Welttag des Friedens

Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden

Der Welttag des Friedens wurde vor mehr als 50 Jahren, nur wenige Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, von Papst Paul VI. eingeführt. Die katholische Kirche stellt seitdem den ersten Tag eines jeden Jahres – und damit programmatisch das ganze neue Jahr – unter die Perspektive des Friedens.

Ein Schild an der Mauer, auf dem Friedensstraße steht, davor ein Straßenschild mit der Aufschrift Einbahnstraße Bernhard_Riedl_1-bilder-erzbistum-koeln.de.JPG
© Erzbistum Köln

Für den 51. Welttag des Friedens am 1. Januar 2018 hat Papst Franziskus das Thema „Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden“ gewählt. In seiner Botschaft zu diesem Tag richtet er einen Friedenswunsch an alle Menschen und Länder der Erde.

Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht zum Welttag des Friedens 2018 einige Gebetsanregungen sowie Texte, die zum Verständnis der Friedensbotschaft des Papstes beitragen.

In vielen Gemeinden und Verbänden in Deutschland wird in den ersten Tagen des neuen Jahres zu einem Gebet für den Frieden eingeladen. In diesem Jahr sind alle Christen in besonderer Weise dazu aufgerufen, sich ihrer Verantwortung, Migranten und Flüchtlingen auf der Suche nach Frieden beizustehen, bewusst zu werden und sich zu engagieren. Das gemeinsame Gebet kann hierzu Kraft geben.

Mehr lesen:

Gebetsimpulse

Die beiden Internationalen Katholischen Missionswerke Missio Aachen und Missio München geben zu Beginn eines jeden Jahres gemeinsam mit dem Evangelischen Missionswerk in Deutschland ein Ökumenisches Friedensgebet heraus. In diesem Jahr wurde es von einem katholischen Priester aus Äthiopien verfasst. Es macht die weltweite Perspektive der Suche nach Frieden deutlich und kann in einer Gebetsstunde für den Frieden Verwendung finden.

Ökumenisches Friedensgebet (pdf-Datei)

Botschaft des Papstes

Papst Franziskus erinnert in seiner diesjährigen Botschaft zum Welttag des Friedens daran, dass der Friede, den die Engel den Hirten in der Heiligen Nacht verkündeten, eine tiefe Sehnsucht aller Menschen und Völker ist, vor allem derjenigen, die am stärksten darunter leiden, wenn er fehlt. Zu diesen Menschen zählen in besonderer Weise die mehr als 250 Millionen Migranten in der Welt, von denen 22,5 Millionen Flüchtlinge sind.

Botschaft zum 51. Welttag des Friedens (pdf-Datei)

 

Die Botschaft des Papstes ist in sechs Kapitel gegliedert. Zu jedem davon finden sich im Folgenden einige Hinweise mit Links zu weiterführenden Texten. 

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Friede allen Menschen und allen Ländern der Erde! Der Friede, den die Engel den Hirten in der Heiligen Nacht verkünden , ist eine tiefe Sehnsucht aller Menschen und Völker, vor allem derer, die am stärksten darunter leiden, wenn er fehlt. Unter ihnen, die ich in meinen Gedanken trage und in mein Gebet einschließe, möchte ich einmal mehr an die über 250 Millionen Migranten in der Welt erinnern, von denen 22,5 Millionen Flüchtlinge sind. Bei diesen handelt es sich, wie schon mein geschätzter Vorgänger Benedikt XVI. sagte, um „Männer und Frauen, Kinder, junge und alte Menschen, die einen Ort suchen, an dem sie in Frieden leben können“ . Um ihn zu finden, sind viele von ihnen bereit, auf einer meist langen und gefährlichen Reise ihr Leben zu riskieren, Mühe und Leid zu ertragen, Zäune und Mauern zu überwinden, die errichtet wurden, um sie von ihrem Ziel fernzuhalten.

