Pressemeldung
30.09.2016 - Nr. 187

Bundesweit zweiter Katholischer Flüchtlingsgipfel in Frankfurt am Main beendet

Sorge um veränderte Tonlage im öffentlichen Diskurs

Auf Einladung des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), hat gestern (29. September 2016) der bundesweit zweite Katholische Flüchtlingsgipfel in Frankfurt am Main stattgefunden. Teilgenommen haben mehr als 140 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche der kirchlichen Flüchtlingshilfe, die sich zu Fragen gelingender Integration in Zeiten gesellschaftspolitischer Polarisierung austauschten.

Zu Beginn des Flüchtlingsgipfels drängte Erzbischof Heße darauf, dass sich Kirche und Gesellschaft offen mit den anstehenden Herausforderungen der Integration auseinandersetzen: „Letztlich geht es darum, dass sich Neuankommende und Alteingesessene gleichermaßen mit unserem Gemeinwesen identifizieren und aktiv an seiner Gestaltung mitwirken können.“ Dabei stellten die Basis „für den Prozess der Integration Werte und Normen unseres Grundgesetzes dar.“ Mit Sorge betrachtete Erzbischof Heße, dass sich die „Tonlage des öffentlichen Diskurses deutlich verändert“ hat. „Der pragmatische Austausch über handfeste Probleme und Herausforderungen wird bisweilen durch abstrakte Symboldebatten verdrängt.“

Dr. Uwe Hunger, Privatdozent an den Universitäten Münster und Siegen, ging in seinem Vortrag auf unterschiedliche Modelle von Integration ein. Neben den staatlichen Programmen und dem Engagement der Migranten selbst sei erfolgreiche Integration auf die kontinuierlichen Aktivitäten von Kirchen und Zivilgesellschaft angewiesen. Je nach Mentalitäten und der Ausprägung des Sozialstaates müssten in den verschiedenen Aufnahmeländern unterschiedliche Strategien der Integration entwickelt werden.

Der Katholische Flüchtlingsgipfel diente dazu, Fachleute und Praktiker zusammenzuführen, um auf der Grundlage der „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ über konkrete und bedarfsgerechte Perspektiven der kirchlichen Integrationsarbeit zu beraten. Impulse zur besseren Vernetzung und Koordinierung der kirchlichen Aktivitäten bildeten dabei einen Schwerpunkt. Die „Leitsätze“ waren auf dem ersten Katholischen Flüchtlingsgipfel im November 2015 erarbeitet und auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 2016 verabschiedet worden.

In sechs Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer des Flüchtlingsgipfels zentrale Aspekte gesellschaftlicher Teilhabe und des gesellschaftlichen Zusammenhalts:

  • Welche Werte und Normen halten ein pluralistisches Gemeinwesen zusammen?
  • Interreligiöse und interkulturelle Bildung als Beitrag zum gelingenden Miteinander?
  • Hilfe zur Selbsthilfe – Empowerment von Flüchtlingen
  • Teilhabe vor Ort – der Faktor Wohnraum
  • Chancen auf dem Arbeitsmarkt – Handlungsfeld berufliche Qualifizierung
  • Seelsorge und Gemeindeentwicklung im Angesicht der Zuwanderung

Um den wachsenden Herausforderungen, denen ehrenamtliche Flüchtlingshelfer gegenüberstehen, angemessen zu begegnen, haben die (Erz-)Bistümer und die Caritas in den vergangenen Monaten zusätzliche Stellen für Ehrenamtskoordinatoren eingerichtet. Darüber hinaus stellen sie ein breites Angebot von Qualifizierungsmaßnahmen und Fortbildungen bereit. Erzbischof Heße dankte Kirchengemeinden und Verbänden insbesondere für das nicht nachlassende ehrenamtliche Engagement: „Mehr als 200.000 Ehrenamtliche in beiden Kirchen sind Zeugnis dafür, dass unser Glaube gerade in schwierigen Zeiten eine kreative und begeisternde Dynamik entfaltet“ und „christliche Wertvorstellungen nicht einfach nur ein historisches Fundament unserer Gesellschaftsordnung bilden“.

Hinweis:

Das Eröffnungsstatement von Erzbischof Dr. Stefan Heße finden Sie untenstehend zum Herunterladen sowie unter www.fluechtlingshilfe-katholische-kirche.de, wo weitere Informationen zum Thema verfügbar sind.



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