26.02.2015 - Nr. 034

Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung 2015 der Deutschen Bischofskonferenz in Hildesheim

Pressebericht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (26. Februar 2015) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten. Wir dokumentieren hier den umfassenden Pressebericht zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 26. Februar 2015 um 14.00 Uhr in Hildesheim vorgestellt hat.

Am Ende dieser Pressemitteilung finden Sie den gesamten Pressebericht auch als pdf-Datei zum Herunterladen.

1.    Einleitung

2.    Eröffnungsgottesdienst

3.    Grußwort des Apostolischen Nuntius

4.    Studientag Kirche und Medien: Social Media

5.    Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren

6.    Überdiözesaner Gesprächsprozess: Abschlussveranstaltung am 11./12. September 2015

7.    Bischofssynode in Rom im Oktober 2015

8.    Transparenz in finanziellen Angelegenheiten

9.    Wort der deutschen Bischöfe „Denkt an die Gefangenen“ (Aktualisierung)

10.    Zum Stand der Priesterausbildung in Deutschland

11.    Stärkung und Profilierung der Katholischen Schulen in Deutschland

12.    Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015

13.    Ökumenische Sozialinitiative – Abschluss der Diskussionsphase

14.    Weltkirche

  • Osteuropa-Hilfswerk Renovabis
  • Terror des Islamischen Staates
  • Zur Lage in der Ukraine
  • Nahostkonflikt Israel – Palästina

15.    Armut und Familie in Deutschland

16.    Weltjugendtag 2016 in Krakau

17.    Caritas als Ort der Kirche

18.    Kirchenasyl

19.    Personalia


1.    Einleitung

Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bischofskonferenz haben wir uns zur diesjährigen Frühjahrs-Vollversammlung in Hildesheim getroffen. Gerne sind wir der Einladung von Bischof Norbert Trelle gefolgt, während des Bistumsjubiläums – „Ein heiliges Experiment – 1.200 Jahre Bistum Hildesheim“ – hierher zu kommen. Wir sind dankbar, dass unter uns Gäste aus den Philippinen waren und der Apostolische Nuntius an der Eröffnung teilgenommen hat.

2.    Eröffnungsgottesdienst

Während des Eröffnungsgottesdienstes habe ich in den Mittelpunkt meiner Predigt den Gedanken gestellt, wie es uns gelingen kann, den Glauben lebendig zu halten: Den Glauben muss jeder Mensch neu entdecken, jede Familie, jede Zeit muss sich neu konfrontieren lassen mit dem Evangelium. Zeugnis können wir nur von dem ablegen, was uns erschlossen wurde. Ort unseres Zeugnisses ist dann unser konkretes Leben. Den Glauben kann man nicht herstellen oder in Gebäude einschließen – er ist ein Geschenk der Liebe und der Gnade Gottes.

Mich bewegt die Frage – und auch das habe ich im Eröffnungsgottesdienst angesprochen –, wie die Gesellschaft der Zukunft beschaffen ist. Damit ist die andere Frage verbunden, welches die richtige Religion für eine Gesellschaft ist, in der sich eine Vielfalt von Kulturen und Religionen, aber auch zahlreiche Ungleichheiten wie die zwischen Armen und Reichen zeigen. Ich bin überzeugt: Das Christentum und die moderne, plurale Gesellschaft können gut zusammengehen.  Die großen Augenblicke in der Geschichte des Christentums liegen nicht hinter uns, sondern vor uns. Dabei ist es unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass der Glaube immer von der Würde aller Menschen ausgeht. Jeder Mensch ist Bild Gottes, ob arm oder reich, jung oder alt, krank oder gesund. Alle Menschen, auch die Verfolger der Kirche oder die, die aus ihr ausgetreten sind, bleiben Kinder Gottes und haben eine Würde. Wenn wir das einmal begriffen haben, dann spüren wir, welche revolutionäre Kraft von der Bibel ausgeht in eine Gesellschaft, die mit verschiedenen Kulturen, Religionen und Meinungen umgehen muss. Der christliche Glaube will diese Ungleichheiten überwinden.


3.    Grußwort des Apostolischen Nuntius

Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, hat uns mit seinem Grußwort verschiedene Aspekte mit auf den Weg gegeben, gerade auch mit Blick auf den ad Limina-Besuch der deutschen Bischöfe vom 14. bis 18. September 2015 in Rom. In seiner Ansprache griff der Apostolische Nuntius ausgehend von der Situation 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer Untersuchungen zu Kirchlichkeit und Religiosität in Mittel- und Osteuropa auf. Die Zahlen seit 1990 belegen einen Säkularisierungsprozess, der ähnlich auch in Teilen Deutschlands und anderer Länder Europas beobachtet werden kann. Die katholische Kirche antwortet darauf schon seit Längerem mit einer „neuen Evangelisierung“. In diesen Kontext ordnete Erzbischof Eterovic auch das neue Homiletische Direktorium der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ein, das die Predigt und die Homilie als Formen der Verkündigung im Blick hat. Gerade Papst Franziskus sieht die Predigt als ein wichtiges Thema, das er auch in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ ausführlich erörtert. Wir hoffen, dass bald eine deutsche Übersetzung dieses römischen Dokumentes vorliegt.


4.    Studientag Kirche und Medien: Social Media

Zuletzt gab es einen Studientag Medien während der Herbst-Vollversammlung 2008. Bei  dieser Vollversammlung haben wir uns mit den Sozialen Medien beschäftigt. Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und andere Soziale Medien fordern unsere Gesellschaft erheblich heraus. Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), erinnerte in seiner Einführung an das Internet als Bestandteil des Alltags, das zunehmend auch wichtige gesellschaftliche Ereignisse maßgeblich beeinflusst. Ein Konzern wie Google bündelt vorhandenes Wissen und wissenschaftliche Kompetenz und nimmt immer mehr Einfluss auf alle Bereiche menschlichen Lebens bis hin zur Genomforschung und Mobilität.

