David Almond, Ulli und Herbert Günther für die Übersetzung

 Feuerschlucker

Spätsommer 1962: Die Welt droht an der Konfrontation zwischen Russland und den USA zu zerbrechen. Unwiderruflich scheint die „Kubakrise“ auf eine atomare Katastrophe zuzusteuern. Die Menschen haben Angst vor einem dritten Weltkrieg. So auch die Einwohner des kleinen nordenglischen Küstenstädtchens Keely Bay. Hier wohnt der Junge Bobby Burns mit seinen Eltern. Während sich die Auseinandersetzung der Nuklearmächte zuspitzt, ist auch die kleine abgeschiedene Welt von Bobby Burns in Gefahr, auseinander zu brechen. Von dem schwer erkrankten Vater will er seine Probleme an der Schule fernhalten. Dort droht ihm der Hinauswurf, weil er sich gegen die brutale Willkür einiger Lehrer auflehnt.

Schließlich lassen Bobby und sein Schulfreund ihre bis dahin versteckten Aktionen gegen die misshandelnden Lehrer eskalieren und machen so ihren Widerstand öffentlich. Beide werden sofort von der Schule verwiesen. In dieser vielfältigen Bedrohungssituation trifft Bobby den geheimnisvollen Mr. McNulty, einen durch furchtbare Kriegserlebnisse in Korea verwirrten kleinen Mann. Er fristet sein Dasein durch Kunststücke und Feuerschlucken. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Beziehung. McNulty fasst Vertrauen zu dem Jungen, der wiederum fasziniert ist von dem verstörten Mann und einen Weg sucht, ihm in seiner Traurigkeit beizustehen.

Immer rascher wechseln Weltnachrichten und die kleinen Ereignisse vor Ort in der Erzählfolge. Die Menschen schwanken zwischen Hoffen und Zagen und immer wieder werden Stoßgebete gen Himmel geschickt. In der Nacht vor dem befürchteten atomaren Schlagabtausch versammeln sich die Menschen in Keely Bay wie überall in der Welt, um zu beten und sich Beistand zu leisten gegen ein Schicksal, das unaufhaltbar scheint. Doch die Welt erlebt einen neuen Morgen, die Supermächte haben den atomaren Krieg nicht ausbrechen lassen. Einer von ihnen hat die Nacht nicht überlebt. Der verrückte Feuerschlucker McNulty verhinderte auf seine Weise den Weltenbrand und atmete sein eigenes Feuer ein.

Der Autor erzählt in prägnanten und kurzen Sätzen. Er fasst die Welt und das Denken, die Sorgen der Menschen und ihre Träume in poetisch dichte Bilder. Seine Figuren sind einfache und bodenständige Menschen, ausgestattet mit einer zuweilen besonderen Sensibilität.

Almonds Protagonist Bobby Burns ist kein Held mit großer Geste, eher ein Anti-Held, eine stille Kämpfernatur, der Zugang zu seinen inneren Kraftquellen findet. Und daraus schöpft er Mut und Stärke, um entschlossen Zivilcourage zu zeigen. Er kämpft für andere und ist sogar bereit, für sie Schmerzen zu ertragen. Im Akt seines Widerstandes in der Schule hat Bobby die drohenden Konsequenzen getragen und Verantwortung übernommen.

Hoffnung gehört zum Leben, sie fällt nicht vom Himmel, sondern will errungen werden. Wunder geschehen, wenn jeder bereit ist, an seinem Platz seinen Teil dazu beizutragen. Ohne Wunder würde nichts passieren, „nichts, was der Rede wert ist“. Doch sowohl das Einatmen des Weltenbrandes durch Mr. McNulty als auch das mutige Aufbegehren von Bobby in der Schule sind der Rede wert.

„Feuerschlucker“ ist ein wunderbares Buch über das Erwachsenwerden, über das Miteinander ganz unterschiedlicher Menschen, die zueinander finden, wenn sie offen für einander sind. Almonds Werk ist ein Plädoyer für Solidarität, Würde und Achtung vor dem Leben.

Ab 12 Jahren

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