Zukunftsgespräch Orden

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung 2005 während eines Studientages mit dem Thema „Entwicklung und gegenwärtige Sendung der Gemeinschaften des geweihten Lebens“ befasst.

Unmittelbarer Anlass des Studientags sind die zum Teil schwierigen Entwicklungen im Bereich der Orden, besonders der Frauenorden. An vielen Orten gibt es eine fast dramatische Verminderung der Mitglieder dieser für die Kirche elementaren Lebensform des geweihten Lebens.

Die Ordensgemeinschaften und mit ihnen die Ortskirche erleben gegenwärtig, dass sich eine bestimmte geschichtliche Phase von Ordensleben, in der Ordensleute in großem Umfang in eigenen Schulen, Krankenhäusern, Internaten, Altenheimen, Kindergärten usw. tätig waren, ihrem Ende zuneigt. Die Landkarte des Ordenslebens in Deutschland wandelt sich damit rapide. Für die Gemeinschaften ergibt sich daraus die Chance, befreit von mancherlei Engführungen ihren Grundauftrag besser zur Geltung bringen zu können. Die Würzburger Synode formulierte: „Nur dort, wo die Gemeinschaften mehr sind als bloße Zweckverbände, können sie ein Ferment christlicher Menschlichkeit sein in einer Gesellschaft, die den Menschen immer einseitiger nach Leistung und Bedürfnissen beurteilt und verplant.“

Was sich unter der Oberfläche der geringer werdenden Zahlen im Ordensbereich zeigt, muss darum nicht der Niedergang, sondern kann „genauso gut Schöpfung und Auferstehung des Ordenscharismas“ sein (Prof. Dr. Christian Schütz, Abt von Schweiklberg). Die Besinnung der Gemeinschaften auf ihre geistliche Kompetenz, die wachsende Nachfrage nach Aufenthalten und Auszeiten im Kloster, die Neugründung von 200 kleineren Niederlassungen in den letzten 10 Jahren sprechen dafür.

Bei den Entwicklungen im Bereich der Gemeinschaften des geweihten Lebens handelt es sich keineswegs um rein ordensinterne Phänomene. Orden gleichen einem Seismographen innerhalb der Kirche, der vorzeitig und zuverlässig signalisiert, was sich im Kern von Glaube und Kirche überhaupt tut und abzeichnet. Die gegenwärtigen Veränderungen und Entwicklungen fordern Orden und Bistümer zu einer vertieften Kooperation und zu einem intensiven Gesprächsprozess heraus.
Unter der Federführung der Bischöflichen Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste (IV) werden Fachgespräche vorbereitet und durchgeführt, die zentrale Themenfelder im Austausch zwischen Fachleuten aus den Gemeinschaften des geweihten Lebens und Bischöfen vertiefen und konkretisieren.

Die von den Fachgesprächen erarbeiteten Perspektiven und Optionen bilden die Grundlagen eines Zukunftsgesprächs zwischen Bischofskonferenz und Vertretungen aus den Gemeinschaften des geweihten Lebens. Ziel dieses Zukunftsgesprächs ist es, durch konkrete Initiativen die Berufung und Sendung der Gemeinschaften des geweihten Lebens in Deutschland zu unterstützen und zu fördern.

Ein erstes Fachgespräch zum Thema „Orden und Ortskirche“ fand bereits in Leipzig statt. Als besonders dringlich wurde das Anliegen benannt, über den Informationsaustausch hinaus zu gemeinsamen Planungen und verlässlichen Absprachen der Orden untereinander und zwischen Orden und Bistum in den Bereichen Pastoral, Erziehung, Bildung und Diakonie zu kommen.
Weitere Fachgespräche zu den Themen „Berufung zum Ordensleben und Berufungspastoral“, „Zukunft der sozial-karitativen Arbeit der Orden“, „Theologische Sinn- und Ortsbestimmung des Ordenslebens in Kirche und Welt“ werden Ende 2005 und Anfang 2006 folgen.

Siehe auch zum Studientag die Ausführungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, in seinem Pressebericht im Anschluss an die Frühjahres-Vollversammlung vom 14.-17. Februar 2005 in Stapelfeld:

Pressebericht

Die Ergebnisse des Gesprächsprozesses, der mit dem Studientag der Frühjahrs-Vollversammlung 2005 angestoßen und in Fachgesprächen mit dem Orden und Säkularinstituten fortgesetzt wurde, sind zusammengefasst im Wort der deutschen Bischöfe Nr. 86 "'Gemeinsam dem Evangelium dienen'. Die Gemeinschaften des geweihten Lebens in unserer Kirche":

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