Ehemalige Heimkinder

Pater Hans Langendörfer, Sekretär der deutschen Bischofskonferenz (l.), und Schwester Sara Böhmer, Generalpriorin der Dominikanerinnen von Bethanien. Vorstellung der Hotline für ehemalige Heimkinder am 11. Januar 2010 im Domforum in Köln. © KNA-Bild

Der Runde Tisch „Heimerziehung“ hat im Dezember 2010 nach zweijährigen Beratungen seinen Abschlussbericht vorgelegt. Als Mitglied am Runden Tisch hatte die Deutsche Bischofskonferenz seit Februar 2009 zusammen mit weiteren Vertretern von Staat, Kommunen, evangelischer Kirche, Diakonie und Caritas sowie Betroffenen das Thema Heimerziehung kritisch diskutiert und beleuchtet.

Im Abschlussbericht wurde unter anderem vorgeschlagen, einen Fonds für Folgeschäden und Rentenersatzleistungen in Höhe von insgesamt 120 Millionen Euro einzurichten. Damit soll Opfern der Heimerziehung der Bundesrepublik Deutschland aus den 50er und 60er Jahren geholfen werden. Rund 800.000 Kinder und Jugendliche waren in den 50er und 60er Jahren in Heimen untergebracht, davon etwa 500.000 in konfessionellen Einrichtungen. 55 bis 60 Prozent dieser Heime befanden sich in katholischer Trägerschaft. Genaue Zahlen, wie viele Kinder und Jugendliche von körperlichen und seelischen Misshandlungen damals betroffen waren, gibt es nicht.

Bilanz der Heimkinder-Hotline

„Ein wichtiger Schritt zur Aufklärung und Aufmerksamkeit“

Die Heimkinder-Hotline der katholischen Kirche schließt am 30. Juni 2012. „Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Arbeit ist dieses Angebot der Kirche nicht länger notwendig, weil unterdessen sehr gute andere Angebote geschaffen wurden. Die Hotline war ein wichtiger Schritt zur Aufklärung und Aufmerksamkeit“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. „Mit den Anrufen konnten Schicksale ehemaliger Heimkinder aufgeklärt werden. Vor allem hat die Hotline ein Gesprächsangebot für Heimkinder ermöglicht, das ihnen die notwendige und in der Vergangenheit oft versagte Aufmerksamkeit geschenkt hat.“

Seit Januar 2010 haben sich 909 Betroffene bei der Heimkinder-Hotline gemeldet. Die Hotline war das erste bundesweite Angebot dieser Art für ehemalige Heimkinder. Sie richtete sich an Betroffene, die zwischen 1945 und 1975 in katholischen Einrichtungen schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Von den 909 Betroffenen haben 645 telefonisch und 264 im Rahmen einer Online-Beratung die Hotline genutzt. Insgesamt gab es 1.959 telefonische Beratungsgespräche, die meistens zwischen 15 und 60 Minuten dauerten. Unter den Anrufern, die überwiegend im Alter zwischen 40 und 70 Jahren waren, befanden sich mit 55 Prozent etwas mehr Männer als Frauen (44 Prozent).

Zur ausführlichen Pressemitteilung vom 25.06.2012

 

Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland

Bund, Länder und Kirchen starten „Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“

Betroffene können sich an Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Bundesländern wenden

Mit Wirkung vom 1. Januar 2012 an stehen Betroffenen Mittel aus dem Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ (Fonds „Heimerziehung West“) zur Verfügung. Der Fonds wurde durch den Bund, die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg, die Evangelische Kirche in Deutschland, die (Erz-)Bistümer der katholischen Kirche im Bundesgebiet, den Deutschen Caritasverband, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Ordensobernkonferenz errichtet. Insgesamt stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung, die jeweils zu einem Drittel von Bund, Ländern und Kommunen sowie katholischer und evangelischer Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden und den Orden erbracht werden. Damit ist der Startschuss zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren gegeben. (...)
Mehr lesen:
Zur Pressemitteilung vom 02.01.2012

