Pressemeldung
09.05.2017 - Nr. 073

Katholischer Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus 2017

Essener Initiative „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ erhält den ersten Preis

Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt 2017 zum zweiten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Der mit 4.000 Euro dotierte erste Preis geht an das Essener Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“. Zweite Preise zu jeweils 3.000 Euro erhalten die Initiative „bleib.mensch“ aus Grevesmühlen und der Helferkreis für Asylbewerber in Salzweg. Mit einem „Sonderpreis Schule“ (1.000 Euro) wird das Projekt „K21mondial“ an den katholischen Schulen in Hamburg ausgezeichnet.

Anlässlich der Bekanntgabe der Preisträger erklärt der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), der zugleich Jury-Vorsitzender ist: „Überall in unserem Land gibt es zahlreiche Katholiken, die sich aus ihrem Glauben heraus für ein respektvolles Miteinander und gegen menschenfeindliche Parolen einsetzen. Der Katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus möchte dieses wichtige Engagement sichtbar machen und würdigen. An der Arbeit der ausgezeichneten Initiativen wird auf besondere Weise deutlich: Als Christen verteidigen wir die Würde jedes Mitmenschen – unabhängig von Herkunft und Religion.“

Insgesamt sind 130 Bewerbungen und Vorschläge eingegangen. Die Preisverleihung wird am 20. Juni 2017, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, um 18.00 Uhr in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin stattfinden. Neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und Erzbischof Heße wird auch der Münchener Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi bei dem Festakt sprechen. Musikalisch wird die Feier vom Ensemble „TRIMUM – Musik für Juden, Christen und Muslime“ gestaltet. Anna Planken (ARD/WDR) wird die Verleihung moderieren.

Erster Preis: „Sach wat! Tacheles für Toleranz“
Das von Mitarbeitern des Diözesan-Caritasverbands Essen initiierte Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ hat sich den Kampf gegen fremdenfeindliche Parolen zur Aufgabe gemacht – nicht nur mit regelmäßigen Argumentationstrainings für Haupt- und Ehrenamtliche, sondern auch mit einer „Kneipentour“, die das Problem dort angeht, wo es häufig entsteht: an den Stammtischen. Ein Schauspieler-Duo stellt in Ruhrgebietskneipen an mehreren Abenden Stammtischgespräche nach und entwickelt mit den Gästen Gegenstrategien. So wird vermittelt, wie man sachlich, rhetorisch geschickt und entschieden auf menschenverachtende Haltungen reagieren kann. Darüber hinaus leistet auch „youngcaritas im ruhrbistum“ mit ihren „Workshops gegen Hatespeech“ einen wichtigen Beitrag zu dem Projekt: Die Kurse schulen Jugendliche sowie Erwachsene, die mit Jugendlichen arbeiten, im Umgang mit Hass und Hetze im Internet. Ziel ist es, jene Stimmen zu stärken, die sich in sozialen Netzwerken und anderen Online-Foren für Respekt und Toleranz einsetzen. Die Initiative „Flüchtlinge mitnehmen“, die Asylsuchenden im Ruhrgebiet zu mehr Mobilität verhilft, ist ebenfalls Teil des Projekts.

Bei ihrer Entscheidung haben die deutschen Bischöfe besonders gewürdigt, dass „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds innovative Strategien gegen fremdenfeindliche Ressentiments und für ein besseres gesellschaftliches Miteinander erarbeitet.

Zweiter Preis: „bleib.mensch“, Grevesmühlen
Im mecklenburgischen Grevesmühlen (ca. 10.000 Einwohner) befindet sich das sogenannte „Thinghaus“, das vom Verfassungsschutz als „Beispiel für die Vernetzung von NPD, Neonazis und struktureller rechtsextremer Szene“ genannt wird. In diesem schwierigen Kontext engagiert sich die Initiative „bleib.mensch“ für die Belange schutzsuchender Menschen und leistet zudem politische Überzeugungsarbeit gegen Rechtsextremismus. Das konkrete caritative Engagement der an den „Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern“ angebundenen Initiative umfasst alle Aspekte der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe (z.B. Patenschaften, Begegnungsfeste, Kultur- und Sportangebote, Sprachunterricht, Asylverfahrensberatung, Unterstützung bei Familienzusammenführungen, Fahrrad- und Kleiderspenden). Die maßgeblich von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen getragene Initiative stellt ein gutes Beispiel für ökumenische und zivilgesellschaftliche Vernetzungsarbeit dar – inmitten eines Umfelds, in dem Katholiken nur eine kleine Minderheit sind.

