Ehemalige Heimkinder
Die Deutsche Bischofskonferenz ist Mitglied am Runden Tisch „Heimerziehung der 50er und 60er Jahre“ in Berlin, der seit Februar 2009 zusammen mit weiteren Vertretern von Staat, Kommunen, evangelischer Kirche, Diakonie und Caritas sowie Betroffenen das Thema Heimerziehung kritisch diskutiert und beleuchtet.
Rund 800.000 Kinder und Jugendliche waren in den 50er und 60er Jahren in Heimen untergebracht, davon etwa 500.000 in konfessionellen Einrichtungen. 55 bis 60 Prozent dieser Heime befanden sich in katholischer Trägerschaft.
Genaue Zahlen, wie viele Kinder und Jugendliche von körperlichen und seelischen Misshandlungen damals betroffen waren, gibt es nicht. Die katholische Kirche hat sich zur Aufgabe gemacht, für ehemalige Heimkinder ansprechbar zu sein und sie nach Kräften bei der Aufarbeitung und Rehabilitation zu unterstützen. So hat etwa die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Studie an der Universität Bochum in Auftrag gegeben, die die konfessionelle Heimerziehung erforscht. Außerdem hat sie eine telefonische Beratungs-Hotline für ehemalige Heimkinder eingerichtet.
11. Januar 2010
Pressekonferenz zur Vorstellung der Hotline für ehemalige Heimkinder
5./6. November 2009
6. November 2009
2. November 2009
Zitat aus dem Pressebericht (25. September 2009) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung 2009:
Kapitel VIII: Caritas
Ehemalige Heimkinder – aktuelle Entwicklungen
Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich von Beginn an konstruktiv und ergebnisoffen an den Beratungen des "Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren" in Berlin beteiligt.
In einem Beitrag für die FAZ vom 15. Juni 2009 habe ich klargestellt, dass sich die katholische Kirche mit aller Kraft für größtmögliche Transparenz bezüglich der Heimerziehung in Deutschland in der Nachkriegszeit einsetzt und den Betroffenen Unterstützung bei der Aufklärung anbietet. Um mich über die Schicksale von ehemaligen Heimkindern persönlich zu informieren, habe ich mich am 19. August 2009 mit einigen Frauen und Männern getroffen, die in katholischen Kinder- und Erziehungsheimen untergebracht waren. Es war eine wichtige Begegnung in vertrauensvoller Atmosphäre, die mich sehr bewegt hat.
Die Deutsche Bischofskonferenz, der Deutsche Caritasverband und die Deutsche Ordensobernkonferenz engagieren sich bereits in vielfältiger Weise, um mehr Klarheit über die Situation in den katholischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendfürsorge der Nachkriegszeit zu erhalten und die Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Biographien zu unterstützen. Wesentliche Bestandteile dieses Engagements sind – neben den unterschiedlichen Initiativen zur Aufarbeitung durch katholische Einrichtungen und ihre Träger - die Förderung eines Projektes an der Universität Bochum zur Erforschung der kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland und der nachhaltige Appell an alle Träger, die Akteneinsicht durch die Betroffenen nach Kräften zu unterstützen. Um den Betroffenen noch besser bei der Aufarbeitung und Verarbeitung ihrer Biographie zu helfen, denken wir an einen weiteren Ausbau des Engagements der katholischen Kirche. Das Angebot seelsorgerischer und psychotherapeutischer Hilfen soll stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.
So prüfen wir die Möglichkeit, eine bundesweite Hotline für Betroffene aus katholischen Heimen einzurichten. Durch diese Hotline könnten das Angebot von (ersten) Gesprächen und, wenn notwendig, die Vermittlung möglichst passgenauer Hilfsangebote wie etwa therapeutische Beratung sein. Betroffene könnten bei Bedarf Kontakte zu den jeweiligen Trägern der Einrichtungen bzw. ihren heutigen Rechtsnachfolgern erhalten. Uns liegt diese Idee auch deshalb am Herzen, weil dies eine gute Möglichkeit wäre, in persönlichen Gesprächen mit Betroffenen die Vergangenheit und die tatsächlichen Geschehnisse kennen zu lernen und so eine gemeinsame Aufarbeitung zu erreichen. Wir setzen uns mit der Vergangenheit auseinander und wollen herausfinden, wie groß das Unrecht tatsächlich ist, das geschehen ist.
20. August 2009
14. Juni 2009
Zitat aus dem Pressebericht (5. März 2009) des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung 2009:
Kapitel X.: Caritas
Ehemalige Heimkinder – aktuelle Entwicklungen
Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt die Einrichtung eines Runden Tisches, der sich unter Vorsitz von Bundestagsvizepräsidentin a. D. Dr. Antje Vollmer mit der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren auseinandersetzt. Die Deutsche Bischofskonferenz ist selbst kein Träger von Einrichtungen der Heimfürsorge, weder damals noch heute. Allerdings hat sie ein großes Interesse an mehr Gewissheit über die Situation in diesen Einrichtungen in der Nachkriegszeit insgesamt, auch was die Einrichtungen in katholischer Trägerschaft betrifft. Es gibt berechtigte Erwartungen an katholische Einrichtungen, besonders wenn sie für Kinder und Jugendliche da sind. Deshalb bedauert es die Deutsche Bischofskonferenz zutiefst, dass offenbar auch in katholischen Heimen Kindern und Jugendlichen in den 50er und 60er Jahren Unrecht und schweres Leid widerfahren ist. Ihnen gilt unser uneingeschränktes Mitgefühl. Zweifellos stehen auch die katholischen Träger in der Verantwortung für die Menschen, die ihren Einrichtungen – aus welchen Gründen auch immer – für eine gewisse Zeit anvertraut worden sind. Nach jetzigem Kenntnisstand ist die Zahl der problematischen Fälle im kirchlichen Bereich gering. In katholischen Heimen der Kinder- und Jugendhilfe wurde Gewalt nicht grundsätzlich eingesetzt.
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