Pressemeldung
13.12.2005 - Nr. 126

In der Wahrheit liegt der Friede

Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag 2006

Wer sich von der Wahrheit leiten lässt, schlägt "fast selbstverständlich den Weg des Friedens ein". Diese Überzeugung bringt Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft "In der Wahrheit liegt der Friede" zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2006 zum Ausdruck, die heute in Rom veröffentlicht wurde. Friede sei eben nicht einfach auf das bloße Nichtvorhandensein von Krieg zu reduzieren. Vielmehr müsse er als eine von Gott gestiftete Ordnung von den Menschen verwirklicht werden. Alle sind dazu aufgerufen, "fruchtbare und aufrichtige Beziehungen zu pflegen (...), die Wege der Verzeihung und der Versöhnung zu suchen und zu gehen sowie ehrlich zu sein in den Verhandlungen und treu zum einmal gegebenen Wort zu stehen." Dann erscheine der Friede in neuer Weise "als Zusammenleben der einzelnen Menschen in einer von der Gerechtigkeit geregelten Gesellschaft."
Immer wieder habe sich gezeigt, dass die Lüge verheerende Auswirkungen im Leben Einzelner und ganzer Nationen verursache. Man denke nur an das letzte Jahrhundert, "als irrige ideologische und politische Systeme die Wahrheit planmäßig verfälschten und so zur Ausbeutung und Unterdrückung einer erschütternden Anzahl von Menschen führten, ja, sogar ganze Familien und Gemeinschaften ausrotteten. Wie könnte man nach diesen Erfahrungen nicht ernstlich besorgt sein angesichts der Lügen unserer Zeit, die den Rahmen bilden für bedrohliche Szenerien des Todes in nicht wenigen Regionen der Welt?", so die besorgte Frage Papst Benedikts.
Selbst im Krieg gibt es die Wahrheit des Friedens, weshalb die Achtung des Menschenrechts, das von der Internationalen Gemeinschaft aufgestellt wurde und auf dessen Einhaltung auch der Heilige Stuhl immer wieder drängt, allen Völkern als notwendige Pflicht erscheint. Um eine korrekte Anwendung dieses Rechts zu gewährleisten, müsse es durch genaue Vorschriften aktualisiert werden, damit den veränderlichen Gegebenheiten der modernen bewaffneten Konflikte sowie der Verwendung ständig neuer, immer hochentwickelterer Waffensysteme entgegengetreten werden könne. Ausdrücklich dankt der Papst nicht nur den Internationalen Organisationen für ihr Engagement, sondern besonders auch den Soldaten, die zur Beilegung der Konflikte und zur Friedenssicherung eingesetzt sind, sowie den Militärbischöfen und Militärseelsorgern, die "in jeglicher Situation und Umgebung treue Verkünder der Wahrheit des Friedens bleiben".
Auch der Terrorismus gefährde den Frieden dramatisch, so der Papst weiter. Er werde zum einen vom Nihilismus - der Leugnung der Existenz jeglicher Wahrheit - und zum andern vom Fundamentalismus - dem Anspruch, Wahrheit mit Gewalt aufzwingen zu können - inspiriert. Sei auch ihr Ursprung verschieden, so stimmen doch beide Haltungen in einer gefährlichen Verachtung des Menschen und seines Lebens überein. Bei der Analyse der Ursachen des Terrorismus sollte man sich daher nicht nur politische und soziale Gründe, sondern auch die kulturellen, religiösen und ideologischen Motive vor Augen halten.
Wenn Autoritäten in ihren Bürgern feindselige Gefühle gegenüber anderen Nationen schüren, setzen sie das sensible, in mühsamen Verhandlungen errungene Gleichgewicht aufs Spiel und tragen dazu bei, die Zukunft der Menschheit noch unsicherer zu machen. Und Regierungen, die sich auf Nuklearwaffen zur Sicherheit ihrer Länder stützen, seien einem trügerischen Irrtum verfallen. "In einem Atomkrieg gäbe es nämlich keine Sieger, sondern nur Opfer", betont Papst Benedikt. Stattdessen sollten sich alle - auch jene, die bislang noch nicht über solche Waffen verfügen, sondern sie sich erst verschaffen wollen - auf eine fortschreitende Atomabrüstung ausrichten. Die so eingesparten Gelder könnten dann in Entwicklungsprojekte investiert werden.
Besorgt äußert sich Benedikt auch zum Anstieg der Militärausgaben und zum Waffenhandel. Der Internationalen Gemeinschaft sei der Mut und die Weisheit zu wünschen, dass sie wieder überzeugt und vereint die Abrüstung propagiere. Profitieren würden davon gerade auch die armen Länder. Sie haben ein Recht auf Entwicklung. Dies haben auch die Vereinten Nationen auf ihrer jüngsten Generalversammlung wieder bestätigt. Die katholische Kirche vertraue dieser Organisation, wünsche ihr aber zugleich eine institutionelle und operative Erneuerung, damit sie den veränderten Anforderungen der heutigen, vom umfassenden Phänomen der Globalisierung gekennzeichneten Zeit entsprechen könne.
Mit seiner ersten Botschaft zum traditionellen Weltfriedenstag am 1. Januar knüpft Papst Benedikt ausdrücklich an das Engagement von Papst Johannes Paul II. und Papst Paul VI. an und bestätigt den "festen Willen des Heiligen Stuhls (...), weiterhin der Sache des Friedens zu dienen."



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