Zweiter Preis: Helferkreis für Asylbewerber in Salzweg
Die Gemeinde Salzweg (ca. 6.800 Einwohner) liegt in der Nähe der österreichischen Grenze bei Passau. Seit Oktober 2013 setzt sich die örtliche katholische Kirchengemeinde gemeinsam mit evangelischen Christen und Muslimen sowie der Lokalpolitik intensiv dafür ein, dass vor Ort eine lebendige Willkommenskultur wächst und aufrechterhalten wird. Ein wichtiger Schritt war die Einrichtung eines Caritas-Beratungsbüros, in dem nun eine in Aleppo geborene Muslimin arbeitet. Kinder und Jugendliche werden gezielt unterstützt, um Zugang zu Bildung und Berufsqualifikation zu erlangen. Darüber hinaus bietet der Helferkreis das ganze Spektrum an Flüchtlingshilfe an (z. B. Sprachkurse, Kinderbetreuung, Begleitung zu Ärzten und Ämtern, Rechtsberatung, Hilfe bei der Wohnungssuche, Sachspenden, Freizeitgestaltung, individuelle Betreuung einzelner Familien und Personen). Dem ehrenamtlichen Engagement ist es zu verdanken, dass die Stimmungsmache gegen eine Asylbewerberunterkunft im „Salzweger Hof“ nicht verfing.

„Sonderpreis Schule“: Projekt „K21mondial“ an den katholischen Schulen in Hamburg
„K21mondial“ initiiert und fördert seit 2016 kulturelle und soziale Kooperationsprojekte zwischen den Schülern der 21 katholischen Schulen in Hamburg sowie geflüchteten Kindern und Jugendlichen. So werden etwa gemeinsame Musik-Workshops, Koch-Veranstaltungen sowie Opern-, Konzert- und Ausstellungsbesuche durchgeführt. Herzstück des Projekts sind größere Spielzeitprojekte, an denen sich auch Künstler aus Syrien, dem Iran und aus Afghanistan beteiligen, beispielsweise die Aufführung „Israel in Egypt“ (Februar 2016) und das west-östliche Konzert DIVAN (Juni 2016). Das Programm „K21mondial“ zeigt, dass katholische Schulen – auch inmitten einer säkularen Metropole in der Diaspora – das Potential haben, einen wichtigen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zur kulturellen Teilhabe und Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu leisten.

Hintergrund
Auf Anregung der Migrationskommission lobte die Deutsche Bischofskonferenz Anfang 2015 zum ersten Mal den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aus. Mit dem Preis werden Personen und Gruppen ausgezeichnet, die sich in Deutschland aus dem katholischen Glauben heraus im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bzw. für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft engagieren. Der Preis soll dazu beitragen, das kirchliche Zeugnis gegen jede Form der Menschenverachtung zu stärken.

Zur Jury des Preises gehören:

  • Erzbischof Dr. Stefan Heße, Vorsitzender der Jury
    Erzbischof von Hamburg, Vorsitzender der Migrationskommission
  • Gabriele Erpenbeck
    Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche
  • Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl,
    Professor für Theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin
  • Prälat Dr. Peter Neher,
    Präsident des Deutschen Caritasverbandes
  • Dr. Heribert Prantl,
    Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung
  • Barbara Stamm MdL,
    Präsidentin des Bayerischen Landtags
  • Dr. h. c. Wolfgang Thierse,
    Bundestagspräsident a. D.
  • Josef Philip Winkler,
    ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages.

Hinweise:

Weitere Informationen zum Preis sind auf der Initiativenseite zum Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verfügbar.

Über die ausgezeichneten Initiativen informieren darüber hinaus www.caritas-essen.de, www.bleibmensch.org, www.salzweg.de und www.kulturforum21.de.

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