Dr. Ansgar Mayer (Hamburg), verantwortlich für die digitale Kommunikation bei ComputerBild, erläuterte in seinem Einführungsvortrag die Dynamik und das Nutzungsverhalten in den Sozialen Medien. Er machte deutlich, dass sich in der digitalen Welt eine neue Augenblicks-Kultur entwickelt habe. Menschen seien ständig auf der Suche nach Antworten, die sie möglichst umgehend erhalten wollen. Motive für die Nutzung wie der Wunsch nach Zugehörigkeit, Partizipation, Orientierung, Idealismus, Kontakt und Identitätsmanagement sind auch für die Kirche von Bedeutung. Sein Rat an uns war, dass sich die Kirche offen im Umgang mit den Sozialen Medien zeigen und keine Angst vor der digitalen Kommunikation auf Augenhöhe haben solle immer in dem Bestreben dort zu sein, wo die Menschen sind. Bei der Suche nach neuen Ansätzen empfahl er auf Kreativpools zurückzugreifen.

Während des Studientages haben wir uns von jungen Leuten exemplarische Social-Media-Projekte vorstellen lassen: die Berichterstattung bei katholisch.de über die Ministrantenwallfahrt 2014, die „Twomplet“, ein gemeinsames Nachtgebet auf Twitter, ein partizipatives Bildungsprojekt mit Jugendlichen und Glaubenskommunikation auf Facebook. Beim letzten Punkt hat Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau) von seinen praktischen Erfahrungen mit Facebook berichtet.

In einem weiteren Schritt stand die medienethische und theologische Sicht im Mittelpunkt. Prof. Dr. Alexander Filipović vom Lehrstuhl für Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München beschrieb die umfassende Änderung des Selbst- und Weltverständnisses der Menschen im Zuge der Digitalisierung: Die Kirche soll dieses Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums verstehen und deuten. Die Frage der Personengerechtigkeit ist hier der Maßstab. Unser christliches Menschenbild und unser Communio-Communicatio-Verständnis als Kirche helfen dabei zur Orientierung. Wir werden uns als Kirche in den Diskurs um die Werte beim Digitalen Wandel einbringen. Ich möchte aber schon heute darauf aufmerksam machen, dass Europa und Deutschland angesichts dieses Fortschritts wirtschafts-, bildungs- und rechtspolitisch unter Handlungsdruck stehen. Bei ersterem frage ich mich, ob wir durch die exponentiellen Innovationen absehbar wirtschaftlich abgehängt werden mit fatalen Folgen für unsere Sozialstaatlichkeit. Bei letzterem denke ich an viele Fragen des Urheberrechts, Datenschutz, Jugendmedienschutz, der Teilhabegerechtigkeit, des Infrastrukturausbaus etc. Die entstandenen und entstehenden ausgeklügelten Infrastrukturen der Überwachung und der Vorhersage könnten negative Folgen für das Menschsein - insbesondere die Kommunikationsfreiheit - haben. Kommunikation und Medienrezeption finden zunehmend in einer rein ökonomischen, datengetriebenen Infrastruktur statt. Menschliche Entscheidungsfreiheit ist bedroht, wenn sie durch Vorhersagealgorithmen ersetzt wird. Prof. Dr. Filipović forderte ein stärkeres und mutigeres Handeln gegenüber den Diensteanbietern und ein engagiertes Eintreten für die Sicherung der humanen Potentiale des Internet.

Msgr. Paul Tighe, Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, stellte eine medientheologische Bewertung der Sozialen Medien vor: Kommunikation gehört zum Wesenskern des kirchlichen Auftrags. Der Dualismus von digitaler und realer Welt ist kein haltbares Konzept, es handelt sich vielmehr um eine integrierte Welt. Für die Kirche geht es darum, in der digitalen Welt präsent zu sein. Er sieht den wesentlichen Ansatzpunkt für eine Bewertung aus kirchlicher Sicht in dem Geheimnis der Begegnung mit dem Anderen, für die eine authentische Präsenz und Offenheit Voraussetzung sind. Notwendig sind in der digitalen Kommunikation ein interaktiver Stil sowie eine multimedial geprägte, einfache Sprache. Msgr. Tighe plädiert dafür, vor allem die positiven Potentiale der Sozialen Medien, Menschen zu verbinden, zu sehen, und ermuntert die Bischöfe dazu, den Mut zu haben, sich durch authentische Zeugnisse auf den sozialen Plattformen einzubringen. In dieser Phase des Studientages haben wir gespürt, wie sehr die Chancen dieser neuen Kommunikations- und Fortschrittskultur mit den Herausforderungen sensibel abgewogen werden müssen. Mir ist bei dieser Diskussion deutlich geworden, dass die in der digitalen Welt vorfindbare Kommunikation auf Augenhöhe mit den theologischen Grundprinzipien der katholischen Lehre gut zusammenpassen.

Die in der Diskussion aufgeworfene Frage, wie ein Widerstand gegen das ökonomisch- und datengetriebene Agieren der großen Konzerne aussehen könne, beantwortete Prof. Dr. Filipović dahingehend, dass man an erster Stelle konkret mehr Druck auf die Politiker ausüben müsse. Msgr. Tighe betonte die Notwendigkeit einer stärkeren globalen Vernetzung innerhalb der katholischen Kirche. Auch müsse das kritische Bewusstsein der Menschen gestärkt werden.

