Pressemeldung
02.01.2012 - Nr. 001

02.01.2012: Bund, Länder und Kirchen starten „Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“

Betroffene können sich an Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Bundesländern wenden

Mit Wirkung vom 1. Januar 2012 an stehen Betroffenen Mittel aus dem Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ (Fonds „Heimerziehung West“) zur Verfügung. Der Fonds wurde durch den Bund, die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg, die Evangelische Kirche in Deutschland, die (Erz-)Bistümer der katholischen Kirche im Bundesgebiet, den Deutschen Caritasverband, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Ordensobernkonferenz errichtet. Insgesamt stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung, die jeweils zu einem Drittel von Bund, Ländern und Kommunen sowie katholischer und evangelischer Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden und den Orden erbracht werden. Damit ist der Startschuss zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren gegeben.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bereits bei der Veröffentlichung des Abschlussberichts des Runden Tisches Heimerziehung am 13. Dezember 2010 eine schnelle und effektive Umsetzung der Lösungsvorschläge gefordert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zeigt sich über den Start des Fonds ab Januar 2012 erleichtert: „Ich freue mich, dass nun ein Angebot für ehemalige Heimkinder vorhanden ist, das ihre zentralen Anliegen berücksichtigt: das Bedürfnis nach Aussprache, der Wunsch nach Anerkennung, Beratung und therapeutischer Hilfe sowie finanzielle Hilfen.“ Erzbischof Zollitsch weist in diesem Zusammenhang auf die katholische Heimkinder-Hotline hin, die bereits seit zwei Jahren Betroffenen die Möglichkeit bietet, sich zu persönlichen Fragen und Problemen in Bezug auf die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in Heimen in Trägerschaft der katholischen Kirche zu informieren und Beratung in Anspruch zu nehmen. Dieses Angebot, das bislang von ca. 600 Personen in Anspruch genommen worden ist, besteht vorerst weiter.

Betroffenen, denen während ihrer Heimunterbringung in den Jahren 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland Unrecht und Leid zugefügt wurde, kann durch den Fonds eine Hilfe zur Bewältigung dieses Leids gewährt werden, soweit durch die Heimerziehung heute noch Traumatisierungen oder andere Beeinträchtigungen und Folgeschäden bestehen und dieser besondere Hilfebedarf nicht über die bestehenden Hilfe- und Versicherungssysteme abgedeckt wird. Darüber hinaus sollen Betroffene dabei unterstützt werden, ihre Zeit der Heimunterbringung zwischen 1949 und 1975 aufzuarbeiten. In Fällen, in denen es aufgrund seinerzeit nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einer Minderung von Rentenansprüchen gekommen ist, soll mit Hilfe des Fonds ein finanzieller Ausgleich gewährt werden.

Anträge können bis zum 31. Dezember 2014 gestellt werden. Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Bundesländern und Berlin beraten Betroffene und ermitteln den konkreten Hilfebedarf. Für Betroffene aus Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen sowie Jugendwerkhöfen der ehemaligen DDR ist geplant, bis zum Sommer 2012 entsprechende Regelungen und Grundlagen zu schaffen.

Auf der Website zum Fonds (www.fonds-heimerziehung.de) sind ausführliche Informationen zum Fonds, zur Antragstellung und zu den Zuständigkeiten der Beratungsstellen zu finden. Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständige Beratungseinrichtung: Tel. 0800 1004900 (montags: 8 Uhr bis 14 Uhr; dienstags, mittwochs, freitags: 16 Uhr bis 22 Uhr; sonntags: 14 Uhr bis 20 Uhr)

 

 

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