Pressemeldung
13.04.2012 - Nr. 063

13.04.2012: Grußwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, anlässlich des 85. Geburtstags S. H. Papst Benedikt XVI. am 16. April 2012 in Rom

Heiliger Vater!

Gerne reihe ich mich in die große und weltweite Schar der Gratulanten zu Ihrem 85. Geburtstag ein und überbringe Ihnen zu Ihrem Ehrentag die herzlichsten Glück- und Segenswünsche der Katholiken aus Ihrem geliebten Heimatland! Es ist mir eine hohe Ehre und große Freude, namens der deutschen Bischöfe und auch ganz persönlich Ihnen Gottes reichen Segen zu wünschen sowie persönliches Wohlergehen und weiterhin die Kraft des Heiligen Geistes in der Wahrnehmung Ihres hohen Amtes als Nachfolger des heiligen Petrus. Auch nach den vielen Jahren, ja mittlerweile Jahrzehnten in Rom, wissen Sie sich aufs engste mit Ihrer deutschen Heimat verbunden. Diese Verbundenheit haben Sie auf beeindruckende Weise auch während Ihrer bisherigen Deutschlandbesuche bewiesen: Sei es in Köln, Regensburg oder München, in Berlin, Erfurt oder Freiburg – viele Menschen sprechen in bester Erinnerung und voller Bewunderung von der Begegnung mit Ihnen.

Ihr ganzes Leben steht im Dienst der Kirche und in der Nachfolge Jesu Christi: Lange Jahre haben Sie als Hochschulprofessor Theologie gelehrt. Im Jahr 1977 wurden Sie zum Erzbischof von München und Freising und bereits acht Wochen später durch Papst Paul VI. zum Kardinal ernannt. Seit 1981 waren Sie Präfekt der Glaubenskongregation und damit enger Mitarbeiter der Römischen Kurie und Vertrauter Ihres geschätzten Vorgängers, Papst Johannes Paul II. Diese Aufgabe haben Sie mit ganzer Energie und großer Hingabe erfüllt. Seit sieben Jahren leiten Sie nunmehr selbst die katholische Kirche. Sie haben diese verantwortungsvolle Aufgabe nicht angestrebt. Sie verstehen es als Dienstamt, das Ihnen übertragen ist, Ihnen, dem ersten neuen Papst des 21. Jahrhunderts, einer Epoche, die von großen gesellschaftspolitischen Umwälzungen, enormen wissenschaftlichen Entwicklungen und von einer rasanten Globalisierung geprägt ist.

Heiliger Vater, Sie haben die Gabe und Aufgabe, die Kirche Jesu Christi in einer Zeit mangelnder geistiger Orientierung zu leiten und auf dem Weg in die Zukunft zu führen. Die Menschen suchen nach der Sinnhaftigkeit unseres Lebens in einer Welt, die zwar immer mehr „Lebens-Möglichkeiten“ eröffnet, die aber aus sich heraus die existenziellen Fragen nach dem „Woher, Warum und Wohin“ nicht beantworten kann. Die Menschen sehnen sich nach Antworten, die über das Vordergründige, über das rein wissenschaftlich-rational Erklärbare hinausweisen. Und sie suchen nach Personen, die dafür mit ihrer Existenz glaubwürdig und überzeugend stehen. Mit Ihrer großartigen Gabe, verehrter Heiliger Vater, mit großer Klarheit und scharfem analytischen Verstand die Zeichen der Zeit zu erkennen, sie zu deuten und mit der Botschaft des Evangeliums zu verbinden, werden Sie nicht müde, das Vermächtnis Jesu Christi zu bewahren und hier und heute zum Leuchten und Strahlen zu bringen. Zweifellos ist es eine entscheidende Frage unserer Zeit, wie wir die Liebe Gottes in der Gesellschaft der Gegenwart sichtbar machen und die Menschen an der Schönheit des Glaubens teilhaben lassen können. Wir sind Ihnen deshalb dankbar für die vielfältigen Initiativen zur Neuevangelisierung. Sie selbst suchen beständig nach der Einheit von Denken und Glauben, wie auch nach einer fruchtbaren Verbindung von Reflexion und Meditation. Damit gehen Sie uns auf dem Weg der Neuevangelisierung als großes Beispiel voran. Sie sind für die Kirche ein Vorbild dafür, wie ein ernsthaftes Hinhören auf die Menschen und ihre Fragen beschaffen sein muss.

