Pressemeldung
18.02.2016 - Nr. 031

Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Kloster Schöntal

Pressebericht von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (18. Februar 2016) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten.

Wir dokumentieren hier den umfassenden Pressebericht zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 18. Februar 2016 um 14.00 Uhr in Kloster Schöntal vorgestellt hat sowie Anlage 1: „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ und Anlage 2: „Studie – Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.

Am Ende dieser Pressemitteilung finden Sie den gesamten Pressebericht und die Anlagen 1 und 2 auch als pdf-Dateien zum Herunterladen.

 1.    Einleitung

 2.    Eröffnungsgottesdienst

 3.    Grußwort des Apostolischen Nuntius

 4.    Studientag „Kultur der Aufnahme und der Solidarität – die Herausforderung durch Flüchtlinge und Migration“

 5.    Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

 6.    Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom

 7.    Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses „Im Heute glauben“

 8.    Aktuelle Herausforderungen im Deutschen Ethikrat

 9.    Reformationsgedenken und „Healing of memories“

10.    Internationaler Eucharistischer Kongress auf den Philippinen

11.    Kirche in Europa – Bericht von der ComECE

12.    Thesen zum Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen

13.    Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015 – Abschlussbericht

14.    16. Internationales Bischofstreffen „Zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“

15.    Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Bericht über eine Studie

16    XXXI. Weltjugendtag in Krakau – Stand der Vorbereitungen

17.    Personalien


1.    Einleitung

Auf Einladung des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart, Bischof Dr. Gebhard Fürst, sind wir nach Kloster Schöntal gekommen. 64 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz waren bei unseren Beratungen anwesend.


2.    Eröffnungsgottesdienst

Bei der Eröffnungsmesse wollte ich in meiner Predigt dazu Mut machen, in diesen turbulenten Zeiten auf die Kraft des Gebets zu vertrauen. Barmherzigkeit – zentrales Thema in diesem Heiligen Jahr – ist zunächst eine Erfahrung des Gebets. Im Gebet geschieht die Begegnung mit Christus. Gerade im Antlitz des Gekreuzigten sehen wir die Leiden und die Armen der Welt: Menschen, die der Barmherzigkeit besonders bedürfen. Das Drama der Flüchtlinge ist sehr nachdrücklich auf unsere Agenda gekommen. Deshalb habe ich bewusst ein aufrichtiges Wort des Dankes gesprochen. Pfarreien, Ordensgemeinschaften, Verbände, viele Weitere und die Bistümer haben erkannt, was zu tun und dass aus dem Geist Jesu zu handeln ist. Der Dank von uns Bischöfen gilt allen in unserer Kirche und Gesellschaft, die sich für Flüchtlinge einsetzen und sich so im Sinne Jesu selbst mit den Ärmsten identifizieren.

 

3.    Grußwort des Apostolischen Nuntius

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, hat in seinem Grußwort einige Ausführungen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit gemacht und positiv gewürdigt, wie intensiv das Heilige Jahr bereits in den deutschen Diözesen aufgenommen worden ist. Besonders hervorgehoben hat der Apostolische Nuntius unsere Arbeit für Flüchtlinge: „Mit Blick auf die Werke der Nächstenliebe ist es gut, an die großen Anstrengungen der katholischen Kirche in Deutschland auf den unterschiedlichen Feldern zu erinnern. Besonders hervorzuheben ist ihr wertvoller Beitrag bei der Aufnahme und Unterstützung von zahlreichen Flüchtlingen, die in alle Teile des Landes gekommen sind. Im Jahr 2015 hat Deutschland mehr als 1,1 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Ohne die Hilfe der Strukturen und des Personals der katholischen Kirche wie auch der evangelischen kirchlichen Gemeinschaften, vor allem ohne den großherzigen Einsatz der Christen in Deutschland, wäre die Unterbringung sehr viel schwieriger gewesen. Die Ankunft dieser Schwestern und Brüder aus den Kriegsgebieten oder der Armen bietet die außerordentliche Gelegenheit, alle leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit zu üben“, so Erzbischof Eterović in seinem Grußwort.

 

4.    Studientag „Kultur der Aufnahme und der Solidarität – die Herausforderung durch Flüchtlinge und Migration“

Der gestrige Mittwoch unserer Vollversammlung stand im Zeichen eines ganztägigen Studientages, der dem Thema „Kultur der Aufnahme und der Solidarität – die Herausforderung durch Flüchtlinge und Migranten“ gewidmet war. Dabei kamen die Fragen und Probleme zur Sprache, die unserer Gesellschaft und auch der Kirche durch die große Zahl von Flüchtlingen aufgegeben sind. Noch wichtiger war den Bischöfen aber eine profunde Auseinandersetzung mit den Tiefenstrukturen des weltweiten Migrationsgeschehens, um vor diesem Hintergrund die aktuellen Entwicklungen besser verstehen zu können.