Im letzten Teil des Studientages stellte Prof. Dr. Matthias Sellmann vom Lehrstuhl für Pastoraltheologie der Universität Bochum einige pastoraltheologische Überlegungen in Bezug auf die Sozialen Medien vor. Er tat dies unter Bezugnahme auf eine konkrete Lernerfahrung mit der Durchführung eines You-Tube-Talentwettbewerbes 1-31.tv. Das Zusammenwirken verschiedener kirchlicher Akteure habe hierbei eine große Kampagnenfähigkeit bewiesen. Glaubenskommunikation braucht, was soziale Medien bieten: Meinungsfreiheit, Kommunikation auf Augenhöhe, Erfolg mit Geschichten. Sie böten auch die Chance, die Vermittlung der Botschaft neu zu lernen. Er benannte drei Handlungsmöglichkeiten für uns: 1. eine Infrastruktur des Vertrauens in die Potenziale guter Medienarbeit aufzubauen, vor allem jungen Leuten Vertrauen zu schenken, was auch Fehlerfreundlichkeit einschließe, 2. selbst zum Erzähler zu werden, 3. aus der Diözese einen Öffentlichkeitsraum ermutigender Sinngeschichten zu machen. Der Geschäftsführer des Katholischen Medienhauses, Theo Mönch-Tegeder, zog einige Schlussfolgerungen für die kirchliche Medienarbeit und benannte vier Handlungsfelder: 1. junge Leute ausbilden, fördern, begleiten, 2. Themen setzen, Schwerpunkte bilden, 3. kreative Angebote fördern und 4. Netzwerke zwischen den Tätigen in den Sozialen Medien in den unterschiedlichen Räumen der Kirche knüpfen.

Der Studientag hat uns gezeigt: Wir müssen uns beständig unserer eigenen Kommunikation und notwendigen Veränderungen bewusst sein. Im Medienbereich und in der Glaubensverkündigung leisten wir bereits viel Gutes und gerade diese Vielfalt in den kommunikativen Angeboten ist unser Gewinn. Wir werden daher auf dem weiteren Weg mit den Einrichtungen der Bischofskonferenz und der Bistümer sowie der Medienverbände und vielen weiteren kirchlichen Einrichtungen mutig, phantasievoll und verantwortungsbewusst  neue Wege gehen, durch Kommunikation den Glauben in der heutigen Gesellschaft zu vermitteln und zu erklären. Die Internetplattform katholisch.de macht gute Erfahrungen in den Sozialen Medien, in Facebook und Twitter. Mit der katholischen Journalistenschule ifp (Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses) und der Clearingstelle Medienkompetenz in Mainz vermitteln wir Medienkompetenz angesichts der Herausforderungen des Digitalen Wandels. Unsere Pressestellen in der Bischofskonferenz, den Bistümern und Verbänden sorgen mit aktiver Themensetzung und strategisch ausgerichteter Kommunikation dafür, den wachsenden medialen Herausforderungen der Sozialen Medien zu begegnen. Insgesamt sind wir guten Mutes, was die medialen Entwicklungen insgesamt betrifft. Als Kirche werden wir diesen Prozess aufmerksam und konstruktiv, aber auch vernehmbar kritisch begleiten. Der Studientag Social Media hat uns auf diesem Weg bestärkt.


5.    Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren

Das 50-jährige Konzilsjubiläum wird seit 2012 mit einer Vielzahl von Veranstaltungen in den Bistümern, vor allem in den katholischen Akademien, begleitet. Jetzt rückt das Jahr des Konzilsabschlusses in besonderer Weise in den Focus: Am 8. Dezember 1965 wurde das Zweite Vatikanische Konzil feierlich beendet. An diesen besonderen Tag wollen wir als Bischofskonferenz erinnern. Dazu planen wir bei der Herbst-Vollversammlung in Fulda einen Festakt. Dieser wird am letzten Tag unserer Beratungen stattfinden und dann in die traditionelle Bonifatius-Vesper münden. In den kommenden Wochen legen wir die Inhalte für diesen Tag fest.


6.    Überdiözesaner Gesprächsprozess: Abschlussveranstaltung am 11./12. September 2015

Der 2011 begonnene überdiözesane Gesprächsprozess tritt in seine abschließende Phase ein. Damals hatten wir uns – unter dem Eindruck der Erschütterung wegen des Skandals um sexuellen Missbrauch Minderjähriger im Raum der Kirche – zu diesem Prozess der Erneuerung entschieden. Ziel des Weges, der unter dem Leitwort „Im Heute glauben“ steht, ist es, das verloren gegangene Vertrauen in Kirche und Öffentlichkeit zurückzugewinnen und wieder zu einer neuen und überzeugenden Lebendigkeit zu finden.

Wir sind dankbar, dass der Gesprächsprozess viele Ebenen der Kirche in Deutschland erreicht hat: Verbände und Fakultäten, Pfarreien und diözesane Gremien. In intensiven Dialogprozessen konnten wir uns bei vier überdiözesanen Foren (Mannheim 2011, Hannover 2012, Stuttgart 2013, Magdeburg 2014) über die Fragen austauschen, was für den Weg der Kirche in Deutschland notwendig ist. Es ist ein gutes Miteinander auch in den umstrittenen  Themen entstanden. Wir sind insbesondere dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken für das Mittragen dieses Prozesses dankbar.

Am 11./12. September 2015 wird in Würzburg das letzte dieser überdiözesanen Gesprächsforen stattfinden. Mit Vertretern verschiedener Gruppierungen werden wir uns in Kürze treffen, um die Details zu besprechen. Es geht darum, dass von Würzburg ein kraftvolles Zeichen für die Kirche in Deutschland ausgehen soll und der angestoßene und bewusst bis zu diesem Jahr terminierte Gesprächsprozess in geeigneter Weise weitergeht.  Sobald das Programm und die thematische Ausrichtung stehen, werden wir darüber informieren. Regelmäßige Informationen – auch zu best-practice-Beispielen auf Bundesebene – gibt es im Newsletter zum Gesprächsprozess, der auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz unter www.dbk.de abonniert werden kann.


