Hennig Mankell, Angelika Kutsch für die Übersetzung

 „Das Geheimnis des Feuers

Bürgerkrieg in Mosambik. Eines Nachts überfallen Banditen ein Dorf: Dabei kommt Sofias Vater ums Leben, sie selbst, ihre Mutter, ihre Schwester Maria und ihr Bruder überleben das Massaker und fliehen. In einem Dorf wo sie Unterschlupf finden, hören sie von der Gefahr der Tretminen. Alle, auch der brasilianische Pfarrer Jose-Maria warnen die Kinder davor, auf dem Weg zu den Feldern den Pfad zu verlassen. Dennoch passiert es: Maria und Sofia vergessen beim Spiel die Gefahr, stolpern in das Feld und eine Mine explodiert Maria hat so schwere innere Verletzungen, dass sie stirbt, Sofia verliert beide Beine. Die Zeit im Krankenhaus ist bedrückend und zermürbend. Da sie nach der Entlassung nicht bei ihrer Mutter und deren neuem Mann bleiben kann - er ist gewalttätig und will kein behindertes Kind durchfüttern - hilft ihr der Arzt Raul, eine „Lehrstelle“ bei einer Schneiderin zu finden. In ihrem Dorf gelingt es der 13-jährigen, eine eigene Existenz aufzubauen.

Realistisch und dennoch von großer Poesie ist die Geschichte des Mädchens Sofia erzählt, das unendliches Leid erlebt und am Ende doch neuen Lebensmut und eine Perspektive für die Zukunft gewinnt. Ihr Kampf ums Überleben ist in seiner ganzen Härte überzeugend dargestellt und berührend wiedergegeben. Neben dem Arzt, der sich über seine beruflichen Pflichten hinaus für das Mädchen engagiert, ist es der Pfarrer, der ihr in seiner mitfühlenden Art Beistand und Hilfe ist und der Sofias Tragödie auch vor Gott bringt. Er stellt die Frage nach dem Sinn menschlichen Leidens, eine Frage, auf die er keine Antwort findet: „Ihm fiel es schwer, alles zu begreifen, was den Menschen widerfuhr. Gott ist ein Rätsel. Das Schweigen, dem ich begegne, ist Gottes eigene Verzweiflung.“ Neben aller Hilfe von außen schöpft Sofia die große Kraft der Hoffnung aus ihrem Innern, das sich für sie in den Flammen des Feuers spiegelt. Dort treffen sich Vergangenheit und Zukunft. Im „Geheimnis des Feuers" lebt auch die Erinnerung an die Toten weiter: Im Meditieren des Feuers erfährt sie die Zukunft als den selbst zu verantwortenden und zu gestaltenden Lebensweg. Auf glaubhafte Weise werden christliche Vorstellungen mit afrikanischen Traditionen verbunden.

Der Autor ist mit den Verhältnissen in Mosambik vertraut. Er knüpft an ein entsetzliches Geschehen an. Die tragfähigen religiösen Motive, die auch im christlichen Sinn konkretisiert werden können, die Caritas des Arztes und die Frage des Priesters, wie Gott solches Leid zulassen könne, aber auch die packende, menschliche Substanz des Buches und die literarische Qualität zeichnen das Werk aus.

Ab 12 Jahren.

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