| Pressemeldung | Nr. 076

Deutsche Bischofskonferenz veranstaltet Hearing beim Katholikentag in Münster

„Im Heute glauben – Der Beitrag der katholischen Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft“

© KNA
Hearing unter dem Leitwort „Im Heute glauben – Der Beitrag der katholischen Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft“ beim Katholikentag in Münster am 11. Mai 2018

Erstmals hat die Deutsche Bischofskonferenz eine eigene Veranstaltung auf einem Katholikentag durchgeführt. Mehr als 300 Teilnehmer nahmen heute (Freitag, 11. Mai 2018) an einem Hearing unter dem Leitwort „Im Heute glauben – Der Beitrag der katholischen Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft“ teil. Mit dem Hearing wurde das Leitthema des mehrjährigen Gesprächsprozesses der Kirche in Deutschland aufgegriffen, der 2011 begann und im Jahr 2015 seinen Abschluss fand.

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Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), der zum Vorbereitungsteam des Gesprächsprozesses gehört, erläuterte das Hearing als Beitrag zur Vorbereitung und inhaltlichen Schärfung eines weiteren Treffens innerhalb des Gesprächsprozesses im kommenden Jahr. „Wir haben erfahren, dass es hilfreich und förderlich ist, miteinander nachzudenken, aufeinander zu hören und sich gemeinsam auf den Weg in die Zukunft zu machen“, so Bischof Overbeck.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, hob aktuelle Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor, an dem sich die Kirche aktiv beteilige. Dazu gehöre der Umgang mit Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, die Klimaveränderung, die Situation von jungen Familien und nicht zuletzt Fragen des Lebensschutzes und der Bioethik. „Diesen Herausforderungen begegnen wir in einer Welt, die immer schneller, globaler und digitaler geworden ist. Als Christen sind wir aufgerufen, kompromissfähige politische Lösungen dafür zu finden, die nachhaltig, solidarisch und gerecht sind. Der Dialog ist dabei für uns mehr als nur eine Frage der Kommunikation. Die Herausforderung zum Dialog erwächst für uns aus der Mitte unseres Glaubens heraus“, so Sternberg.

Der Jenaer Soziologieprofessor Dr. Hartmut Rosa erläuterte anhand des Begriffes „Resonanz“ die inner- und außerkirchlichen Beziehungen: „Der Grund aller Religion ist ein Resonanzverhältnis und ein Versprechen. Ein Verhältnis zwischen Gott und Mensch, zwischen Kirche und Welt. Und es ist ein Versprechen wie es beim Propheten Jesaja heißt: ‚Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein‘.“ Die Kirche verfüge über Texte, Theorien und Diskurse. „Das bedeutet: Die Ressourcen des Glaubens müssen entdeckt werden. Der Glaube erzeugt Resonanz – in der Kirche und in der Gesellschaft“, so Professor Rosa.

In der Diskussion hatten die Teilnehmer die Möglichkeit zum Austausch wie sich Kirche vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen gestaltend einbringen kann. Dabei ging es um die Frage kirchlicher Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, gegen Formen der Ausgrenzung und um die Zusage Gottes, dass jeder Mensch angenommen sei wie er ist. Das Hearing wandte sich gegen jede Form der Abwendung der Kirche von der Welt, sondern betonte den Weltdienst der Gläubigen, so wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert habe. Der kommunikative Auftrag der Kirche müsse neu erkannt werden: Welche Formen der Kommunikation verwendet die Kirche, wo ist sie hörbar und wie ist der kommunikative Umgang untereinander, das waren weitere Fragen. Das Ehrenamt spiele in der Zukunft der Kirche eine unverzichtbare Rolle, wenn die Kirche Resonanz nach innen und außen verantwortlich wahrnehmen wolle.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief dazu auf, einer weiteren Fragmentarisierung der Gesellschaft vorzubeugen. „Welchen Beitrag können wir als Kirche dazu leisten, das muss die Frage der Zukunft sein“, so Kardinal Marx. Kirche und Gesellschaft seien nicht zwei topographisch getrennte Räume, sondern sie gingen ineinander über. „Wenn wir der Gesellschaft zeigen wollen wie man gut zusammenarbeitet, zusammenhält und auch eine gewisse plurale Breite an Themen wagt und stattdessen ein zerstrittenes Bild abgeben, dann ist das keine gute Voraussetzung. Wir müssen ein Zeugnis der Gemeinsamkeit in die Gesellschaft hineingeben, mit einer mutigen und offenen Kommunikation.“ Dazu gehöre auch die Frage nach Gott. „Finden wir einen gemeinsamen Weg, Gott in der Gesellschaft präsent zu machen? Das sollte eines unserer Ziele sein“, sagte Kardinal Marx.


Hinweise:

Das Hearing dient der Vorbereitung der Jahresveranstaltung „Im Heute glauben“, die am 13./14. September 2019 in Fulda stattfinden wird. Das Hearing wird in den kommenden Wochen auf www.dbk.de dokumentiert.

Der Verlauf des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz ist bereits dokumentiert auf der Themenseite „Gesprächsprozess“ sowie in der Broschüre zum Abschluss des Prozesses Überdiözesaner Gesprächsprozess „Im Heute glauben“ 2011–2015 – Abschlussbericht, die unter Publikationen als Broschüre bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden kann.

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