36. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel (Mediensonntag) 8. September 2002

herausgegeben vom Bereich Kirche und Gesellschaft im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: gesellschaft(at)dbk.de

  • Zum Geleit - von Friedrich Ostermann, Weihbischof in Münster,
  • Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz
  • Anregung für den Gemeindegottesdienst - am 07./08. September 2002
  • (23. Sonntag im Jahreskreis)
  • Botschaft von Papst Johannes Paul II. - zum 36. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel
  • "Internet - ein neues Forum zur Verkündigung des Evangeliums"
  • Kommentar zur Botschaft von Papst Johannes Paul II. - vom Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel
  • Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 02.09.2002

Zum Geleit

Liebe Schwestern und Brüder!

Am 8. September 2002 begeht die Kirche zum 36. Mal den Mediensonntag. Etwas sperrig heißt er auch "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel." Als eine Frucht des II. Vatikanischen Konzils wurde der besondere Sonntag für die Medien und alle in den Medien Arbeitenden 1967 eingerichtet. Die Kirche möchte mit diesem Sonntag ein Zeichen setzen: Sie nimmt die Medienwelt ernst und weiß sie zu nutzen. Papst Johannes Paul II. stellt sich immer wieder den Herausforderungen der Mediengesellschaft an die Kirche. Erst zu Jahresbeginn wurden vom Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel die lesenswerten Dokumente "Ethik im Internet" und "Kirche und Internet" veröffentlicht. Der Papst hat seine diesjährige Botschaft zum Mediensonntag unter das Leitwort "Internet - ein neues Forum zur Verkündigung des Evangeliums" gestellt.

Mit unseren liturgischen Anregungen möchten wir Ihnen helfen, Sie alle einladen, den Mediensonntag in Ihren Gemeinden zu gestalten. Sie finden hier neben der Botschaft des Papstes auch die Schrifttexte, Fürbitten und eine Predigtanregung, die sich auf die Chance des Internet, es als Medium der Verkündigung zu nutzen, bezieht. Die Texte der Leseordnung sind nicht einfach auf das Thema Medien anzuwenden. Die Predigt orientiert sich daher mehr am Lukasevangelium, dass von den ersten Berufungen der Jünger spricht. Die vielen "Themensonntage" im Verlauf des Kirchenjahres lassen vielleicht den Sinn des Herrentages vergessen, dennoch sind sie notwendig in der Auseinandersetzung mit den aktuellen Fragen unserer Zeit; wir müssen es versuchen, beiden Anliegen gerecht zu werden. Mit dem Mediensonntag kann es gelingen, das angeblich so unversöhnliche Verhältnis von Kirche und Medien öffentlich sichtbar anzunähern. In unseren eigenen Einrichtungen - von der Kirchenzeitung über die Journalistenausbildung bis hin zu den Pfarrbriefredaktionen - tun wir schon viel. Nehmen wir deshalb am Mediensonntag die Chance wahr, von diesem Engagement und der Stütze, die die Medien sein können, in unseren Gemeinden und ganz konkret im Gottesdienst zu berichten, zu erzählen und zu verkündigen.

Ich wünsche Ihnen mit dem diesjährigen Mediensonntag gute Erfahrungen und eine neue Ermutigung für den Einsatz der Kirche in den sozialen Kommunikationsmitteln.

Münster, am 10. Juli 2002

Weihbischof Friedrich Ostermann
Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz

Anregung für den Gemeindegottesdienst am 07./08. September 2002

(23. Sonntag im Jahreskreis)