Im Geist der Barmherzigkeit umarmen wir all diejenigen, die vor Krieg und Hunger fliehen oder die aufgrund von Diskriminierung, Verfolgung, Armut und Umweltzerstörung gezwungen sind, ihr Land zu verlassen.

Wir sind uns bewusst, dass es nicht genügt, unsere Herzen dem Leid anderer zu öffnen. Es muss noch viel getan werden, bevor unsere Brüder und Schwestern wieder in Frieden in einem sicheren Zuhause leben können. Die Aufnahme des Anderen erfordert konkretes Engagement, eine Kette von Unterstützung und Wohlwollen, eine wache und verständnisvolle Aufmerksamkeit. Ebenso verlangt sie einen verantwortlichen Umgang mit neuen komplexen Situationen, die manchmal zu den zahlreichen bereits bestehenden Problemen hinzukommen, und mit den Ressourcen, die stets begrenzt sind. Wenn die Regierenden mit Besonnenheit vorgehen, sind sie imstande, praktische Maßnahmen zu ergreifen, um aufzunehmen, zu fördern, zu schützen und zu integrieren, und auf diese Weise, „soweit es das wahre Wohl ihrer Gemeinschaft zulässt, dem Vorhaben derer entgegenzukommen, die sich einer neuen Gemeinschaft anschließen wollen “. Sie haben eine klare Verantwortung gegenüber der Bevölkerung in ihren Ländern, deren ordentliche Rechte und harmonische Entwicklung sie gewährleisten müssen, damit sie nicht wie der törichte Bauherr erscheinen, der falsche Berechnungen angestellt hat und nicht in der Lage war, den Turm fertigzustellen, dessen Bau er begonnen hatte.

Das erste Kapitel beginnt mit einem Friedenswunsch. Der „Gerechte Friede“ ist ein wichtiges Leitmotiv der katholischen Friedensethik. Die deutschen Bischöfe haben im Jahr 2000 ein Grundlagendokument hierzu verfasst. Im Text von Prof. Dr. Markus Vogt werden einige Grundzüge christlicher Friedensethik zusammenfassend dargestellt.

Weiterführende Texte

Die deutschen Bischöfe, Gerechter Friede (hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Die Deutschen Bischöfe, Nr. 66, September 2000), Broschüre bestellen oder herunterladen

Markus Vogt, Grundzüge christlicher Friedensethik – Ein Grundlagenartikel für das neue Handbuch zur Militärseelsorge, August 2011, online abrufbar unter ordosocialis.de

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Im Hinblick auf die Feier des Großen Jubiläums der 2000 Jahre, seit die Engel in Bethlehem den Frieden verkündeten, erinnerte der heilige Johannes Paul II. an die wachsende Zahl von Flüchtlingen als Konsequenz einer „endlosen und schrecklichen Folge von Kriegen, Konflikten, Völkermorden und ,ethnischer Säuberungen‘“ , die das 20. Jahrhundert gekennzeichnet haben. Das neue Jahrhundert hat bisher noch keine wirkliche Wende gebracht: Die bewaffneten Konflikte und die anderen Formen organisierter Gewalt verursachen weiterhin Bevölkerungswanderungen innerhalb der nationalen Grenzen und über sie hinaus.

Aber die Menschen wandern auch aus anderen Gründen aus. Dazu gehört zunächst einmal der „Wunsch nach einem besseren Leben, oft auch vereint mit dem Versuch, die ,Verzweiflung‘ darüber hinter sich zu lassen, dass es ihnen verwehrt ist, sich eine Zukunft aufzubauen “. Man bricht auf, um sich wieder mit seiner Familie zu vereinen, um Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zu finden. Wer diese Rechte nicht besitzt, lebt nicht in Frieden. „Tragisch ist“ darüber hinaus, wie ich bereits in der Enzyklika Laudato si’ betont habe, „die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird “.

