Kurt Hock

Telat sucht den Regenbogen

Begründung der Jury

Die erzählende Kinderliteratur unserer Zeit steht ebenso wie die Erwachsenenliteratur im Zeichen der Entfremdung von den kirchlichen Bindungen. Das Alltagsleben der Menschen wird nur noch selten geschildert auf dem Hintergrund der christlichen Glaubenswahrheiten. Um so höher ist es zu veranschlagen, wenn ein Autor in seine Texte ganz selbstverständlich auch religiöse Fragestellungen mit einbezieht. Das Buch „Telat sucht den Regenbogen" korrigiert ein weitverbreitetes Vorurteil: dass nämlich religionspädagogische Intentionen und künstlerische Qualität einander ausschließen. Hier ergänzen sie sich vielmehr auf überzeugende Weise. Die unterschiedlichen literarischen Formen, die der Autor verwendet, bestechen durch die sorgfältige Handhabung der Sprache und sind erfüllt von atmosphärischer Dichte. Sie vermeiden die Anbiederung bei den Lesern ab sechs Jahren, an die das Buch sich wendet, und damit die Gefahr der bloß vorgetäuschten Kindertümlichkeit. Kurt Hock arbeitet mit den Mitteln der Aussparung, der aphoristischen Verkürzung. Seine Dialoge und seine Alltagsschilderungen, die transparent werden für religiöse Aussagen, eignen sich weniger zur Einzellektüre als zum Gespräch besonders im Familienkreis. Die Reflexionen, die daraus erwachsen, können eine Brücke im Glauben schlagen zwischen den Kindern und ihren Eltern, eine Brücke auch zwischen der kindlichen Unbefangenheit und dem tradierten Glaubensvollzug.

In „Telat sucht den Regenbogen" werden keine Denkschablonen und keine fertigen Lösungen angeboten. Die dargestellte Welt ist weder idyllisiert noch negativ überzeichnet. Neben den Erlebnissen der Geborgenheit stehen die Erlebnisse der Gefährdung und des Todes. Erfahrungen der Freude, des kindlichen Glücks, wechseln ab mit bedrückenden Erfahrungen. Es dominiert jedoch eine heiter-gelöste Grundstimmung. Bemerkenswert erscheint die Vielfalt der Schauplätze. Sie reicht von der detailliert beschriebenen Naturszenerie bis zu den städtischen Wohnsilos, vom Bauernhof bis zum Kaufhaus. Dieser Vielfalt entsprechen die differenzierten sozialen Bezüge. Das gesellschaftliche Umfeld umgreift die Begegnung auch mit behinderten Kindern und mit Kindern aus Gastarbeiterfamilien. Die verschiedenartigen Themen, die das Buch aufnimmt, aber haben ein gemeinsames Leitmotiv: dass die Kinder Gott unmittelbar ansprechen und ihre Ängste, ihren Dank in die Sprache der Gebete hineinnehmen können. Kurt Hock verdeutlicht die Situation des gläubigen Menschen durch das Bild des Tunnels: Die Angst vor der Dunkelheit weicht der Hoffnung auf „das Licht von der anderen Seite". Darüber müssten die Eltern mit ihren Kindern zu sprechen versuchen. Wenn in den Dialog der Generationen die zahlreichen religiösen Denkanstöße dieses Buches Eingang finden, so die künstlerisch besonders gelungene, zeitgemäße Paraphrase der Martinslegende, dann hat die Arbeit des Autors ihren eigentlichen Zweck erfüllt.

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