Statio

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die eine kennt es und nutzt es, die andere kennt es nicht - hat aber vielleicht schon davon gehört - und nutzt es (noch) nicht: das Internet. In einer noch nie da gewesenen Geschwindigkeit verändert sich die Kommunikation zwischen den Menschen. Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg oder das Telefon von Alexander Graham Bell brauchten noch jeweils mehrere Jahrzehnte, bis die neuen Möglichkeiten der Kommunikation von einer breiten Öffentlichkeit genutzt wurden. Jahrtausende hat die Menschheit ohne Zeitung und Bücher in hoher Auflage oder ohne den Griff zum Hörer gelebt, heute ist Verständigung ohne diese Mittel nicht mehr denkbar. Im Moment erleben wir wieder einen neuen Umbruch der Art und Weise, wie Menschen Informationen untereinander austauschen, wie Menschen miteinander in Kommunikation treten. Internet und Cyberspace sind die Stichworte, die nicht mehr nur wenigen Menschen der jüngeren Generation vertraut sind, sondern auch immer mehr Großmütter und -Väter können mitreden, wenn die Kinder von "weh-weh-weh" sprechen. Da ist heute kein Pflaster mehr gefordert, sondern das Welt-Weite-Webmuster des Informationsaustauschs verdoppelt jedes Jahr seine Nutzer. Die wichtigste aller Informationen aber ist die Botschaft von dem neuen Menschen und der neuen Welt, die Gott in Jesus Christus geschaffen hat. Wer diese Frohe Botschaft weitergeben will, darf sich der neuen Mittel der Weitergabe nicht verschließen. 

Schrifttexte

Erste Lesung: Ez 33, 7-9

Du aber, Menschensohn, ich gebe dich dem Haus Israel als Wächter; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. Wenn ich zu einem, der sich schuldig gemacht hat, sage: Du musst sterben!, und wenn du nicht redest und den Schuldigen nicht warnst, um ihn von seinem Weg abzubringen, dann wird der Schuldige seiner Sünde wegen sterben. Von dir aber fordere ich Rechenschaft für sein Blut. Wenn du aber den Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und wenn er dennoch auf seinem Weg nicht umkehrt, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet. 

Zweite Lesung:

Röm 13, 8-10Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. 

Evangelium:

Mt 18, 15-20Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder!