Die Mehrheit wandert auf regulärem Weg aus, während manche andere Wege verfolgen, vor allem aus Verzweiflung, wenn das Heimatland ihnen weder Sicherheit noch Zukunftsaussichten bietet und jeder legale Weg unbegehbar, versperrt oder zu langsam erscheint.

In vielen Zielländern hat sich eine Rhetorik weit verbreitet, die mit Nachdruck die Risiken für die nationale Sicherheit oder die Belastung durch die Aufnahme der neu Ankommenden betont. Dabei wird jedoch die menschliche Würde missachtet, die jedem zuerkannt werden muss, weil alle Menschen Kinder Gottes sind. Alle, die – vielleicht zu politischen Zwecken – Angst gegenüber Migranten schüren, säen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, anstatt den Frieden aufzubauen. Dies gibt allen, denen der Schutz eines jeden Menschen am Herzen liegt, Anlass zu großer Sorge.

Alle Erkenntnisse, über die die internationale Gemeinschaft verfügt, weisen darauf hin, dass die globalen Migrationsbewegungen weiterhin unsere Zukunft bestimmen werden. Einige sehen sie als Bedrohung an. Ich jedoch bitte Sie, auf sie mit einem Blick des Vertrauens zu schauen, als eine Gelegenheit, eine friedvolle Zukunft aufzubauen.

Im zweiten Kapitel seiner Botschaft geht Papst Franziskus auf die Gründe für die hohe Zahl von Migranten und Flüchtlingen ein. Kriege, bewaffnete Konflikte und andere Formen organisierter Gewalt werden ebenso genannt wie die Verzweiflung über fehlende Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten. Auch die fortgesetzte Umweltzerstörung nimmt Papst Franziskus als Ursache für Migrationsbewegungen in den Blick. Er geht auf Fragen nach der nationalen Sicherheit und den Belastungen für die aufnehmenden Gesellschaften ein, die im Zuge von Debatten über Migration gestellt werden.

Dr. Oliver Müller geht in einem kürzeren Beitrag Ursachen und Auswirkungen von Flucht und Vertreibung im weltweiten Kontext nach. Die Deutsche Bischofskonferenz hat ein umfangreiches Dossier zum Thema „Flüchtlingshilfe“ erstellt, in dem zahlreiche weiterführende Informationen enthalten sind.

Weiterführende Texte

Oliver Müller, Flucht und Vertreibung. Ursachen und Auswirkungen im weltweiten Kontext (Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (Hrsg.), Kirche und Gesellschaft, Nr. 419, Köln 2015), online abrufbar unter www.ksz.de.

Deutsche Bischofskonferenz, Dossier „Flüchtlingshilfe“, online abrufbar unter www.dbk.de/fluechtlingshilfe.



Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Die Weisheit des Glaubens schärft diesen Blick, der in der Lage ist wahrzunehmen, dass wir alle „zu einer einzigen Familie [gehören], Migranten und die sie aufnehmenden Gastvölker, und alle dasselbe Recht [haben], die Güter der Erde zu nutzen, deren Bestimmung allgemein ist, wie die Soziallehre der Kirche lehrt. Solidarität und Teilen haben hier ihre Grundlage“ . Diese Worte rufen uns das Bild des neuen Jerusalems wieder ins Gedächtnis. Das Buch des Propheten Jesaja (Kap. 60) und dann das der Offenbarung des Johannes (Kap. 21) beschreiben es als eine Stadt, deren Tore stets geöffnet sind, um Menschen aller Völker eintreten zu lassen; sie bewundern die Stadt und füllen sie mit ihren Reichtümern. Der Friede ist der Herrscher, der sie leitet, und die Gerechtigkeit der Grundsatz, der das Zusammenleben in ihrem Inneren bestimmt.