Unter dem Titel „Globale Migrationsbewegungen heute: Annäherungen an ein Gesamtbild“ analysierten der Osnabrücker Migrationsforscher Prof. Dr. Jochen Oltmer und der Beigeordnete Hohe Flüchtlingskommissar des UNHCR, Volker Türk, die Migrationsbewegungen der Gegenwart und die Antworten der internationalen Gemeinschaft auf die Not von Flüchtlingen. Dabei wurde deutlich, dass die Zahl der Flüchtlinge weltweit im Vergleich der vergangenen Jahrzehnte nicht radikal gestiegen ist. Mit der Krise im Nahen und Mittleren Osten ist Deutschland jedoch derzeit in den Fokus der Fluchtbewegungen geraten, u. a. wegen der politischen und wirtschaftlichen Stabilität unseres Landes und des Zusammenbruchs des europäischen Flüchtlings- und Asyl-Regimes. Wir haben dankbar zur Kenntnis genommen, dass das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen eine hohe Wertschätzung für die Arbeit der Kirchen im Bereich der Flüchtlingshilfe – in Deutschland und international – hegt.

Die innenpolitische Debatte über Flucht und Migration wurde beim Studientag in einem Gespräch zwischen Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz, dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und dem Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes Prälat Dr. Peter Neher aufgegriffen. Die Politiker berichteten über die Bemühungen der Bundesländer, die mit dem Zuzug von Flüchtlingen verbundenen Aufgaben zu bewältigen, und diskutierten die neuen Gesetzgebungsinitiativen des Bundes. Von den Bischöfen wurde unterstrichen, dass trotz mancher politischer Kontroversen die Lösung konkreter Probleme im Vordergrund des Regierungshandelns stehen muss. Nur indem die Politik die berechtigten Anliegen der Schutzsuchenden aufgreift und sich zugleich den Sorgen der einheimischen Bevölkerung stellt, wird sie Vertrauen bewahren oder zurückgewinnen können.

Über das karitative Engagement der Kirche berichteten Kardinal Francesco Montenegro, der auch für die Insel Lampedusa zuständige Erzbischof von Agrigent, und, am Beispiel der Erzdiözese Berlin, die dortige Caritasdirektorin Prof. Dr. Ulrike Kostka. Der Einsatz der Kirche, so wurde in beiden Vorträgen herausgestellt, beruht zu wesentlichen Teilen auf dem ehrenamtlichen Dienst der Gläubigen, die sich von der Not der Flüchtlinge anrühren lassen. Hauptamtliche Mitarbeiter haben nicht zuletzt die Aufgabe, diesen Einsatz zu ermutigen und zu qualifizieren.

Pater Manfred Kollig SSCC, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat der Diözese Münster, analysierte in seinem Beitrag die pastoralen Herausforderungen, die von Flucht und Migration ausgehen. Die Fremden, die in unser Land kommen, dürfen seinen Worten zufolge nicht vorrangig als „Problem“ angesehen werden. Ein fruchtbares Miteinander sei vielmehr dann möglich, wenn Flüchtlinge und Migranten als „Botschaft Gottes“ begriffen würden; die Kirche müsse sich bemühen, diese zu verstehen, um auf der Höhe der Zeit zu agieren.

Die Beratungen im Plenum wurden ergänzt durch fünf Workshops, die sich einzelnen Fragen der kirchlichen Arbeit widmeten. Dabei kamen die pastorale Situation der mit Rom unierten Kirchen in Deutschland (mit dem Staatskirchenrechtler Prof. Dr. Ansgar Hense und Pater Gaby Geagea, Prior der Maroniten-Mission Deutschland), fremdenfeindliche Tendenzen in Gesellschaft und Kirche (mit Prof. Dr. Heinz Bude und Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl), die pastorale Begleitung in der Abschiebehaft (mit Pater Ludger Hillebrand und Fr. Felix Polten vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst) und die Bekämpfung von Fluchtursachen (mit Prof. Dr. Jochen Oltmer und Misereor-Geschäftsführer Dr. Bröckelmann-Simon) zur Sprache. Ein weiterer Workshop präsentierte bibel- und pastoraltheologische Reflexionen zur Frage „Welchen Glauben schenken uns die Migranten?“ Hier wirkten die Wiener Pastoraltheologin Prof. Dr. Regina Polak und die als Jugendliche aus Syrien geflohene Nahrin Lazar mit.

Einen Einblick in konkrete Projekte der Flüchtlings- und Migrantenhilfe boten zehn Initiativen, die im Tagungsgebäude einen „Markt der guten Ideen“ veranstalteten.

Am Ende ihrer Beratungen fassten die Bischöfe die grundlegende Prägung der kirchlichen Flüchtlingshilfe und des Beitrags der Kirche an der Diskussion im öffentlichen Raum unter drei Stichworten zusammen:

Empathie: Die Kirche und ihre Gläubigen können gegenüber dem Leid der aus ihrer Heimat Geflohenen nicht gleichgültig bleiben. Nicht allein soziale Aktivität ist gefordert, sondern die Bereitschaft, im Leiden der Anderen Christus zu begegnen.

