Kirche von A-Z

Heilige

Heilige sind – religionsgeschichtlich betrachtet – lebende, verstorbene oder mythische Persönlichkeiten, die den Maßstäben der jeweiligen Religion in weit überdurchschnittlichem Umfang genügen. Oft werden sie kultisch verehrt. Aus christlicher Sicht wurde diese Ehre zunächst den Märtyrern (erstmals Polykarp von Smyrna, + 156 n. Chr.) zuteil.

Heilige spielen eine zentrale Rolle als Vorbilder christlichen Lebens. Sie sind Adressaten, an die man sich mit einer Fürbitte wenden kann. Damit ein Mensch heiliggesprochen werden kann, muss zunächst eine Vorstufe, der häufig langwierige Prozess der Seligsprechung, durchlaufen werden. Ausgangspunkt ist der Antrag einer Diözese oder Ordensgemeinschaft. In seinem Verlauf wird vor allem die Lebensführung des betreffenden Menschen geprüft.

Darüber hinaus ist ein in einem getrennten Verfahren zu belegendes, auf die Fürsprache des Seligen zurückzuführendes Wunder erforderlich (außer bei Märtyrern). Nach erfolgter Seligsprechung liegt es im alleinigen Ermessen des Papstes, ob er später die Kanonisation (= Heiligsprechung) vornimmt.

Der Protestantismus kennt weder Selig- noch Heiligsprechungsprozesse, da für Protestanten der Lehrsatz Martin Luthers gilt, der Mensch sei „simul iustus et peccator“ (lat. „zugleich gerecht und Sünder“). Der Mensch kann aus dieser Sichtweise heraus nie ganz ohne Sünde sein und damit niemals heilig.


Heiliges Jahr

Die Idee des Heiligen Jahres geht auf Papst Bonifaz VIII. zurück, als er für das Jahr 1300 ein besonderes, zunächst nur für die Römer gedachtes Pilgerjahr ausrief. In der Einberufungsbulle, die den Beginn auf den 22. Februar 1300 datiert, sind allerdings noch nicht die Begriffe „Heiliges Jahr“ bzw. „Jubeljahr“ verwendet worden.

Der Rhythmus der Heiligen Jahre war von Beginn an Schwankungen unterworfen. Bonifaz VIII. legte ihn auf alle 100 Jahre fest, schon bald folgten Änderungen auf einen Abstand von 50 und 33 Jahren. Papst Paul II. legte 1470 endgültig den Rhythmus auf 25 Jahre fest. Das letzte, 26. Heilige Jahr wurde im Jahr 2000 gefeiert.
Die Tradition des Heiligen Jahres orientiert sich an der alttestamentlichen Tradition des „Jobeljahres“ (Jubeljahres). Jedes siebte Jahr galt als Sabbatjahr, nach sieben mal sieben Jahren war das folgende Jahr (also das 50. Jahr) ein Jubeljahr, in dem die Heilsgeschichte Gottes einen neuen Anfang machte.

Die Heilige Pforte in Rom spielt seit dem Heiligen Jahr 1400 eine wichtige Rolle. Damals wurde eine solche Pforte für die Bischofskirche des Bischofs von Rom, die Lateranbasilika, erwähnt. In einem Brief aus der Zeit heißt es: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und Sündenstrafen nachgelassen. Es ist ein Wunder, das die Menschen erleben ...“. Die Heilige Pforte wurde bald auf alle vier Papstkirchen in Rom (S. Maria Maggiore, S. Paolo fuori le mura und S. Pietro in Vaticano) ausgedehnt. Durch diese Pforte sollen die Pilger die „Schwelle“ überschreiten, um sich mit Gott zu versöhnen.

Papst Johannes Paul II. hat die Möglichkeit Außerordentlicher Heiliger Jahre eingeführt. Zuletzt rief Papst Franziskus 2015/2016 das Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit aus.


