Öffnen wir die Fenster

Kolumba in Köln: Blick aus dem Fenster auf den Kölner Dom. © DBK/Landau

Es gibt kaum ein sprechenderes Bild für das Zweite Vatikanische Konzil als das der „offenen Fenster“. Mit dieser Bezeichnung wird das Grundanliegen des Konzils, die Hinwendung der Kirche zu den Menschen, umschrieben. Die mehr als 2.500 Bischöfe aus aller Welt, die sich zur Eröffnung des Konzils in Rom versammelten, setzten sich von Beginn an das Ziel, die Kirche nach Innen und Außen zu erneuern. Dafür kamen sie zwischen 1962 und 1965 nicht weniger als vier Mal über mehrere Monate im Vatikan zusammen – Tagungsort war der Petersdom.

Sie greifen das von Papst Johannes XXIII. benannte Ziel auf, „ein angemessenes Aggiornamento“, sozusagen eine Verheutigung, der Kirche einzuleiten (aus der Eröffnungsansprache des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudet Mater Ecclesia). Der Papst wünscht sich eine neuartige Zuwendung der Kirche zur Welt, die von Optimismus getragen sein soll. Aus einer Vielzahl an Textvorlagen entstehen schließlich sechzehn Dokumente; vier davon haben den höchsten dogmatischen Rang einer Konstitution. Die Dokumente des Konzils

Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, nach intensiven Diskussionen als eines der letzten Dokumente am 7. Dezember 1965 verabschiedet, nimmt den Gedanken der Zuwendung der Kirche zur Welt nochmals eigens in den Blick. Ihre offizielle Bezeichnung lautet Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, was bereits deutlich macht, dass sie sich mit vielfältigen aktuellen Themen befasst. Darunter finden sich Aussagen zu Gesellschaft und Politik, zum Frieden und zur Kultur.

Das Bild der „offenen Fenster“

Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 durch Papst Johannes XXIII. im Petersdom. © KNA-Bild

In ganz realem Sinn tritt Papst Johannes XXIII. am Abend des 11. Oktober 1962 nach der tagsüber gefeierten offiziellen Liturgie, einer stundenlangen Eröffnungszeremonie im Petersdom, ein zweites Mal vor die Öffentlichkeit. Er stellt sich in das Fenster seines Arbeitszimmers und hält eine spontane Rede, die die Herzen der Menschen erreicht. Sie ist bekannt geworden unter dem Titel „Mondscheinrede“.

Er wendet sich an die zahlreich versammelten Gläubigen und präsentiert sich als deren Bruder und Vater. Den deutlichsten Ausdruck findet das in den berühmten Sätzen: „Wenn ihr nach Hause kommt, dann werdet ihr dort eure Kinder vorfinden. Gebt ihnen einen Gutenachkuss und sagt ihnen: Das ist der Gutenachtkuss des Papstes. Ihr werdet dort Tränen zu trocknen haben. Habt dann ein Wort des Trostes für die Betrübten und Niedergeschlagenen. Sie sollen wissen, dass der Papst besonders in traurigen und bitteren Stunden bei seinen Kindern ist.“ (Andrea Riccardi, Die turbulente Eröffnung der Arbeiten, in: Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils. 1959-1965. Hg. von Guiseppe Alberigo u. Klaus Wittstadt. Band 2. Mainz/Leuven 2000, 24)

Diese sehr persönlichen Worte bestimmen das Bild des im April 2014 von seinem Nachfolger Papst Franziskus heiliggesprochenen Papst Johannes XXIII. Er gilt als liebevoller, den Gläubigen zugewandter Priester. Angelo Guiseppe Roncalli war lange Jahre als Vatikandiplomat tätig. Seit 1953 war er der Patriarch von Venedig. Im Oktober 1958 wählen ihn die Kardinäle zum Papst. Wegen seines Alters, er war bereits 77 Jahre, denken alle, er sei ein Pontifex des Übergangs. Mit seiner Ankündigung der Einberufung eines neuen Konzils am 15. Januar 1959 schreibt er dann Geschichte – sowohl Kirchengeschichte wie Gesellschaftsgeschichte.

Das Konzil geht weiter

Als Auslandsreisen selten waren: Besuch von Papst Paul VI. zum 38. Eucharistischen Kongress in Bombay im Dezember 1964. © KNA-Bild

Als Johannes XXIII. im Juni 1963 stirbt, wählen die Kardinäle Giovanni Battista Montini zum Papst. Paul VI. gilt weithin als Konzilspapst, weil er das Konzil im Sinne seines Vorgängers fortsetzte und zu Ende führte, aber auch, weil er dessen Umsetzung in den Folgejahren intensiv begleitete.

Die Öffnung der Kirche für die Welt nahm bei ihm noch ganz andere Formen an. So war er nach vielen Jahrzehnten der erste Papst, der Rom aufgrund von Auslandsreisen verlies. Seine erste führt ihn im Januar 1964 nach Jerusalem, später im Jahr besucht er den Subkontinent Indien. Dem folgten zahlreiche diplomatische Missionen. So öffnete sich die Katholische Kirche unter seinem Pontifikat für das Gespräch mit einer Reihe anderer Kirchen, aber auch für die Staaten des Ostblocks.


Das Logo des Kunstprojektes

Das „Kunstprojekt der Katholischen Kirche 2015“ nimmt als inhaltlichen Ausgangspunkt die einleitenden Worte der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“. Diese werden in farblicher Absetzung bewusst als lockerer Block gestaltet. Ihre Verbindung entsteht über die inhaltlich-thematische Zusammengehörigkeit. Dabei geben die beiden positiv besetzten Begriffe der Figur Halt und Stabilität. Trauer und Angst werden dadurch nicht zurückgedrängt, sollen aber von Freude und Hoffnung gefasst werden. Die vier Begriffe führen zu grafischen Zeichen, die Fenstern nachempfunden sind. Ganz wie die Begriffspaare einander gegenüber stehen, sind je zwei in einer Farbe gefasst. Die Farbgebung deutet sowohl Leichtigkeit wie Zeitgemäßheit an. Die gegengleiche Schrägstellung erinnert eher an geöffnete Fenster. Diese sind nie nur plan, sondern lebendig fließend. Sie werden derart ineinander verschränkt, dass im Zentrum ein Kreuz entsteht. Die Grafik wird darüber hinaus von einer Basis, der Projektbezeichnung, gehalten.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“

Aus diesen, alle Menschen gleichermaßen betreffenden grundlegenden Emotionen leitet sich die zentrale Idee des Projekts ab. Die Katholische Kirche Deutschlands wendet sich direkt an die Menschen. Ihr ureigenes Interesse ist es, sich mit den Fragen von heute auseinanderzusetzen. Der Auftrag, der an die im Projekt beteiligten Künstlerinnen und Künstler geht, ist es, Probleme aufzudecken, die entsprechenden Fragen zu formulieren und sich diesen zu stellen. Die Künstlerinnen und Künstler nutzen hierfür ihre eigene Sprache. Sie versuchen mit ihren Mitteln, eigenständige Antworten zu geben – oder ganz neue Fragen zu stellen.

Damit soll der Anspruch des einleitenden Artikels der Pastoralkonstitution in den Blick kommen. Dort heißt es:
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände“ (Art. 1).

Die der Einladung der Katholischen Kirche Folge leistenden Künstlerinnen und Künstler sprechen durch ihre Kunstwerke. Diese sollen durch begleitende Veranstaltungen in vielfältiger Weise vor Ort fruchtbar gemacht werden und werden auch der Kirche einen Spiegel vorhalten.

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