Pressemeldung
12.01.2016 - Nr. 003

Kardinal Marx trifft in Hanoi mit Repräsentanten des Staates zusammen

„Religionsfreiheit ist für den vietnamesischen Transformationsprozess von herausragender Bedeutung“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist gestern (11. Januar 2016) in Hanoi mit Vertretern von Parlament und Regierung zusammengetroffen, um Probleme der Religionsfreiheit zu diskutieren. Vietnam ist derzeit bemüht, das Verhältnis von Staat und Religion erstmals auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Die verschiedenen Gesetzesentwürfe, die im Parlament diskutiert wurden, haben die Kritik der vietnamesischen Bischöfe hervorgerufen und sind auch aus Sicht von internationalen Einrichtungen unzureichend. In einigen Bereichen stellen die Entwürfe Verbesserungen für die Religionen in Aussicht, sie entsprechen aber nicht durchgehend den internationalen Standards zum Schutz von Religionsfreiheit, denen sich auch Vietnam verpflichtet hat.

In Begegnungen mit dem für Religionsfragen zuständigen Ausschuss des vietnamesischen Parlaments, mit dem staatlichen Komitee für religiöse Angelegenheiten und mit dem Präsidenten der Vaterländischen Front, in der die Massenorganisationen des Landes zusammenarbeiten, zeigte sich Kardinal Marx erfreut über die Verbesserungen der vergangenen Jahre. So sind beispielsweise Zugangsbeschränkungen für die Priesterseminare faktisch aufgehoben worden. Auch ist die Katholische Kirche durch administrative Erleichterungen in der Gesellschaft wieder sichtbarer geworden.

Umfangreiche Registrierungspflichten behindern die Kirche jedoch weiterhin in ihrem alltäglichen Leben. So ist in der Diskussion um das neue Religionsgesetz die Frage zentral, ob die Aktivitäten von Diözesen und Kirchengemeinden künftig weiterhin staatlicher Zustimmung bedürfen. Auch die Errichtung neuer religiöser Institutionen, wie etwa die Gründung von Pfarreien, ist noch immer von staatlicher Zustimmung abhängig. In den Gesprächen von Kardinal Marx mit den Vertretern von Parlament und staatlichem Religionskomitee wurde von den Behörden in Aussicht gestellt, diese Registrierungspflichten im neuen Religionsgesetz deutlich abzuschwächen. Dies würde aus Sicht der Kirche in Vietnam einen großen Schritt zur Umsetzung der Religionsfreiheit bedeuten. „Ich bin dankbar, dass wir die Position der Kirche in einem offenen Austausch einbringen konnten“, erklärte Kardinal Marx im Anschluss an die Begegnungen mit den staatlichen Repräsentanten. „Ich habe an internationale Einsichten und an Erfahrungen erinnert, die in Europa hart errungen wurden. Gerade die Religionsfreiheit ist auch für den Transformationsprozess in Vietnam von herausragender Bedeutung“, so Kardinal Marx.

Kardinal Marx wies in den Gesprächen auf den wertvollen Beitrag hin, den die Kirche durch Kindergärten und soziale Dienste für die vietnamesische Gesellschaft leiste. Diese Dienste, so hoben Parlamentarier und Regierungsvertreter hervor, würden in Vietnam wertgeschätzt. Sie könnten noch wirksamer sein, so Kardinal Marx abschließend, wenn der Staat den Religionen und der Kirche die Religionsfreiheit umfassend gewährleistete und damit die Voraussetzungen schaffe, dass sich die Kirche in den Bereichen Gesundheitsversorgung und Bildung stärker engagieren könne.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz stattet der Kirche in Vietnam vom 9. bis 16. Januar 2016 einen Besuch ab. Heute steht neben einer Begegnung in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland ein Besuch der Basilika So Kien auf dem Programm. Sie ist der zentrale Gedenkort für die vietnamesischen Märtyrer vom Beginn der Missionierung bis zum 19. Jahrhundert. Nach den Tagen in Hanoi reist Kardinal Marx morgen (13. Januar 2016) nach Ho-Chi-Minh-Stadt.

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