Sachlichkeit: Die Kirche erhebt in der augenblicklichen Debatte ihre Stimme für Sachlichkeit, konkrete Problemlösungen und gesellschaftlichen Konsens. Sie steht gegen mancherorts um sich greifende Hysterie und vagabundierende Stimmungen.

Praxis: Die kirchliche Flüchtlingsarbeit lebt von der Einsatzbereitschaft, von Kreativität und Fantasie der vielen Beteiligten. In der Praxis der Solidarität kommen das geistliche Fundament und das Selbstverständnis einer dienenden Kirche zum Ausdruck.

5.    Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

Die Vollversammlung hat am heutigen Tag „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ verabschiedet. Das Dokument (Anlage 1) stellt in knapper Form die theologischen Grundlagen des kirchlichen Dienstes für die Flüchtlinge dar und umreißt – geordnet nach zwölf Arbeitsfeldern – die zentralen Aufgaben, die sich den Bistümern, den Orden, der Caritas und den katholischen Organisationen stellen. Den Anstoß zu diesem Text hat der „Katholische Flüchtlingsgipfel“ gegeben, zu dem der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Vertreter kirchlicher Organisationen im November 2015 nach Würzburg eingeladen hatte. Die Teilnehmer an der Konferenz hatten den Bedarf nach einer tragfähigen ethischen Orientierung in der Flüchtlingshilfe zum Ausdruck gebracht und sich für die Erstellung einer „Agenda“ der kirchlichen Arbeit ausgesprochen. Die Arbeit an dem nun beschlossenen „Leitsätze“-Papier erfolgte in einem partizipativen Prozess, der auf der Mitwirkung der zum „Flüchtlingsgipfel“ eingeladenen Organisationen aufbaute.

Der Text unterstreicht, dass die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten zum Selbstverständnis der Kirche gehört. Das Engagement kann nicht an einzelne Träger sozialer Arbeit delegiert werden, sondern muss sich auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens – und in ökumenischer Zusammenarbeit – vollziehen. Kirchliche Flüchtlingsarbeit legt dabei einen besonderen Fokus auf menschliche Begegnung und persönliche Begleitung. Das Dokument stellt klar, dass das Engagement für die Geflüchteten nicht zur Einschränkung der Unterstützung anderer Hilfe-Bedürftiger führen darf. Die Bischöfe bekennen sich zudem zu der kirchlichen Verpflichtung, zur Integration von Menschen mit anderer kultureller und religiöser Prägung beizutragen.

Das neue Dokument umreißt sodann die wesentlichen Themenfelder, die im Bereich der Flüchtlingshilfe in der näheren Zukunft der Bearbeitung bedürfen. Stichworte sind die Begleitung und Qualifizierung des ehrenamtlichen Engagements; die Seelsorge für die katholischen Christen aus dem Mittleren Osten und die Rolle, die den Pfarreien dabei zukommt; die Beschaffung von Wohnraum; Programme, die die gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit fördern; der verbesserte Zugang von Flüchtlingen zu Bildungsangeboten der katholischen Kirche; die Gesundheitsversorgung und die psycho-soziale Begleitung; der besondere Einsatz für unbegleitete Flüchtlinge und für geflüchtete Frauen; der interkulturelle und interreligiöse Dialog, der auch antisemitischen Ressentiments entgegenwirken soll; die internationale Flüchtlingshilfe und die besondere Solidarität mit christlichen Flüchtlingen.

 

6.    Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom

Vom 16. bis 20. November 2015 waren die deutschen Bischöfe nach neun Jahren wieder zum Ad-limina-Besuch in Rom. Der gemeinsame Aufenthalt und die Feier der Gottesdienste haben den Zusammenhalt untereinander gestärkt. Besonders die Gespräche mit dem Heiligen Vater in den drei Gruppenaudienzen waren offen, mitbrüderlich und von großem wechselseitigen Vertrauen gekennzeichnet. Insofern möchte ich den notgedrungen kurzen Abschlusstext des Heiligen Vaters, der an uns ausgeteilt wurde, von unserer Seite nicht ergänzen. Die Atmosphäre und die Inhalte dieser Begegnungen haben wir als sehr positiv empfunden. Über die Inhalte sind wir im Gespräch.

Hervorheben möchte ich die guten Gespräche in der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, in denen wir über Fragen der Priesterausbildung und den Dialog zwischen Bischöfen und Fakultäten gesprochen haben. Besonders hat uns die positive Würdigung der Gottesdienstkongregation für das neue GOTTESLOB gefreut. In den Kongregationen und Räten fanden teils sehr fruchtbare Gespräche statt. So haben wir beispielsweise mit der Gottesdienstkongregation, der Bildungskongregation und dem Staatssekretariat vereinbart, einzelne Themen zu vertiefen.

 

7.    Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses „Im Heute glauben“

Wir haben uns noch einmal über den Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses ausgetauscht. Am vergangenen Freitag konnte dazu die Abschlussbotschaft der deutschen Bischöfe veröffentlicht werden. In dieser Botschaft betonen wir, wie dankbar wir dem Bestreben der an diesem fünfjährigen Prozess Beteiligten sind, sich als hörende, dienende und pilgernde Kirche auf den Weg zu machen und eine Kirche des Dialogs zu sein.