7.    Bischofssynode in Rom im Oktober 2015

Wir haben ausführlich über die Bischofssynode in Rom gesprochen. Dabei gab es zunächst einen Rückblick auf die Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode vom 5. bis 19. Oktober 2014 in Rom, die unter dem Leitwort „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ stand. Die Ergebnisse dieses Treffens wurden in die Vorbereitungspapiere für die Synode dieses Jahres aufgenommen. Diese so genannten Lineamenta bestehen aus der Schlussrelatio der Synode vom vergangenen Oktober und nochmals einem Fragebogen, den wir am 27. Januar 2015 mit den Bistümern veröffentlicht haben.

Verschiedene theologische Grundlinien der Lineamenta haben wir in Hildesheim diskutiert. Der Fokus lag dieses Mal auf der Wahrnehmung der Familie „als unverzichtbarem Subjekt der Evangelisierung“. Das bedeutet: Gott hat schon etwas vor mit der Familie, die an der Sendung der Kirche in besonderer Weise teilhat. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, „dass es erforderlich ist, neu von der Familie auszugehen, um den Kern des Evangeliums wirksam zu verkünden“ (Lineamenta S. 21). Bei der Beantwortung des Fragenkatalogs kommt es darauf an, „sich von der pastoralen Wende leiten zu lassen, welche die Außerordentliche Synode, vor dem Hintergrund des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramtes von Papst Franziskus, zu umschreiben begonnen hat“ (Lineamenta S. 26). Angestrebt wird eine „Pastoral, welche in der Lage ist, das freie Handeln des Herrn auch außerhalb unserer gewohnten Schemata zu erkennen und, ohne Verlegenheit, jenen Charakter des ‚Feldlazaretts‘ zu übernehmen, welcher der Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes förderlich ist“ (Lineamenta S. 21). Es ist deshalb zu vermeiden, dass die Antworten der Bischofskonferenzen „ausgehend von solchen Schemata und Perspektiven gegeben werden, die einer Pastoral eigen sind, welche lediglich die Lehre anwendet und auf diese Weise die Schlussfolgerungen der Außerordentlichen Synodenversammlung nicht berücksichtigen und damit die eigenen Überlegungen von dem schon vorgezeichneten Weg wegführen würde“ (Lineamenta S. 22). Für uns Bischöfe geht es darum, trotz aller strittigen Fragen den Blick zu weiten und die Verkündigung des Evangeliums der Familie zu erneuern.

Für die vom 4. bis 25. Oktober 2015 in Rom stattfindende Bischofssynode, die unter dem Leitwort „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ steht, haben wir unsere Delegierten gewählt. Neben mir werden an der Synode der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie, Bischof Dr. Heiner Koch (Dresden-Meißen), und der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), teilnehmen. Für den Fall einer Verhinderung haben wir als Stellvertreter den Vorsitzenden der Jugendkommission, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), und den stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission für Ehe und Familie, Weihbischof Wilfried Theising (Münster), gewählt.

Wie bereits vor einigen Wochen mitgeteilt, haben alle Gläubigen die Möglichkeit, den Fragebogen der Lineamenta auszufüllen und an ihre Bistümer zu schicken, was bis zum
13. März 2105 geschehen soll. Danach werden Fachleute die eingehenden Antworten sichten und zu einem Gesamtdokument erarbeiten – ähnlich dem Vorgehen beim ersten Fragebogen 2013/2014). Dieses Dokument wird dann wie vom Vatikan vorgegeben bis zum 15. April 2015 nach Rom übermittelt und anschließend von uns publiziert.


8.    Transparenz in finanziellen Angelegenheiten

Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) hat uns über den nach dem Handelsgesetzbuch testierten und vollständigen Jahresabschluss 2013 des Erzbistums Köln mit Bilanz und Ergebnisrechnung informiert. Dieser Schritt ist ein Bestandteil dessen, was wir in der Bischofskonferenz wollen: Bereits auf den Vollversammlungen im Frühjahr und Herbst 2014 haben wir über die von den deutschen Bischöfen gestartete Arbeit zur Transparenz in finanziellen Angelegenheiten informiert. Auch wenn das Thema hier in Hildesheim nicht auf der Tagesordnung stand, möchte ich folgenden Teilaspekt bestätigen: Bis zum Jahr 2016 wollen und werden die deutschen Bistümer jährlich über den Stand ihres Vermögens nach anerkannten Standards informieren. Das haben wir bereits im vergangenen Jahr beschlossen, um dem gewachsenen Bedürfnis der Gläubigen und der Gesellschaft nach mehr Transparenz in Vermögensfragen Rechnung zu tragen.

Mittlerweile sind wir auf diesem Weg ein ganzes Stück vorangekommen und spüren, dass unsere Bemühungen von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen werden. Mehr als die Hälfte der Bistümer hat bereits umfassend Einblick in ihre finanziellen Angelegenheiten gegeben. Dabei wird das gemeinsame, uns leitende Prinzip erkennbar: Finanzierung bedeutet für uns eine nachhaltige Verantwortung. So stellen wir sicher, dass wir unsere Aufgaben in der Gesellschaft langfristig erfüllen können – unabhängig von kurzfristigen Schwankungen bei den Einnahmen. Letztlich müssen wir uns bei all unseren Vermögens-Entscheidungen stets von der Frage leiten lassen, wie das Geld in den Bistümern den Menschen dienen kann. Das ist unser Auftrag, den in diesen Tagen auch Papst Franziskus immer wieder in uns wach ruft.


