Pressemeldung
09.11.2015 - Nr. 202

Polnische und Deutsche Bischofskonferenz begehen am 22. November 2015 in Tschenstochau den 50. Jahrestag des historischen Briefwechsels

„Vergebung gewähren – Vergebung erbitten“

Am Sonntag, den 22. November 2015, begehen die Deutsche und die Polnische Bischofskonferenz den 50. Jahrestag des historischen Briefwechsels zwischen beiden Episkopaten, der zu den Wendepunkten in der Geschichte von Polen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zählt.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten in Tschenstochau steht ein Pontifikalamt, dem die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, Erzbischof Stanisław Gądecki und Kardinal Reinhard Marx, vorstehen. Bei einem begleitenden Festakt soll eine Erklärung unterzeichnet werden, die den geschichtlichen Ertrag des Briefwechsels würdigt und einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den Völkern und zwischen der Kirche in beiden Ländern unternimmt. Zum Programm des Festaktes gehört auch ein Podiumsgespräch, bei dem die Vorsitzenden der polnisch-deutschen Kontaktgruppe der Bischofskonferenzen, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg) und Erzbischof Wiktor Skworc (Kattowitz), mit christlichen Intellektuellen die Perspektiven des polnisch-deutschen Zusammenwirkens erörtern. Zu der Veranstaltung in Tschenstochau werden etwa 30 Bischöfe aus beiden Ländern erwartet.

Der Briefwechsel zwischen den Bischofskonferenzen fällt in die Schlussphase des Zweiten Vatikanischen Konzils, bei der sich die Bischöfe aus Polen und Deutschland kennengelernt hatten. Der Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Mitbrüder (18. November 1965) enthält den berühmt gewordenen Satz: „Wir strecken unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ In ihrem Antwortbrief griffen die deutschen Bischöfe dieses Versöhnungsmotiv auf. Die Brisanz und Kraft dieser Worte waren für die Zeitgenossen unmittelbar erkennbar. Sie wurden geschrieben vor dem Hintergrund der Gewaltgeschichte, die Polen und Deutschland während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach erlebt hatten. Polen war erstes Opfer des von den Nationalsozialisten im Osten Europas entfesselten Vernichtungs- und Versklavungskrieges geworden. Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus den Ostgebieten des Reiches waren im Bewusstsein der Deutschen lebendig.

In der Rückschau stellt der Briefwechsel ein zentrales Moment jener historischen Bewegung dar, die Polen und Deutsche trotz aller Schrecken wieder zusammenführte. In diesen Kontext gehören auch die „Ostdenkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zahlreiche Laieninitiativen, die besonders vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen wurden.

Bei der Festveranstaltung in Tschenstochau soll der Blick vor allem in die Zukunft gerichtet werden. Gefragt wird, wie fest das Fundament der Freundschaft zwischen den Ländern und den Völkern angesichts gelegentlich unterschiedlicher politischer Interessen ist. Die Bischöfe werden aber besonders die Beziehungen zwischen der Kirche in Deutschland und in Polen bedenken. Wie können gemeinsam Impulse für die Entwicklung der Europäischen Union und die Stärkung der christlichen Werte im größeren Haus Europa gesetzt werden? Wie kann dazu beigetragen werden, die Kräfte des Unfriedens und der Destabilisierung zu bannen, die – wie die Ukraine zeigt – im heutigen Europa wieder an Einfluss gewonnen haben? Welche Verantwortung haben die Kirchen angesichts der Fluchtbewegungen, die Europas Solidarität herausfordern? Bei dem Bischofstreffen in Tschenstochau soll über Projekte diskutiert werden, die die Polnische und die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam auf den Weg bringen können, um den Versöhnungsimpuls des Briefwechsels und die Erfahrungen einer 50-jährigen Versöhnungsgeschichte für Konflikte im heutigen Europa fruchtbar zu machen.

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten in Polen wird am 18. November 2015 zeitgleich in Berlin und Breslau eine Ausstellung eröffnet, die diesen Weg dokumentiert und Menschen aus beiden Ländern vorstellt, die wichtige Beiträge zur Versöhnung geleistet haben: „Pojednanie/Versöhnung in Progress. Die katholische Kirche und die deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945“ ist auf Bitten der Deutschen und der Polnischen Bischofskonferenz von der Maximilian-Kolbe-Stiftung gemeinsam mit ihrem polnischen Partner, dem Ośrodek „Pamięć i Przyszłość“ (Zentrum „Erinnerung und Zukunft“) in Breslau, entwickelt worden. In Berlin wird die Ausstellung vom 18. November bis zum 16. Dezember 2015 im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin, zu sehen sein. Geöffnet ist täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Hinweise:

Die Katholische Nachrichtenagentur veröffentlicht heute (9. November 2015) parallel zu dieser Pressemitteilung ein Interview mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick in seiner Funktion als Vorsitzender der deutsch-polnischen Kontaktgruppe. Das Interview hat den Briefwechsel und die Feierlichkeiten in Tschenstochau zum Inhalt. Auch ein KNA-Interview mit Kardinal Karl Lehmann anlässlich des Briefwechels können Sie nachlesen. Die Dateien sind untenstehend zum Download verfügbar.

Lange Wege – Dokumente zur Versöhnungsarbeit der Katholischen Kirche in Deutschland. Hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. (Arbeitshilfen, Nr. 227). Bonn 2009. Broschüre herunterladen oder bestellen


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