Vor allem war uns in der Botschaft wichtig – und das wurde in diesen Tagen auch in unseren Beratungen nochmals deutlich –, dass der eingeschlagene Weg weitergeht. In unserer Botschaft heißt es dazu: „Wir laden zu einer Versammlung mit Vertreterinnen und Vertretern u. a. aus den (Erz-)Diözesen, den Orden, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem Deutschen Caritasverband, den Theologieprofessoren und den Gemeinschaften und Bewegungen ein, wie wir sie im Dialogprozess erlebt haben. Sie soll nach Möglichkeit alle zwei Jahre mit ca. 120 Personen stattfinden und sich konkreten (Einzel-)Fragen des kirchlichen Auftrags widmen. Die Auswahl der Themen und die Vorbereitung der Treffen sollen gemeinsam erfolgen. Die Treffen dienen der Reflexion, der Konsultation, der Vergewisserung und der Verständigung über den weiteren Weg. Wir sind davon überzeugt, dass sie neben den entsprechenden Begegnungen in den (Erz-)Diözesen weitere Schritte auf dem Weg einer ‚Kirche der Teilhabe‘ sind.“ Der bischöflichen Steuerungsgruppe für den weiteren Weg gehören neben mir Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) und Weihbischof Dr. Michael Gerber (Freiburg) an.

 

8.    Aktuelle Herausforderungen im Deutschen Ethikrat

Über die Arbeit und die aktuellen Herausforderungen des Deutschen Ethikrates berichtete Weihbischof DDr. Anton Losinger (Augsburg) aus dem Bereich der Lebenswissenschaften, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in den Bereichen Reproduktionsmedizin und Gentechnik.

Auf dem Feld der Reproduktionsmedizin, zu dem der Deutsche Ethikrat aktuell eine Stellungnahme „Embryonenspende und Embryonenadoption“ vorlegt, müssen drei kritische Anfragen markiert werden: 1) der „Status Embryonis“ und die Gefährdung des unantastbaren Prinzips von Lebensrecht und Würde des embryonalen Menschen infolge unkontrollierter In-Vitro-Fertilisations-Praxis, 2) das Problem der „gespaltenen Elternschaft“, die durch die Splittung in biologische, rechtliche und soziale Elternrolle zu drastischen Identitätsproblemen des Kindes führt, und 3) die Grundsatzanfrage der Technik künstlicher Befruchtung, die durch konstante Negierung der „Dreierregel“ des Embryonenschutzgesetzes zu einer tausendfachen Zahl „kryokonservierter“ Embryonen führt, deren Lebensperspektive völlig unklar bleibt und regulär in der Verwerfung endet.

Bei den neuesten gentechnischen Forschungen ist von einem molekulargenetischen Durchbruch auszugehen, der mit dem Namen CRISPR Cas9 (Emmanuelle Charpentiere) verbunden ist. Damit sind erstmals in der Forschungsgeschichte „Genome editing“- und „Genome design“-Verfahren möglich, die auf molekularer Ebene einen hocheffizienten und präzisen Eingriff in die Keimbahn des Menschen implizieren. Dieser absolute Tabubruch in der reproduktionsmedizinischen Forschung ist durch die aktuell vom Crick Institut in Großbritannien beantragte und genehmigte Forschungsreihe nun aktuell. Das bedeutet den Einstieg in „Embryonenverbrauchende Forschung“, Eingriff und Änderung menschlicher Genetik durch genetische Designs und damit eine unüberschaubare Auswirkung auf alle künftigen Generationen durch Keimbahneingriff. So hat die politisch virulente Frage nach der Notwendigkeit eines neuen Reproduktionsmedizingesetzes neue Nahrung bekommen. Von solchen politischen und juristischen Initiativen ist im Blick auf die geschilderten Problemlagen dringend abzuraten, da in diesem Prozess der hohe Lebensrechts- und Lebensschutzstandard des Deutschen Embryonenschutzgesetzes signifikant gefährdet würde.

 

9.    Reformationsgedenken und „Healing of memories“

Wir haben uns mit dem Stand der Vorbereitungen auf das Reformationsgedenken 2017 befasst. Durch den Besuch von Papst Franziskus im schwedischen Lund am 31. Oktober 2016 bekommt das Gedenken noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Für die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird ein wichtiger erster Moment die gemeinsame Pilgerfahrt in das Heilige Land vom 16. bis 22. Oktober 2016 sein, bei der wir uns unserer gemeinsamen Quellen und Wurzeln betend und pilgernd vergewissern wollen.

