FULDA, GRABSTÄTTE DES „APOSTELS DER DEUTSCHEN“

Kunstinstallation auf dem Domplatz, 10. September bis 31. Oktober 2015

Im Dom zu Fulda befindet sich das Grab des Heiligen Bonifatius. Die Deutsche Bischofskonferenz versammelt sich deshalb jedes Jahr zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda. Hier kommen alle Ortsbischöfe sowie die Weihbischöfe der deutschen (Erz-)Bistümer unter der Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx aus München, zusammen. Für das Kunstprojekt zum Zweiten Vatikanischen Konzil wird ein Künster oder eine Künstlerin eingeladen, sich mit dem Areal um den Dom – einem großen innerstädtischen Platz, der Bischofskirche sowie vielleicht auch der benachbarten Michaelskapelle – auseinanderzusetzen. Anknüpfend an die grundlegenden Überlegungen der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils wird an diesem Ort ein Projekt entwickelt, das die Öffnung der Kirche für die Welt mit künstlerischen Mitteln zum Ausdruck bringt.

Das Besondere im Alltäglichen finden

Mit der Installation „Feld“ visualisiert Martin Wöhrl die Vergänglichkeit menschlichen Lebens

Vier Meter hoch ragen die Ähren in die architektonische Kulisse aus Dom und Michaelskapelle. Schwarz, gold und silbern scheinen sie aus der Wiese des Fuldaer Domvorplatzes zu sprießen. Teils hoch gestreckt, teils in angedeuteter Kurve zum Boden geneigt. Die künstlerisch in Farbe und Größe verfremdeten Weizenähren sind Teil des Kunstprojekts „Hoffnung und Freude, Trauer und Angst“, das die Deutsche Bischofskonferenz zum Anlass des Konzilsjubiläums initiiert hat.

„Dass das Projekt auch in Fulda Station machen würde, damit habe ich fest gerechnet“, sagte Bischof Hans Josef Algermissen, Bischof von Fulda, bei der offiziellen Eröffnung der Kunstinstallation „Feld“ von Martin Wöhrl am 10. September 2015. Wo doch für viele das Grab des Heiligen Bonifatius als Mittelpunkt der katholischen Kirche in Deutschland gelte und für die deutschen Bischöfe mit ihrer fast 150-jährigen Tradition der Herbst-Vollversammlung geradezu zur Heimatstadt geworden wäre.

Die Frage sei wohl vielmehr gewesen, ergänzte Bischof Friedhelm Hofmann, Mitinitiator des Projekts, „wie man ein Kunstwerk in das mächtige Ensemble aus Dom und Kapelle integriert“. Dies sei dem Künstler Martin Wöhrl jedoch in beeindruckender Weise gelungen, sagte Algermissen. „Die Installation hat eine niederschwellig ansprechende Ästhetik, regt aber zum Nachdenken an.“

„Wöhrl arbeitet mit Motiven, die uns geläufig sind, fast so sehr, dass wir sie übersehen“, erläuterte Kuratorin Angelika Nollert. „Doch in seinen Werken werden diese alltäglichen Gegenstände durch die künstlerische Herangehensweise herausgehoben und zu etwas Besonderem, zu einem Gegenüber, mit dem man sich auseinander setzen muss“, so Nollert.

Auch die Ähre sei jedem bekannt, als Motiv bei Bäckern an der Hauswand, auf Bierflaschen als Symbol für das Weizenkorn, erklärte die Kuratorin des Projekts weiter. Aber natürlich kenne man es auch als sakrales Symbol des Segens, des von Gott geschenkten Lebens und Reichtums. Auch bei der Zahl der Ähren läge die christliche Symbolik auf der Hand: Die zwölf Jünger Jesu, die zwölf Stämme Israels. „Doch auch über das Religiöse hinaus finden wir in dieser Zahl eine existentielle Bedeutung, wenn wir an die zwölf Stunden des Tages denken oder die zwölf Monate des Jahres“, sagte Nollert.

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Eine weitere Interpretationsebene ließe sich durch die Unterschiede zwischen den einzelnen Ähren erschließen. „Sie alle haben unterschiedliche Fruchtstände und unterscheiden sich demnach auch in ihrer Neigung“, erklärte Künstler Martin Wöhrl. „Freude, Hoffnung, Trauer, Angst, all das lässt sich an den Ähren ablesen.“ „Im Grunde sind das die Lebensstufen“, ergänzte Angelika Nollert. „Das junge, heranwachsende Korn und jenes, was sich wieder zur Erde neigt“. Der christlichen Symbolik nach brächten die Körner, die zu Boden fallen, wieder neues Leben hervor. Der Kreislauf des Lebens samt Auferstehung.

„So stehen die Ähren vor den Betrachtern und die Betrachter ihrem eigenen Verfall gegenüber. Das wirft existentielle Fragen über das eigene Leben auf“, meinte die Kuratorin. Und genau dies sei die Intention des Kunstprojekts, führte Bischof Friedhelm Hofmann fort: „Bei dem gesamten Projekt und auch besonders hier in Fulda geht es uns um die Öffnung der Kirche zur Welt. Die Menschen interessieren sich für Kultur, sie wollen sich darüber definieren und erwarten Hilfestellungen für die Bewältigung ihres Lebens.“

„Wir sind ein Kulturstaat“, stimmte der hessische Kultusminister Ralph Alexander Lorz ein. „Und ohne den spezifischen christlichen Hintergrund wäre die Werteordnung unseres Staates nicht denkbar. Dafür steht schon Bonifatius und dafür steht in besonderer Weise das Zweite Vatikanische Konzil.“ Bei dem Kunstprojekt gehe es um die Fragestellung, wie Kirche die Frucht dessen auch gesellschaftlich und kulturell in diese Zeit hinein sichtbar machen könne, so Bischof Algermisssen. „Das Konzil ist uns dabei wie ein ausgestreuter Samen, wie Weizenkörner, die noch aufgehen müssen.“

Zum Projekt

Der Text der Pastoralkonstitution hält aus kirchlicher Perspektive fest, „dass sich die Kultur auf die umfassende Vervollkommnung der menschlichen Person, auf das Wohl der Gemeinschaft und der ganzen menschlichen Gesellschaft beziehen muss.“ (Art. 59) Das heißt, Kirche und Kultur sind aufeinander bezogen. Die Kirche nimmt die Welt, die Menschen und die gesamte Gesellschaft ernst: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute … sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (Art. 1)

Geplant ist in Fulda ein Kunstwerk „in situ“. Das bedeutet, der Künstler Martin Wöhrl geht von den realen Gegebenheiten am Ort aus und verstärkt deren spezifische, bereits vorhandenen Aspekte. 

Kuratorin

Dr. Angelika Nollert, Leiterin der Neuen Sammlung in München

Informationen zur Kuratorin

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