Aktuelle Meldung
09.10.2015 - Nr. 033

Sprachgruppen stellen Ergebnisse zum ersten Teil des „Instrumentum laboris" vor

Bischofssynode in Rom

In der heutigen Generalkongregation der Bischofssynode in Rom ist die Arbeit der verschiedenen Sprachgruppen vorgestellt worden. Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), Relator der deutschsprachigen Gruppe, stellte den Diskussionsstand der Gruppe im Plenum vor. Wir dokumentieren den vom Heiligen Stuhl veröffentlichten Text.

Im deutschen Zirkel unter Leitung von Christoph Kardinal Schönborn O.P. haben wir in einer sehr offenen und guten Atmosphäre den ersten Teil des Instrumentum laboris bedacht und bearbeitet. Die verschiedenen Sichtweisen der Teilnehmer waren bereichernd und wurden so auch wahrgenommen. Die Arbeit in dieser Gruppe zeigte meines Erachtens wieder einmal: Vielfalt macht reich.

Der Gesamtduktus des Textes fand einmütiglich Zustimmung. Auch sind wir mit der gegebenen Reihenfolge des Instrumentum laboris, also mit der Anordnung der drei Kapitel, sehr einverstanden. Sie greift den Aufbau die Papiere früherer Synoden und Konferenzen auf, die vom Sehen zum Urteilen führen und schließlich in das Handeln münden.

Wir haben aber auch Elemente hinzugefügt, die uns wichtig sind. So schlagen wir vor und bitten, am Beginn des ersten Kapitels einen Abschnitt einzufügen, der die Schönheit der Ehe und den Auftrag der Ehen und Familien umschreibt und greifen dabei das Anliegen der Betrachtungen von Papst Franziskus auf. Dankbar und staunend nehmen wir wahr, dass die Ehe berufen ist an der Schöpfungskraft Gottes teilzunehmen und an seinem Werk der Erlösung. Die Ehe ist nicht nur ein Thema des katholischen Glaubens sondern erweist sich in ihrem tiefsten Gehalt als Grundsehnsucht der Menschen. Sie zeigt sich weit über die kulturellen und religiösen Grenzen und über allen gesellschaftlichen Wandel hinweg als bemerkenswert konstant. Der Mensch sehnt sich danach, geliebt zu werden und Liebe zu schenken. Liebe ist das umfassende und bedingungslose Ja zu einem anderen Menschen – um seiner selbst willen, ohne Hintergedanken und Vorbehalte. Auch ist es ein menschlicher Grundzug, dass Liebe sich stets weiterschenken will. So entfaltet sich die Ehe in der Liebe zu den Kindern und den anderen Familienangehörigen. So wächst aus der Ehe die Familie, die ausstrahlt in Gesellschaft und Kirche. Die christliche Ehe ist damit ein Stück gelebte Kirche.

Wir schlagen auch vor, in diesem einleitenden Gedanken den Eheleuten und Familien für ihren großen Dienst füreinander, für unsere Gesellschaft und für unsere Kirche zu danken. Wir wollen auch denen besonders danken, die in Schwierigkeiten beieinander geblieben sind und so ein sichtbares Zeichen der Treue Gottes geworden sind.

In diesem einleitenden Wort möchten wir auch erwähnen, warum wir als Bischöfe zur Ehe und Familie Stellung nehmen: Wir kommen aus Familien, leben als Familie und nehmen Anteil am Leben der Familie. In unserer Verantwortung als Hirten sorgen wir Bischöfe uns um das Leben der Ehen und Familien. Wir möchten aber auch Hinhören auf ihre Lebensumstände und ihre Herausforderungen und sie mit dem liebenden Blick des Evangeliums begleiten und stärken.

In einer anderen Ergänzung möchten wir beispielsweise das Familienthema Verwandtschaft aufgreifen. In ihrer jeweiligen kulturellen Prägung bieten vor allem die Verwandtschaftsbeziehungen weit über die Kernfamilie hinaus vielerlei Möglichkeiten der Unterstützung in der Erziehung von Kindern und des familiären Zusammenlebens. Sie sind besonders wichtig, wo durch Migration, Katastrophen und Flucht, aber auch durch die Effekte der Arbeitsmobilität oder infolge zerbrochener menschlicher Beziehungen das Leben der Kernfamilie erschwert, beeinträchtigt oder sogar zerstört ist. Gerade in diesen Situationen erweist sich das weite Netz der Verwandtschaft als kostbare Hilfe.