9.    Wort der deutschen Bischöfe „Denkt an die Gefangenen“ (Aktualisierung)

Am 23. Januar 2006 ist das Wort der deutschen Bischöfe „Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen (Hebr 13,3). Der Auftrag der Kirche im Gefängnis“ veröffentlicht worden. Dieses Bischofswort behandelt die allgemeinen Grundlagen der Gefängnisseelsorge, beschreibt den Kreis der Adressaten sowie die Träger dieser Seelsorge und gibt Handlungsempfehlungen hinsichtlich Methodik und Praxis. Da sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Gefängnisseelsorge, besonders aus juristischer Sicht, grundlegende Veränderungen ergeben haben, war es erforderlich, einige Passagen über die Rechtsstellung der Gefängnisseelsorge zu verbessern. Wir werden die aktualisierte Fassung demnächst veröffentlichen. In unseren Beratungen haben wir noch einmal unterstrichen, welchen hohen Stellenwert die Gefängnisseelsorge hat. Sie gehört zu den ursprünglichen Feldern des pastoralen Handelns der Kirche. Die Präsenz der Kirche im Justizvollzug will die Vermittlung der frohen Botschaft von der Befreiung von Schuld leisten. Sie ist sich dabei der Verantwortung für den Rechtsstaat und der Loyalität ihm gegenüber bewusst.


10.    Zum Stand der Priesterausbildung in Deutschland

Seit 2003 befasst sich die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste mit den Fragen einer sich verändernden Priesterausbildung aufgrund zurückgehender Berufungszahlen. Bereits 2005 hat sich die Kommission angesichts der Entwicklungen im Bereich des Priesternachwuchses und der Priesterseminare für eine stärke Konzentration in der Ausbildung und ihrer Orte ausgesprochen.

Zum Studienjahr 2014/2015 hat die Deutsche Regentenkonferenz mit dem Zentrum für Berufungspastoral die statistischen Zahlen erhoben. Zum Stichtag 31. Oktober 2014 haben 110 Seminaristen die Priesterausbildung begonnen (2013: 144). In dieser Zahl sind die Priesteramtskandidaten der Orden noch nicht eingerechnet. Die Gesamtzahl der Priesteramtskandidaten in den deutschen Diözesen ist mit 653 Seminaristen kaum verändert (2013: 649). Neben dem demographischen Wandel gibt es als Grund für den Rückgang der Neuanfängerzahl auch eine geringer werdende kirchliche Bindung der jüngeren Generation. Bei den Zahlen muss bedacht werden, dass auch das Interesse an anderen kirchlichen Berufen leider zurückgegangen ist. Angesichts mancher Krisen, durch die das Ansehen der Kirche in den zurückliegenden Jahren Schaden genommen hat, ist es sicherlich mit kritischen Anfragen verbunden, wenn sich jemand für den Priesterberuf entscheidet. Auffällig in der Statistik ist der hohe Anteil derjenigen Neuanfänger, die bereits Theologie studieren – das sind mehr als 25 Prozent –, bevor sie die Priesterausbildung beginnen. Es wird künftig längere Begleitungsprozesse für die Entscheidung zur Priesterausbildung geben müssen. Gerade in der Arbeit der Berufungspastoral wird in den kommenden Monaten zu überlegen sein, welche Konsequenzen gezogen werden.

Während der Vollversammlung haben wir uns vergewissert, dass die Priesterausbildung im Dienste des Aufbaus und der Erneuerung der Kirche steht, wie es das Konzil fordert. Darum muss sie den wechselnden zeitlichen und örtlichen Verhältnissen aber auch den gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen immer wieder angepasst werden. Alle Institutionen, die mit der Ausbildung von Priestern befasst sind, sowie alle Phasen der Priesterausbildung müssen drei Dimensionen gerecht werden: der geistlichen und menschlichen Reifung, der theologischen Bildung und der pastoralen Befähigung.

Die theologischen Fakultäten und Ausbildungsstätten haben über die Priesterausbildung hinaus vielfältige Aufgaben übernommen, unter anderem die Ausbildung von Religionslehrern, Pastoral- und Gemeindereferenten, und sich zu Recht als Orte des wissenschaftlichen Arbeitens unabhängig von der Seminarausbildung entwickelt.

Die neuen pastoralen Ordnungen verlangen vom Priester, dass er fähig ist, die vielen Charismen im Volk Gottes zu fördern und zu einen. Im Blick auf die gegenwärtige Situation  haben wir beschlossen, zügig an einem langfristigen Handlungskonzept zu arbeiten.


11.    Stärkung und Profilierung der Katholischen Schulen in Deutschland

Die Katholischen Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland erfreuen sich allgemein einer hohen Akzeptanz und Nachfrage. Derzeit gibt es 905 Katholische Schulen. Sie umfassen alle möglichen Schulformen von der Grundschule über das Gymnasium, Berufsschule wie Internate und werden von insgesamt 370.000 Schülerinnen und Schülern besucht. Die Schulen befinden sich in der Trägerschaft von über 300 unterschiedlichen Schulträgern, darunter Diözesen und Ordensgemeinschaften.

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungsprozesse wie die demographischen Verschiebungen, die voranschreitende Säkularisierung oder auch die Weiterentwicklung des Schulsystems stellen die Schulträger vor neue Herausforderungen hinsichtlich der zukünftigen Profilierung und Weiterentwicklung der Schulen. Die Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz beobachtet diese Entwicklung aufmerksam und verfolgt mit einer Reihe von Maßnahmen das Anliegen, die Diözesen und Schulträger bei der Stärkung und profilspezifischen Weiterentwicklung zu unterstützen. Dazu gehört unter anderem eine Initiative zur Förderung der theologischen Qualifizierung und spirituellen Begleitung des pädagogischen Personals an Katholischen Schulen. Ziel ist die Unterstützung der Lehrkräfte Katholischer Schulen in ihrer Aufgabe, das besondere Profil der Schulen zu gestalten und weiterzuentwickeln. Ein weiteres Element ist ein Reflexionsprozess über die Aufgabe und Bedeutung Katholischer Schulen in Gegenwart und Zukunft. Ziel dieses Prozesses mit dem Arbeitstitel „Katholische Schule 21“ ist es zu definieren, worin mit Blick auf eine sich wandelnde Gesellschaft der spezifische Auftrag der Katholischen Schulen besteht. Dabei wird vor allem der Beitrag der Katholischen Schulen zur religiösen und ethischen Erziehung und Bildung, aber auch zur Dialogfähigkeit und sozialen Gerechtigkeit zu beschreiben sein. Ausführlich informiert die Internetseite www.katholische-schulen.de über das Engagement Katholischer Schulen in Deutschland.