Die warmen und heißen Wochen des Sommers liegen hinter uns. So mancher hat die Hitze hier oder in noch wärmeren Gegenden zum Anlass genommen, um sich im Wasser abzukühlen. Dabei ist nicht nur Schwimmen und Planschen angesagt, sondern es geht auch sportlich zu: Ein Brett, das nicht die Welt, aber zumindest das Gefühl von Freiheit bedeutet. Und es ist in der Tat schon beim Zuschauen faszinierend, wenn die Kraft von Wellen oder Wind den Surfer mit atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser gleiten lässt. Scheinbar grenzenlose Freiheit und das Gefühl, sich die Kräfte der Natur durch menschliche Geschicklichkeit zu zähmen. Doch mit dem edlen Anblick kann es schnell vorbei sein. Nicht nur der Anfänger landet oft und schnell im Wasser, sondern auch der beste Könner hat keine Chance, wenn es windstill ist oder die Wellen fehlen. Wenn Wind und Wellen plötzlich zu heftig werden, dann kann es sogar gefährlich werden, dann wird das Wasser, das gerade noch trug, zum Strudel, in dem man versinkt. Doch bevor man auf den Wellen reiten oder den Wind bezähmen kann, muss der Surfer zunächst das Ufer hinter sich lassen. Er muss mit seinem Brett erst vom Ufer weg schwimmen oder paddeln, bis er sich den Fluten überlassen kann.Doch nicht nur der Sportler in der warmen Jahreszeit kann surfen. Immer mehr Menschen nutzen eine andere Form des Surfens, die von Jahres- und Uhrzeiten unabhängig ist und bequem vom Schreibtisch aus betrieben wird. Man braucht dazu kein Segel und nur ein wesentlich kleineres Brett, nämlich den Computer inklusive seinem "Schlüsselbrett" - wie man das englische "keyboard" für Tastatur wörtlich übersetzen müsste - und einen Anschluss an die Telefonwelt. Und schon wird das Wasser des unendlichen Meeres mit dem grenzenlosen Netzwerk des weltweiten Informationsflusses ausgetauscht. Auch bei diesem Sport gibt es bestaunenswerte Meister. Doch spielen hier weniger die athletische Gestalt und die körperliche Kraft die Hauptrolle, sondern der Beobachter staunt, wie mit wenigen Tastengriffen und seltsam fremd klingenden Namen die erstaunlichsten Dinge auf dem Bildschirm erscheinen. Der Surfer im Internet zaubert Informationen, Bilder und Musik herbei. Doch wie beim Wassersport gilt es zunächst einmal, sich mühsam in die Weite des Wassers hinauszurudern. Vor dem Surfen müssen die Klippen der Technik, der Installation und der Konfiguration überwunden werden, bevor man sich dem Spiel der Wellen und des Windes überlassen kann. Auch vor dem Bildschirm wird der Anfänger schnell im Wasser landen, wenn ihm die "Kiste" abstürzt. Und welcher Surfer kennt nicht die Klage über die Windflaute, wenn die Server im Netz wieder einmal total überlastet sind und auf dem Bildschirm Stillstand herrscht?! Und schließlich ist genau wie auf dem Wasser auch mit den Gefahren von Wind und Wetter zu rechnen. Wenn der Wind zum Sturm wird, und sich auf dem Bildschirm wie von Geisterhand Fenster um Fenster mit Werbung oder unerwünschten Inhalten öffnet. Dann kann der Surfer schnell im Sturm versinken! Oder wenn die Wellen der Informationen so stark auf den heimischen Rechner einstürzen, dass das System völlig zusammen bricht. Ob diese Parallelen von grenzenlosen Möglichkeiten und manchmal sehr engen Grenzen Pate gestanden haben, um die geschickte Beweglichkeit im Meereswasser und auf dem Meer der Informationen miteinander zu vergleichen?!Es gibt noch eine dritte, viel ältere Art des Surfens. Auch diese dritte Art nutzt den Vergleich mit dem Wasser, hat sie doch sogar am Wasser begonnen. Wie beim Wind- und Wellensurfen auf dem Wasser begann auch die Urform des Surfens mit dem Verlassen des Ufers. Dies wurde den ersten Surfern sogar ganz konkret aufgetragen: "Duc in altum - Fahr hinaus auf den See!" (vgl. Lk 5,4) Und die ersten, die diesen "Sport" ausübten, haben genau wie die Surfer heute die Chancen und Gefahren des Wassers kennen gelernt. Wie schnell der Anfänger doch im Wasser landen kann, wie schnell die Angst da ist, von den Wellen nicht getragen zu werden, sondern in ihnen zu versinken! Und es dennoch wagen, auf das Wasser hinauszufahren! Denn das, was man im Netz einfängt, ist eine ungeahnte Fülle an dicken Fischen. Die ersten Jünger Jesu haben ihre Erlebnisse mit dem Herrn am See Gennesaret dann auch in den Erzählungen der Evangelien immer wieder als Bild für ihre spätere Mission benutzt. Sich von Jesus rufen zu lassen und sein Evangelium in die Welt hinaus zu tragen beginnt genau wie Surfen mit dem Verlassen des alten Ufers, um die atemberaubende Tragfähigkeit des Wassers zu erleben. Auch die ersten Jünger Jesu haben ebenso die Leichtigkeit der froh machenden Botschaft erlebt wie auch die Gefahren des Scheiterns und des Untergehens in den Stürmen ihrer Umwelt. "Duc in altum - Fahr hinaus auf den See!": Mit diesem kurzen Satz ruft Jesus den Simon Petrus im Lukasevangelium in seine Nachfolge. Petrus folgt diesem Ruf, der seiner bisherigen Lebenserfahrung vollkommen widerspricht. Immer schon fuhren die Fischer nur in der Nacht hinaus, niemals am Tag. Doch diesmal verlässt er das Ufer auf diesen Ruf Jesu hin und wird in der Folge eine ungeahnte Faszination der Wellen und der Weite erleben."Duc in altum - Fahr hinaus auf den See!" Diesen Ruf Jesu an Simon Petrus und die ersten Jünger hat der Nachfolger des Simon Petrus, Papst Johannes Paul II., wiederholt und an uns heute gerichtet. In seinem Schreiben Novo millennio ineunte zum Abschluss des Heiligen Jahres 2000 lässt der Heilige Vater direkt im ersten Absatz dieses Wort Jesu in unserem Ohr erklingen. Fahrt hinaus in ein neues Jahrtausend! Traut euch, das Ufer zu verlassen, und vertraut euch der Weite des Meeres an! Habt Mut, wo die Wellen über euch zusammenschlagen und ihr unterzugehen droht! Vertraut, dass der Glaube tragen kann! Der gleiche Ruf "Duc in altum- Fahr hinaus auf den See!" findet sich auch in der heutigen Botschaft des Petrusnachfolgers zum 36. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel. Im Anfang war es "nur" der See Gennesaret, auf den sich der Auftrag "Duc in altum - Fahr hinaus" bezog. Doch der Blick hat sich für die Jünger in der Nachfolge Jesu schnell geweitet auf die Mission bis an die fremden und unbekannten Grenzen der Erde, auf die unbekannten Zeiten eines neuen Jahrtausends, und nun fordert der Heilige Vater uns auf, diesen Ruf zum Hinausfahren auch auf virtuelle Welten zu übertragen: "Die neue Welt des Cyberspace spornt die Kirche zu dem großen Abenteuer an, sein Potential für die Verkündigung der Evangeliumsbotschaft zu nutzen.""Duc in altum- Fahr hinaus auf den See!" Was wäre geworden, wenn Petrus auf seiner menschlichen Sicht bestanden und den sinnlosen Fischfang am Tag verweigert hätte? Was wäre geworden, wenn die Jünger nicht auf den See gefahren wären mit dem Hinweis auf die Gefahren eines möglichen Sturmes? Vorsichtiges Abwägen und Kalkulieren der Gefahren sind wichtige Eigenschaften sowohl für den Fischer damals als auch für die Kirche heute. Ja, es ist geradezu der spezifische Beitrag der Kirche in der Diskussion um neue Techniken, sich nicht vorschnell von kurzfristigen Erfolgen blenden, sondern auch die mahnende Sicht zu Wort kommen zu lassen. Bei der neusten Form des Surfens machen die kirchlichen Dokumente dies auch, sie verweisen klar auf die Gefahren, die im Internet lauern können. Aber die 2000 Jahre alte Surf-Tradition in der Nachfolge Jesu und der Mission lässt den Heiligen Vater mit dem Sohn Gottes zusammen zunächst ein klares "Duc in altum - Fahr hinaus!" sprechen. Das ist sein Auftrag an uns für das neue Jahrtausend, auch wenn das Wasser heute aus Kabeln besteht. Ja, schaut auf die Gefahren, handelt in großer Verantwortung, nehmt die ethisch-moralische Dimension der neuen Formen von Kommunikation wahr, aber zunächst einmal: Fahrt hinaus! Die Botschaft zum heutigen Tag der Kommunikationsmittel atmet die gleiche Dynamik wie der Anfang der Kirche.Wo uns das Wort nicht von irgendwem gesagt wird, sondern wo uns der Herr selber aufträgt "Duc in altum - Fahr hinaus auf den See!", da trägt das Wasser des Sees genauso wie die Wellen des Internets. Und es gibt eine Sportart, in der sind wir Christen unschlagbar, weil wir die Tragfähigkeit des Wassers kennen. Und nicht zuletzt sorgt der Heilige Geist dafür, dass wir selbst im Cyberspace den richtigen frischen Wind zum Surfen haben auf der "Planke, die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt". Amen.

