Missionarische Kirche
Im Jahr 2000 veröffentlicht die Deutsche Bischofskonferenz das Wort „Zeit zur Aussaat – Missionarisch Kirche sein“, mit dem sie auf gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen in Deutschland reagiert. Menschen verschiedener sozialer, religiöser und kultureller Herkunft leben miteinander und bestimmen das Bild unserer Gesellschaft; das vormals geschlossene katholische Milieu hat sich aufgelöst; Glaubensvermittlung erfolgt immer weniger durch das Aufwachsen in einer christlichen Familie und durch religiöse Erziehung; Religion und Glauben werden in den Bereich des Privaten gedrängt.
In diesem gesellschaftlichen Raum mit all seinen Facetten vollzieht sich die Sendung (Missio) der Kirche. „Freude und Hoffung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Bedrängten aller Art, sind auch die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“, betont das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Pastorale Konstitution „Gaudium et spes“ (Nr. 1). Zu diesen Menschen ist die Kirche gesandt, um wie ein Sämann das Wort Gottes „auszusäen“ (vgl. Mk 4,1-34) und die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkündigen. Wer sich von Gott angesprochen weiß, kann das nicht für sich behalten. Er fühlt sich verpflichtet, die Freude am Glauben mit anderen zu teilen: Als man den Aposteln Petrus und Johannes verbieten will, weiter über Jesus Christus zu sprechen, erwidern sie: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gehört und gesehen haben“ (Apg 4,20).
Es entspricht dieser grundlegenden Erfahrung, auch andere am Glauben, an der Hoffnung und der Freude teilhaben zu lassen, die uns als Christen erfüllt. Dabei wendet sich die kirchliche Verkündigung an die Menschen in vollem Respekt vor ihrer Freiheit: „Die Mission bezwingt die Freiheit nicht, sondern begünstigt sie. Die Kirche schlägt vor, sie drängt nichts auf. Sie respektiert die Menschen und Kulturen, sie macht halt vor dem Heiligtum des Gewissens“ (Papst Johannes Paul II., Enzyklika „Redemptoris Missio“, Nr. 39). In diesem Sinn ist Mission ein „Grundwort kirchlichen Lebens“ (Karl Kardinal Lehmann) – unabhängig der religiösen und geistlichen Situation der Gegenwart. Mehr noch: Kirche ist ihrem Wesen nach Mission.
Mit dem Wort „Zeit zur Aussaat“ beschreiben die Bischöfe für die Situation in Deutschland, was es bedeutet, eine missionarische Kirche zu sein. Der Bischof von Erfurt, Dr. Joachim Wanke, ermutigt in seinem beigefügten „Brief eines Bischofs aus den neuen Bundesländern“ die Christen in unserem Land, die Berufung zum missionarischen Zeugnis anzunehmen.
„Zeit zur Aussaat“ folgen weitere Texte, die die Sendung der Kirche – sowohl für Deutschland als auch für ihr weltweites Engagement – konkretisieren:
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