12.    Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015

Wir haben uns erneut mit dem „Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015“ befasst, das in diesem Jahr seine Hauptaktivität entfalten wird. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg), der die Leitung des begleitenden Projektbeirats innehat, konnte berichten, dass wir nunmehr an bundesweit elf Standorten – vom Bodensee bis zur Nordsee, von Trier bis Görlitz – aktiv werden. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) laden wir internationale Künstlerinnen und Künstler, aber auch Kunststudierende verschiedener Sparten ein, unter dem Motto „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ – dies sind die einführenden Worte der Pastoralkonstitution des Konzils „Gaudium et spes“ – tätig zu werden. Ausgehend von den Kernanliegen des Konzils werden aktuelle Fragen und Probleme angesprochen und in je eigenen künstlerischen Ausdrucksformen dargestellt. Themen wie Migration, Forschung, Umwelt, Erinnern, Vereinzelung etc. kommen im  Hinblick auf die Zeitgenossenschaft der Kirche mit den Menschen zur Sprache.

Ganz wie Papst Franziskus es in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ ausgedrückt hat, wollen wir uns öffnen und eine neue kulturelle Synthese suchen. Wir wollen eine hörende Kirche und eine solidarische Gefährtin aller Menschen sein. Deshalb sind uns die Lebenswirklichkeiten aller, ihre Hoffnungen, Sorgen und Nöte wichtig. Über das Kunstprojekt und die einzelnen Initiativen informiert fortlaufend die Homepage www.freude-und-hoffnung.com.


13.    Ökumenische Sozialinitiative – Abschluss der Diskussionsphase

Die Vollversammlung hat sich mit dem bevorstehenden Abschluss der Diskussionsphase der Ökumenischen Sozialinitiative befasst. Am 28. Februar 2014 hatten der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz den Text „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende der einjährigen Diskussion werden die beiden Kirchen mit einer gemeinsamen ökumenischen Feststellung eine Bilanz der Sozialinitiative ziehen und Themen für die weitere sozialethische Debatte der Kirchen identifizieren. Zu den Vorarbeiten für die ökumenische Feststellung gehört die Evaluierung der Diskussionsphase, die von den beiden Sozialinstituten der Kirchen, d. h. von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach und vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in Hannover, erstellt wird. Zur Beratung der Feststellung findet am 13. März 2015 in Berlin eine gemeinsame Sitzung der Kammer für soziale Ordnung der EKD und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz statt. Nach der Beratung durch Kammer und Kommission soll der Entwurf der ökumenischen Feststellung jeweils in den Gremien der beiden Kirchen sowie im Kontaktgesprächskreis zwischen Deutscher Bischofskonferenz und dem Rat der EKD beraten und dann beschlossen werden. Die Veröffentlichung der gemeinsamen Feststellung zur Ökumenischen Sozialinitiative könnte dann vor dem Beginn der Sommerpause erfolgen.

In der öffentlichen Debatte über den Impulstext haben die Kirchen im Juni 2014 in Berlin zunächst einen großen Kongress zur Ökumenischen Sozialinitiative mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Kirche abgehalten. Stellungnahmen, Debattenbeiträge und Kommentare haben die Kirchen über die Internetseite www.sozialinitiative-kirchen.de erreicht. Thematische Schwerpunkte sind die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft, soziale Ungleichheit, der Arbeitsmarkt, Nachhaltigkeit und Berücksichtigung der Geschlechterperspektive sowie Fragen von Laien und Verbänden an die Sozialverkündigung der Kirche.

Innerhalb der Diskussionsphase fand zuletzt am 31. Januar 2015 in Frankfurt am Main ein sozialethisches Fachgespräch statt, bei dem sich die Kammer für soziale Ordnung der EKD und die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz mit den evangelischen und katholischen Vertretern der wissenschaftlichen Sozialethik ausgetauscht haben. Am 5. März 2015 findet ebenfalls in Frankfurt ein Treffen mit der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands zur Diskussion der Ökumenischen Sozialinitiative statt. Dabei sollen alle katholischen Verbände die Möglichkeit erhalten, ihre Position zu den Thesen der Sozialinitiative einzubringen und im Austausch mit Vertretern der Kommission zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser beiden Debatten sollen ebenfalls in die gemeinsame ökumenische Feststellung einfließen.


14.    Weltkirche

Osteuropa-Hilfswerk Renovabis
Pater Stefan Dartmann SJ gibt zum 31. Mai 2015 sein Amt als Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis auf, um auf Bitte seines Ordens Rektor des Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom zu werden. Dr. Gerhard Albert, Geschäftsführer von Renovabis, übernimmt übergangsweise die Leitung des Werkes.

Terror des Islamischen Staates
Die Vollversammlung hat sich erneut mit der Situation im Mittleren Osten auseinandergesetzt. Während der Tage in Hildesheim erreichte uns die Nachricht von der Entführung von mindestens 90 assyrischen Christen im Nordosten Syriens. Insbesondere der im Internet verbreitete Film über die Ermordung von 21 koptisch-orthodoxen Christen (16. Februar 2015), die als ägyptische Gastarbeiter in Libyen tätig waren, zeigt einmal mehr die äußerste Brutalität, mit der die Terrormiliz „Islamischer Staat“ inzwischen auch außerhalb Syriens und des Irak ihren Kampf führt. Man muss es deutlich aussprechen: Die Männer wurden einfach deshalb umgebracht, weil sie Christen waren. Offenbar soll die christliche Minderheit in Ägypten, die immerhin acht bis zehn Millionen Menschen umfasst, auf diese Weise verunsichert und so außer Landes getrieben werden. In dieser Situation dürfen wir dankbar sein für alle Zeichen der Mitmenschlichkeit und der Solidarität, die der ägyptische Staat und viele Muslime in diesen Tagen geben.