Heiligsprechung

Die Heiligsprechung ist die feierliche und endgültige Erklärung einer verstorbenen Person zu einem Heiligen. Als Heiliger darf die Person verehrt und um seine Fürbitte bei Gott angerufen werden. Der Heilige wird also nicht angebetet, sondern er wird um Fürbitte gebeten. Der Heiligsprechung geht die Seligsprechung voraus, ebenso wie ein kirchenrechtlich geordnetes Verfahren. Dieses Heiligsprechungsverfahren wird von der Vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen geleitet. Die Heiligsprechung ist wie die Seligsprechung ein eigener liturgischer Akt, der dem Papst vorbehalten ist. Papst Franziskus hat in seinem Pontifikat damit begonnen, die Seligsprechung verstärkt durch die Bischöfe in den jeweiligen Ortskirchen durchführen zu lassen.


Herz-Jesu-Verehrung

Dann ist das Leben am vollsten und schönsten, wenn, wie man sagt, „uns das Herz aufgeht“, dann findet sich liebevoller Zugang zu allem. Man sagt „Herz“ und meint die ganze Offenheit und Zuwendung. Herz ist ein Urwort – auch in der Bibel. So fand die Frömmigkeit über die Meditation des Lebens Jesu und sein am Kreuz durchstoßenes, geöffnetes Herz zur Herz-Jesu-Verehrung.

Eine Welle von Impulsen bekam sie im 13./14. Jahrhundert durch Mechtild von Magdeburg, Gertrud von Helfta und Heinrich Seuse, eine weitere im 14./15. Jahrhundert durch die „Devotio moderna“. Im 17. Jahrhundert war Jesus gottmenschliche Liebe Thema im „goldenen Zeitalter der französischen Mystik“. Margareta Maria Alacoque (1647-1690) propagierte den monatlichen Herz-Jesu-Freitag und das Herz-Jesu-Fest (Freitag in der 3. Woche nach Pfingsten), das 1765 für die ganze Kirche erlaubt, 1856 vorgeschrieben wurde. Es war damals die Überwindung des Jansenismus, dann die des Rationalismus in der Religiosität. Die unberührbare Gerechtigkeit im ersteren wie die klare, kühle Vernunft im zweiten haben ihren Sinn und Ort, aber das Leben fließt anderswoher, aus der Barmherzigkeit und Zuwendung, dem uns offenen Herzen Jesu, auch heutzutage.

Mit Material von Schwester Johanna Johanna Domek OSB, vgl. Liturgisches ABC, Bonifatius-Verlag 2004


Hilfswerke

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs erfuhren die Deutschen, wie sehr sie die Hilfe anderer Völker benötigten und trotz historischer Schuld auch erhielten. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelten die deutschen Bischöfe in den fünfziger Jahren den Gedanken, den armen Ländern der südlichen Erdhälfte eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anzubieten, um existentielle Nöte der Menschen und soziale Ungerechtigkeiten zu mildern oder zu beseitigen. Sie gründeten Hilfswerke wie Misereor und Adveniat, in den 1990er Jahren zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken auch Renovabis. So trat die kirchliche Entwicklungsarbeit neben die traditionsreiche Unterstützung der pastoralen Arbeit in den Missionsländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien. Entsprechend ihrer jeweiligen Geschichte sind die großen katholischen Hilfswerke unterschiedlich strukturiert und mandatiert. Doch sie alle verbindet nur eine Sendung, der sie mit verschiedenen regionalen oder thematischen Fokussierungen nachgehen. Siehe dazu die Broschüre Die eine Sendung und die vielen Dienste. Die deutschen Bischöfe Nr. 65 (Bonn 2000).

Neben der Förderung von Projekten sind die Hilfswerke gemäß ihrer jeweiligen Aufträge in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der politischen Lobbyarbeit aktiv. Sie werben in Kirche und Gesellschaft für eine tatkräftige Solidarität mit den Armen in der Einen Welt und sind damit auch ein wichtiges Sprachrohr der kirchlichen Sozialverkündigung.

