Pressemeldung
23.07.2014 - Nr. 122

Erzbischof Schick zur Vertreibung der Christen aus der irakischen Stadt Mossul

„Ein Tag der Trauer und des Entsetzens“

„Es ist ein Tag der Trauer und des Entsetzens.“ Mit diesen Worten kommentiert der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), die Vertreibung der Christen aus der nordirakischen Stadt Mossul. Die islamistische Terrororganisation ISIS, die in den vergangenen Monaten Teile des Irak und Syriens unter ihre Kontrolle bringen konnte, hat die Christen in Mossul und andernorts vor die Alternative gestellt, auszuwandern oder Schutzgelder zu bezahlen, um nicht getötet zu werden. „Christen haben im Irak seit vielen Jahrhunderten friedlich mit ihren Nachbarn gelebt. Bereits seit der von den USA angeführten Irak-Invasion (2003) und besonders seit den Kämpfen zwischen Sunniten und Shiiten ab 2006 sahen sich die meisten Christen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Durch islamistische Fanatiker, die einen ‚Gottesstaat‘ nach ihrer Façon errichten wollen, sind jetzt wohl alle Christen aus Mossul vertrieben. In anderen Städten ist Gleiches zu befürchten“.

Die Vertreibung der Christen und anderer friedliebender und toleranter religiöser Minderheiten, auch aus dem Islam, sei ein „Anschlag auf die Grundlagen der Zivilisation, der Menschenwürde und Menschenrechte“. „Natürlich ist es falsch und gefährlich, die Muslime als Religionsgruppe für solche Untaten zu verurteilen. Gleichwohl müssen sich die Eliten des Islam der Frage stellen, warum in vielen Teilen der muslimisch geprägten Weltregionen solche Aggression und Gewalt herrschen. Hier nur auf politische Auseinandersetzungen, wirtschaftliche Interessen und eine koloniale Geschichte zu verweisen, greift zu kurz. Sie müssen auch fragen, wo die kulturell-religiösen Gründe für solche Fehlentwicklungen liegen.“ Die islamischen Führungspersönlichkeiten sollten sich weltweit zusammen tun und solche Untaten an Christen verurteilen, forderte der Erzbischof.

Nach den Worten von Erzbischof Schick darf auch die politische Weltgemeinschaft die Auslöschung der Christen in Mossul und anderen Teilen des Irak nicht hinnehmen. Er rief zugleich die Christen weltweit zum Gebet für ihre Glaubensgeschwister in der Bedrängnis auf. „Humanitäre Hilfe muss für die zur Flucht Gezwungenen selbstverständlich sein. Gemeinsam mit allen anderen Wohlmeinenden müssen die Christen weltweit darüber hinaus aktiv auf den Tag der Rückkehr der Vertriebenen und die erneute Präsenz der Christen in Mossul mit allen Mitteln hinarbeiten. Die internationale Weltgemeinschaft ist in der Pflicht.“

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