Historischer Briefwechsel

Deutschland und Polen – zwei Länder, deren Versöhnungsgeschichte von zahllosen Widerständen und Schwierigkeiten geprägt ist. Am Sonntag, den 22. November 2015, begehen die Deutsche und die Polnische Bischofskonferenz in Tschenstochau den 50. Jahrestag des historischen Briefwechsels zwischen beiden Episkopaten, der zu den Wendepunkten in der Geschichte von Polen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zählt.

Der Briefwechsel zwischen den Bischofskonferenzen fiel in die Schlussphase des Zweiten Vatikanischen Konzils, bei der sich die Bischöfe aus Polen und Deutschland kennengelernt hatten. Der Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Mitbrüder (18. November 1965) enthält den berühmt gewordenen Satz: „Wir strecken unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“

Zum 40. Jahrestag des Briefwechsels von 1965 unterzeichneten Bischöfe aus Polen und Deutschland eine Gemeinsame Erklärung am 21. September 2005 in Fulda. © KNA/Ebel

In ihrem Antwortbrief griffen die deutschen Bischöfe dieses Versöhnungsmotiv auf. Die Brisanz und Kraft dieser Worte waren für die Zeitgenossen unmittelbar erkennbar. Sie wurden geschrieben vor dem Hintergrund der Gewaltgeschichte, die Polen und Deutschland während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach erlebt hatten.


Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und der Erzbischof von Posen und Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Stanislaw Gadecki, legen am 29. April 2015 in Dachau auf der Rückseite der Todesangst-Christi-Kapelle Kränze zum Gedenken nieder. © KNA/Koch

Polen war erstes Opfer des von den Nationalsozialisten im Osten Europas entfesselten Vernichtungs- und Versklavungskrieges geworden. Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus den Ostgebieten des Reiches waren im Bewusstsein der Deutschen lebendig.

In der Rückschau stellt der Briefwechsel ein zentrales Moment jener historischen Bewegung dar, die Polen und Deutsche trotz aller Schrecken wieder zusammenführte. In diesen Kontext gehören auch die „Ostdenkschrift“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zahlreiche Laieninitiativen, die besonders vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen wurden.

Lesenswert

Lange Wege – Dokumente zur Versöhnungsarbeit der Katholischen Kirche in Deutschland. Hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. (Arbeitshilfen, Nr. 227). Bonn 2009.
Broschüre herunterladen oder bestellen

Interview der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick in seiner Funktion als Vorsitzender der deutsch-polnischen Kontaktgruppe zum 50. Jahrestag des Briefwechsels
pdf-Datei herunterladen

Interview der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) mit Kardinal Karl Lehmann zum 50. Jahrestag des Briefwechsels
pdf-Datei herunterladen

„Der lange Weg der Versöhnung“. Ansprache von Bischof em. Dr. Josef Homeyer, Hildesheim, beim Festakt zum 40. Jahrestag des Briefwechsels der polnischen und deutschen Bischöfe von 1965 (21. September 2005)
pdf-Datei herunterladen

„Der historische Kontext und die Bedeutung der Gemeinsamen Erklärung der Polnischen und Deutschen Bischofskonferenzen“. Vortrag von Erzbischof Henryk Muszyński in Breslau (24. September 2005)
pdf-Datei herunterladen

„Versöhnung und Freundschaft – Blick auf Europas Zukunft“. Gemeinsame Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und der Polnischen Bischofskonferenz aus Anlass des 40. Jahrestages des Briefwechsels von 1965 (21. September 2005)
pdf-Datei herunterladen

„Das Geschenk der Versöhnung weitergeben“. Gemeinsame Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und der Polnischen Bischofskonferenz aus Anlass des 30. Jahrestages des Briefwechsels von 1965 (13. Dezember 1995)
pdf-Datei herunterladen

Gedenkfeierlichkeiten in Tschenstochau

Am 22.11.2015 werden die Deutsche und die Polnische Bischofskonferenz das Jubiläum des Briefwechsels in einer gemeinsamen Feier in Tschenstochau begehen, die unter dem Motto „Die Bedeutung des Briefwechsels in Gegenwart und Zukunft“ steht. Die Delegationen werden von den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen angeführt. Es haben sich 26 Bischöfe angemeldet.
Mehr lesen: Pressemitteilung vom 9.11.2015

Das Programm

16:30 Eröffnung

  • Ansprachen von Erzbischof Stanislaw Gadecki und Kardinal Reinhard Marx
  • Verlesung und Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung

17:00 Podium: „Die Zukunft der Beziehungen zwischen Polen und Deutschen“
Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Erzbischof Dr. Wiktor Skworc, die beiden Co-Vorsitzenden der Kontaktgruppe zwischen beiden Bischofskonferenzen, diskutieren mit Gästen aus Polen und Deutschland

18:30 Hl. Messe

Ausstellungen in Berlin und Breslau

Mit Klick auf das Bild Info-Flyer zur Ausstellung herunterladen.

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten in Polen wurde am 18. November 2015 zeitgleich in Berlin und Breslau eine Ausstellung eröffnet, die diesen Weg dokumentiert und Menschen aus beiden Ländern vorstellt, die wichtige Beiträge zur Versöhnung geleistet haben: „Pojednanie/Versöhnung in Progress. Die katholische Kirche und die deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945“ ist auf Bitten der Deutschen und der Polnischen Bischofskonferenz von der Maximilian-Kolbe-Stiftung gemeinsam mit ihrem polnischen Partner, dem Ośrodek „Pamięć i Przyszłość“ (Zentrum „Erinnerung und Zukunft“) in Breslau, entwickelt worden.

In Berlin war die Ausstellung bis zum 16. Dezember 2015 im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin, zu sehen.

Weitere Informationen zur Ausstellung auf Facebook

Weitere Veranstaltungen

Podienreihe der Maximilian-Kolbe-Stiftung

„Minenfeld Versöhnung. Der Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe und seine Folgen“ – mit

  • Bischof em. Dr. Alfons Nossol, Oppeln
  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Bamberg
  • Prof. Dr. Karl-Josef Hummel, Kommission für Zeitgeschichte, Bonn

Veranstalter: Polnische Botschaft Berlin und Maximilian-Kolbe-Stiftung
Ort: Berlin, Landesvertretung NRW
Termin: 19.11.2015

„Mission accomplished? Brauchen die deutsch-polnischen Beziehungen noch Arbeit an der Versöhnung“ – mit

  • Botschafter Dr. Jerzy Marganski, Berlin
  • Dr. Urszula Pekala, Mainz
  • Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg
  • Peter Weiß MdB, Vorsitzender Maximilian-Kolbe-Stiftung und Präsident des Maximilian-Kolbe-Werkes

Veranstalter: Katholische Akademie Berlin und Maximilian-Kolbe-Stiftung
Ort: Katholische Akademie Berlin
Termin 26.11.2015

„Versöhnung als politische Handlungsperspektive in Europa?“ – mit

  • Prof. Dr. Jan Rydel, Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität
  • Staatsminister Michael Roth, Auswärtiges Amt
  • Prof. Myroslav Marynovych, Griechisch-katholische Universität Lemberg, Ukraine
  • Dr. Irina Sherbakova, MEMORIAL, Russland

Veranstalter: Katholische Akademie Berlin und Maximilian-Kolbe-Stiftung
Ort: Katholische Akademie Berlin
Termin: 10.12.2015

Alle Rechte vorbehalten © 2016 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254