... und Sara lacht

Regine Schindler

Begründung der Jury

Der Titel des Buches mutet zunächst als ein befremdlicher Versuch an, eine Nebengestalt des Alten Testaments ins Licht zu setzen. Aber die Autorin weist zu Recht darauf hin, dass Gott, indem er an den Vätern handelte, auch deren Frauen und Kinder hereinnahm in seine Geschichte des Heils und in die Erfahrung, dass eine einmal gegebene Verheißung durch ihn Erfüllung findet.

Die Autorin entfaltet in freier Nacherzählung der biblischen Überlieferung das Motiv des Weges und der Wanderschaft (Exodus): Menschen verlassen Altes und Vertrautes, lassen auch ihre „kleinen Götter“ zurück in der gläubigen Hoffnung, dass der einzige große Gott mit ihnen geht. Im Dialog zwischen Sara und Abraham entwickelt Regine Schindler ein lebendiges und gerade auch für Kinder anziehendes Gottesbild: Unser Gott spricht zu den Menschen, er führt uns, er zeigt uns den Weg, er macht unser Gesicht froh.

Text und Illustration bilden eine Einheit. Da ist zunächst die wartende Sara - der Betrachter erkennt sie fernab vom Geschehen -, die mit innerer Distanz, vielleicht sogar Skepsis das Tun und den Glauben ihres Mannes betrachtet. Da ist die fragende und zweifelnde Sara, deren Gesicht dem Betrachter gänzlich entzogen ist. Da ist schließlich die glücklich lachende Sara, die mit ihrem Kind ganz dem Betrachter zugewandt ist. In der Haltung Saras wird deutlich: Warten und Schauen und Horchen sind ein Weg zur Begegnung mit dem unsichtbaren Gott.

Die Bilder von Eleonore Schmid stellen Haltungen und Gesichter differenziert und präzise dar; sie bilden Kleidung und Lebensumstände ab, so dass der Leser vertraut wird mit der heißen und kargen Welt der Nomadenvölker.

Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch das qualifizierte religionspädagogische Nachwort, das einen Schlüssel darstellt zum Verständnis der Textauswahl und der theologischen Aussage.

Regine Schindler schreibt für „kleine Leute“, für Kinder von vier bis acht, und dennoch öffnet sie den Blick auf Sara auch dem erwachsenen Leser, der so vielleicht zu einem tieferen Verständnis und zum Glauben gelangt, dass auch er Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen ist und Gott auch mit und an ihm handelt.

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