(Kaplan Michael Jung, Leverkusen)

Fürbitten

Vorsteher/in:           
Heute, wo neue technische Mittel menschlicher Kommunikation entstehen, die vor allem von Kindern und Jugendlichen genutzt werden, sind wir eingeladen, das Evangelium in diesem neuen Umfeld furchtlos zu verkünden. Lasst uns daher zum Herrn beten, dass er seine Kirche mit Begeisterung und Mut für diese neue Mission erfülle. 

Lektor/in:         
Dass die Hirten der Kirche die neuen elektronischen Medien in rechter Weise als einen Raum zur Mitteilung der Liebe Christi an die neuen Generationen annehmen. Lasset zum Herrn uns beten.

Gemeinde:         
Wir bitten dich, erhöre uns.
 
Lektor/in:         
Dass alle Gläubigen durch ihr Leben Zeugnis ablegen für Christus, den Auferstandenen, den wir durch das Wort verkünden. Lasset zum Herrn uns beten.

Gemeinde:         
Wir bitten dich, erhöre uns. 

Lektor/in:         
Dass die Kinder und Jugendlichen sich durch ihre Eltern und Katecheten in die neue Kultur, in die sie hineingeboren werden, begleitet fühlen. Lasset zum Herrn uns beten.

Gemeinde:         
Wir bitten dich, erhöre uns.
 