Diese beiden Beispiele mögen zeigen, dass wir den uns vorgelegten Text positiv angenommen haben, aber auch weiter zu entwickeln und zu ergänzen versucht haben.

Eine Anmerkung möchte ich noch vortragen zur Wahrnehmung und Beurteilung unterschiedlicher kultureller Gegebenheiten. Ein Synodendokument muss die jeweiligen kulturellen Eigenheiten und Unterschiede sachgerecht wahrnehmen. Besonders dann, wenn es um ambivalente oder aus kirchlicher Sicht problematische Elemente der heutigen kulturellen Wirklichkeit geht. Hier ist eine differenzierte Analyse und Beurteilung unabdingbar, um zu einem sachgerechten und nuancierten weltkirchlich-interkulturellen Austausch beizutragen. An einem Beispiel darf ich dies verdeutlichen: Oftmals ist im ersten Kapitel vom Individualismus die Rede. Als egoistischer Grundzug ist er zweifelsohne eine große Gefahr für das Leben der Menschen. Nicht verwechselt aber darf er werden mit der Individualität des Menschen. Jeder einzelne Mensch ist von Gott ganz einmalig und großartig geschaffen und verdient seine Hochachtung und den Schutz der Würde seiner Person. In unserem Text ist mehrmals vom Individualismus die Rede, aber wenig werden die positiven Zeichen der Zeit gewürdigt, die sich aus der Achtung der Individualität des Menschen ergeben. Wenn wir hier nicht differenziert wahrnehmen, kommen wir auch zu unterschiedlichen Bewertungen unserer Gesellschaft und folglich auch zu unterschiedlichen pastoralen Empfehlungen. Unser Zirkel bittet, nicht zu sehr in eine Überbewertung der eher pessimistischen Wahrnehmung unserer Gesellschaft zu verfallen.

Schließlich: Es stellt sich ein doppeltes Problem der Übersetzung, das der wörtlichen Übersetzung der italienischen Texte und das der kulturellen Übersetzung der Inhalte.

Die deutsche Übersetzung folgt relativ genau dem italienischen Text, was aber bisweilen den deutschen Text oft schwer verständlich macht. Gründe dafür sind oft die überlangen Sätze, die im deutschen kürzere Sätze erfordern. Auch der verschachtelte Stil macht zu schaffen. Hier ist generell auf kürzere Sätze zu achten und bessere Strukturierung der Inhalte. Bei der Übersetzung der endgültigen Texte ist auf einen guten Stil, angenehme Lesbarkeit und klaren Duktus zu achten. Die Übersetzung sollten nicht interlinear, sondern sinngemäß sein.

Bei der Verfassung der Texte sollte darauf geachtet werden, dass kirchliche und theologische Positionen nicht nur intern verständlich sind, sondern auch in einer säkularen Umwelt zugänglich sind. Daher bedarf es auch eine „kulturellen Übersetzung“, gleichsam einer Inkulturation. Daraus folgt bei der Redaktion des Gesamtdokuments, ob eine negativ abgrenzende und normativ verurteilende Sprache vorherrscht (forensischer Stil) oder eine positive, die christliche Position entfaltende Sprache, die damit implizit zur Sprache bringt, welche Positionen christlich inkompatibel sind. Dazu gehört auch die Bereitschaft (cf. Gaudium et spes), von der Gesellschaft positive Entwicklungen aufzugreifen. Vielleicht brauchen wir für den Gesamtduktus eine Art „Hermeneutik der Evangelisierung“, die den jeweiligen Gegenstand „im Licht des Evangeliums“ betrachtet. 

Wir freuen uns sehr auf die weitere mitbrüderliche Zusammenarbeit und danken allen für die vielen Mühen um einen einmütigen Verlauf und Abschluss der Synode.

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