Pressemeldung
25.08.2015 - Nr. 134

Bischof Ackermann protestiert gegen Bau der Sperrmauer bei Beit Jala

Verstoß gegen die Gerechtigkeit

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax und Delegierter der Deutschen Bischofskonferenz bei den jährlichen Internationalen Bischofstreffen im Heiligen Land, hat zu den aktuellen Auseinandersetzungen über den israelisch-palästinensischen Grenzverlauf im Cremisan-Tal Stellung genommen. Er verurteilt den Beginn der Bauarbeiten an einem Teilstück der Sperrmauer bei Beit Jala unweit von Bethlehem und fordert die Verantwortlichen auf, den Bau auf privatem Land einzustellen. „Es verstößt gegen die Gerechtigkeit, wenn hier 58 christliche Familien ihres Landes und ihres Lebensunterhalts beraubt werden und keinen Zugang mehr zu ihren landwirtschaftlichen Flächen haben“, kritisiert Bischof Ackermann das Vorgehen der israelischen Armee. Auch die Arbeit von zwei christlichen Klöstern werde durch den Mauerverlauf beeinträchtigt.

Die seit Jahren umstrittene Planung für den Verlauf der Grenzmauer im Cremisan-Tal war im April 2015 durch ein Urteil des israelischen Obersten Gerichtshofs teilweise korrigiert worden; auch hatte das Gericht alternative Verlaufspläne eingefordert. Anfang Juli gestatteten die Richter jedoch den Bau der Mauer in bestimmten Teilstücken und veränderten damit ihr eigenes Urteil. Daraufhin wurde Anfang August unmittelbar mit den Arbeiten begonnen; zahlreiche Olivenbäume auf der Bautrasse sind bereits der Rodung zum Opfer gefallen. Gegen das zuletzt ergangene Urteil hat die Menschenrechtsorganisation „Saint Yves Society“ Einspruch beim Obersten Gerichtshof erhoben.

„Es ist besonders zu beanstanden, dass die Armee nun mit den Rodungsarbeiten begonnen hat, ohne eine abschließende gerichtliche Entscheidung in dieser Sache abzuwarten“, erklärt Bischof Ackermann. Das Vorgehen im Cremisan-Tal schüre weiter Unmut und Misstrauen und sei symptomatisch für die desolate Situation im Heiligen Land. „Es ist unheilvoll für beide Völker, wenn durch die Fortsetzung dieser Art von Siedlungspolitik eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich gemacht wird.“

Die neue Entwicklung im Cremisan-Tal hat auch den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, und mehrere Bischofskonferenzen weltweit zu deutlicher Kritik veranlasst. Auch die Vertretungen der Europäischen Union in Jerusalem und Ramallah haben die Vorgänge zum Thema gemacht.

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