Pressemeldung
17.07.2015 - Nr. 120

Kardinal Marx zu den jüngsten Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte

„Gegen Hass und Gewalt klar Stellung beziehen“

Aus Anlass der jüngsten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Alles deutet darauf hin, dass das Feuer, das in der Nacht zum Donnerstag in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im bayerischen Reichertshofen ausgebrochen ist, vorsätzlich gelegt wurde. Reichertshofen ist damit das jüngste Glied in einer langen Kette von Übergriffen auf Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünfte – 150 allein im ersten Halbjahr 2015! Besonders die andauernden Proteste und Ausschreitungen im sächsischen Freital zeigen, dass einige Gruppen versuchen, das Klima in unserer Gesellschaft zu vergiften und Hass zu säen. Das dürfen wir niemals dulden!

In den letzten beiden Jahren hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, stark erhöht. Oft unter Einsatz ihres Lebens sind diese Menschen der unbeschreiblichen Not in den Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten des Mittleren Ostens und Afrikas entkommen. Für viele von ihnen geht es nicht zuerst um gute Lebensbedingungen, sondern schlicht ums Überleben. Ohne Wenn und Aber: Diese Flüchtlinge, viele von ihnen traumatisiert, haben Anspruch auf Schutz und Fürsorge. Sie zu bedrohen und zu attackieren, zeugt von enormer Verrohung, die unsere Gesellschaft niemals akzeptieren darf. Wer angesichts der jüngsten Vorkommnisse schweigt und wegsieht, der verrät unsere Werteordnung. Gegen Hass und Gewalt müssen wir alle klar Stellung beziehen.

Gerne erinnere ich daran, dass Papst Franziskus uns zu einer Kultur der Aufnahme und Solidarität aufruft. Er ermutigt dazu, das krankhafte Misstrauen gegenüber Einwanderern und Fremden zu überwinden. Die Bistümer, kirchlichen Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden und Ordensgemeinschaften und ebenso viele Einzelne folgen diesem Aufruf und treten auf allen gesellschaftlichen Ebenen für eine solidarische Willkommenskultur ein und engagieren sich in vielfältiger Weise. Dafür bin ich sehr dankbar! Nicht der Hauch eines Zweifels ist erlaubt: Wo Flüchtlinge bedroht sind, steht die Kirche an ihrer Seite!“

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