Auf der Website zum Fonds (www.fonds-heimerziehung.de) sind ausführliche Informationen zum Fonds, zur Antragstellung und zu den Zuständigkeiten der Beratungsstellen zu finden. Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständige Beratungseinrichtung: Tel. 0800 1004900 (montags: 8 Uhr bis 14 Uhr; dienstags, mittwochs, freitags: 16 Uhr bis 22 Uhr; sonntags: 14 Uhr bis 20 Uhr)

 

Ausführliche Informationen zum Thema "Ehemalige Heimkinder" finden Sie in dieser Sammlung von Dokumenten:

24. Mai 2011
Universität Bochum präsentiert Forschungsergebnisse zur konfessionellen Heimerziehung

EKD und Deutsche Bischofskonferenz hoffen auf rasche Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung.

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19. Januar 2011
Deutsche Bischofskonferenz plädiert für zügige Umsetzung der Hilfen für ehemalige Heimkinder

Die Deutsche Bischofskonferenz appelliert an Bundestag, Bund und Länder, den Empfehlungen des Runden Tisches „Heimerziehung“ schnell und effektiv Geltung zu verschaffen.

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13. Dezember 2010
Deutsche Bischofskonferenz begrüßt Lösung des Runden Tisches Heimerziehung - „Einrichtung des Fonds darf nicht verzögert werden“

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24. November 2010
Hotline der Deutschen Bischofskonferenz für Opfer sexueller Gewalt legt Zwischenbericht vor

Viele Menschen nutzten die Hotline als weiterführenden „Türöffner“: 46 Prozent informierten sich etwa über beraterisch-therapeutische Angebote, etwa für männliche Opfer oder Paarberatung. Knapp 34 Prozent der Anrufer wurden an die zuständigen Diözesan- und Ordensbeauftragten zu Fragen des Missbrauchs weitergeleitet. 9,2 Prozent wollten Informationen zu Rechtsberatung. Rund 8,8 Prozent wurden an die Heimkinder-Hotline der Deutschen Bischofskonferenz überwiesen.

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28. Juli 2010
Zwischenbilanz zur Heimkinder-Hotline

Bei der Anfang Januar 2010 geschalteten Telefon-Hotline für ehemalige Heimkinder katholischer Einrichtungen haben sich innerhalb des ersten halben Jahres 372 Menschen gemeldet. Daraus entstanden insgesamt 642 telefonische Beratungsgespräche, da einige der Anrufer mehrfach den Kontakt zur Hotline suchten. Mit dem Beratungstelefon stellt sich die katholische Kirche den Anliegen ehemaliger Heimkinder und unterstützt sie bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte.

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11. Januar 2010
Pressekonferenz  zur Vorstellung der Hotline für ehemalige Heimkinder

5./6. November 2009

  • Statement zum Runden Tisch Heimerziehung am 5. und 6. November 2009 von Johannes Stücker-Brüning, Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz am Runden Tisch Heimerziehung
    Statement (pdf-Datei, 23kb)

6. November 2009

2. November 2009

  • Erzbischof Dr. Robert Zollitsch trifft Vertreter des Vereins Ehemaliger Heimkinder e.V.
    Link zum Artikel

Zitat aus dem Pressebericht (25. September 2009) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung 2009:

Kapitel VIII: Caritas
Ehemalige Heimkinder – aktuelle Entwicklungen
Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich von Beginn an konstruktiv und ergebnisoffen an den Beratungen des "Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" in Berlin beteiligt.
In einem Beitrag für die FAZ vom 15. Juni 2009 habe ich klargestellt, dass sich die katholische Kirche mit aller Kraft für größtmögliche Transparenz bezüglich der Heimerziehung in Deutschland in der Nachkriegszeit einsetzt und den Betroffenen Unterstützung bei der Aufklärung anbietet. Um mich über die Schicksale von ehemaligen Heimkindern persönlich zu informieren, habe ich mich am 19. August 2009 mit einigen Frauen und Männern getroffen, die in katholischen Kinder- und Erziehungsheimen untergebracht waren. Es war eine wichtige Begegnung in vertrauensvoller Atmosphäre, die mich sehr bewegt hat.
Die Deutsche Bischofskonferenz, der Deutsche Caritasverband und die Deutsche Ordensobernkonferenz engagieren sich bereits in vielfältiger Weise, um mehr Klarheit über die Situation in den katholischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendfürsorge der Nachkriegszeit zu erhalten und die Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Biographien zu unterstützen. Wesentliche Bestandteile dieses Engagements sind – neben den unterschiedlichen Initiativen zur Aufarbeitung durch katholische Einrichtungen und ihre Träger - die Förderung eines Projektes an der Universität Bochum zur Erforschung der kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland und der nachhaltige Appell an alle Träger, die Akteneinsicht durch die Betroffenen nach Kräften zu unterstützen. Um den Betroffenen noch besser bei der Aufarbeitung und Verarbeitung ihrer Biographie zu helfen, denken wir an einen weiteren Ausbau des Engagements der katholischen Kirche. Das Angebot seelsorgerischer und psychotherapeutischer Hilfen soll stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.
So prüfen wir die Möglichkeit, eine bundesweite Hotline für Betroffene aus katholischen Heimen einzurichten. Durch diese Hotline könnten das Angebot von (ersten) Gesprächen und, wenn notwendig, die Vermittlung möglichst passgenauer Hilfsangebote wie etwa therapeutische Beratung sein. Betroffene könnten bei Bedarf Kontakte zu den jeweiligen Trägern der Einrichtungen bzw. ihren heutigen Rechtsnachfolgern erhalten. Uns liegt diese Idee auch deshalb am Herzen, weil dies eine gute Möglichkeit wäre, in persönlichen Gesprächen mit Betroffenen die Vergangenheit und die tatsächlichen Geschehnisse kennen zu lernen und so eine gemeinsame Aufarbeitung zu erreichen. Wir setzen uns mit der Vergangenheit auseinander und wollen herausfinden, wie groß das Unrecht tatsächlich ist, das geschehen ist.


20. August 2009

  • Erzbischof Dr. Robert Zollitsch trifft ehemalige Heimkinder in Freiburg
    Link zum Artikel

14. Juni 2009

Zitat aus dem Pressebericht (5. März 2009) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung 2009:

Kapitel X.: Caritas
Ehemalige Heimkinder – aktuelle Entwicklungen
Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt die Einrichtung eines Runden Tisches, der sich unter Vorsitz von Bundestagsvizepräsidentin a. D. Dr. Antje Vollmer mit der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren auseinandersetzt. Die Deutsche Bischofskonferenz ist selbst kein Träger von Einrichtungen der Heimfürsorge, weder damals noch heute. Allerdings hat sie ein großes Interesse an mehr Gewissheit über die Situation in diesen Einrichtungen in der Nachkriegszeit insgesamt, auch was die Einrichtungen in katholischer Trägerschaft betrifft. Es gibt berechtigte Erwartungen an katholische Einrichtungen, besonders wenn sie für Kinder und Jugendliche da sind. Deshalb bedauert es die Deutsche Bischofskonferenz zutiefst, dass offenbar auch in katholischen Heimen Kindern und Jugendlichen in den 50er und 60er Jahren Unrecht und schweres Leid widerfahren ist. Ihnen gilt unser uneingeschränktes Mitgefühl. Zweifellos stehen auch die katholischen Träger in der Verantwortung für die Menschen, die ihren Einrichtungen – aus welchen Gründen auch immer – für eine gewisse Zeit anvertraut worden sind. Nach jetzigem Kenntnisstand ist die Zahl der problematischen Fälle im kirchlichen Bereich gering. In katholischen Heimen der Kinder- und Jugendhilfe wurde Gewalt nicht grundsätzlich eingesetzt.

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