| Pressemeldung | Nr. 153

Interkulturelle Woche 2020 mit ökumenischem Gottesdienst in München eröffnet

„Zusammen leben, zusammen wachsen.“

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom „Zu Unserer Lieben Frau“ (Frauenkirche) in München ist heute (27. September 2020) die 45. Interkulturelle Woche (IKW) eröffnet worden. Der ökumenische Gottesdienst wurde unter anderem gestaltet vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie dem Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, und Metropolit Augoustinos von Deutschland, Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz.

In seiner Einführung in den Gottesdienst erinnerte Kardinal Marx an den 40. Jahrestag des Attentats auf das Münchner Oktoberfest vor 40 Jahren, am 26. September 1980: „Dreizehn Menschen starben, viele Verletzte leiden bis heute, der Schock über diesen Terroranschlag ist in dieser Stadt immer noch groß. Heute wissen wir um den rechtsradikalen Hintergrund, den Fremdenhass, den menschenverachtenden Nationalismus, die dieses Verbrechen angetrieben haben. Dieser Gottesdienst und diese Interkulturelle Woche sollen auch ein Zeichen sein gegen Hass, Antisemitismus, die Verachtung anderer, nationalistische Hetze. Wir Christen wissen, wo wir stehen müssen: bei denen, die aufstehen gegen jeden Hass und gegen Rassismus und menschenverachtendes Reden und Handeln“, so Kardinal Marx.

In seiner Predigt knüpfte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm an das Leitwort der Interkulturellen Woche an. Er verstehe das Motto „Zusammen leben, zusammen wachsen“ als einen Prozess des Lernens und Teilens. „Wir alle sind Teil der Menschheitsfamilie, die mit Vielfalt und Verschiedenheit beschenkt ist, aber gemeinsam unterwegs ist“, so Bedford-Strohm. „Aber: Wir sind noch längst nicht am Ziel. Misstrauen, Hass und Gewalt bedrohen das, was unsere Vielfalt auszeichnet. Wir erleben Rassismus und Ausgrenzung von Menschen auf eine Weise, die wir uns nicht haben vorstellen können, in unserem Land, in Europa und an seinen Grenzen. Als Christinnen und Christen stellen wir uns an die Seite derer, die in Gefahr sind.“ Die Veranstaltungen der IKW und der Einsatz und die Kreativität von so vielen Menschen im ganzen Land seien „ein Leuchtfeuer für das, was wir sein können: eine Gemeinschaft der vielen, für die jeder gleichermaßen wichtig ist. Ich möchte deshalb dem Motto ‚Zusammen leben, zusammen wachsen‘ ein Drittes hinzufügen: ‚Beieinander bleiben.‘ Das ist heute dringend notwendig. Dazu ruft Gott uns, und dazu gibt er uns auch die Kraft“, sagte Bedford-Strohm.

Im Gemeinsamen Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2020 haben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, Landesbischof Bedford-Strohm, und Metropolit Augoustinos auf die besondere Umstände hingewiesen, unter denen die  diesjährige Interkulturelle Woche stattfindet: „Die Coronavirus-Pandemie hat unseren Alltag und das Leben von Menschen weltweit in drastischer Weise verändert. Die unmittelbaren Auswirkungen der Ausbreitung des Virus und entsprechende Schutzmaßnahmen stellen uns alle vor große Herausforderungen. Sie erfordern ständig neue, sorgsame Überlegungen und Entscheidungen, die unter Bedingungen der Unsicherheit getroffen werden müssen. Dabei wird uns deutlich, wie lebensnotwendig eine solidarische Grundhaltung in unserer Gesellschaft ist.“

Im Anschluss an den Eröffnungsgottesdienst fand ein Empfang mit anschließender Gesprächsrunde zum Thema „Bedrohte Demokratie?! – 40 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat“ statt. Teilnehmer waren der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der die Nebenkläger im NSU-Prozess vertrat, die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız , die mit „NSU 2.0“ unterzeichnete Drohbotschaften erhalten hatte, sowie die Projektsekretärin der DGB-Jugend Region München, Magdalena Siebert, deren Organisation sich schon lange für das Gedenken an die Opfer des Oktoberfest-Attentats in München einsetzen. In dem Eröffnungsgottesdienst war zuvor ein Kunstwerk des Münchner Künstler-Ehepaares Anna und Andreas Eichlinger vorgestellt worden, das sich mit dem Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980 auseinandersetzt und als Mahnmal konzipiert ist.


Hintergrund

Die bundesweit jährlich stattfindende Interkulturelle Woche (IKW) ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 Ende September statt und wird von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. In mehr als 500 Städten und Gemeinden gibt es rund 5.000 Veranstaltungen. Der vorgeschlagene Zeitraum für die IKW 2020 ist 27. September bis 4. Oktober. Der von Papst Franziskus ausgerufene Welttag des Flüchtlings und des Migranten am 27. September 2020 sowie der nationale „Tag des Flüchtlings“, dieses Jahr am 2. Oktober, sind Bestandteile der Interkulturellen Woche.


Hinweise:

Das Gemeinsame Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2020 ist unten sowie auf www.ekd.de als pdf-Datei verfügbar.

Für die Vorbereitung der Interkulturellen Woche hat der Ökumenische Vorbereitungsausschuss eine Reihe von Materialien erstellt, die unter www.interkulturellewoche.de bestellt werden können. Dort finden Sie auch weitere Informationen.