Geraldine McCaughrean

Gabriel und der Meisterspieler

Eine kleine Zeit hat Gott den Menschen „niedriger sein lassen als die Engel“ (frei nach Hebr. 2,6-7), heißt es im Prolog der Erzählung über eine Theatergruppe, die im mittelalterlichen England Mysterienspiele aufführt. Sie drückt damit das Empfinden der Menschen jener Zeit aus, die das Leben im Zusammenhang mit der Heilsgeschichte sehen.

Der elfjährige Gabriel flieht vor seinem Steinmetzmeister zu den Schauspielern. Seine blonden Haare legen es nahe, dass er die Rolle des Erzengels Gabriel übernimmt. Er erkennt dabei nicht, dass ihn der vorgebliche Meisterspieler Garvey so beeinflusst, dass er sich schließlich selbst für den Engel hält, den er spielt. Die vorgetäuschten Heilungswunder, die durch sein Erscheinen auf der Bühne geschehen, führt er auf seine Person zurück. Sein Stolz und seine Eitelkeit versperren ihm das Erkennen der Wahrheit. Nach einer Vorführung inmitten von Pestkranken und einem Brand können nur einige Spieler mit Not entkommen. Jetzt endlich sieht Gabriel, dass Lucier und seine Tochter lssi, die allein die Texte der überkommenen Mysterienspiele bewahrt haben, die wahren Meisterspieler sind. Sein eigenes Tun erkennt er als Gotteslästerung und ahnt den Grund für Lucifers Sturz. Noch einmal beginnt die Truppe zu spielen, da niemand ohne den Traum von einer besseren Welt ohne Not, Krankheit und Tod leben kann und ohne das Wissen vom Mysterium der Gnade.

Ein hervorragend geschriebenes Buch über die Größe und Erbärmlichkeit des Menschen. Die behutsam und dicht erzählte Geschichte von Geraldine McCaughrean wurde von Barbara Teutsch gut übersetzt.

Ab 12 Jahre.

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