Am 29. Juni 2015 haben der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und ich unseren Briefwechsel vorgestellt: Jahrhundertfeiern zum Reformationstag waren bislang Anlass zur Abgrenzung der Konfessionen voneinander. Dies soll 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg erstmals anders sein. Der Ratsvorsitzende schrieb damals an mich: „Nicht allein durch die epochalen Impulse des II. Vaticanum, die die ökumenische Gesprächssituation zwischen unseren Kirchen ganz neu eröffnet haben, sondern auch durch die theologisch exakte Verständigungsbemühung ist ein ökumenisches Vertrauen zwischen unseren Kirchen gewachsen, die Bereiche eines gemeinsamen Gestaltens des Erinnerns erlauben; dafür ist die EKD sehr dankbar.“ Auf diesem Fundament stehen die ökumenischen Perspektiven für 2017: „Das Reformationsjubiläum 2017 ist im Kern ein Christusfest, das die Botschaft von der freien Gnade Gottes ausrichten will an alles Volk.“

In meiner Antwort habe ich die Einladung der EKD als einen Ausdruck verlässlicher Beziehungen gewürdigt. Sie zeigt, dass die EKD ihr Reformationsgedenken nicht feiern möchte, ohne ihre ökumenischen Partner mit einzubinden. Durch den ökumenischen Dialog in den vergangenen Jahrzehnten ist bewusst geworden, „dass uns der Glaube an Jesus Christus, das Lesen der Heiligen Schrift und das sakramentale Band der Taufe zutiefst miteinander verbinden … Die beiden großen Kirchen stehen in der gemeinsamen Verantwortung, dass durch das Reformationsgedenken die Annäherung, die zwischen unseren Kirchen erreicht wurde, nicht gefährdet wird, ja mehr noch, dass wir unsere Einheit im Glauben sichtbar werden lassen und ihr in einer Weise Ausdruck verleihen, die die Christen in ihrem Glauben bestärkt und die die Menschen, die unseren Kirchen fernstehen, uns als Brüder und Schwestern im Glauben erleben lässt. Unser gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus ist heute in unserer Gesellschaft und bei der Suche vieler Zeitgenossen nach Halt und Orientierung von besonderer Dringlichkeit.“

Bei den verschiedenen Schritten, die wir für 2017 vereinbart haben, ist bereits im Jahr 2012 der „Healing-of-memories-Prozess“ angestoßen worden. Es geht uns um eine Rückschau auf wichtige Etappen der Geschichte in der Trennung, um „Orte“ der Auseinandersetzung, um Schlüsselbegriffe und Perspektiven einer ökumenischen weiteren Verständigung. Seinen Abschluss findet der Prozess in einem zentralen gemeinsamen Gottesdienst am 11. März 2017 in Hildesheim. Den Text „Healing of memories“ haben wir in der Vollversammlung beraten. Er wird in einem nächsten Schritt in den Gremien der EKD diskutiert. Mit dem Ratsvorsitzenden der EKD hoffe ich, dass wir Ihnen das Dokument im Herbst vorstellen können.

 

10.    Internationaler Eucharistischer Kongress auf den Philippinen

Der Vorsitzende der Liturgiekommission, Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg), hat uns über seine Teilnahme am Internationalen Eucharistischen Kongress berichtet, der vom 24. bis 31. Januar 2016 in Cebu auf den Philippinen stattfand. Der Kongress stand unter dem Leitwort „Christus in euch, unsere Hoffnung auf Herrlichkeit“.

Mehr als 150 Kardinäle und Bischöfe und über 15.000 Dauerteilnehmer aus allen Teilen der Welt haben an diesem Glaubensfest teilgenommen. Besonders intensiv war der asiatische Raum vertreten, in den hinein der Kongress in starker Weise wirkt. Die Teilnehmer haben gemeinsam gebetet, gesungen und in Vorträgen und Berichten aus ihrem Leben versucht, das Geheimnis der Eucharistie tiefer zu ergründen und ihre Bedeutung für das tägliche Leben zu erkennen. Bischof Hofmann zeigte sich besonders beeindruckt von der Gastfreundschaft auf den Philippinen. Gleichzeitig berichtete er von der bedrückenden Armut: Schnell wachsende Hochhäuser und glänzende Einkaufspassagen wechseln sich unmittelbar ab mit Vierteln, in denen Menschen am Existenzminimum leben. Die Armut schreit nach Wandel. In dieser Realität wird deutlich, dass das, was in der Eucharistie gefeiert wird, immer auch eine soziale Dimension hat.

Der 52. Eucharistische Weltkongress findet 2020 im ungarischen Budapest statt.


