Pressemeldung
10.01.2016 - Nr. 002

Kardinal Marx beginnt Besuch der katholischen Kirche in Vietnam

„Die Kirche in Vietnam ist jung und geht mit Hoffnung in die Zukunft!“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist gestern (9. Januar 2016) zu seinem achttägigen Besuch der katholischen Kirche in Vietnam eingetroffen. Auftakt war eine Begegnung mit dem Erzbischof von Hanoi, Kardinal Pierre Van Nhon. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Informationsaustausch über das Leben der katholischen Kirche in Vietnam, gesellschaftliche Umbrüche, die das Land prägen und die politische Lage, die auch die Kirche vor neue Herausforderungen stellt. Unter den 95 Millionen Einwohnern Vietnams sind rund 7 Millionen Katholiken. Im Gespräch dankte Kardinal Van Nhon für die Unterstützung, die die Kirche von Vietnam vor allem durch die deutschen Hilfswerke Misereor, Missio Aachen und München, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und Kirche in Not erfahre. Am Abend feierte Kardinal Marx mit den 350 Seminaristen des Priesterseminars von Hanoi, zu dem auch Priesteramtskandidaten aus weiteren sieben Diözesen der Region gehören, die Eucharistie. „Am Fest der Taufe Jesu sehen wir, wie er sich in die Reihe der Sünder stellt und so seine Nähe zu allen Menschen deutlich macht“, so Kardinal Marx. Das sei besonders auch die Berufung der Priester. Sie sollten lernen, im Blick auf Jesus und sein Evangelium die Zeichen der Zeit auch in Vietnam zu sehen und in das Leben und das Zeugnis der Kirche zu übersetzen.

Während der Eucharistiefeier an diesem Sonntag (10. Januar 2016, 18.00 Uhr Ortszeit, 12.00 Uhr MEZ) rief Kardinal Marx in der Kathedrale von Hanoi vor hunderten Gläubigen dazu auf, an der Kirche als Communio mitzuwirken. „Begegnungen wie diese Reise sind – so dürfen wir hoffen – nicht nur menschlich bereichernd. Sie haben einen sehr viel weiter gehenden Anspruch. In diesen Begegnungen nämlich soll sich unsere katholische Kirche spiegeln und auferbauen. Denn die Kirche ist Communio, eine verfasste und zugleich geistliche Gemeinschaft, in die jeder Gläubige und jede Ortskirche hineinverwoben sind“, so Kardinal Marx. Communio bedeute nicht, „dass die Kirche allein durch ein hierarchisches Prinzip strukturiert sei. In einer solchen Vorstellungswelt läuft in der Ortskirche alles auf den Bischof hinaus und in der Weltkirche alles auf den Papst. Aber so bedeutend das Weiheamt in der Kirche ist, so sehr braucht es doch eine Kommunikation, zu der alle – Priester und Laien – etwas beitragen können.“ Communio bedeute daher auch nicht, „dass die Gläubigen und die christlichen Gruppen letztlich auf sich allein gestellt sind und – alle nur für sich – die Kirche verwirklichen können. Ein solches Kirchenmodell, dem wir oft außerhalb der katholischen Kirche begegnen, führt zu ständig wachsender Zersplitterung.“ Kirche als Communio bedeute demgegenüber, dass der einzelne und die Gemeinschaft in einem lebendigen Austausch mit der ganzen Kirche stehe. „Die Communio der Weltkirche verbindet die Kirche in allen Ländern der Welt. Deshalb sind wir auch in gewisser Weise füreinander verantwortlich“, betonte Kardinal Marx.

In der Predigt hob der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hervor, worum es ihm bei dieser Reise gehe: „Ich möchte die Kirche in Vietnam konkret erleben. Vor fast 20 Jahren konnte ich als junger Weihbischof an der Asiensynode teilnehmen und habe die Bischöfe aus Vietnam schätzen gelernt. Schon damals gab es eine Einladung, die ich erst jetzt einlösen kann. Und nach allem, was ich weiß, darf ich hoffen, jetzt auf eine lebendige Kirche zu treffen, auf Menschen, die mit großer Frömmigkeit unserem Herrn Jesus Christus nachfolgen, Menschen, die sich von Schwierigkeiten nicht davon abhalten lassen, ihren Glauben zu leben und auch weiterzugeben. Ich freue mich auf die Begegnung mit den Bischöfen, mit Priestern und mit vielen Laien, die ich in diesen Tagen kennenlernen darf.“

Kardinal Marx ging während der Predigt auch auf die Sorge ein, der weltweite Charakter der Kirche führe zum Verlust an kultureller Identität: „Solche Stimmen sind in Asien ebenso zu hören wie in Europa. Aber tatsächlich tut der Glaube dem Erbe und den Traditionen der Völker keine Gewalt an, sondern die Kirche ist in den Völkern und Kulturen tief verwurzelt. Und gerade deshalb kann es einen bereichernden und geistlich anspruchsvollen Austausch zwischen den Kirchen mit ihren verschiedenen kulturellen Prägungen geben. Mein Besuch hier in Vietnam dient dazu, einen kleinen Beitrag zu diesem weltweiten Austausch zu leisten.“

Bereits am Vormittag hatte Kardinal Marx das Nachbarbistum von Hanoi, die Diözese Bac Ninh, besucht. Bei einer Begegnung mit mehreren tausend Gläubigen, darunter hunderte von Kindern und Jugendlichen und dem Bischof von Bac Ninh, Cosma Hoang Van Dat SJ, besuchte Kardinal Marx das neue Pilger- und Gemeindezentrums Tam Dao. Dort konnte er mit Freude feststellen: „Die Kirche in Vietnam ist jung und geht mit Hoffnung in die Zukunft!“ Am Abend standen weitere Gespräche mit Bischöfen der Region auf dem Programm. Für Montag sind mehrere politisch geprägte Begegnungen in Hanoi geplant.

Hinweis:
Die Predigt von Kardinal Reinhard Marx in Hanoi finden Sie untenstehend zum Download. Fotos in Druckqualität können auf Anfrage per Mail an pressestelle(at)dbk.de zur Verfügung gestellt werden.


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