Lektor/in:         
Für die Pfarrgemeinden, Diözesen und Ordensgemeinschaften, dass sie die Frohe Botschaft des Evangeliums in der neuen Sprache des Internets zu verkünden verstehen. Lasset zum Herrn uns beten.

Gemeinde:         
Wir bitten dich, erhöre uns.
 
Lektor/in:         
Für die Regierenden, dass sie die Würde von Kindern und Jugendlichen verteidigen, sie vor jeder Gefahr im neuen kulturellen Bereich des Internets verteidigen und aus ihm ein Hilfsmittel für die Erziehung machen. Lasset zum Herrn uns beten.

Gemeinde:         
Wir bitten dich, erhöre uns.
 
Vorsteher/in:           
Guter Gott, erhöre unser Gebet und sende deinen Geist auf uns herab, damit wir mutig und hoffnungsvoll diesen neuen kulturellen Bereich unserer Zeit betreten und in ihm Jesus Christus, den einzigen Herrn und Friedensfürsten, verkünden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir lebt und herrscht, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


Papst Johannes Paul II.:
Botschaft zum 36. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel
"Internet - ein neues Forum zur Verkündigung des Evangeliums"

Die Papstbotschaft ist zusammen mit den Dokumenten des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel als Arbeitshilfe Nr. 163 vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht. Sie kann als Broschüre bestellt werden und steht digital in mehreren Formaten zum Download bereit.

Kommentar des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel
zur Botschaft von Papst Johannes Paul II. "Internet - ein neues Forum zur Verkündigung des Evangeliums"

"Was kann getan werden, damit die Revolution im Bereich der Information und Kommunikation, deren Triebkraft das Internet ist, der Globalisierung der menschlichen Entwicklung und Solidarität dient, Ziele, die mit dem Evangelisierungsauftrag der Kirche in enger Verbindung stehen?" (Papst Johannes Paul II., Botschaft zum 36. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel)

In diesem von tiefen historischen Veränderungen geprägten Augenblick weist der Papst entschieden auf ein neues Gebiet menschlichen Zusammenlebens hin, nämlich auf das Internet. Er ruft die gesamte Kirche auf, "mutig diese neue Schwelle zu überschreiten", um dort Jesus Christus zu verkündigen.

Jenseits aller Ratlosigkeit und Furcht geht es bei der Botschaft des Papstes um die Frage, wie man am geschicktesten in diesen virtuellen Raum eintreten kann. Als Ausgangspunkt betrachtet sie den grundlegenden Impuls jedweder Evangelisierungstätigkeit der Kirche, und zwar die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel am Pfingsttag. Ein solcher Impuls hat die Christen zu allen Zeiten dazu gebracht, "zahlreiche kulturelle Hindernisse (zu) überwinden, von denen jedes neue Kraft und Kreativität für die Verkündigung des einen Evangeliums Jesu Christi erforderte." Die Kirche war kreativ genug, um im Laufe der Geschichte die jeweils entstehenden Medien und Sprachweisen anzuwenden und dadurch Christus in der Kultur des Augenblicks zu präsentieren. Auf dieser Linie ist auch die Einladung von Papst Johannes Paul II. zu verstehen, ohne zu zögern in die Welt des Internet als einen kulturellen Raum einzutreten, "hinauszufahren", um in dieses neue Forum des Dialogs und der Begegnung zwischen Menschen – die vor allem Jugendliche sind – einzutreten.

Die Botschaft lädt die neuen Apostel von heute ein, "mit Realismus und Zuversicht" präsent zu sein in einem so weiten und völlig neuen Bereich. Daher ruft der Papst nochmals einige Kriterien in Erinnerung, die auch hinsichtlich der übrigen Kommunikationsmittel gültig sind, das Buch mit eingeschlossen, und die in diesem Zusammenhang nochmals vergegenwärtigt werden sollen. Er sagt, da das Internet "kein Selbstzweck" ist, sondern ein Mittel im Dienste des Menschen, das man mit allen seinen Stärken und Schwächen gut kennen muss, um es auch wirksam zu nutzen, da die Weisheit nicht aus der bloßen Anhäufung von Daten und Informationen hervorgeht und da kein Medium den persönlichen Kontakt und das persönliche Zeugnis ersetzen kann.

