Pressemeldung
13.09.2014 - Nr. 144

Viertes Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz in Magdeburg beendet

„Dynamik, Selbstbewusstsein, Ehrlichkeit!“

Zum Abschluss des vierten Gesprächsforums der Deutschen Bischofskonferenz hat der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, heute in Magdeburg die rund 300 Teilnehmer aufgerufen, mutig und ermutigt den Weg der Kirche voranzugehen. „Die Pädagogik Jesu war nicht, zu sagen, was alles nicht klappt. Jesus hat den Menschen Mut gemacht: Glaube! Der Glaube kann alles! Deshalb müssen wir an die Ressourcen appellieren, die vorhanden sind, in der Kraft des Geistes, im Miteinander, eine Mission für die Welt zu sein und so zu evangelisieren“, sagte Kardinal Marx. Er warb um Vertrauen für den weiteren Weg, den man nur gemeinsam im Glauben bewältigen könne: „Wir bleiben verbunden und gemeinsam auf dem eingeschlagenen Weg. Der Gesprächsprozess ist die Suche nach einem neuen Miteinander und das Finden der Themen, die in der Kirche offen und angstfrei angesprochen werden müssen. Am Ende des Prozesses im kommenden Jahr muss gut überlegt werden, was der Dialog gebracht hat. Wir werden uns damit in der Bischofskonferenz befassen“, so Kardinal Marx. „Das Gesprächsforum ist kein Beschlussgremium, sondern gibt Orientierung. Ergebnisse, Maßnahmen und konkrete Schritte müssen jetzt überlegt werden.“ Er fügte hinzu: „Uns haben die bisherigen Gesprächsforen in Mannheim, Hannover, Stuttgart und jetzt in Magdeburg viele Impulse gegeben. Die Begegnungen helfen uns Bischöfen sehr, das zu tun, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel in unserer Kirche, den wir nur erahnen können gerade mit Blick auf eine immer stärker werdende säkulare Gesellschaft.“ Für 2015 gehe es um eine intensive Vorbereitung, die zum „Doppelpunkt“ werden müsse: „Nach Abschluss des Gesprächsprozesses geht es weiter im Leben in der Kirche, die eine Vielzahl von Aufgaben in der Gesellschaft erfüllen will. Wir werden einen verbindlichen Rahmen für die weitere Arbeit finden, auch in den Themen, die uns alle beschäftigen und manchmal oft auch bedrängen.“

Das Gesprächsforum in Magdeburg stand unter dem Leitwort „Martyria: ‚Ich bin eine Mission‘ – heute von Gott reden“. Dabei ging es um die Frage, welche Haltungen, Sprache und welches Handeln notwendig für die Glaubensweitergabe in der Gesellschaft und der Kirche seien. Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), der mit Kardinal Reinhard Marx und Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) zur Steuerungsgruppe in der Vorbereitung und Durchführung des Gesprächsprozesses gehört, würdigte in einer Zusammenfassung den bisherigen Verlauf des Prozesses als „dynamisches Geschehen in der Kirche. Diese Dynamik müssen wir weitertragen, das gelingt nur gemeinsam. Wenn es wahr ist, dass der Glaube eine Gnade ist und wir daran mitwirken können mit allen Kräften, dann soll die Kirche das Transportmittel dieser Gnade sein“, so Bischof Overbeck. Dabei – das hätten die Tage in Magdeburg deutlich gemacht – müsse man akzeptieren, dass es Verschiebungen im kirchlichen Handeln geben werde. Als Beispiele nannte Bischof Overbeck die Katechese, die Erwachsene neu in den Blick nehmen müsse, aber auch die Sprache, mit der man nach außen auftrete: „Verkündigung kann nur gelingen, wenn wir verständlich bleiben. Wir brauchen gemeinsam die neue Chance auf ein lebendiges Christsein.“ Es gehe darum, „mehr Transparenz, mehr Dynamik in die Institution Kirche zu investieren und ernst zu machen mit großem Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit“. Bischof Bode zeigte sich dankbar für die Begegnung in Magdeburg. Offene Fragen müssten noch realistischer angesprochen werden: „Unsere Suche braucht den Mut, noch tiefer zu werden und unsere Hoffnung muss noch stärker werden. Wir haben viel zu tun bis in das Jahr 2015“, so Bischof Bode.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hob hervor, dass das Gesprächsforum in Magdeburg deutlich gemacht habe, dass die Kirche den von Papst Franziskus eingeschlagenen Weg hin zu einer hörenden und dienenden Kirche weiter gehen muss, wenn sie den Menschen ihre Botschaft verständlich zugänglich machen will: „Unsere Kirche wird weitgehend immer noch als eine Institution mit Machtanspruch und mit einer Tendenz zur Bevormundung der Menschen wahrgenommen“, so Glück. „In diesem Dialogprozess wurde aber deutlich, wie stark die Botschaft von Papst Franziskus für eine hörende und dienende Kirche wirksam wird. Das ist ein wichtiger Schritt im notwendigen Abschied von einer Kirche, die zu sehr um sich selbst kreist. Im Mittelpunkt aller Gespräche in Magdeburg stand die Frage, wie wir aus diesem neuen Geist heraus den Menschen von heute die Botschaft des Evangeliums zugänglich machen können.“ Für die Rolle und Aufgabe der Kirche in der Gesellschaft bedeutet dies nach Überzeugung des ZdK-Präsidenten auch, den Wandel vom Anspruch der Dominanz früherer Zeiten hin zur Bereitschaft zum Dienst in einer offenen Gesellschaft zu akzeptieren und zu gestalten.

Das abschließende Gesprächsforum des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz findet im kommenden Jahr am 11. und 12. September 2015 in Würzburg statt. Hier wurde vor 40 Jahren die Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland beendet.

Hinweis:
Redebeiträge, Fotos, Teilnehmerliste und eine Dokumentation zum Gesprächsforum in Magdeburg, die in den kommenden Tagen erstellt wird, finden Sie im Dossier Gesprächsprozess.

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