Pressemeldung
12.11.2015 - Nr. 208

Pressegespräch mit Erzbischof Dr. Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz

„Die Fürsorge für Flüchtlinge ist Teil unserer christlichen Identität“

Angesichts der zunehmenden Zahl von Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, und der damit verbundenen drängenden Fragen für Gesellschaft und Politik hat die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer jüngsten Herbst-Vollversammlung in Fulda den Erzbischof von Hamburg, Erzbischof Dr. Stefan Heße, zum „Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen“ ernannt. Bei einem Pressegespräch in Hamburg hat Erzbischof Heße seine Aufgabe und die damit verbundenen Herausforderungen vorgestellt sowie über einen für Ende November geplanten „Katholischen Flüchtlingsgipfel“ informiert.

„Da Fragen von Flucht und Asyl die ethischen Grundsätze des Christentums berühren, begleiten wir politische Entwicklungen in diesem Bereich mit besonderer Aufmerksamkeit. Hier will ich feststellen: Die enormen Anstrengungen, die die staatlichen Stellen in unserem Land unternehmen, um Flüchtlinge unterzubringen und zu versorgen, erfahren in der Kirche große Anerkennung. Kritisch sehen wir derzeit jedoch Pläne, die darauf abzielen, den Familiennachzug für eine bestimmte Gruppe von Schutzsuchenden einzuschränken. Aus kirchlicher Sicht hat der Grundsatz der Einheit der Familie hohe Bedeutung“, betonte Erzbischof Heße. Das Anliegen der Bundesregierung, Asylverfahren zu beschleunigen, sei zu begrüßen. Dabei müsse allerdings weiterhin gewährleistet sein, dass jedem Schutzsuchenden der Zugang zu einer adäquaten Rechtsberatung offenstehe und Asylanträge mit der notwendigen Gründlichkeit und Unvoreingenommenheit geprüft würden. Erzbischof Heße: „Als Christen sind wir dazu berufen, die Freiheit und Würde jedes Menschen, der bei uns Zuflucht sucht, zu verteidigen. Ausgehend von dieser Überzeugung setzen wir uns dafür ein, dass gerade in Krisenzeiten grundlegende rechtsstaatliche, humanitäre und soziale Errungenschaften gesichert werden.“

„Die Fürsorge für Flüchtlinge ist Teil unserer christlichen Identität“, so Erzbischof Heße. Gleichwohl dürfe nicht der Eindruck einer einseitigen Konzentration der Kirche auf den Bereich der Flüchtlingshilfe entstehen. „Unser caritatives Engagement für die vielen Menschen, die an die Ränder unserer Gesellschaft gedrängt werden, setzen wir mit unverminderter Energie fort.“ Auch habe die Kirche stets eine Verantwortung für das gesamtgesellschaftliche Wohl.

Arbeitsstab des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen
Nach seiner Ernennung hat Erzbischof Heße einen Arbeitsstab zusammengestellt, in dem relevante Akteure der kirchlichen Flüchtlingshilfe versammelt sind: Neben Fachleuten der inländischen und internationalen Flüchtlingshilfe der Caritas gehören dem Arbeitsstab diözesane Migrations- und Flüchtlingsbeauftragte, Vertreter der Ordensgemeinschaften und der katholischen Siedlungswerke sowie Mitarbeiter des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz und des Katholischen Büros in Berlin an. Gemeinsam soll zu einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung der kirchlichen Flüchtlingshilfe beigetragen werden. Der Arbeitsstab soll vor allem subsidiär, moderierend und koordinierend tätig werden und zugleich als Impulsgeber für neue Aktivitäten der Flüchtlingshilfe fungieren. Außerdem soll der Arbeitsstab des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen die Vernetzung der Akteure verbessern, den effektiven Einsatz von Ressourcen und Kompetenzen überprüfen sowie Grenzen und Schwierigkeiten der kirchlichen Arbeit in den Blick nehmen. Der Aufbau von Doppelstrukturen in Bezug auf die Arbeit der 27 deutschen Bistümer und des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen wird vermieden.

Dem Arbeitsstab gehören neben dem Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Dr. Stefan Heße, zurzeit folgende Personen an:

  • Roberto Alborino, Leiter des Referats Migration und Integration des Deutschen Caritasverbandes (DCV) sowie Geschäftsführer der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Migration (KAM);
  • Kerstin Düsch, juristische Referentin für Aufenthalts- und Flüchtlingspolitik, Bildungspolitik und Strafrecht im Katholischen Büro in Berlin;
  • Daniela Elpers, Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Pater Josef Grünner SDB, Provinzial der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos sowie Beisitzer im erweiterten Vorstand der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK);
  • Klaus Hagedorn, Koordinator der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln;
  • Dr. Elke Hümmeler, Ordinariatsdirektorin und Beauftragte des Erzbistums München und Freising für Flucht und Asyl;
  • Alexander Kalbarczyk, Referent für politische und gesellschaftliche Fragen der Migration im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz sowie Geschäftsführer der Migrationskommission (XIV);
  • Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas international (CI);
  • Ulrich Müller, Geschäftsführender Vorstand des Katholischen Siedlungsdienstes e. V. – Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau;
  • Ulrich Pöner, Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Monika Schwenke, Migrationsbeauftragte des Bistums Magdeburg sowie Abteilungsleiterin Sozialarbeit im Diözesan-Caritasverband Magdeburg.

 

Katholischer Flüchtlingsgipfel
Am 24. November 2015 wird in Würzburg ein Katholischer Flüchtlingsgipfel stattfinden, zu dem etwa 100 Vertreter der verschiedenen katholischen Organisationen, die einen Beitrag zur Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen leisten können, erwartet werden. In mehreren Arbeitsgruppen wird es die Möglichkeit geben, konkrete Handlungsempfehlungen für die kirchliche Flüchtlingshilfe zu erarbeiten. Bei dem Flüchtlingsgipfel werden Fragen, die das Leitbild der kirchlichen Flüchtlingshilfe betreffen, besprochen sowie folgende Themenfelder:

  • Unterstützung des Engagements der zahlreichen freiwilligen Helfer auf lange Sicht sowie die Stärkung und Qualifizierung aller, die in der kirchlichen Flüchtlingshilfe tätig sind.
  • Verstärkung der Verantwortung in der Seelsorge für christliche Flüchtlinge.
  • Förderung des interreligiösen Dialogs: Kooperationen zwischen christlichen, muslimischen und jüdischen Akteuren im Bereich der Flüchtlingshilfe.
  • Förderung der Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge, längerfristig und mit Blick auf den nahenden Winter: stärkere Nutzung der Ressourcen der katholischen Siedlungswerke.
  • Ausbau der Bildungsperspektiven für Flüchtlinge: Der Flüchtlingsgipfel wird – von der frühkindlichen und schulischen Bildung bis hin zur Hochschul- und Erwachsenenbildung – die wichtigsten katholischen Akteure in diesem Bereich zusammenführen.
  • Verstärkung der Fürsorgepflicht für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.


Hinweise:
Das Statement von Erzbischof Dr. Stefan Heße finden Sie untenstehend als pdf-Datei. Weitere Informationen zur Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche, zu Projekten sowie zum Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz finden Sie auf der Microsite „Flüchtlingshilfe“.


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