien oder Zentralafrika, aus der Sahara oder dem Mittelmeer stehen uns beispielhaft vor Augen. Das Schicksal von Flüchtlingen aus diesen und vielen anderen Ländern darf uns nicht gleichgültig lassen.“
Quelle: www.dbk.de

Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2013 vom 25.04.2013

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, damaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. h.c. Nikolaus Schneider, damaliger Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Metropolit Augoustinos, Griechisch-Orthodoxe Metropolie (Auszüge)

„Rassismus ist auch in Deutschland kein Relikt der Vergangenheit. Dabei ist offen rechtsextremistischer Terror, wie er in der NSU-Mordserie zum Ausdruck gekommen ist, nur ein – schrecklicher – Teil der Problematik. Beunruhigend ist es auch, dass sich rassistische Stimmungen und Gedanken schleichend verbreiten und versteckt äußern. Zugewanderte und Menschen mit anderer Hautfarbe stoßen nicht selten auf Ablehnung und Ausgrenzung. Rassistische Haltungen sind weit verbreitet. Die Macht von Vorurteilen und Ressentiments reicht bis in die sogenannte Mitte unserer Gesellschaft – und damit leider auch in unsere christlichen Gemeinden hinein. Wir müssen daher in unserer Haltung umso klarer sein und unmissverständlich dafür einstehen: Rechtsextremes oder rassistisches Denken und Handeln sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar! Sie verletzen die für Christen grundlegende Würde des Menschen, die in seiner Gottebenbildlichkeit gründet. Wer die Würde und die Rechte von Menschen missachtet, wer andere Menschen mit Hass verfolgt, verletzt oder gar ermordet, handelt gegen den Willen Gottes. Als Christinnen und Christen sind wir überzeugt: Rassismus ist Sünde!“
Quelle: www.dbk.de

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