Sterben in Würde

Viele Menschen fürchten sich davor, dass sie am Lebensende unnütz und einsam sind und nicht mehr über sich selbst bestimmen können. Sie fürchten sich vor Schmerzen und einem schwer ertragbaren Schwebezustand zwischen Leben und Tod. Sie möchten in Würde sterben können.

Verbot der Hilfe bei der Selbsttötung aufheben?

Die Hände einer jüngeren Frau halten die Hand einer älteren Frau.

Seit einiger Zeit ist eine Debatte entbrannt, ob aktive Sterbehilfe und assistierter Selbstmord erlaubt werden sollten. Dürfen wir der Erlösung von Leid und Schmerz nachhelfen? Eine Gruppe von Medizinern hat die Forderung an die Politik gestellt, das Verbot von Hilfe bei der Selbsttötung aufzuheben und dies Ärzten unter bestimmten Umständen zu erlauben.

Die Frage, ob wir aktiv am Tod eines anderen Menschen mitwirken dürfen, auch wenn er sich dies wünscht, ist nur oberflächlich eine strafrechtliche. Sie sprengt den Rahmen der staatlichen Regulierungsmöglichkeiten, denn sie berührt im Wesentlichen unsere Einstellung zur Würde des Menschen; ihre Beantwortung ist auf das Engste verknüpft mit unserem grundlegenden Menschenbild. Der Wert, den wir dem Menschen und seinem Leben zumessen, auch dann, wenn es leidvoll ist und sich dem Ende neigt, sollte – für Befürworter wie Gegner gleichermaßen – der Ausgangspunkt jeglicher Überlegungen bezüglich der Sterbehilfe sein.

Das Leben eines jeden Menschen ist kostbar

father's hand holds a palm of his wife and daughter
Drei Hände von einem Kind, einer Frau und einem Mann umschließen einander.

Aus Sorge um den Menschen setzen sich Christen dafür ein, dass das Leben eines jeden Menschen – gerade auch in der Nähe des Todes – zu jedem Zeitpunkt geschützt wird. Sie glauben daran, dass wir alles, was ist, Gott verdanken. Gott hat den Menschen als sein Abbild geschaffen und ihm eine unantastbare Würde verliehen. Diese Würde gründet nicht in seiner Leistung oder in dem Nutzen, den er für andere hat. Die Würde des Menschen folgt daraus, dass Gott ihn bejaht. Aus dem Wissen um Gottes Zuwendung und Liebe heraus darf und kann der Mensch auch im Leiden und im Sterben sein Leben bejahen und seinen Tod aus Gottes Hand annehmen. Aus der Überzeugung, dass das menschliche Leben von Gott geschenkt ist, folgt auch die Überzeugung, dass der Mensch keine volle Verfügungsgewalt über sein Leben haben kann. Christen müssen bekennen: In Würde stirbt, wer anerkennt, dass sein Leben als solches unverfügbar ist. Es hat einen Wert in sich, auch wenn der Körper keine Leistung erbringt oder nicht voll funktionsfähig ist. Die Entscheidung gegen das eigene Leben, auch wenn es durch Schmerzen und Leid geprägt ist, widerspricht fundamental dem Wesen des Menschen.

Anfang und Ende des Lebens sind der Verfügung des Menschen entzogen. Daraus folgt, dass der Tod nicht herbeigeführt werden sollte.

Sterbende begleiten und den Tod zulassen

Zwei Frauen, eine jünger und eine älter, berühren sich mit der Stirn und lächeln.

Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass der Tod zugelassen werden darf. Sterben in Würde zu ermöglichen, bedeutet aus christlicher Sicht, dass der Sterbende an der Hand eines Menschen stirbt und nicht durch sie. Gerade in seinem letzten Lebensabschnitt braucht der Mensch Zuwendung, Schutz und Trost. Ein Sterben in Würde für jeden Menschen zu ermöglichen, ist daher auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Die katholische Kirche spricht sich nachdrücklich gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung aus. Sie ist der Überzeugung, dass der Staat dann ein würdevolles Sterben ermöglicht, wenn er die flächendeckende medizinische und pflegerische Begleitung Schwerstkranker und Sterbender in den Mittelpunkt stellt und nach Kräften fördert. Die Kirche beteiligt sich hier mit einer intensiven seelsorglichen Betreuung der Sterbenden und ihrer Angehörigen. Es ist notwendig, die Palliativversorgung und die Hospizarbeit in ambulanten und stationären Einrichtungen zu fördern und auszubauen. Sie stellen eine zunehmend wichtige Antwort auf die Lebenslage und Bedürfnisse der Menschen dar. Viele haupt- und ehrenamtliche Hospizhelfer leisten einen wertvollen Dienst, indem sie Menschen im Sterben beistehen.

Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass der künstlich herbeigeführte Tod in der Endphase eines Lebens zu einer ärztlichen Dienstleistung wird. Eine gesetzliche Reglung, die derartige Angebote duldet, würde dazu führen, dass der innere und äußere Druck auf alle Alten, Schwerkranken und Pflegebedürftigen zunimmt, von derartigen Optionen Gebrauch zu machen – um keine Last für Angehörige zu sein.

Ein Klima der selbstverständlichen Solidarität schaffen

Ein würdevolles Sterben kann die Gesellschaft aber nur dann gewährleisten, wenn sie ein Klima der selbstverständlichen Solidarität und Hilfe schafft, in der sich Sterbende nicht als Last empfinden. Wer die Humanität schützen und die Freiheit des Sterbenden wahren will, muss gleichsam einen Schutzraum eröffnen, in dem umfassende palliativmedizinische Betreuung und helfende, liebende Annahme stattfinden.
Die Kirche setzt sich dafür ein, dass anerkannt wird: Der Mensch ist Mensch bis zuletzt. Aus christlicher Sicht soll der Tod eines Menschen nicht künstlich hinausgezögert werden, wenn es keine Chance mehr auf Heilung oder ein erträgliches Leben gibt. Den Tod willentlich herbeizuführen aber kann aus christlicher Perspektive keine Alternative zu einer liebevollen und mitfühlenden Begleitung des Menschen auf seiner letzten Wegstrecke sein.

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Sterbebegleitung statt aktiver Sterbehilfe. Eine Sammlung kirchlicher Texte. (Gemeinsame Texte 17). Hgg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. 2., erweiterte Auflage. Bonn/Hannover 2011.
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Menschenwürdig sterben und christlich sterben. (Die deutschen Bischöfe Nr. 47). Erneuerte und ergänzte Auflage. Bonn 1996. Hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.
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Diese Broschüre enthält folgende Publikationen:

  • Menschenwürdig sterben und christlich sterben (20. November 1978)
  • Schwerstkranken und Sterbenden beistehen (20. Februar 1991)
  • Die Hospizbewegung – Profil eines hilfreichen Weges in katholischem Verständnis (Erklärung der Pastoralkommission, 23. September 1993)
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Gott ist ein Freund des Lebens. Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens. (Arbeitshilfen Nr. 76). Hgg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bonn/Hannover 1989.
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Empfehlenswerte Links

Flyer „Sterben in Würde“, hg. von der Deutschen Bischofskonferenz
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Woche für das Leben – jährlich ökumenisch von katholischer und evangelischer Kirche
www.woche-fuer-das-leben.de

Telefonseelsorge – ökumenisch von katholischer und evangelischer Kirche
www.telefonseelsorge.de

Christliche Patientenvorsorge – Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche und Patientenverfügung, ökumenisch von katholischer und evangelischer Kirche
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Internet-Dossier der Deutschen Bischofskonferenz zur Christlichen Patientenvorsorge
Zum Dossier

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e. V. (DGP) – mit eigener Sektion Seelsorge
www.dgpalliativmedizin.de

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e. V.
www.dhpv.de

Wegweiser Hospiz- und Palliativmedizin
www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de

Bundesärztekammer – Sterbebegleitung
www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.6.5048 

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