Die Österliche Bußzeit oder Fastenzeit

Die Fastenzeit ist für katholische Christen die Zeit der geistlichen Vorbereitung auf die jährliche Osterfeier, die Gedächtnisfeier von Tod und Auferstehung Jesu Christi. Deshalb heißt diese Zeit auch Österliche Bußzeit. Sie ist geprägt durch die Erinnerung an die Taufe, durch Gebet und durch Taten der Nächstenliebe, des Verzichts (der Buße), der Lebenserneuerung und Glaubensvertiefung.

 

Warum 40 Tage?

Blick in den Kreuzgang des Klosters Kornelimünster bei Aachen in der Abenddämmerung.
Blick in den Kreuzgang des Klosters Kornelimünster bei Aachen in der Abenddämmerung. © KNA-Bild

Nach dem Beispiel Jesu, der sich vierzig Tage in der Wüste auf seine Sendung vorbereitet hat, und nach dem Beispiel von Mose und Elia, die sich vierzig Tage auf die Begegnung mit Gott vorbereitet haben, dauert die Fastenzeit vierzig Tage, wobei die Sonntage als Nicht-Fasttage ausgespart sind. Um die Zahl vierzig zu erhalten, beginnt die Fastenzeit am Mittwoch vor dem Ersten Fastensonntag, dem Aschermittwoch.

Er hat seinen Namen vom Ritus der Aschenauflegung, der an diesem Tag zum Zeichen der Bekehrung und Buße an den Gläubigen vollzogen wird. Wegen ihrer Dauer heißt die Fastenzeit auch Vierzigtagezeit bzw. (lateinisch) Quadragesima. Aschermittwoch und Karfreitag sind eigentliche Fasttage, an denen erwachsene Katholiken nur eine sättigende Mahlzeit einnehmen sollen. Es werden fünf Fastensonntage gezählt, der sechste Sonntag ist der Palmsonntag, der die Woche vor Ostern, die Karwoche, eröffnet.

 

Vorbereitung auf die Taufe

Wenn in einer Gemeinde in der Osternachtfeier bzw. in der Osterzeit Erwachsene oder Jugendliche durch die Taufe in die Kirche eingegliedert werden, ist die Fastenzeit für diese Taufbewerber/innen (Katechumenen) die Zeit der letzten intensiven Vorbereitung.

 

Besonderheiten in den Gottesdiensten

Fastenzeit als Zeit der Ruhe im Gebet.
Fastenzeit als Zeit der Ruhe im Gebet. © KNA-Bild

Die reichen Bibel- und Gebetstexte der Liturgie der Österlichen Bußzeit geben Impulse für diesen vierzigtägigen Weg der geistlichen Erneuerung. Jeder Fastensonntag ist durch eine eigene, auf die Botschaft des Evangeliums hin ausgerichtete Präfation ausgezeichnet.

Die Schriftlesungen sind thematisch aufeinander abgestimmt.

Schwerpunkte sind am Ersten Fastensonntag die Versuchung Jesu in der Wüste, am Zweiten Fastensonntag die Verklärung Jesu auf dem Berg, am Dritten, Vierten und Fünften Fastensonntag (im Lesejahr A) die Johannestexte vom Gespräch Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen, von der Heilung des Blindgeborenen und von der Auferweckung des Lazarus. Sie handeln von dem lebendigen Wasser (der Taufe), vom Licht des Glaubens und vom Geschenk des neuen Lebens.

Am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, gedenkt die Kirche des Einzugs Jesu in die Stadt Jerusalem. Er wird wie ein König empfangen und wenige Tage später wie ein Verbrecher hingerichtet. Die Lesung der synoptischen Berichte über die Gefangennahme, Verurteilung und Hinrichtung Jesu stimmen ein in die Heilige Woche, die in die Österliche Dreitagefeier (das Triduum Sacrum) einmündet: am Gründonnerstagabend das Gedächtnis vom Letzten Abendmahl, am Karfreitag die Feier vom Leiden und Sterben Christi mit der Johannes-Passion, den Großen Fürbitten und der Verehrung des Kreuzes, am Karsamstag das stille Gedächtnis der Grabesruhe des Herrn und in der Osternacht die Feier der Auferstehung Jesu von den Toten und die gläubige Erfahrung des Hindurchgangs durch den Tod zum Leben.

In ihren Fastenhirtenbriefen laden die deutschen Bischöfe die Gläubigen jedes Jahr am Ersten Fastensonntag ein, diese vierzig Tage als eine Zeit der Besinnung, der Umkehr, des Gebetes und der tätigen Nächstenliebe zu nutzen.

Die Kollekte für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor am fünften Fastensonntag gibt Gelegenheit zu einem deutlichen Zeichen der Solidarität mit den armen, hilfsbedürftigen und bedrängten Menschen dieser Welt. Am Palmsonntag ist die Kollekte für die Christen im Heiligen Land bestimmt, die ihren Glauben unter schwierigen Bedingungen leben.

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