| Aktuelle Meldung | Nr. 001

Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz im Gespräch mit Zartbitter e. V.

Gespräch über Missbrauch in Familien

Die Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz hat sich zum Thema ‚Missbrauch in Familien‘ informieren lassen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Hilfe Familien zukommen kann, deren Kinder von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Dazu war die langjährige Leiterin von Zartbitter e. V. Köln, Ursula Enders, eingeladen. Zartbitter ist eine der ältesten Kontakt- und Informationsstellen gegen sexuellen Missbrauch in Deutschland.

Der Vorsitzende der Familienkommission, Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin), unterstrich die Notwendigkeit einer gründlichen Information über die Situationen sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen im familiären Umfeld. Nur so könne die Präventionsarbeit in den Familien und die Betreuung der Betroffenen optimiert werden. „Dabei liegt es nahe, auf das jahrzehntelange Know-how des Vereins Zartbitter zurückzugreifen, mit dem auch die katholische Kirche immer wieder zusammenarbeitet.“

Ursula Enders betonte, dass seit den 80-er Jahren sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im familiären Umfeld verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt wird. Während zunächst Väter als potentielle Täter in den Blick genommen wurden, erweiterte sich das Täterbild bald auf Frauen als Täterinnen. Außerdem rückte die organisierte sexuelle Ausbeutung von Kindern, etwa für gewerbsmäßige Pornoproduktionen, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Außerdem wurde der organisierten digitalen sexuellen Ausbeutung im Internet mehr Beachtung gewidmet. Zunehmend spielt die sexualisierte Peergewalt eine Rolle, worunter sexuelle Handlungen durch Kinder und Jugendliche gleichen Alters verstanden werden. „In den Präventionsprogrammen von Kirche muss das Thema sexualisierter Übergriffe durch Kinder und Jugendliche stärker berücksichtigt werden“, hob Ursula Enders hervor.

Im engeren Kontext der Familie geht Missbrauch am häufigsten von Familienmitgliedern aus, die einen direkten Erziehungsauftrag haben und für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig sind, von Vätern, Müttern, Stief- oder Pflegevätern oder Lebensgefährten der Mütter, weniger häufig von Geschwistern, Onkel, Tanten und Großeltern und Freunden der Familie. Es existiert jedoch in Deutschland noch keine umfassende seriöse Forschung zu der Frage „Missbrauch in Familien“.