Auch auf die Stadt, in der wir leben, müssen wir mit einem solchen betrachtenden Blick schauen, „das heißt mit einem Blick des Glaubens [...], der jenen Gott entdeckt, der in ihren Häusern, auf ihren Straßen und auf ihren Plätzen wohnt [... und] die Solidarität, die Brüderlichkeit und das Verlangen nach dem Guten, nach Wahrheit und Gerechtigkeit [fördert] “, mit anderen Worten: der die Verheißung des Friedens verwirklicht.

Wenn wir auf die Migranten und Flüchtlinge schauen, vermag ein solcher Blick zu entdecken, dass sie nicht mit leeren Händen kommen: Neben der wertvollen Prägung durch ihre Heimatkulturen bringen sie ein hohes Maß an Mut und Tatkraft, an Fähigkeiten und Erwartungen mit. Auf diese Weise bereichern sie das Leben der Nationen, die sie aufnehmen. Ein solcher Blick kann auch die Kreativität, die Ausdauer und die Opferbereitschaft unzähliger Menschen, Familien und Gemeinschaften wahrnehmen, die in allen Teilen der Welt den Migranten und Flüchtlingen ihre Türen und Herzen öffnen, auch dort, wo die Ressourcen knapp sind.

Dieser betrachtende Blick kann schließlich auch die Verantwortungsträger des öffentlichen Lebens in ihrem Urteil leiten, so dass die Aufnahmepolitik auf ein Höchstmaß ausgeweitet wird, „soweit es das wahre Wohl ihrer Gemeinschaft zulässt“ , d. h. die Bedürfnisse aller Mitglieder der einen Menschheitsfamilie und das Wohl jedes Einzelnen von ihnen berücksichtigt werden.

Wer von diesem Blick beseelt ist, wird die ersten Ansätze des Friedens erkennen, die bereits aufkeimen, und wird für ihr Wachstum Sorge tragen. So wird er unsere Städte, die oft wegen Konflikten um die Präsenz von Migranten und Flüchtlingen gespalten und polarisiert sind, in Orte des Aufbaus des Friedens verwandeln.

In Kapitel drei empfiehlt Papst Franziskus den Lesern seiner Botschaft, sich der Friedenssuche von Migranten und Flüchtlingen mit einem „betrachtenden Blick“ zuzuwenden, inspiriert von der biblisch bezeugten Verheißung des himmlischen Jerusalems. Sie wird als Stadt mit stets offenen Toren geschildert, in die Menschen aller Völker eintreten dürfen.

Prof. Dr. Dominik Markl SJ und Assoz. Prof. Dr. Regina Polak stellen sich in ihren Beiträgen dem Thema Flucht und Migration in einer bibel- und pastoraltheologischen Perspektive.

Weiterführende Texte

Dominik Markl SJ (Päpstliches Bibelinstitut, Rom), Flucht und Migration! Was sagt die Bibel dazu? (Religion lehren und lernen in der Schule 17/2 (2017), S. 4–7). Textversion (ohne Illustrationen) online abrufbar unter www.dominik-markl.at.

Regina Polak, Migration als Lernort für globales Zusammenleben in Verschiedenheit (Pastoraltheologische Informationen, 34. Jahrgang, 2/2014), online abrufbar unter: https://www.uni-muenster.de.

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Um Asylsuchenden, Flüchtlingen, Migranten und Opfern von Menschenhandel eine Möglichkeit geben zu können, den Frieden, den sie suchen, zu finden, braucht es eine Strategie, die vier Handlungen miteinander verbindet: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren.

„Aufnehmen“ ruft die Notwendigkeit ins Gedächtnis, die Möglichkeiten zur legalen Einreise auszuweiten, Flüchtlinge und Migranten nicht an Orte zurückzuweisen, wo ihnen Verfolgung und Gewalt drohen, und die Sorge um die nationale Sicherheit mit der Wahrung der grundlegenden Menschenrechte ins Gleichgewicht zu bringen. Die Heilige Schrift erinnert uns: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt! “

„Schützen“ erinnert an die Pflicht, die unantastbare Würde all jener, die vor einer realen Gefahr fliehen und Asyl und Sicherheit suchen, anzuerkennen und zu wahren und ihre Ausbeutung zu verhindern. Ich denke dabei besonders an die Frauen und Kinder, die sich in Situationen befinden, in denen sie Gefahren und Missbrauch bis hin zur Sklaverei ausgesetzt sind. Gott diskriminiert nicht: „Der Herr beschützt die Fremden, er hilft auf den Waisen und Witwen“.