Die Botschaft befasst sich aber auch mit den spezifischen Aspekten des virtuellen Raumes. Zum Beispiel nennt sie den Wert der virtuellen Gemeinschaften, die im Internet entstanden sind. Sie sind Anlaufstellen für Menschen, die auf der Suche sind, und eine Unterstützung, "die neuen Gläubigen auf ihrem eben erst begonnenen Glaubensweg zu unterstützen". Genannt werden auch die unzähligen Dokumente, Informationen und das kirchliche Quellenmaterial, das im Internet zur Verfügung steht. Durch E-Mail und Internet werden vielfältige menschliche Kontakte möglich, und es werden dort "wunderbare Möglichkeiten zur Verbreitung des Evangeliums" eröffnet. Die Botschaft weist aber auch gleichzeitig darauf hin, da die Evangelisierung durch das Internet zur persönlichen Begegnung, "zur wirklichen Welt der christlichen Gemeinschaft" führen muss, wo eine physische Präsenz im Kontakt mit den Brüdern, eine wirksame Vermittlung von Werten und ein wirklicher Austausch gegeben ist, der eine Faktor menschlichen und geistigen Wachsens ist. In diesem reellen Raum ist nämlich auch erst das liturgische und sakramentale Tun der Kirche möglich, und zwar in einer Form der Gotteserfahrung, die durch keine andere Form der Kommunikation gegeben ist. Die Botschaft lädt dazu ein, jene wahre Kommunikation zu vertiefen, die die christliche Botschaft erfordert.

Ein weiterer typischer Aspekt des Phänomens Internet ist "eine radikale Veränderung der psychischen Beziehung der menschlichen Person zu Zeit und Raum". Denn es ist eben die Zeit und die innere Ruhe, die es dem Menschen gestattet, das Scheinbare zu überschreiten und den Sinn der Dinge zu begreifen, das Leben und seine Geheimnisse abzuwägen und mit der größtmöglichen Freiheit zu einer persönlichen Reife zu gelangen. Daher lädt der Papst dazu ein, den kontemplativen Blick auf die Welt gerichtet zu halten, denn dies ist die einzige Form, die Flut von unverbundenen Daten in wahres Verstehen und in Weisheit zu verwandeln. Als Gegengewicht zur Flüchtigkeit der Bilder und Inhalte erinnert die Botschaft an den transzendenten Wert der Person und ihrer Würde.

Ist es doch gerade die Größe dieses neuen Kommunikationsmittels, die ein soziales Verantwortungsbewusstsein erfordert, um so die großen Risiken, die auch dem Internet eigen sind, zu überwinden. Der gute Wille reicht nicht aus. Die Botschaft richtet sich insbesondere an die Gläubigen, an die Gesellschaft und auch an die öffentliche Verwaltung, die den Gebrauch der Informatik und des Internets für das Gemeinwohl gewährleisten müssen. Hierbei darf es weder zu Ausgrenzung noch zu Ungleichheit kommen. Vielmehr soll das Licht einer Rangordnung der Werte zur Verteidigung der Kinder und Schwachen, zur Förderung einer Kultur des Dialogs und der Teilhabe dabei aufstrahlen. Es soll ein Werkzeug der Solidarität sein. Die Worte des Papstes weisen darauf hin, wie die Kirche zur Protagonistin werden kann, die der Gesellschaft hilft, von einer Informationsgesellschaft zu einer Erkenntnisgesellschaft überzugehen, indem sie Modelle und Werte aufzeigt und den Lesern Beurteilungskriterien bietet, so dass diese in der Lage sind, Wahres von Falschem und Wirklichkeit von Illusion zu unterscheiden.

Die schlimmen Konflikte, die heute die weltweite Situation verdunkeln, haben den Heiligen Vater dazu bewegt, sich selbst, aber auch der Allgemeinheit die Frage zu stellen: Kann das Internet "jene Kultur des Dialogs, der Anteilnahme, der Solidarität und Versöhnung fördern, ohne die der Friede nicht verwirklicht werden kann? Die Kirche ist überzeugt, dass diese Möglichkeit besteht ....", und sie wirkt auch dahingehend mit einer einzigen Waffe, nämlich dem "Evangelium Christi – des Friedensfürsten".

Alle Rechte vorbehalten © 2018 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254