In Syrien und im Irak hat es in den zurückliegenden Monaten gewisse Fortschritte im militärischen Kampf gegen den „Islamischen Staat“ gegeben. Die Rückeroberung der von den Dschihadisten eroberten Gebiete liegt aber noch in beträchtlicher Ferne. An die internationale Staatengemeinschaft und auch die Bundesregierung richtet sich deshalb unsere Aufforderung, in der Auseinandersetzung mit den Terroristen nicht nachzulassen. Der „Islamische Staat“ muss aufgehalten werden. Zugleich ist es unerlässlich, den unzähligen Opfern des terroristischen Vormarschs, vor allem den Flüchtlingen, humanitär beizustehen. Die Kirche wird auch weiterhin ihren Beitrag dazu leisten.

Zur Lage in der Ukraine
Ein weiterer internationaler Schwerpunkt der Debatte in dieser Vollversammlung war die Situation in der Ukraine. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten des Landes haben zu Tausenden von Toten und zu mindestens einer Million Flüchtlinge geführt. Die wirtschaftliche Lage in den vom Kampf betroffenen Gebieten, darüber hinaus aber auch in der gesamten Ukraine hat sich massiv verschlechtert. Immer mehr Menschen leben unter katastrophalen Bedingungen.

Die deutschen Bischöfe verurteilen erneut die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und das fortgesetzte militärische Engagement der Russischen Föderation auf dem Staatsgebiet der Ukraine. Das Verhalten Russlands beschädigt und gefährdet die Friedensordnung in Europa. Es ist deshalb unannehmbar und trifft zurecht auf harte Reaktionen der europäischen Länder und der USA. Zugleich ist es unerlässlich, dass alle Spielräume für eine Deeskalation des Konflikts und eine Minderung der gefährlichen Spannungen genutzt werden. Die deutschen Bischöfe begrüßen daher die Initiative Deutschlands und Frankreichs, die zu neuen Vereinbarungen geführt hat (Minsk II). Alle Konfliktparteien haben die Verpflichtung, das von ihnen unterzeichnete Abkommen einzuhalten und so auf eine friedliche Entwicklung hinzuarbeiten. Die Vollversammlung hat dankbar zur Kenntnis genommen, dass Caritas international und Renovabis ihre Hilfe für die Not leidenden Menschen in der Ukraine weiter verstärkt haben. Auch in diesem Land ist humanitäres Engagement ein unverzichtbarer Beitrag der Kirche auf dem Weg zu einem gerechten Frieden.

Nahostkonflikt Israel – Palästina
Anlässlich des Internationalen Bischofstreffens „Zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“ (10. bis 15. Januar 2015) hat sich die Vollversammlung mit der politischen und gesellschaftlichen Lage in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten befasst. Das Internationale Bischofstreffen, das in diesem Jahr bereits zum 15. Mal abgehalten wurde, ist nach wie vor eine wichtige Plattform für den Austausch von katholischen Bischöfen aus Europa, Nordamerika und Südafrika mit den Kirchenführern im Heiligen Land. Die Treffen dienen darüber hinaus der Erkundung der politischen Lage und der Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser zerrissenen Weltregion sowie dem Gespräch mit palästinensischen und israelischen Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft auf beiden Seiten. Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), und der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, Weihbischof Thomas Maria Renz (Rottenburg-Stuttgart), haben der Vollversammlung einen ausführlichen Bericht besonders über ihren Besuch im Gaza-Streifen gegeben. Nach dem jüngsten Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas liegt das Gebiet weitgehend in Trümmern. Die deutschen Bischöfe rufen die politisch Verantwortlichen in der Region, aber auch der internationalen Politik auf, die humanitäre Lage in Gaza durchgreifend zu verbessern – um der betroffenen Menschen willen, aber auch um zu helfen, weitere Gewalteskalationen in der ohnedies fragilen Region zu vermeiden. Nach menschlichem Ermessen sind Israelis und Palästinenser von einem echten Frieden derzeit weiter entfernt denn je. Um auf einen tragfähigen Pfad zu gelangen, müssen aber erste Schritte eingeleitet werden. Dazu gehört die Beendigung der gewalttätigen Strategie der Hamas ebenso wie ein Ende der Arrondierung des international nicht anerkannten Grenzverlaufs zwischen Israel und dem Westjordanland und des fortgesetzten israelischen Siedlungsbaus.


15.    Armut und Familie in Deutschland

Während unserer Beratungen haben wir uns auch mit der Frage von Armut in Familien auseinandergesetzt. Wir müssen das als gesamtgesellschaftliche Herausforderung in einem globalen Kontext sehen. Das Evangelium kann heute nicht kraftvoll verkündet werden ohne Aufmerksamkeit für die Familien, die mit Armut in all ihren Formen konfrontiert sind und in der Folge in ihren Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt werden. Diese Aspekte wollen wir auch als ein Thema mit Blick auf die Vorbereitung der Bischofssynode in Rom im Auge behalten.

16.    Weltjugendtag 2016 in Krakau

Der Vorsitzende der Jugendkommission, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), hat uns über die Planungen zum XXXI. Weltjugendtag informiert. Er wird vom 26. bis 31. Juli 2016 unter dem Thema „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7) im polnischen Krakau stattfinden. Zuvor werden die erwarteten 16.000 jungen deutschen Pilgerinnen und Pilger die Gelegenheit haben, zu den „Tagen der Begegnung“ (20. bis 24. Juli 2016) in 41 polnischen Diözesen zu Gast zu sein. In den Tagen in Krakau können die jungen Menschen Katechesen von Bischöfen (27. bis 29. Juli), Papst Franziskus (28. bis 31. Juli), das gemeinsame Beten des Kreuzweges (29. Juli), eine Vigil (30. Juli) und den Abschlussgottesdienst (31. Juli) in Gemeinschaft mit jungen Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt erleben.

