Das Konzept von „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“

Kunstprojekt der katholischen Kirche zum Konzilsjubiläum

Das Zweite Vatikanische Konzil war ein weltgeschichtliches Geschehen ersten Ranges, das die Kultur und Gesellschaft nachhaltig geprägt und dabei nicht nur der Kirche bleibende Aufgaben hinterlassen hat. Deshalb nimmt die Deutsche Bischofskonferenz die 50. Wiederkehr des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) zum Anlass, im Sommer 2015 ein überregionales Kunst- und Kulturprojekt mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern an verschiedenen Standorten in der Bundesrepublik durchzuführen.

Ausgangspunkt

Blick vom Petersplatz auf die Fenster des Apostolischen Palastes mit den Privaträumen des Papstes. Papst Franziskus wohnt stattdessen im Gästehaus des Vatikan, Santa Marta. © KNA-Bild

Die veränderte Sicht auf die Kirche in der Welt von heute wird insbesondere in dem Konzilsbeschluss Gaudium et Spes deutlich: Als dringende Probleme werden in dem Dokument Fragen des familiären wie gesellschaftlichen Zusammenlebens, der politischen Gemeinschaft und die Förderung der Kultur benannt. Das schließt ausdrücklich die Anerkennung der Autonomie der Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler ein. Der Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ ist die Grundlage allen kirchlichen Tuns; aus einer Analyse und der Beurteilung gegenwärtiger Entwicklungen erwachsen somit stets neue, in die Welt hinein gerichtete Aktivitäten.

Die mit dem Konzil erfolgte „Öffnung der Kirche für die Welt“ führte neben innerkirchlichen Reformen u.a. zur Anerkennung der Religionsfreiheit, zur neuen Positionierung in Fragen der Mission wie der Ökumene, etc. Der neue Ort der Kirche, des „Volkes Gottes“, sind die Menschen. Dies ernst zu nehmen bedeutet, dass die Kirche deren Nöte nicht nur wahrnimmt, sondern sich mit ihrer Arbeit in deren Mitte positioniert.

Bleibende Aufgabe ist deshalb die Übersetzung der befreienden Botschaft ins Heute. Hierbei bedarf die Kirche der Unterstützung vieler, auch der Künstlerinnen und Künstler. Das machen seither alle Päpste ausdrücklich deutlich: So bezeichnet Papst Paul VI. in einem Apostolischen Schreiben des Jahres 1975 den Bruch zwischen Evangelium und Kultur als das Drama unserer Epoche. Papst Johannes Paul II. macht in seiner Münchner Ansprache des Jahres 1980 deutlich, dass die Kirche der Künstler bedarf, um die Botschaft Christi zu verkündigen. Und auch Papst Benedikt XVI. sieht in den Kunstwerken der Zeitgenossen „eine Quelle frischer und gut begründeter Inspiration, in der religiösen Erfahrung zu finden“ sei.

Eine erneute Ausweitung erfährt diese Sicht mit Papst Franziskus, der nicht müde wird, deutlich zu machen, dass die Kirche an die Ränder der Gesellschaft gehen, dem kapitalistischen System eine neue Sicht auf den Menschen entgegenhalten muss. In dieser Spannung setzt das Kunst- und Kulturprojekt zum Konzilsjubiläum 2015 an.

Ziel des Kunstprojektes 2015
Die Deutsche Bischofskonferenz will mit dem „Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015“ das geistige Erbe des Konzils neu durchbuchstabieren: Jeder und jede Einzelne soll anhand künstlerischer Auseinandersetzung mit den Themen „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ (Art. 1 des Konzilsbeschlusses Gaudium et spes) zur Übernahme von Verantwortung inmitten der Gesellschaft – auch in ihren globalen Prägungen  – motiviert werden. Das gesamte Projekt mit seinen über die Bundesrepublik verteilten Standorten steht somit in einem gleichermaßen sozialen wie internationalen Kontext.

Gemeinsam mit herausragenden, internationalen Künstlerinnen und Künstlern und den Menschen vor Ort soll der Diskurs über die genannten vier Hauptthemen geführt sowie die hohe Bedeutung von Kultur und kultureller Bildung sichtbar gemacht werden. Das Projekt ist konfessionsübergreifend angelegt, soll Menschen innerhalb und außerhalb religiöser Orientierung ansprechen und sowohl in ländlichen wie städtischen Bereichen neue gesellschaftspolitische und kulturelle Akzente setzen. Darüber hinaus bieten sich an mehreren Standorten länderübergreifende Ansätze an.

Umsetzung
An mehreren Standorten sollen deutschlandweit im Zeitraum Mai bis Dezember 2015 eigens konzipierte Ausstellungen gezeigt, neu entwickelte Kunstaktionen und Lesungen durchgeführt oder spezielle Konzerte und Theaterstücke aufgeführt werden. Für jeden der ausgewählten Orte wird von internationalen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern eine thematisch spezifische Aktion entwickelt, die jeweils von einer Kuratorin bzw. einem Kurator begleitet wird, die überwiegend aus dem öffentlichen Bereich (z. B. Museum oder Kunstverein) stammen. Um noch mehr in die Fläche vorzudringen, ist überlegt, als weitere Projektorte einige ausgewählte Autobahnkirchen hinzu zu nehmen, die sich auf das gesamte Bundesgebiet verteilen.
Zentrale Anknüpfungspunkte sind – wie vor 50 Jahren beim Konzil – die „Zeichen der Zeit“, die jeden Menschen heute betreffen. Diese Zeitzeichen stellen angesichts von Globalisierung, demografischem Wandel, Veränderungen der Arbeitswelt und medizinischem Fortschritt den Einzelnen wie die Gesellschaft vor neue Herausforderungen: Mobilität und Heimat/Heimatlosigkeit, Leben in der Großstadt/Vereinzelung, Migration/Rassismus, technischer Fortschritt/Grenzen der modernen Forschung, der alternde Mensch/Tod und Sterben, Bildung und Wissenschaft, etc.
Die künstlerischen Aktivitäten und Interpretationen des Kunstprojeks, die an die einleitenden Worte der Pastoralkonstitution „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ anknüpfen, werden an besonderen, auch überraschenden Orten stattfinden.

Der Mensch mit seinen Bemühungen und existentiellen Bedingungen wird im Mittelpunkt der Aktionen stehen. Durch die direkte Beauftragung von Gegenwartskünstlern werden dabei Kulturschaffende eigenständig Zeugnis von ihrer Zeitgenossenschaft geben und die gesamte Gesellschaft zur verantworteten Auseinandersetzung anregen.

Der Projektbeirat

Zum Projektbeirat „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ gehören

  • Dr. Marion Ackermann
  • Prof. Dr. Michael Brandt
  • Prof. Dr. Reinhard Hoeps
  • Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, Vorsitzender
  • Dr. Jakob Johannes Koch
  • Dr. Stefan Kraus
  • Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard
  • Dr. Frank Ronge, Sekretär
  • Prof. Dr. Thomas Sternberg MdL
  • Dr. Walter Zahner, Gesamtkurator

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