Unabhängige Prüfungen bescheinigen den kirchlichen Hilfswerken eine effiziente und transparente Arbeit sowie niedrige Verwaltungskosten. Auf ihren Internetseiten und im Jahresbericht Weltkirche informieren die Hilfswerke regelmäßig über ihre Arbeit.

Weitere Informationen: Internetportal Weltkirche

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Hirtenbrief

Unter einem Hirtenbrief versteht man das Schreiben eines Erzbischofs oder Bischofs an die Gläubigen seiner Diözese. Klassische Hirtenbriefe schreiben Bischöfe häufig zur Advents- oder Fastenzeit oder zu bestimmten Anlässen.

Hirtenbriefe sind ein pastorales Kommunikationsmittel, das eine gewisse thematische Schwerpunktsetzung ermöglicht. Auch der Papst verfasst Hirtenbriefe zu bestimmten Anlässen und an bestimmte Personengruppen.


Hochgebet

„Das Hochgebet, das seinem Wesen nach gleichsam der Höhepunkt der Messfeier ist, hat als Danksagungs- und Heiligungsgebet den Sinn, dass sich die ganze Versammlung der Gläubigen mit Christus verbindet im Bekenntnis der Großtaten Gottes und in der Darbringung des österlichen Opfers“ (Prot CD 511/91), heißt es in einem römischen Dekret von 1991. Das Hochgebet beginnt mit der Präfation und schließt mit der großen Doxologie („Durch ihn und mit ihm und in ihm ...“), die alle mit ihrem „Amen“ bekräftigen.

Weil es da um Mitte und Höhepunkt christlichen Gottesdienstes geht, sollten – bei allem Sinn für Verschiedenheit – subjektiv formulierte Hochgebete vermieden und die von der Kirche vorgegebenen Texte gebraucht werden.

Vier verschiedene Hochgebete sind die gebäuchlichsten. Das erste, der sogenannte „Römische Kanon“, geht auf ein kurzes Hochgebet Hippolyts (3. Jahrhundert) zurück, das aber sehr erweitert wurde, und es war bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil seit eineinhalb Jahrtausenden das in der römischen Liturgie allein übliche. – Das zweite Hochgebet ist ebenfalls ein umgestalteter Text, der auf Hippolyt zurückgeht. – Das dritte, sehr kurze Hochgebet ist nach dem Konzil neu geschaffen worden, in ihm klingt das Opfermotiv immer wieder an. – Das vierte, ebenfalls neue Hochgebet mit Anklängen an die Basilius-Liturgie ist ein dankender Lobpreis für Gottes Heilstaten von der Schöpfung an bis zur Erlösung und Geistsendung. – Zu diesen vier kommen noch einige Hochgebete für Messfeiern bei besonderen Anlässen, zum Beispiel für eine Messe mit Kindern, oder zu besonderen Themen wie Versöhnung oder Einheit der Christen.

Mit Material von Schwester Johanna Johanna Domek OSB, vgl. Liturgisches ABC, Bonifatius-Verlag 2004


Holocaust

Der Holocaust oder die Shoah war der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen europäischen Juden. Die ersten Massenmorde und Deportationen begannen 1939 kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen. Zwischen 1941 und 1945 haben Deutsche und ihre Helfer die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in ihrem Einflussbereich systematisch und mit industriellen Methoden durchgeführt mit dem Ziel, das jüdische Volk zu vernichten. Grundlage dieses einzigartigen Menschheitsverbrechens war die nationalsozialistische Ideologie und ihr rassistischer Antisemitismus, der nach der Machtergreifung 1933 staatlich propagiert sowie in der Gesetzgebung und im politischen Handeln umgesetzt wurde.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Kirche intensiv mit ihrer Verantwortung während des Holocaust und dem christlichen Antijudaismus auseinandergesetzt.


Hostie

Die Hostie (von lat. hostia = Opfer) ist eine Oblate aus reinem Weizenmehl und Wasser, die bei der heiligen Messe (vgl. Eucharistie) konsekriert, d. h. in den Leib Christi verwandelt wird.


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