| Pressemeldung | Nr. 077

Bischof Bätzing eröffnet Wallfahrt in Kevelaer mit öffentlichem Gottesdienst

Appell für Lebensschutz und ein Sterben in Würde

Die Kevelaerer Wallfahrtszeit ist heute (1. Mai 2020) mit einem Gottesdienst durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, eröffnet worden. Bereits vor längerer Zeit hatte die Wallfahrtsleitung den Limburger Bischof zu diesem Gottesdienst eingeladen. Angesichts der Corona-Pandemie und ersten Lockerungen für Gottesdienste ist die Eröffnung der Wallfahrt in Kevelaer eine der ersten öffentlichen größeren Eucharistiefeiern, an der 150 Gläubige in der Basilika teilnehmen konnten.

In seiner Predigt würdigte Bischof Bätzing die vielen kreativen Ideen, die in den vergangenen Wochen in Familien und Gemeinschaften entstanden seien, als die Messe nicht zusammen gefeiert werden konnte. Die kleinen Zeichen hätten „tragende“ Bedeutung bekommen, „denn sie trugen und tragen weiterhin viele Menschen in dieser so anspruchsvollen Zeit eingeschränkter Sozialkontakte und solidarischer Sorge um die besonderen Risikogruppen“.

Bischof Bätzing ging insbesondere auf das fast 400 Jahre alte Gnadenbild von Kevelaer ein, das eine Muttergottes mit Kind und königlichen Kronen zeigt. „Corona“ heiße Krone. „Diesen Namen trägt eine Gruppe von viralen Krankheitserregern seit 1968, weil sie unter dem Elektronenmikroskop mit ihren Fortsätzen auf der kugelförmigen Hülle wie von Kronen oder einem Strahlenkranz geschmückt aussehen. Diese gefährliche Krankheit zeigt eine trügerische Hoheit. Und nicht selten ist es so. Was überaus anziehend und verlockend daherkommt, entpuppt sich manchmal im Leben als großer Schaden, ob es materieller Besitz ist, besonders attraktiv scheinende Ideen und Ideologien sind, Angebote in Werbung und Medien und vieles andere“, so Bischof Bätzing. „Die Krone dieses Virus ist eine Plage der Menschheit. Wie eine Dornenkrone hat sie sich auf unser Leben gelegt und verursacht so viel Leid, Tod, Ängste und Unheil. Das alles wird uns über Jahre und Jahrzehnte belasten.“

In diesen Wochen, so Bischof Bätzing, werde viel geweint, beispielsweise um die Schwerkranken auf den Intensivstationen und die Sterbenden, die ihren letzten Weg unbegleitet gehen mussten. Für ihn sei der Mantel Mariens auf dem Gnadenbild von großer Signalwirkung, denn es gehe darum, den Schwächsten menschliche Zuwendung und Geborgenheit zu schenken, sie „mit dem ‚Pallium‘ zu umhüllen, ihnen mit palliativer Sorge zu helfen auf dem letzten Lebensabschnitt. Den Sterbenden alle nötige Hilfe an schmerzlindernder Medizin und stärkender menschlicher Begleitung und Seelsorge zukommen zu lassen: Das ist und bleibt unsere christliche Antwort auch auf den manchmal aus Verzweiflung geäußerten Wunsch, langes und unerträgliches Leiden beenden zu wollen“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Kritik übte Bischof Bätzing am Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020, mit dem die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe für rechtens erklärt wurde. Das erschüttere ihn und stelle einen „tiefen Einschnitt in die Rechtskultur und die ethischen Grundwerte unseres Landes dar. Galt bislang das Recht des Lebens als oberstes Prinzip und der Schutz des Lebens als vornehmste Pflicht des Staates, so wird nun die autonome Selbstbestimmung des Menschen darüber gestellt und die Selbsttötung sozusagen zum Inbegriff der Autonomie des Menschen, die von Staat und Gesellschaft zu respektieren sei“. Das Urteil fordere  Christinnen und Christen heraus, „ganz entschieden für die Heiligkeit und Unverfügbarkeit des Lebens einzutreten, für das Lebensrecht der Schwachen, Kranken, Leidenden und Sterbenden. Sie haben Lebensanspruch und Lebensrecht bis zum letzten Atemzug“. Bischof Bätzing betonte, dass auch das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen ein hohes Gut sei. Dem Respekt vor dem menschlichen Leiden und vor freien Entscheidungen werde dadurch viel eher entsprochen, wenn menschenwürdiges Leben bis zum Ende und damit menschenwürdiges Sterben möglich blieben. „Darum werden wir unseren Einsatz für die Palliativmedizin und die Hospizarbeit verstärken und gegen allen ökonomischen Kostendruck dafür öffentlich eintreten“, betonte Bischof Bätzing. „Der weite Mantel menschlicher Fürsorge ist bei weitem der sicherste Raum für menschliches Leben und Sterben in Würde. Das ist in dieser Zeit vielleicht die wichtigste Botschaft des Gnadenbildes von Kevelaer.“

Hintergrund

Die Wallfahrt in Kevelaer geht auf das Jahr 1642 zurück. Der Leitgedanke der diesjährigen Wallfahrtssaison ist dem Buch Exodus des Alten Testamentes nach einer Übersetzung von Martin Buber entnommen: „Ich bin, wo Du bist!“ (Ex 3,14). Informationen zur Wallfahrt unter www.wallfahrt-kevelaer.de.

Hinweise:

Die Predigt von Bischof Dr. Georg Bätzing ist unten als pdf-Datei verfügbar.