„Fördern“ verweist auf die Unterstützung bei der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung von Migranten und Flüchtlingen. Unter den vielen Mitteln, die dabei helfen können, möchte ich hervorheben, wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu allen Stufen der Bildung zu garantieren. Auf diese Weise können sie nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln und entfalten, sondern sind auch eher in der Lage, auf die Anderen im Geist des Dialogs – nicht der Abschottung und Konfrontation – zuzugehen. Die Heilige Schrift lehrt: Gott „liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung“. Deshalb mahnt sie: „Auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen“.

Integrieren“ bedeutet schließlich, es den Flüchtlingen und Migranten zu ermöglichen, voll und ganz am Leben der Gesellschaft, die sie aufnimmt, teilzunehmen – in einer Dynamik gegenseitiger Bereicherung und fruchtbarer Zusammenarbeit bei der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen in den lokalen Gemeinschaften. So schreibt der heilige Paulus: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“.

Kapitel vier der Papstbotschaft behandelt die Frage nach einer Strategie zur Unterstützung der friedenssuchenden Migranten, Flüchtlinge, Asylsuchenden und Opfer von Menschenhandel. Eine solche Strategie muss, so der Papst, vier Handlungsstränge miteinander verbinden: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren.

In einer Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Forums „Migration und Frieden“ im Februar 2017 hat Papst Franziskus diese Strategie näher erläutert. Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Februar 2016 „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“ veröffentlicht. Wir stellen auch einen Beitrag von Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins zur Verfügung, die Ende 2015 sozialethische Prüfsteine für eine Flüchtlingspolitik formuliert hat.

Weiterführende Texte

Papst Franziskus, Ansprache an die Teilnehmer am Internationalen Forum „Migration und Frieden“, 21. Februar 2017, online abrufbar unter www.vatican.va.

Deutsche Bischofskonferenz, Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge (Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz, Nr. 282, Februar 2016), Broschüre bestellen oder herunterladen

Marianne Heimbach-Steins, Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik. Ethische Prüfsteine (Sozialethische Arbeitspapiere des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften, Nr. 2, November 2015), online abrufbar unter www.uni-muenster.de.

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Geist den Prozess bestimmt, der im Laufe des Jahres 2018 dazu führen wird, dass die Vereinten Nationen zwei globale Pakte definieren und verabschieden – einen für sichere, geordnete und reguläre Migration, den anderen für Flüchtlinge. Als Vereinbarungen auf globaler Ebene stellen diese Pakte einen wichtigen Bezugsrahmen für politische Vorschläge und praktische Maßnahmen dar. Deshalb ist es wichtig, dass sie von Mitgefühl, Weitsicht und Mut inspiriert sind, so dass jede Gelegenheit genutzt wird, den Aufbau des Friedens voranzubringen. Nur so ist es möglich, dass der notwendige Realismus der internationalen Politik nicht dem Zynismus und der Globalisierung der Gleichgültigkeit zum Opfer fällt.

Dialog und Koordinierung stellen tatsächlich eine Notwendigkeit und ureigene Pflicht der internationalen Gemeinschaft dar. Jenseits nationaler Grenzen ist es möglich, dass auch weniger reiche Länder eine größere Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen oder besser aufnehmen können, wenn durch internationale Zusammenarbeit die Bereitstellung der notwendigen Mittel gewährleistet ist.

