Preisverleihung 2016

Reinhard Kleist für „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“ ausgezeichnet

Reinhard Kleist ist am 11. Mai 2016 in Bamberg für „Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“ mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden. (untere Reihe v.l.n.r.): Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg; Autor Reinhard Kleist, Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, sowie Weihbischof Robert Brahm, Vorsitzender der Jury (obere Reihe l.) und Laudator Dr. Felix Giesa. © KNA/Oppitz

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Zum 27. Mal hat die Deutsche Bischofskonferenz am 11. Mai 2016 den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen. Bei einem Festakt in der Stadtbücherei Bamberg wurde der Autor und Illustrator Reinhard Kleist für sein Werk „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“ ausgezeichnet. In diesem Buch erzählt er das authentische Schicksal einer jungen Frau aus Somalia, die auf ihrer Flucht nach Europa umgekommen ist, weil Islamisten ihr in der Heimat das Laufen verbieten wollten. Reinhard Kleist gestaltet auf eindringliche Weise eine Biografie der Olympionikin im Comic-Format und fordert damit Mitgefühl und christliche Handlungsnotwendigkeit heraus. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 253 Titeln ausgewählt, die von 75 Verlagen eingereicht wurden.



In seinem Grußwort lobte Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg) die Aktualität des politischen Themas, das „Der Traum von Olympia“ aufgreift. Darüber hinaus stellte Erzbischof Schick die Machart des Buches heraus, das durch seine Gestaltung in Schwarz-Weiß bewusst die Realität von Flucht und die Situation der Flüchtlinge hervorhebe. Erzbischof Schick verwies auf Papst Franziskus, der bei seiner Rede vor dem EU-Parlament in Straßburg deutliche Worte gefunden und das Mittelmeer als „Massengrab“ für viele Flüchtlinge bezeichnet hat. „Mitmenschlicher und energischer Einsatz ist gefordert: Menschenleben und Menschlichkeit dürfen nicht untergehen“, so Erzbischof Schick. „Als ‚reiches Europa‘ müssen wir mithelfen, Fluchtursachen zu beseitigen – Krieg und Terror, Hunger und Umweltschäden – damit jeder Mensch in seiner Heimat gut und ohne Angst leben kann … Das ist das Ziel, oder um es mit dem letzten Wort der Läuferin Samia zu sagen: Das ist das ‚Paradies‘.“

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), der den Preis an Reinhard Kleist überreichte, würdigte in seinem Grußwort das Preisbuch: „Sie haben mit bewegenden Worten und in eindringlichen Bildern eine Geschichte erzählt, die nicht nur der jugendlichen Zielgruppe, für die sie eigentlich gedacht ist, sondern Lesern allen Alters lange in Erinnerung bleiben wird.“ Dem Preisträger sei es gelungen, durch das Berichten eines Einzelschicksals auf die gesamte Problematik der Flüchtlingskrise aufmerksam zu machen, der wir uns auch in Deutschland nicht entziehen könnten. „Es braucht oftmals nicht viele Worte, um das Schicksal der Flüchtlinge – ihr Ausgeliefertsein – zu begreifen. … Wieviel Hoffnung können wir wecken durch unsere Hilfsbereitschaft und unser Engagement! Als Christen sind wir herausgefordert, uns für die Menschen zu engagieren, nicht nur bei uns hier in der westlichen Welt, sondern auch in den Herkunftsländern der Flüchtlinge!“, so Bischof Fürst.

In seiner Dankrede sagte Reinhard Kleist, er freue sich sehr über die Auszeichnung mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2016. Das Thema „Migration“ habe in den vergangenen Jahren sehr stark an Relevanz gewonnen, dies sei nicht abzusehen gewesen als er mit der Arbeit an dem Buch begann. Zum Genre der Graphic Novel führte Kleist aus: „Ich bin jedes Mal verblüfft, … welche Wirkung es auf ein junges Publikum hat, wenn man gezeichnete Bilder zeigt und die Schüler mitbekommen, dass die Figur auf den Seiten tatsächlich gelebt hat. Das gezeichnete Bild ist weiter von der Realität entfernt als ein Foto und doch hat es einen direkteren Draht zu den Herzen der Betrachter. … Wir fiebern mit, wollen, dass Samia es schafft nach London zu kommen und ihren Traum von den Spielen zu erfüllen. Dass dies nicht gelingt, ist leider der harten Realität geschuldet, die an den Außengrenzen der EU herrscht. Was hätten wir doch von einer hervorragenden Sportlerin, wie Samia es war, profitieren können!“ Der Preisträger erinnerte und mahnte: „Ich habe nun versucht, mit diesem Buch einem Gesicht aus der Menge eine Geschichte zu geben. Samia war besonders, weil sie Olympionikin war. Ihre Geschichte ist es nicht, sie wiederholt sich tagtäglich tausendfach auf See und auf dem afrikanischen Kontinent. Es liegt an uns, etwas zu verändern.“

In einem Werkstattgespräch mit Reinhard Kleist würdigte auch Laudator Dr. Felix Giesa, Comic-Experte der Universität Köln, das Preisbuch und ordnete es in den Kontext der anderen Werke des Autors ein. „Reinhard Kleist erzählt in seinen Comics spannende und unterhaltsame Geschichten, die getragen werden von ihren beeindruckenden Protagonisten und einer dichten Atmosphäre“, sagte Dr. Felix Giesa. „Die Auseinandersetzung mit historischen Figuren ist für Reinhard Kleist das zentrale Beschäftigungsfeld. Nach der Musikerbiographie ‚Cash – I see a Darkness‘ folgen mit ‚Castro‘ und ‚Der Boxer. Die wahre Geschichte des Hertzko Haft‘ zwei Biographien, die einen neuen Standard in deutschsprachigen Comicbiographien aufstellen.“ Der Laudator hob hervor, „dass Reinhard Kleist mit ‚Der Traum von Olympia‘ die emphatischen und politischen Möglichkeiten der Comics sehr eindrucksvoll unter Beweis stellt“.

Zum Autor

Reinhard Kleist, deutscher Grafikdesigner und Comiczeichner, in seinem Atelier in Berlin. © KNA/Oppitz

Reinhard Kleist, geboren 1970 in Hürth bei Köln, studierte Grafik und Design in Münster und lebt und arbeitet seit 1996 in Berlin. Kleist veröffentlichte zahlreiche Comics und Graphic Novels. Darüber hinaus war er als Artdirector für Trickfilme tätig. Reinhard Kleist wurde für seine Werke bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Max und Moritz-Preis für „Lovecraft“ (Ehapa) und für „Cash – I see a darkness“ (Carlsen). Mit der Biographie „Der Boxer“ des jüdischen Boxers Hertzko Haft gewann Reinhard Kleist 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Sachbuch“. Sein Werk „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“ erschien in veränderter Fassung 2014 als Fortsetzungsgeschichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche

Grußwort

Bischof Dr. Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz
Grußwort

Reinhard Kleist, Preisträger 2016
Dankwort

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