Unter dem Thema der göttlichen Barmherzigkeit werden in Krakau besonders zwei Heilige des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen: die heilige Schwester Faustyna Kowalska – die Botschafterin der Barmherzigkeit im 20. Jahrhundert – und der heilige Papst Johannes Paul II. – Initiator und Patron der Weltjugendtage und ehemaliger Erzbischof von Krakau. Zudem birgt das Motto in sich verschiedene Aspekte: grundlegend die Barmherzigkeit Gottes mit jedem einzelnen Menschen und die konkrete Hinwendung zum Nächsten, besonders zu den Armen und Benachteiligten, die Papst Franziskus immer wieder betont. Als konkret politische Dimension der Barmherzigkeit kommen die deutsch-polnische Geschichte, Gegenwart und Zukunft besonders in den Blick.

In den Vorbereitungen liegt ein Akzent auf der deutsch-polnischen Geschichte. So begeben sich einige Gruppen aus den deutschen Diözesen und Orden zu Begegnung und Vorbereitung unter dem Aspekt der Versöhnung und des gemeinsamen Bauens einer friedlichen Zukunft in Europa bereits 2015 nach Krakau und Auschwitz. Vom 2. bis 5. Juli 2015 werden sich Mitglieder der Jugendkommission und Weltjugendtagsverantwortliche aus den deutschen Diözesen, Verbänden, Orden und Neuen Geistlichen Gemeinschaften zur inhaltlich-geistlichen Vorbereitung nach Krakau und Auschwitz reisen. Zur Unterstützung der jungen Pilgerinnen und Pilger werden von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) ein Pilgeraccessoire, ein Pilgerheft mit Gebetsimpulsen, Liedern und organisatorischen Hinweisen zum Weltjugendtag und eine WJT-App bereitgestellt. Weitere Informationen zum kommenden Weltjugendtag in Krakau 2016 sind im Internet zu finden unter www.wjt.de und auf Facebook unter wjt.de.


17.    Caritas als Ort der Kirche

Der Vorsitzende der Kommission für caritative Fragen, Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln), hat in der Vollversammlung über die Planung zu einer zweiten Fachtagung der Kommission am 18. Juni 2015 in Köln informiert. Sie wird zentrale Aspekte zur Zukunft der Caritas in den Blick nehmen und unter dem Thema „Caritas als Ort der Kirche – Armut und Ausgrenzung als Herausforderung für Christen, Pfarrgemeinden und die Kirche“ stehen. Ziel der Fachtagung ist es, die Profilierung des diakonischen Grundauftrages der Kirche zu schärfen. Zu diesem Zweck werden Fragen von Armut und Ausgrenzung sowie der kirchlichen Verortung von Caritas in den Mittelpunkt gerückt. Die Tagung soll auch einen Beitrag der Kommission zur Implementierung des Apostolischen Schreibens „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus in der katholischen Kirche in Deutschland darstellen. Leitfragen, die die Auseinandersetzung mit dem Thema prägen sollen, werden sein: Wie können von Armut oder Ausgrenzung betroffene Menschen einen besseren Zugang zum kirchlichen Leben erhalten? Wie können Pfarrgemeinden unter der Berücksichtigung der neuen pastoralen Räume stärker als Orte der Kirche erfahrbar werden, die nah bei den Menschen sind, besonders bei den Armen? Wie kann der Dienst für und mit den Armen und Ausgegrenzten wieder stärker im Selbstverständnis eines jeden Christen und der Gemeinden verankert werden?

Bereits im vergangenen Jahr hat es eine erste Fachtagung zum Thema „Expansion und Profil – eine Herausforderung für die kirchliche Caritas“ gegeben. Sie konnte aufzeigen, dass die Caritas Anteil am Wachstum des gesamten Sozialbereichs hat, allerdings tendenziell weniger expandiert als andere Träger sozialer Dienste und Einrichtungen. Ihr spezifischer Marktanteil geht zurück. Das Markenzeichen der Caritas ist es, nah bei den Menschen zu sein und mit den Ressourcen verantwortlich umzugehen.


18.    Kirchenasyl

Die öffentliche Diskussion über das Kirchenasyl für Flüchtlinge hat auch die Vollversammlung beschäftigt. Die Bischöfe haben dabei einhellig die Auffassung vertreten, dass eine sehr ins Grundsätzliche gehende Debatte schlecht geeignet ist, um Antworten auf konkrete Probleme zu finden. Nochmals halten wir fest, dass sich das Kirchenasyl nicht gegen die rechtsstaatliche Ordnung richtet – im Gegenteil! – und die Kirche kein Sonderrecht für sich beansprucht. Wenn christliche Gemeinden Asylbewerber aufnehmen, so geschieht dies vielmehr, damit in einem konkreten Einzelfall die Rechtslage und rechtliche Ermessensspielräume noch einmal ausgelotet werden, um humanitären Härten oder sogar der Gefahr von Menschenrechtsverletzungen nach einer Abschiebung vorzubeugen. Immer muss in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden nach einer Lösung gesucht werden. Das gilt auch in den sogenannten „Dublin“-Fällen, also bei geplanten Abschiebungen in andere EU-Länder.


19.    Personalia

  • Weihbischof Wilfried Theising (Münster) wird stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie.
  • Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps (Rottenburg-Stuttgart) wird Berater der Unterkommission für Missionsfragen (insbesondere missio).
  • Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer (Speyer) wird Berater der Pastoralkommission.
  • Prof. Dr. Martin Stuflesser (Würzburg) wird Berater der Liturgiekommission.

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