11.    Kirche in Europa – Bericht von der ComECE

Die Vollversammlung hat einen Bericht über die Arbeit der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE) und die politische Lage in Europa entgegengenommen. Mit der jüngsten Vollversammlung der ComECE im Spätherbst in Paris sollte bewusst eine Verbindung zur Vorbereitung auf die Internationale Klimakonferenz hergestellt werden. Neben der Verabschiedung eines Expertentextes zur Klimafrage unterstrich auch eine Veranstaltung im Collège des Bernardins den thematischen Schwerpunkt. Inhaltlich überlagert wurde die Vollversammlung von der aktuellen Flüchtlingsproblematik. Dabei hat sich wieder einmal herausgestellt, dass die Kirche in den verschiedenen europäischen Ländern einen unterschiedlichen Umgang mit der Thematik pflegt, aber in einigen Grundpositionen eng und oft mehr zusammensteht, als das nach außen zu erkennen ist. Insbesondere die Bischofskonferenzen in Mittel- und Osteuropa schauen skeptischer auf die Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere aus muslimischen Ländern. Die ComECE-Bischöfe haben das Amt eines Koordinators für Flucht, Migration und Integration eingerichtet und Bischof Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt, Österreich) mit dieser Aufgabe beauftragt. In Wien hat in dieser Woche eine ComECE-Konferenz von Vertretern der Bischofskonferenzen stattgefunden, die entlang der „Balkanroute“ zu treffen sind. Weihbischof Dr. Matthias Heinrich (Berlin) hat daran teilgenommen und uns einen kurzen Bericht gegeben. Vor kurzem konnte ich aktuelle Fragen zur Flüchtlingsproblematik und zur Situation in der Europäischen Union mit dem ersten Vizepräsidenten der Kommission, Frans Timmermans, und der EU-Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, erörtern.

Schwierig gestaltet sich unter der neuen EU-Kommission der Dialog zwischen der EU und den Religionsgemeinschaften nach Art. 17 Abs. 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Das bisher auch für den Dialog zuständige Beratergremium für europäische Politik wurde von Jean-Claude Juncker aufgelöst und die Nachfolgeeinrichtung, das Europäische Zentrum für politische Strategie, ist nicht mehr für den Dialog verantwortlich. In der Kommission liegt die Zuständigkeit für den Dialog nun beim ersten Vizepräsidenten Frans Timmermans und in der Generaldirektion „Justiz und Verbraucher“. Das jährliche „High Level Religious Leaders Meeting“ wurde erst nach den Anschlägen vom 7. Januar 2015 in Paris wieder aufgenommen. Folglich fand am 16. Juni 2015 ein Treffen Frans Timmermans und des Vizepräsidenten des Europaparlaments, Antonio Tajani, mit Religionsvertretern (und am 2. Juni 2015 mit Weltanschauungsgemeinschaften) zum Thema „Zusammenleben und mit Meinungsverschiedenheiten positiv umgehen“ statt. Trotz Vorbehalten der Religionsgemeinschaften und entgegen der bisherigen Tradition bevorzugt Vizepräsident Timmermans eine gemeinsame Dialogveranstaltung mit Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Das Europäische Parlament hingegen führte am 24. März 2015 zum ersten Mal den Dialog mit den Religionsgemeinschaften getrennt vom Dialog mit den Weltanschauungsgemeinschaften durch. Dabei zeigt sich ein problematisches Verständnis der EU-Institutionen von Religion und Dialog: Sie scheinen Religion eher als Ursache von Problemen wahrzunehmen und den Dialog als religionspolitisches Instrument gesellschaftlicher Befriedung zu verstehen sowie sich selbst in der Rolle des Organisators eines interreligiösen Dialogs zu sehen. Die EU-Verträge sehen jedoch einen Dialog der Union mit den Religionsgemeinschaften vor, nicht die Organisation eines Dialogs zwischen den Religionen. Die Vollversammlung bittet, dass die ComECE die breite inhaltliche Ausrichtung dieses Dialogs weiterhin im Blick behält, damit die Kirche ihre Position zu selbstgewählten Themen einbringen kann.

 

12.    Thesen zum Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen

Die Kommission für Erziehung und Schule hat den Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft (AKS) beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Konferenz der (erz-)diözesanen Schulabteilungsleiter und den Landesarbeitsgemeinschaften Katholischer Schulen einen Reflexionsprozess über die Aufgabe und Bedeutung der Katholischen Schulen zu initiieren. Angesichts einer Reihe von gesellschaftlichen Entwicklungen, wie zum Beispiel einer voranschreitenden Säkularisierung und religiösen Pluralisierung, demographischer Verschiebungen und nicht zuletzt der Weiterentwicklung des Schulsystems, stehen Katholische Schulen zunehmend vor der Herausforderung, das Profil ihres Angebots deutlich zu stärken. Ziele des Reflexionsprozesses „Katholische Schule 21“ waren daher einerseits eine Klärung und Vergewisserung des Selbstverständnisses und der Zukunftsperspektiven des katholischen Schulwesens nach innen und andererseits die Herausarbeitung und Formulierung markanter Merkmale, mit denen sich das Angebot Katholischer Schulen nach außen darstellen lässt.

In den Beratungen hat uns der Vorsitzende der Kommission, Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), einen Textentwurf vorgestellt mit dem Titel „Erziehung und Bildung im Geist der Frohen Botschaft. Sieben Thesen zum Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen“. Der Entwurf nimmt Bezug auf die im Jahre 2009 veröffentlichten „Qualitätskriterien für Katholische Schulen“. Der Text hebt das Bildungsverständnis und die religiöse Dimension der Erziehung und Bildung Katholischer Schulen, aber auch deren pastorale Bedeutung, die Erziehung zu verantwortlicher Weltgestaltung, den Beitrag der Schulen zu mehr Teilhabe und Gerechtigkeit in der Gesellschaft und das Einüben von Dialog und menschlicher Gemeinschaft und Vielfalt hervor. Wir werden den endgültigen Text Ende April verabschieden und dann auch vorstellen.