Heiliger Vater, Sie schätzen das vielfältige ehrenamtliche Wirken der Katholiken in Deutschland. Während Ihres Aufenthaltes in Freiburg waren Sie am Gründungsort des Deutschen Caritasverbandes. Für mich ist dies ein gutes Beispiel, wie wir Christen die Bedürfnisse der Zeit sehen und – orientiert am Handeln Jesu – die Liebe Gottes in der Lebenswirklichkeit der Menschen aufscheinen lassen können. Dass Ihnen dieses Anliegen selbst am Herzen liegt, haben Sie in Ihrer ersten Enzyklika „Deus caritas est“ eindrucksvoll dargelegt. Gleich zu Beginn Ihres Pontifikats haben Sie auf nachdrückliche Weise die unverzichtbare Bedeutung christlicher Nächstenliebe für die Glaubhaftigkeit der Kirche in der Gesellschaft zur Geltung gebracht. Dabei wurzelt die Liebe zum Anderen in der Liebe Gottes und in der Liebe zu Gott.

Heiliger Vater, als Theologe mit scharfem analytischem Verstand und mit klarer Sprache suchen Sie nach Kohärenz und Einheit von Denken und Handeln. Sie stellen sich gegen die Zersplitterung der Welt und der Theologie. Ihre Gedanken werden rezipiert und weitergetragen. Nicht zuletzt ist Ihr in den letzten Jahrzehnten Ihres Wirkens als Professor entstandener Schülerkreis ein Beispiel dafür. Dabei blieben Sie persönlich immer ein „demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn“, wie Sie es selbst nach Ihrer Papstwahl formulierten. In hohem Alter die Bürde des Papstamtes zu tragen, zeugt von Ihrer beeindruckenden lebenslangen Bereitschaft, vom eigenen Ich abzusehen, um in eine immer tiefere Beziehung mit Jesus Christus hineinzuwachsen und in seinem Dienst fruchtbar zu werden.

Heiliger Vater, Ihnen ist stets bewusst, dass Sie aus einem Land kommen, in dem die Reformation ihren Ausgangspunkt hatte. Heute ist Deutschland von einer Vielzahl von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften und anderer Religionen geprägt. Damit ist es uns aufgetragen, ein zuträgliches Zusammenleben mit Juden und Muslimen in unserem Land zu gestalten. Mit den anderen Christen suchen wir nach der christlichen Verortung in einer weitreichend säkularisierten Gesellschaft. Dabei stellen wir auch die Frage, wo wir uns gegenseitig helfen können, noch lebendiger zu glauben. Die Konfessionen in Deutschland nehmen schon heute vielfach gemeinsam Verantwortung wahr für ein christliches Zeugnis in der Welt. Umso mehr muss es uns schmerzen, dass wir Christen ohne die von Jesus geforderte ganze Einheit leben. Der Auftrag Jesu, uns um die Einheit der Christen zu mühen, ist Ihnen ein Herzensanliegen. Durch Ihre aufbauenden Begegnungen mit unseren orthodoxen und evangelischen Brüdern und Schwestern während Ihres Deutschlandbesuches im vergangenen Jahr haben Sie für alle deutlich gezeigt, wie zentral Ihnen dieses Anliegen ist. Sie haben deutlich gemacht, dass der ökumenische Weg für unsere Kirche unumkehrbar ist. Für uns heißt dies, dass das Mühen um Einheit im Glauben nur in Einheit mit dem Nachfolger Petri und der Weltkirche zum Ziel gelangen kann.

Vielen Menschen haben Sie über Jahrzehnte entscheidende Glaubens- und Gedankenanstöße gegeben – und Sie tun dies bis heute. Sie geben unserem Leben Orientierung, Gottes Wirken zu erkennen und in der Kirche Heimat zu finden. So sind Sie auf vielfältige Weise ein „cooperator veritatis“. Wir wissen uns durch Ihr Beispiel in die Pflicht genommen. Während des gemeinsamen Mittagessens mit uns deutschen Bischöfen in Freiburg sagten Sie: „Die Kirche lebt, und sie hat Zukunft.“ Heiliger Vater, gerne setzen wir an Ihrer Seite alle Kraft für die Lebendigkeit der Kirche in Deutschland ein. Genauso gerne stellen wir die Möglichkeiten und Talente der Gläubigen und ihrer Hirten in den Dienst der weltweiten Kirche. Ich versichere Sie der uneingeschränkten Verbundenheit und des fürbittenden Gebetes der Deutschen Bischofskonferenz. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Festtag und sende Ihnen nochmals den herzlichen Glück- und Segenswunsch der Bischöfe, des Klerus und der Gläubigen in Ihrem Heimatland.

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