Pressemeldung
16.05.2017 - Nr. 078

Deutsche Bischofskonferenz beteiligt sich an der Initiative kulturelle Integration

15 Thesen für Zusammenhalt in Vielfalt

Die Initiative kulturelle Integration hat heute (16. Mai 2017) ihre 15 Thesen „Zusammenhalt in Vielfalt“ in Berlin vorgestellt und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel überreicht. Die Initiative kulturelle Integration ruft Einzelpersonen wie Organisationen, Vereine und auch Unternehmen zur Mitunterzeichnung der Thesen auf. Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration wollen angesichts aktueller Debatten mit ihren 15 Thesen einen Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und kultureller Integration leisten.

Initiatoren sind der Deutsche Kulturrat, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Bundesministerium des Innern, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Neben den Initiatoren gehören 23 weitere Mitglieder aus der Zivilgesellschaft, der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der Medien, der Sozialpartner, der kommunalen Spitzenverbände und der Kultusministerkonferenz der Initiative an.

Die katholische Kirche ist durch den Vorsitzenden der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Dr. Christoph Hegge (Münster), vertreten. Anlässlich der Vorstellung der Initiative betonte Weihbischof Hegge: „Die Integration von Geflüchteten, die in der Regel religiös geprägt sind, wird nur dann gelingen, wenn wir in Deutschland weltanschauliche Neutralität nicht mit Neutralisierung verwechseln. Denn der reiche materielle und geistige Kultur-Schatz unseres Landes wäre ohne die maßgebliche Mitgestaltung der Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften niemals entstanden. Dass dieser Schatz von allen gleichberechtigt genutzt werden kann, ermöglicht zum Beispiel das ‚Kulturdolmetscher‘-Konzept, das von einigen diözesanen Caritasverbänden angestoßen wurde.“

In der Präambel des Thesenpapiers „Zusammenhalt in Vielfalt“ bekräftigen die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration, dass Integration alle Menschen in Deutschland betrifft:

  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt kann weder verordnet werden, noch ist er allein eine Aufgabe der Politik. Vielmehr können alle hier lebenden Menschen dazu beitragen. Deutschland ist ein vielfältiges Land. Seit Jahrhunderten leben hier Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern. Die Mehrzahl derjenigen, die aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind, fühlt sich hier zu Hause. Viele sind inzwischen Deutsche. Mit Solidarität haben Gesellschaft und Politik auf die Ankunft vieler Geflüchteter reagiert. Solidarität gehört zu den Grundprinzipien unseres Zusammenlebens. Sie zeigt sich im Verständnis untereinander und in der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse anderer. Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration treten für eine solidarische Gesellschaft ein.
  • Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration setzen besonders auf die Vermittlungskraft der Kultur. Kultur trägt neben der sozialen Integration und der Integration in Arbeit wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Kulturinstitutionen vermitteln Geschichte und Gegenwart.
  • Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration stehen für eine weltoffene Gesellschaft. Zuwanderung verändert eine Gesellschaft und erfordert Offenheit, Respekt und Toleranz auf allen Seiten. Dies ist ein langwieriger Prozess, in dem um Positionen gerungen werden muss. Das Schüren von Ängsten und Feindseligkeiten ist nicht der richtige Weg.
  • Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration wollen ein geeintes Europa. Der europäische Einigungsprozess ist nicht nur ein Garant für Frieden in Europa und eine wichtige Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung, er steht zugleich für kulturelle Annäherung sowie für gemeinsame europäische Werte.

Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration laden Einzelpersonen wie Organisationen, Vereine und auch Unternehmen dazu ein, sich den vorgelegten Thesen anzuschließen, sie zu verbreiten und mit Leben zu erfüllen. Unter kulturelle-integration.de besteht eine Möglichkeit zur Mitzeichnung.

15 Thesen zur kulturellen Integration:
These 1:    Das Grundgesetz als Grundlage für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland muss gelebt  werden.
These 2:    Das alltägliche Zusammenleben basiert auf kulturellen Gepflogenheiten.
These 3:    Geschlechtergerechtigkeit ist ein Eckpfeiler unseres Zusammenlebens.
These 4:    Religion gehört auch in den öffentlichen Raum.
These 5:    Die Kunst ist frei.
These 6:    Demokratische Debatten- und Streitkultur stärkt die Meinungsbildung in einer pluralistischen Gesellschaft.
These 7:    Einwanderung und Integration gehören zu unserer Geschichte.
These 8:    Die freiheitliche Demokratie verlangt Toleranz und Respekt.
These 9:    Die parlamentarische Demokratie lebt durch Engagement.
These 10:  Bürgerschaftliches Engagement ist gelebte Demokratie.
These 11:  Bildung schafft den Zugang zur Gesellschaft.
These 12:  Deutsche Sprache ist Schlüssel zur Teilhabe.
These 13:  Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abgeschlossen.
These 14:  Erwerbsarbeit ist wichtig für Teilhabe, Identifikation und sozialen Zusammenhalt.
These 15:  Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke.


Hinweise:
Die 15 Thesen und ihre Erläuterungen sind unter kulturelle-integration.de verfügbar. Dort gibt es weitere Informationen sowie die Mitzeichnungsmöglichkeit.

Mitglieder der Initiative kulturelle Integration und Verfasser der 15 Thesen sind:
ARD; Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege; Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände; Bundesministerium des Innern; Bundesministerium für Arbeit und Soziales; Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger; Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände; Deutsche Bischofskonferenz; Deutscher Beamtenbund und Tarifunion; Deutscher Gewerkschaftsbund; Deutscher Journalisten-Verband; Deutscher Kulturrat; Deutscher Landkreistag; Deutscher Naturschutzring; Deutscher Olympischer Sportbund; Deutscher Städtetag; Deutscher Städte- und Gemeindebund; Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien; Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration; Evangelische Kirche in Deutschland; Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen; Koordinationsrat der Muslime; Kultusministerkonferenz; Neue Deutsche Organisationen; Verband Deutscher Zeitschriftenverleger; Verband Privater Rundfunk und Telemedien; ZDF; Zentralrat der Juden in Deutschland.

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