Pressemeldung
14.11.2014 - Nr. 189

Kardinal Marx zur Orientierungsdebatte „Sterbebegleitung“ im Deutschen Bundestag

Zur gestrigen Orientierungsdebatte „Sterbebegleitung“ im Deutschen Bundestag erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Von der gestrigen Orientierungsdebatte über die Sterbebegleitung im Deutschen Bundestag bin ich beeindruckt. Sie war von großer Ernsthaftigkeit und dem Respekt der Abgeordneten voreinander geprägt. Viele Abgeordnete haben mutig von ihren ganz persönlichen Erfahrungen berichtet. Es ist gut, dass unser Parlament solche Debatten möglich macht. Ich bin froh, dass sich eine so große Einmütigkeit in der Frage des Ausbaus der Palliativversorgung in Deutschland abzeichnet. Die Sorge um eine fürsorgende Begleitung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase muss im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen.

Bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass sich so viele Abgeordnete dagegen ausgesprochen haben, eine dezidierte Regelung für ein Angebot des ärztlich assistierten Suizids zu schaffen. Das Bewusstsein, dass eine Verrechtlichung dieses Bereichs zu einer Verschiebung der ethischen Maßstäbe den Wert des Lebens betreffend führen würde, zog sich durch eine Vielzahl von Wortbeiträgen. Deutlich wurde auch wieder, dass es nottut, die Menschen in Deutschland besser über jene Möglichkeiten zu informieren, die es bereits in unserem bestehenden System für eine Sterbebegleitung gibt, die den Wünschen des Einzelnen entsprechen.

Ich finde es ermutigend für die weitere Debatte, dass die Mehrheit jener, die sich gestern zu Wort gemeldet haben, über eine maßvolle Justierung im Bereich der bestehenden rechtlichen Regelungen nachdenkt, nämlich über ein Verbot der organisierten Formen der Förderung der Selbsttötung. Der Ausgang der gestern erst begonnenen parlamentarischen Meinungsfindung ist trotz dieser guten Signale noch offen. Entscheidend werden die konkreten Gesetzesvorlagen sein, die es jetzt erst noch zu erarbeiten gilt.

Als katholische Kirche wollen wir die Diskussionen in den kommenden Monaten aufmerksam beobachten und konstruktiv begleiten. Dabei werden wir uns weiter für ein Verbot jeder organisierten Form der Sterbehilfe ebenso einsetzen wie für eine von allen als notwendig erachteten Verbesserung der palliativen und hospizlichen Versorgung in Deutschland. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dass kein Mensch in Deutschland fürchten muss, einsam oder unter unerträglichen Schmerzen sterben zu müssen.“

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