Die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen hat 20 Handlungsschwerpunkte vorgeschlagen,  die dazu dienen, dass die vier genannten Verben auf politischer Ebene umgesetzt werden, ebenso wie in der Einstellung und im Handeln der christlichen Gemeinschaften. Diese und andere Beiträge möchten das Interesse der katholischen Kirche an dem Prozess, der zur Anwendung der beiden globalen Pakte der Vereinten Nationen führt, zum Ausdruck bringen. Dieses Interesse spiegelt eine allgemeinere pastorale Fürsorge wider, die mit der Kirche entstanden ist und die sich durch zahlreiche Werke bis in unsere Tage fortsetzt.

Im Jahr 2018 wollen die Vereinten Nationen zwei globale Pakte verabschieden, die sich mit Migration und Flucht befassen. Der Papst nimmt im fünften Kapitel seiner Botschaft darauf Bezug und unterbreitet Vorschläge zu einer künftigen globalen Migrationspolitik.

Die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge im Dikasterium des Heiligen Stuhls für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen hat diesen Vorschlag in 20 Handlungsschwerpunkten konkretisiert, die sich auf die globalen Pakte beziehen. Sie sind im Folgenden in einer Lang- und einer Kurzversion aufrufbar. Auf einen der beiden Pakte, den Globalen Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration, geht Dr. Steffen Angenendt in einem kurzen Beitrag näher ein.

Weiterführende Texte

Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen (Abteilung für Migranten und Flüchtlinge), Antworten auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten. 20 Handlungsschwerpunkte für die Global Compacts, November 2017, online abrufbar auf der Internetseite Flüchtlingshilfe.

Dies., Antworten auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten. 20 pastorale Handlungsschwerpunkte, ebenfalls online abrufbar auf der Internetseite Flüchtlingshilfe.

Steffen Angenendt, Der Globale Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration. Offene Fragen und Perspektiven (Stiftung Entwicklung und Frieden (Hrsg.), Global Governance Spotlight, 3/2017), online abrufbar unter www.sef-bonn.org.

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft:

Die Worte des heiligen Johannes Paul II. inspirieren uns: „Wenn viele den ,Traum‘ von einer Welt des Friedens teilen und der wertvolle Beitrag von Migranten und Flüchtlingen geschätzt wird, dann kann die Menschheit mehr und mehr zur Familie aller und unsere Welt zum wahren ,gemeinsamen Haus‘ werden. “ Viele in der Geschichte haben an diesen „Traum“ geglaubt und wie viele haben Zeugnis dafür abgelegt, dass es sich dabei nicht um eine unrealisierbare Utopie handelt.

Zu ihnen muss die heilige Franziska Xaviera Cabrini gezählt werden, die 2017 ihren hundertsten Todestag hat. Heute, am 13. November, wird von vielen kirchlichen Gemeinschaften ihr Gedenktag gefeiert. Diese kleine großartige Frau, die ihr Leben dem Dienst der Migranten widmete und dann ihre Patronin im Himmel wurde, hat uns gelehrt, wie wir diese unsere Brüder und Schwestern aufnehmen, beschützen, fördern und integrieren können. Auf ihre Fürsprache möge der Herr uns allen gewähren, diese Erfahrung zu machen: „Die Frucht der Gerechtigkeit wird in Frieden für die gesät, die Frieden schaffen.“

Abschließend weitet Papst Franziskus die Perspektive seiner Botschaft, indem er Papst Johannes Paul II. zitiert. Dieser war überzeugt davon, dass die Welt zum wahren gemeinsamen Haus und die Menschheit mehr und mehr zur Familie aller werden können, wenn viele den Traum von einer Welt des Friedens teilen. „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ war der Titel der Enzyklika Laudato siʼ von Papst Franziskus, die den Gedanken des Weltgemeinwohls neu erschließt.

Weiterführende Texte

Papst Franziskus, Enzyklika Laudato siʼ, Broschüre bestellen oder herunterladen