13.    Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum 2015 – Abschlussbericht

Zum Abschluss des großen Mehrsparten-Kunstprojekts der Deutschen Bischofskonferenz zum 50-jährigen Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils, das vor drei Wochen geendet hat, haben wir einen Rückblick gehalten und uns über ein Weiterwirken des Projekts ausgetauscht. Ausgangspunkt der Kunstinitiative waren die einleitenden Worte der Pastoralkonstitution Gaudium et spes: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Diese Aussage wurden durch künstlerische Beiträge in die Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik, Theater und Film übertragen und ist so für ein großes Publikum erlebbar geworden. Konkret haben wir zwischen September 2014 und Januar 2016 in zehn (Erz-)Diözesen insgesamt elf Einzelprojekte durchgeführt. Bei jedem Einzelprojekt wurde ein spezifischer Leitgedanke von Gaudium et spes künstlerisch umgesetzt.

Der Dank der Bischofskonferenz gilt Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) als dem Initiator des Projekts, dem Projektbeirat und allen an dem Projekt Beteiligten sowie allen Förderern. Ich war beeindruckt von der Intensität, mit der uns die Künstlerinnen und Künstler die Sehnsüchte, Sorgen und Nöte der Menschen nahegebracht haben. Das alles wirkt nun nahtlos im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit weiter, in dem die Menschen erfahren dürfen: Gott hat einen Heilsplan mit jeder, mit jedem von uns und in der Kirche können wir diese Barmherzigkeit Gottes ganz real erfahren. Das Kunstprojekt hat gezeigt: Kunst der Gegenwart kann einen Zugang zum Glauben ermöglichen.

 

14.    16. Internationales Bischofstreffen „Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“

Vom 9. bis 14. Januar 2016 fand das 16. Internationale Bischofstreffen „Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“ statt. Aus Deutschland nahm der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Naher und Mittlerer Osten“ der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Thomas Maria Renz (Rottenburg-Stuttgart), daran teil. In seinem Bericht hat er uns deutlich gemacht, wie dramatisch die Lage für syrische und irakische Flüchtlinge gerade in Jordanien ist: Eine Rückkehr in ihr Heimatland sei auf absehbare Zeit keine Option. Ein „christenfreier“ Irak aber wäre ein Sieg der Extremisten. So weit dürfe es nicht kommen.

Erster Schwerpunkt des Treffens war die Begegnung mit den Christen in Bethlehem, Taybeh und dem Cremisan-Tal in den palästinensischen Gebieten. Weihbischof Renz konnte sich vor Ort ein Bild der Lage im Cremisan-Tal machen, wo die von Israel verfügte Grenzziehung zu den palästinensischen Gebieten mit besonderen Härten für die Zivilbevölkerung verbunden ist. Das Ausmaß der Zerstörung ist nicht abzusehen. Die Menschen brauchen Hilfe, vor allem um ihre Verbitterung zu überwinden. Die Situation darf nicht zu neuer Gewalt führen. Elementar ist, dass Zukunftsperspektiven entwickelt werden.

Die Zusammenkunft im Heiligen Land war erneut geprägt durch die so genannte „4 P-Zielsetzung“: prayer, pilgrimage, presence, pressure. Das heißt: Die Solidarität mit den Christen findet ihren Ausdruck im Gebet, im Pilgern, in der Begegnung mit den Gemeinden vor Ort und im Bemühen, durch symbolische Handlungen und politische Gespräche Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, um friedliche Lösungen der Konflikte im Interesse der Bevölkerung und besonders der christlichen Minderheit zu fördern.

Zweiter Schwerpunkt war der Besuch der Ortskirche von Jordanien und von Nichtregierungsorganisationen in Amman, Fuheis und Madaba und Treffen mit mehreren irakischen Flüchtlingsfamilien. Weihbischof Renz hat uns eindringlich vor Augen geführt, was die Caritas Jordanien dort leitet: Elementare Materialien wie Decken werden zur Verfügung gestellt sowie ärztliche Hilfe angeboten, es werden aber auch Zukunftsperspektiven aufgebaut, zum Beispiel durch Schulunterricht, Betreuung von Menschen mit Behinderung und Schulung von Kindern zur Konfliktlösung. Viele Flüchtlinge leben bereits seit mehreren Jahren unter schwierigen Bedingungen in der Fremde. Dadurch wächst der Wille zur Weiterreise nach Europa oder Nordamerika. Diese Tendenz ist besonders unter den Christen ausgeprägt, die für sich und ihre Familien meist keine Chance für einen Neuanfang sehen. Beim Bischofstreffen ist in Jordanien auch sichtbar geworden, dass es deutliche Anzeichen einer wachsenden religiösen Radikalisierung gibt.

