| Pressemeldung

Stellungnahme der Vollversammlung zur Lage der Christen in Pakistan

Der tragische Tod von Bischof John Joseph von Faisalabad in Pakistan, der sich aus Protest gegen die Blasphemiegesetze vor einem Gerichtsgebäude das Leben genommen hat, hat die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für einen viel zu kurzen Augenblick auf die Lage der religiösen Minderheiten in Pakistan gelenkt. Christen, Hindus und nicht zuletzt die muslimische Minderheit der Ahmadis leiden unter Benachteiligung, Verfolgung und wachsender Gewaltbereitschaft im Zeichen eines vermeintlich religiös motivierten Extremismus.
Wir fordern sehr nachdrücklich, daß alle Gesetze, die Handhabe für die Diskriminierung und Drangsalierung der religiösen Minderheiten in Pakistan bieten - insbesondere die Artikel 295 B und C des Strafgesetzbuches, auf deren Grundlage als beleidigend betrachtete Äußerungen über den Propheten Mohammed mit dem Tode zu bestrafen sind -, korrigiert bzw. aufgehoben werden.
Im Hinblick auf den derzeit unternommenen Versuch, Koran und Sunna zur unmittelbar geltenden höchsten Rechtsnorm im Lande zu machen, teilen wir die von protestantischen und katholischen Christen im Lande öffentlich zum Ausdruck gebrachte Sorge, daß dies die Lage der religiösen Minderheiten weiter erschweren und auch die Rechtsstellung der Frauen weiter schwächen werde. Im Namen von Bischof Bonaventure Paul, der Bischof Joseph als Vorsitzender der pakistanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden nachgefolgt ist, erinnern wir an den Gründervater des pakistanischen Staates, Quaid-e-Asan Mohammad Ali Jinnah, der die Rechtsgleichheit aller Staatsbürger ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zu Kasten, zu ethnischen Gruppen oder zu Religionsgemeinschaften gefordert hat.
Die Bundesregierung und alle Politiker, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit Pakistan Einfluß ausüben können, fordern wir auf, die demokratisch gewählte Regierung des Landes verstärkt an ihre Verpflichtung zur Wahrung der Menschenrechte zu erinnern.