 

15.    Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Bericht über eine Studie

Der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie, Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), hat der Vollversammlung über die Untersuchung „Maßnahmen der deutschen (Erz-)Bistümer zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer“ berichtet. Die Studie ist ein Ergebnis des Studientags der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom
20. Februar 2013, der unter dem Thema „Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche“ stand.

Diese Untersuchung hat das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) an der katholischen Universität Eichstätt als Befragung der Personalverantwortlichen, Gleichstellungsbeauftragten und Mitarbeitervertretungen in den deutschen (Erz-)Diözesen durchgeführt. Die Befragung zeigt eindrucksvoll, dass die Bereitstellung familienfreundlicher Maßnahmen von den Ordinariaten als wichtige Aufgabe betrachtet wird. Konkret betrifft dies die vier Handlungsfelder: Möglichkeiten der Arbeitsgestaltung, Angebote für Eltern und Elternzeit, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Angehörige und Familienserviceangebote. Dabei fallen die Ergebnisse für diese Handlungsfelder unterschiedlich aus. Im Hinblick auf die Angebote für Eltern und Elternzeit etwa werden durchschnittlich mehr als fünf der sechs abgefragten Angebotskategorien (zum Beispiel umfassende Informationen, Weiterbildungsprogramme, Kontakt während der Elternzeit, Mütter- und Väterförderungsprogramme, Einarbeitungsprogramme bei Wiedereinstieg) von den (Erz-)Diözesen realisiert. Der größte Handlungsbedarf liegt derzeit in den Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige. Berücksichtigt man den demographischen Wandel, speziell die steigende Lebenserwartung, wird vor allem der Bedarf an Unterstützung in der Pflege weiter wachsen. Das relativ hohe Durchschnittsalter der kirchlichen Mitarbeiter (zwischen 43 und 52 Jahren) lässt erwarten, dass dies für die Beschäftigten in den Ordinariaten ein zunehmend relevantes Thema werden wird.

Ziel der Studie war es, einen Überblick zu erhalten, was in den (Erz-)Diözesen bereits für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan wird und woran weiter gearbeitet werden sollte. Die einzelnen (Erz-)Diözesen haben nun die Möglichkeit, sich in ihren weiteren Planungen an den Ergebnissen der Untersuchung zu orientieren. Eine Kurzfassung des Abschlussberichts der Untersuchung liegt diesem Pressebericht als Anlage bei.

 

16.    XXXI. Weltjugendtag in Krakau – Stand der Vorbereitungen

Wir freuen uns, dass über 16.000 junge Menschen aus Deutschland vom 26. bis 31. Juli 2016 für eine oder zwei Wochen in die südpolnische Stadt Krakau pilgern werden, um am XXXI. Weltjugendtag teilzunehmen. Sie versammeln sich dort, um unter dem Thema „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7) gemeinsam mit jungen Menschen aus aller Welt und Papst Franziskus ihren Glauben zu feiern. Darauf bereiten sie sich momentan in den Diözesen, Verbänden, Orden und neuen geistlichen Gemeinschaften vor. Verantwortet werden die Planungen bundesweit von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit dem BDKJ und unserem Osteuropa-Hilfswerk Renovabis.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), Vorsitzender der Jugendkommission, hat in einem eigenen Pressegespräch über den aktuellen Stand der Planungen informiert. Wir sind dankbar, dass auch dieser Weltjugendtag auf eine äußerst positive Resonanz in den Bistümern und Verbänden stößt. Bisher werden rund 30 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz die jungen Leute begleiten. Ich bin mir sicher, dass dieser Weltjugendtag eine wichtige Chance ist, um jungen Menschen auch die europäische Dimension vor Augen zu führen und gleichzeitig ein Europa erlebbar zu machen, das in Polen die Jugend der ganzen Welt willkommen heißt.

 

17.    Personalien

  • Weihbischof Rolf Steinhäuser (Köln) wird Mitglied der Ökumenekommission und der Pastoralkommission.
  • Weihbischof Wolfgang Bischof (München und Freising) wird Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die katholische Seelsorge in der Bundespolizei.
  • Prälat Dr. Karl Jüsten (Berlin) wird erneut Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz im Vorstand des Katholischen Siedlungsdienstes.
  • P. Michael Heinz SVD (Bolivien) erhält die Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz zur Wahl zum Hauptgeschäftsführer von Adveniat durch die Mitgliederversammlung Adveniat e. V.
  • Pfr. Dr. Christian Hartl (Augsburg) wird zum Hauptgeschäftsführer der Aktion Renovabis berufen.
  • Msgr. Wolfgang Sauer (Freiburg) erhält die Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz zur Wiederwahl zum Geistlichen Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V.
  • Prof. Dr. Georg Braungart (Tübingen) wird erneut zum Leiter der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk berufen.
  • Pfr. Jan Opiela (Köln) wird erneut zum Nationaldirektor der Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen berufen.
  • P. Dr. Hans Langendörfer SJ (Bonn) und Beate Bäumer (Kiel) werden für die XV. Amtsperiode als Mitglieder des Fernsehrates des ZDF nominiert.

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